Kultur

Repair Cafés gegen die Kultur des Wegwerfens

Sie wollen die Konsumgesellschaft verändern: Das ist eines der Ziele der Aktiven in Repair Cafés. Sigrid Kannengießer zeigt an drei Fallbeispielen, warum Hilfesuchende ihre Alltagsgegenstände in die Repair Cafés bringen und wie dort geholfen wird. Aber kann man schon von einer „Reparaturbewegung“ sprechen?

Wir können es reparieren! CC-BY 2.0 club125.greenbelt

In Repair Cafés kommen Menschen zusammen, um defekte Alltagsgegenstände gemeinsam zu reparieren. Während einige TeilnehmerInnen ehrenamtlich ihre Hilfe bei diesen Veranstaltungen anbieten, suchen andere Unterstützung beim Reparieren und bringen kaputte Fahrräder, Textilien oder Elektrogeräte, insbesondere Medien- sowie Küchengeräte, mit. Die Reparatur dieser unterschiedlichen Gegenstände wird räumlich oftmals an verschiedenen „Stationen“ durchgeführt: Schilder über oder auf Tischen kündigen an, welche Alltagsgegenstände die jeweiligen, an den Tischen sitzenden HelferInnen reparieren können. Die Reparaturveranstaltungen sind kostenlos: Weder werden Eintrittsgebühren erhoben noch muss für die Reparaturhilfe bezahlt werden. Neben der Reparaturhilfe werden während der Veranstaltungen auch Kaffee und Kuchen oder andere Speisen angeboten, oftmals auf Spendenbasis.


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Sigrid Kannengießer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung der Universität Bremen. Sie studierte Medienkultur und Politische Wissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Hamburg. Ihren Beitrag „Repair Cafés – Orte gemeinschaftlich-konsumkritischen Handelns“ veröffentlichte sie im Buch Kulturen des Reparierens. Dinge – Wissen – Praktiken, herausgegeben von Stefan Krebs, Gabriele Schabacher und Heike Weber. Die gekürzte Fassung des Buchbeitrags erscheint hier mit freundlicher Genehmigung durch die Autorin und durch den transcript-Verlag (2018).
Die Fotos im Beitrag stammen vom Repair Café in Brüssel, CC BY-NC-ND 2.0.


Die niederländische Stiftung Stichting Repair Café, gegründet von der Niederländerin Martine Postma, beansprucht für sich, das Konzept der Repair Cafés 2009 entwickelt zu haben. Ob dies tatsächlich der Ursprung ist, lässt sich kaum nachvollziehen, zu beobachten ist allerdings, dass sich das Veranstaltungsformat der Repair Cafés in den vergangenen Jahren verbreitet hat, vor allem in west- und nordeuropäischen Ländern sowie in Nordamerika.

Auch in Deutschland gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Repair Cafés, die von ganz unterschiedlichen AkteurInnen organisiert werden. Die Stiftung Anstiftung & Ertomis hat sich zum Ziel gesetzt, durch die Unterstützung von Reparaturinitiativen und die Bildung eines Netzwerks in Deutschland das Reparieren sichtbarer zu machen und zu etablieren. Reparaturinitiativen in Deutschland können sich auf der von der Anstiftung & Ertomis betreuten Onlineplattform (reparatur-initiativen.de) eintragen. Ein Kalender auf der Webseite und eine geographische Karte zeigen, wann und wo in Deutschland öffentlich repariert wird. Bislang sind 660 Initiativen registriert (Stand: Oktober 2018).

