Was vom Tage übrig blieb

Ressourcen, Rechtsklicks und Retro-Wahlkampf

Künstler:innen erforschen eine neue Wissensordnung jenseits von Gewinnen. US-Behörden nehmen ganz ohne krasse Überwachungstools die größte Kindesmissbrauchs-Seite im Darknet hoch und Trump liegt beim Anzeigenwettlauf um Wähler:innen im Netz jetzt schon vorne. Die besten Reste des Tages.

Ein schmaler Streifen Abendröte.

Netz-Projekte als digitale Allmende (Zündfunk Generator)
„Wir können uns fast nicht mehr vorstellen, dass Kommunikation anders stattfinden kann, als das von Facebook, Twitter und anderen Sozialen Medien angeboten wird,“ sagt der Medien- und Kulturwissenschaftler Felix Stalder. Gemeinsam mit den Künstlerinnen Cornelia Sollfrank und Susha Niederberger untersucht er unter dem Titel „Creating Commons“ künstlerische Projekte, die frei nutzbare Ressourcen zur Verfügung stellen. In der Berliner Panke Gallery konnte man kürzlich Einblicke in ihre Forschung und die untersuchten Projekte bekommen. Der Podcast „Zündfunk Generator“ des Bayerischen Rundfunks widmet dieser Ausstellung seine aktuelle Ausgabe. Sehr hörenswert, weil man dadurch nicht nur spannede Projekte kennenlernt, sondern vor Augen geführt bekommt, wie eine Wissensordnung aussehen könnte, wenn sie nicht an Kapitalinteressen, sondern am Gemeinwohl orientiert ist.

Trump Campaign Floods Web With Ads, Raking In Cash as Democrats Struggle (New York Times)
Verlieren die Demokraten auch die nächste US-Präsidentenwahl? Den Wettlauf um die Wähler:innen im Netz gewinnt bisher offenbar Amtsinhaber Donald Trump. Sein Team überschwemmt Facebook und Youtube mit Werbung, während der bisherige demokratische Favorit Joe Biden sein Budget von Online-Anzeigen auf TV-Spots umschichtet, berichtet die New York Times. Trump setzt in erster Linie auf hochgradig emotionalisierende Werbung und nutzt die meisten Spots für weiteres Fundraising – eine sich selbst befeuernde Maschine. In die Hände spielt Trump dabei die Entscheidung von Facebook, Posts und gesponserte Inhalte von Politiker:innen auch dann nicht zu entfernen, wenn diese nachweislich Falschinformationen verbreiten (selbst wenn Chef-Lobbyist Nick Clegg kürzlich etwas anderes behauptete).

Wie eine der größten Kinderporno-Plattformen des Darknets aufflog (Süddeutsche Zeitung)
Am Ende brauchte es keine Backdoor zu Messengern und keinen Staatstrojaner: US-Behörden haben eine der größten Websites für Kindesmissbrauch im Netz hochgenommen und ihre Wunderwaffe dabei war: ein Rechtsklick. Er offenbarte eine IP-Adresse im Quelltext, die der 23-jährige südkoreanische Betreiber der Site „Welcome to Video“ offenbar übersehen hatte. Wie die Ermittler*innen danach vorgingen, warum die ganze Aktion erst jetzt bekannt wurde und warum Bitcoins nicht so irrsinig anonym sind wie manchmal angenommen, das hat Max Hoppenstedt für die Süddeutsche sehr anschaulich aufgeschrieben. Der Fall zeigt auch: Manchmal ist die beste journalistische Entscheidung, eine Geschichte nicht zu bringen. Nur weil ein Tech-Crunch-Journalist, der 2017 auf den Fall aufmerksam wurde, die Polizei verständigte statt zu berichten, konnten anschließend der Betreiber und Hunderte Nutzer der Site auf der ganzen Welt verhaftet werden. (Warum Expert*innen vom Begriff „Kinderpornografie“ in diesem Zusammenhang eher abraten, erklärt diese Recherche der New York Times.)

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links und kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

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