Wer aber sind die AkteurInnen, die an den Repair Cafés beteiligt sind, und welche Ziele verfolgen sie tatsächlich durch die Organisation bzw. die Teilnahme an den Reparaturveranstaltungen? Welche Bedeutungen hat das Reparieren für die Beteiligten und welche gesellschaftliche Relevanz schreiben sie dem Reparieren bzw. den Repair Cafés zu? Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede sind zwischen verschiedenen Reparaturveranstaltungen und in Hinblick auf die Ziele der Beteiligten zu finden? Und kann von einer „Reparaturbewegung“ gesprochen werden, also einer politischen Bewegung, die Gesellschaft verändern möchte? Diesen Fragen wurde in einer qualitativen Studie nachgegangen, um zu untersuchen, ob die Repair Cafés tatsächlich ein Zeichen gegen die Konsumgesellschaft setzen können und wollen. In diesem Beitrag sollen einige Ergebnisse dieser Studie präsentiert werden.

Fallbeispiele und Methoden der Untersuchung

Als Fallbeispiele für die qualitative Studie wurden drei Repair Cafés in Deutschland ausgesucht. Für das Sampling war es wichtig, Repair Cafés auszuwählen, die sich im Setting und in Hinblick auf den Hintergrund der OrganisatorInnen unterscheiden: Ein Repair Café wird von WissenschaftlerInnen der Universität Oldenburg zunächst in der Kneipe Polyester, dann während einer Kooperation mit dem Oldenburgischen Staatstheater in einem Gebäude in der Fußgängerzone Oldenburgs organisiert, ein zweites von einer Künstlerin in ihrem Atelier im Stadtteil Kreuzberg in Berlin und ein drittes von einer pensionierten Lehrerin in einem Stadtteilzentrum in der Kleinstadt Garbsen in der Nähe Hannovers.
 

familie, repair cafe
Auch Kinder reparieren mit.

Diese drei Fallstudien wurden auch gewählt, um untersuchen zu können, inwiefern die unterschiedlichen Orte und Räumlichkeiten sowie die verschiedenen Hintergründe der OrganisatorInnen Einfluss auf die Art und Durchführung der Veranstaltungen haben. Dazu wurden vor allem qualitative, leitfadengestützte Interviews in den Jahren 2013 bis 2016 mit OrganisatorInnen der Repair Cafés und HelferInnen sowie Hilfesuchenden und MitarbeiterInnen der Anstiftung & Ertomis durchgeführt. Die Interviews erlauben, die Perspektive der AkteurInnen zu rekonstruieren. Insgesamt wurden vierzig Interviews erhoben: 25 Männer und 15 Frauen im Alter zwischen 20 und 76 Jahren.

AkteurInnen in Repair Cafés

Die an den Repair Cafés beteiligten AkteurInnen erfüllen verschiedene Rollen: Neben den OrganisatorInnen der Veranstaltungen bieten HelferInnen Unterstützung im Reparaturprozess an; Hilfesuchende suchen Expertise und Hilfe beim Reparieren der mitgebrachten, defekten Alltagsgegenstände, weitere BesucherInnen der Veranstaltungen beobachten das Geschehen und nehmen das Café-Angebot wahr. Die jeweiligen Akteursgruppen sind sehr heterogen: Menschen verschiedener Altersgruppen mit unterschiedlichen (Aus)Bildungshintergründen, aus verschiedenen sozialen Klassen und unterschiedlichen Geschlechts sind an den Reparaturveranstaltungen beteiligt. Auffällig ist jedoch – und diese Beobachtung teile ich mit Daniela Rosner –, dass die HelferInnen eher traditionelle Geschlechterrollen in Hinblick auf ihre Reparaturkompetenz einnehmen: Während ich bei den besuchten Veranstaltungen ausschließlich Männer gesehen habe, die Hilfe bei der Instandsetzung elektrischer oder elektronischer Geräte anbieten, waren es ausschließlich Frauen, die beim Flicken und Nähen kaputter Textilien halfen.

Die Gruppe der OrganisatorInnen der Reparaturveranstaltungen ist sehr heterogen: Frauen und Männer, Junge und Alte, Personen mit verschiedenen (Aus)Bildungshintergründen organisieren die Repair Cafés. So lässt sich kein homogenes Bild der Veranstaltenden zeichnen – Repair Cafés werden von ganz verschiedenen Personen an sehr unterschiedlichen Orten organisiert.

Orte der Repair Cafés

Die Wahl der Veranstaltungsräume hängt von den Hintergründen der jeweiligen OrganisatorInnen und auch von ihren Zielen ab. Manchmal erfolgt diese Wahl pragmatisch, wie im Falle der Künstlerin in Berlin, die ein Repair Café in ihrem Atelier in Kreuzberg anbietet, sodass kein weiterer Ort gesucht, finanziert oder umgebaut werden muss. Oftmals ist die Entscheidung für Veranstaltungsräume und Orte aber auch politisch motiviert. So organisiert die Rentnerin in Garbsen die Reparaturveranstaltungen in Kooperation mit der Freiwilligenagentur der Stadt im Stadtteilzentrum eines Viertels, in dem viele Menschen mit Migrationshintergrund leben. Die Organisatorin des Repair Cafés erklärt die Wahl dieses Standortes für die Reparaturveranstaltungen:

Den haben wir extra gewählt, weil die Begegnungsstätte Auf der Horst sozusagen ein sozial schwieriges Umfeld ist, auf der einen Seite, und auf der anderen Seite ein sehr kommunikatives Umfeld, […] einfach um zu sagen: Wir sind Teil einer Stadt und ihr seid Teil einer Stadt und wir gehören alle dazu, egal woher wir [her-]kommen und deswegen haben wir gesagt: mittenrein.

Die Organisatorin differenziert hier zwischen „uns“ und „ihnen“ und konstruiert damit zwei Gruppen: einmal die der OrganisatorInnen und Helfenden des Repair Cafés, die sie nicht zu diesem „sozial schwierigen Umfeld“ zuordnet, und den Menschen, die sie zu diesem zählt. Sie beschreibt, dass z. B. viele türkische Jugendliche oder Kinder mit ihren Fahrrädern kämen und findet das gut, „weil die dann hier so eine Anbindung haben“. Die Organisatorin verbindet also mit der Reparaturveranstaltung u. a. die Idee der Integration. Meine Untersuchung zeigte jedoch, dass an der Reparaturveranstaltung relativ wenige Menschen mit Migrationshintergrund teilnehmen – auch im Repair Café in Garbsen.

Auch die OrganisatorInnen des Oldenburger Repair Cafés haben den Ort ihrer Veranstaltung mit Bedacht gewählt. Zwar sind alle MitarbeiterInnen der Universität Oldenburg, haben aber gleichwohl außeruniversitäre Räume gewählt: Während das Repair Café nach der Gründung 2013 in der Kneipe Polyester in der Innenstadt Oldenburgs stattfand, wurde es aufgrund einer Kooperation mit dem Oldenburgischen Staatstheater in den Spielzeiten 2014 bis 2016 in einem vom Theater genutzten Ladenlokal in der Fußgängerzone Oldenburgs durchgeführt.

Die Kooperation der Oldenburger Reparaturinitiative mit dem Oldenburgischen Staatstheater hat auch zu einer Erweiterung des Angebotes der Reparaturveranstaltungen geführt. Der Reparaturbegriff wurde in diesem Rahmen breiter ausgelegt: So regten die OrganisatorInnen an, auch kollektives Wissen zu „reparieren“, indem „alte“ Fertigkeiten wie etwa das Spinnen von Wolle unterrichtet wurden; aber auch soziale Beziehungen sollten durch eine Vermittlungsshow „repariert“ werden.

Der Raumwechsel war einerseits Ergebnis der Kooperation mit dem Oldenburgischen Staatstheater, andererseits aber auch nötig, weil das Polyester für die wachsende Zahl der an den Reparaturveranstaltungen Teilnehmenden zu klein geworden war. Bewusst wählten die OrganisatorInnen als neuen Ort keine Räume im Theater, sondern ein Gebäude in der Fußgängerzone: Eine der OrganisatorInnen erklärt im Interview, dass das vom Theater genutzte Gebäude in der Fußgängerzone „niedrigschwelliger“ sei als die Theaterräume selbst. Des Weiteren verknüpft sie mit diesem Standort eine politische Aussage:

Um uns rum passiert der Konsumwahn vom Feinsten und wir sind der Antikonsum. […] Im Prinzip ist es so, dass die Leute, die sich mit neuen Sachen eindecken um uns rum, hier vielleicht durch Zufall in die Baumgartenstraße kommen und sehen: „Ah Reparaturcafé, ach ja, eigentlich hätte ich mir vielleicht keinen neuen Mixer kaufen müssen, sondern den alten reparieren lassen“, und vielleicht dann umdenken. Und die kommen nächste Woche mit einem kaputten Toaster und kaufen dann lieber eine Packung Toastbrot und keinen neuen Toaster.

Die Bedeutung von Kommunikation in Repair Cafés

Eine Organisatorin der Oldenburger Reparaturinitiative sieht das Repair Café als einen Ort der Entschleunigung, in dem Menschen zur Ruhe kommen können. Gleichzeitig beschreibt sie das Repair Café als einen Raum der Kommunikation, der im Kontrast zu der angrenzenden, anonymen Fußgängerzone steht: „Man kommt in jedem Fall irgendwie in Kontakt mit Menschen, und das hat man beim Shoppen-Gehen draußen nicht so viel.“

Kommunikation ist neben dem Reparieren eine der zentralen Handlungen in den Repair Cafés, so erklärt eine andere Organisatorin des Oldenburger Repair Cafés:

Das Besondere ist zum einen das Café, das Zusammensein, Kaffee trinken, Geselligkeit, sich austauschen über den Alltag, erzählen, unabhängig jetzt von seinem kaputten Teil, einfach ins Gespräch kommen, dass Menschen wieder miteinander kommunizieren […] und so einfach ins Gespräch zu kommen und den Alltag miteinander zu teilen. Das finde ich das Wichtigste da dran.

Auch der Prozess des Reparierens ist in den Repair Cafés oftmals ein kommunikativer: Die Hilfesuchenden und Helfenden kommen über die defekten Alltagsgegenstände miteinander ins Gespräch. Die Hilfesuchenden beschreiben, welche Probleme sie mit den kaputten Dingen haben, und die Helfenden erläutern die von ihnen identifizierten Defekte. Im Prozess des Reparierens erklären die Helfenden dann, was sie tun, und geben ihr Reparaturwissen weiter. Sie versuchen oftmals auch, die Hilfesuchenden einzubinden, und leiten die Reparatur an.

Diese Einbindung hat jedoch vor allem bei elektrischen Geräten ihre Grenzen, da diese meist so kompliziert sind, dass die Reparatur ein Grundwissen über die Apparate erfordert, über welches die Hilfesuchenden zumeist nicht verfügen. So zeigen die Beobachtungen in den ausgewählten Fallbeispielen, dass die Helfenden häufig für die Hilfesuchenden die gesamte Reparatur durchführen. Der Anspruch der OrganisatorInnen, mit den Repair Cafés Reparaturwissen zu verbreiten sowie die Hilfesuchenden in Hinblick auf ihre Alltagsgegenstände zu ermächtigen, wird damit oftmals nicht erfüllt.

Ziele und Motive der Reparierenden und Organisierenden

Durch die qualitative Studie konnten acht Ziele und Motive der an Repair Cafés beteiligten Personen herausgearbeitet werden: Die OrganisatorInnen, Helfenden und Hilfesuchenden wollen durch das Reparieren

  • die Nutzungsdauer existierender Geräte verlängern (1),
  • um Ressourcen zu schonen (2) und
  • die Müllproduktion zu verringern (3).

Diese Ziele können als konsumkritisch bezeichnet werden, da in diesem Zusammenhang oft der Neukauf von Alltagsgegenständen kritisiert und das Reparieren als ein Beitrag für eine nachhaltige Gesellschaft beschrieben wird. Viele der Beteiligten haben

  • Freude am Reparieren (4) und
  • schreiben ihren Dingen einen Wert zu (5),
  • manche – vor allem Studierende, Erwerbslose und RentnerInnen – reparieren aus finanzieller Notwendigkeit (6), da sie sich keine neuen Dinge leisten können.
  • Helfende wollen ihr Reparaturwissen weitergeben (7),
  • Hilfesuchende wollen das Reparieren lernen und sich ihrer Gegenstände ermächtigen (8).

Müllvermeidung und Ressourcenschonung

Die dominant durch die an den Repair Cafés beteiligten Personen geäußerten Ziele sind konsumkritisch: Sie wollen mit dem Reparieren die Lebensdauer ihrer defekten Alltagsgegenstände verlängern, um Ressourcen zu schonen und Müll zu vermeiden. So erklärt eine Teilnehmerin des Oldenburger Repair Cafés, die ihr altes Mobilfunkgerät im Repair Café reparieren möchte: „Ich möchte nicht, dass wir unsere Welt vermüllen mit lauter Sachen, die zwar in Ordnung sind, aber wo eine Schraube locker ist.“ Ein 42-jähriger Elektriker, der seine Reparaturhilfe im Berliner Repair Café anbietet, meint etwas zynisch:

Wegschmeißen ist nicht so sinnvoll, finde ich, und es sind in der Elektronik ja oft unglaublich wertvolle Rohstoffe verbaut, wie Coltan und Kupfer, Gold usw. und jeder Deutsche schmeißt davon im Schnitt jedes Jahr fünfzehn Kilo weg. Und die landen dann in Afrika und werden dann am Strand verbrannt. Das ist nicht so richtig nett für die Umwelt und die Mitwelt und die Ressourcen. Insofern ist das [Reparieren] wenigstens ein kleiner Schritt.

Der 70-jährige Hauptschullehrer in Oldenburg, der Hilfe beim Reparieren elektrischer Geräte anbietet, sieht Reparieren als gesellschaftliche Notwendigkeit an: „Die verschiedenen Metalle und Materialien, die man speziell für die neuen elektronischen Handys und so weiter braucht, die sind inzwischen ziemlich knapp und werden immer teurer und man muss reparieren.“

„Freude und Wertschätzung der Alltagsgegenstände“

Neben diesen konsumkritischen Zielen finden sich aber auch eine Reihe weiterer Ziele, die zum einen eine politische Konnotation haben, zum anderen aber auch nicht. So haben viele der Helfenden große Freude am Reparieren und beschreiben es als ihr Hobby, wie an diesem Zitat eines 69-jährigen Helfers in Berlin exemplarisch gezeigt werden kann: „Ich bastel gerne und liebe alles zu reparieren. Es ist mein Hobby.“

Viele der Beteiligten schätzen den Wert der Dinge, die sie besitzen oder reparieren. So erklärt z. B. ein 57-jähriger Teilnehmer in Berlin:

Es steckt ja auch eine Menge Arbeit […] in so einem Gerät […]. Da haben Leute dran gearbeitet, haben sich das ausgedacht, haben die Pläne gezeichnet, haben das Design entworfen und dann haben Leute in der Fabrik dran gesessen und haben das montiert. […] Und ich finde einfach, es ist auch eine Wertschätzung von menschlicher Arbeit, wenn man versucht, ein Produkt nachher wieder zu reparieren, wenn es nicht mehr funktioniert.

Viele Hilfesuchende bringen Alltagsgegenstände mit, die schon sehr lange in ihrem Besitz sind und zu denen sie eine persönliche Beziehung aufgebaut haben, wie z. B. ein Teilnehmer, der sein Smartphone in das Repair Café in Berlin mitgebracht hat: „Eigentlich hat man sich ja mit dem Smartphone so angefreundet, dass man das ja auch nicht jedes Mal wechseln will.“

Einige Teilnehmende bringen Dinge mit, die sie geerbt haben, z. B. mehrere Dekaden alte Radios, an denen Erinnerungen hängen und deren Nutzungsdauer sie daher verlängern wollen. Eine Wertschätzung der Alltagsgegenstände ergibt sich also nicht nur, wenn diese älter oder Erbstücke sind, sondern es wird auch die in der Materialität der Gegenstände eingeschriebene Arbeit honoriert und versucht, die Rohstoffe an sich zu bewahren.
 

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Zu dritt am Staubsauger tüfteln. CC-BY-NC-ND 2.0 Repair Cafe Brussels

Die Wertschätzung der Alltagsdinge ergibt sich für manche aber auch aus einer finanziellen Notwendigkeit: Einige wenige Teilnehmende äußerten in den Interviews, dass sie sich keine neuen Exemplare ihrer defekten Gegenstände leisten können. Dies wird vor allem von Studierenden, Erwerbslosen oder RentnerInnen geäußert.

Wissensvermittlung und Lernen

Vielen der Helfenden ist es ein Anliegen, ihr Reparaturwissen weiterzugeben und viele der Teilnehmenden möchten das Reparieren lernen. Doch haben die Prozesse der Wissensvermittlung und des Lernens auch Grenzen. Viele der Teilnehmenden haben Berührungsängste vor allem mit elektronischen Geräten und trauen sich das Reparieren nicht selber zu – und dies gilt sowohl für Männer als auch für Frauen. So sagt ein 31-jähriger Musiker in Oldenburg, der den defekten Verstärker seiner Musikanlage mitgebracht hat:

Ich würde es wahnsinnig gerne selber können, aber ich habe leider sowas völlig Unnötiges gelernt wie Musiker, und ich bewundere das wahnsinnig, wie man sich hinsetzen kann, die Technik verstehen kann und sagen kann: Na ja, das und das müssen wir ersetzen und dann geht das Ding wieder. […] Ich würde mich nie trauen, das selber jetzt aufzumachen.

Auch die Helfenden nehmen diese Grenzen der Wissensvermittlung wahr. So erklärt der 70-jährige pensionierte Hauptschullehrer, der in Oldenburg bei der Reparatur elektrischer Geräte hilft: „Hier einem totalen Laien zu erklären, was man an den technischen Geräten macht, das führt natürlich zu weit. Also, das geht sicher bei einigen Sachen, aber bei so Elektronik sicher nicht.“ Die Beobachtungen zeigen tatsächlich, dass z. B. mehr Hilfesuchende in den Reparaturprozess von Textilien oder Fahrrädern eingebunden werden als in den elektronischer Geräte. Die Art der defekten Dinge beeinflusst also, inwiefern das Reparieren ein gemeinsamer Akt ist und sein kann und inwiefern das Reparieren erklärt bzw. erlernt werden kann.

Für Personen, die im Alltag bereits reparieren und Technikwissen und -kompetenz mitbringen, ist das Repair Café ein Ort, der zu Hause nicht vorhandene Werkzeuge, Ressourcen und Unterstützung zur Verfügung stellt. So erklärt ein Helfer im Oldenburger Repair Café: „Also viele kommen hier auch her, die haben eine technische Vorbildung und kennen sich ein bisschen mit solchen Dingen aus, denen fehlt eben nur das Werkzeug und brauchen hier und da mal einen Tipp. […] Wir sehen uns zu allererst als Unterstützer.“ Die Unterstützung findet also nicht nur im Reparaturprozess durch die Helfenden statt, sondern auch durch die Bereitstellung von Ressourcen und einer Infrastruktur während der Reparaturveranstaltungen.
 

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Zusammen den Fehler finden. CC-BY-NC-ND 2.0 Repair Cafe Brussels

Es zeigt sich also, dass durch das Reparieren und die Reparaturveranstaltungen nicht das eine (politische) Ziel verfolgt wird. Zwar überwiegen in den Interviews die als konsumkritisch definierten Ziele der Nutzungsdauerverlängerung, der Müllvermeidung und Ressourcenschonung, doch lassen sich auch weitere, weniger politisch motivierte Ziele ausmachen wie die Freude am Reparieren oder die finanzielle Notwendigkeit.

Eine Reparaturbewegung für kulturellen Wandel

Die Konsumgesellschaft zu verändern, ist eines der Ziele der an den Repair Cafés Beteiligten. Sie verfolgen durch das Reparieren einen Wandel der Kulturen, Werte und Praktiken des Konsumierens; sie wollen, dass sich das Reparieren gegenüber dem Wegwerfen gesellschaftlich etabliert, und hoffen, so eine nachhaltige Gesellschaft zu erreichen. Ihnen ist bewusst, dass das Reparieren einen Bruch mit etablierten Routinen darstellt. So konstatiert ein 57-jähriger Teilnehmer in Berlin, der sein Radio repariert: „Wir [müssen] von dieser Konsummentalität wegkommen.“

Reparieren, zusammen und draußen. CC-BY-NC-ND 2.0 Repair Cafe Brussels

Der Initiator des Oldenburger Repair Cafés beschreibt dieses als subversiv; er meint, dass hier eine Pioniergruppe zusammenkomme, die möglicherweise eine gesellschaftliche Entwicklung vorwegnehme: „Das sind im Prinzip die frühen Adopter, […] die innovativen Nutzer oder eben Pioniernutzer, die schon eine Bewegung vorwegnehmen, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit und Begründung eintreten könnte, nicht muss.“

Und auch der Betreiber des Polyester, in dem das Oldenburger Reparaturcafé gegründet wurde, ist stolz darauf, bei den Anfängen einer „Reparaturkultur“, die sich seiner Meinung nach durchsetzen wird, dabei zu sein: „Da bin ich ganz stolz, dass es [das Repair Café] hier bei mir ist, weil ich denke, dass das schon eine Kultur ist, die sich hier jetzt deutschlandweit etablieren wird, und dann kann man immer sagen, […] in den Anfängen waren wir schon dabei.“

Die Stiftung Anstiftung & Ertomis will durch die Unterstützung der Organisation von Reparaturveranstaltungen und der Vernetzung deutscher Reparaturinitiativen dazu beitragen, dass sich eine Reparaturkultur etabliert. Das Ziel der Vernetzung sei, den einzelnen AkteurInnen zu zeigen, dass sie Teil einer größeren Bewegung seien, erklärt ein Mitarbeiter der Anstiftung & Ertomis:

Das wollen wir für die Reparatur-Initiativen erreichen, dass die feststellen: ‚Moment mal, es gibt viele‘ und merken, dass das, was hier passiert, nicht ein punktuelles Ereignis ist, sondern das ist eine gesellschaftliche Welle, die da gerade durchs Land geht. An allen Ecken und Enden sind Menschen, die nicht mehr hinnehmen wollen, dass der Konsument auf eine bestimmte Art zu handeln und zu konsumieren festgelegt ist. Das erreicht man dadurch, in dem man eben andere sichtbar macht und sich untereinander bekannt macht.

Ist diese „gesellschaftliche Welle“ als Reparaturbewegung zu bezeichnen, als eine politische Bewegung des Reparierens und für das Reparieren?

Die Bewegungsforschung benennt mindestens vier Merkmale sozialer Bewegungen: geteilte Ziele und ein Zugehörigkeitsgefühl der AkteurInnen, das Merkmal des Protests und den Netzwerkcharakter. Diese Merkmale sind auch für die Reparaturbewegung auszumachen: Wie gezeigt, verfolgen die an Repair Cafés beteiligten AkteurInnen ähnliche Ziele. Auch wenn diese divers sind, so dominieren doch die konsumkritischen Ziele der Müllvermeidung und der Ressourcenschonung durch eine verlängerte Nutzungsdauer der Gegenstände. Und auch ein Gefühl der Zugehörigkeit ist bei vielen Beteiligten zu finden.

Auch das für soziale Bewegungen signifikante Merkmal des Protests ist auszumachen: Die Reparaturveranstaltungen können als Protestveranstaltungen beschrieben werden, durch die AkteurInnen Kritik an der Konsumgesellschaft üben. Doch sie gehen auch über den bloßen Protest hinaus und bieten mit dem Reparieren eine Alternative für das von ihnen kritisierte Handeln an. So kann das Reparieren selbst als Protesthandlung gegen die Konsumgesellschaft beschrieben werden.

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Sigrid Kannengiesser. Alle Rechte vorbehalten Beate Köhler

Das vierte Merkmal sozialer Bewegungen, nämlich der Netzwerkcharakter, ist bei Reparaturinitiativen ebenfalls zu finden. So versuchen die OrganisatorInnen von Reparaturveranstaltungen zum einen, ein Netzwerk zwischen Personen, die Reparieren können und bei Reparaturen unterstützen wollen, und solchen, die Hilfe suchen, zu bilden; zum anderen werden auch Netzwerke zwischen den Repair Cafés und professionellen DienstleisterInnen etabliert. Und auch Netzwerke zwischen verschiedenen konsumkritischen Initiativen finden mit und in Repair Cafés statt: Das Repair Café in Oldenburg fungiert als ein Anlaufpunkt für verschiedene konsumkritische Projekte, wie eine der Organisatorinnen erklärt: „Also wir sehen das irgendwie auch ein bisschen so als quasi Nabelpunkt dieses kulturellen Wandels hier in Oldenburg. Das hat sich irgendwie so rauskristallisiert, dass wir so ein Ort sind, an dem man scheinbar zusammenkommt.“

Auch wenn die vier genannten Merkmale auf eine Reparaturbewegung schließen lassen, so ist diese mitnichten homogen. Die in diesem Rahmen diskutierte Studie zeigt, dass sowohl die Orte als auch AkteurInnen und die Ziele der Reparaturbewegung durchaus heterogen sind. Spricht man von einer Reparaturbewegung, so muss ihre Heterogenität also berücksichtigt werden.

Es zeigt sich, dass nicht nur die Ziele der an den Repair Cafés Beteiligten Grenzen haben, z. B. in Hinblick auf Wissensaustausch und Lernprozesse, sondern auch, dass die Repair Cafés nur einen kleinen Akzent gegen die dominierende Konsumkultur in Deutschland setzen können. Es bleibt fraglich, ob die Reparaturveranstaltungen eine kulturelle Revolution auslösen können; einen kleinen Beitrag im Umdenken und in der Etablierung des Reparierens leisten sie allemal.

17 Kommentare
  1. Bin regelmäßig dort. Das macht richtig Spaß. Kaufe mittlerweile nur noch kaputte Gegenstände auf gebraucht Märkte online und offline. Nach ein paar Jahren weiß man was man selbst schnell reparieren kann und was nicht.
    Spart Geld und man fängt immer an ein Gerät zu benutzen nachdem man dessen Platine gut kennengelernt hat.

  2. Tja – reparieren gehörte mal in meiner Jugend (frühe 70er Jahre) zum Alltag dazu.
    Geräte hatten noch einen Wert und waren entsprechend robust gebaut. Mit viel Pflege und Reparaturen hielten sie dann auch 20 Jahre.

    In der Vergangenheit habe ich vielen Geräten wieder neues Leben eingehaucht; die Fehler/Störungen bewegten sich im cent-Bereich.
    Unsere Konsumgesellschaft ist ein Auslaufmodell; es wird Zeit, den Fokus wieder auf absolute Nachhaltigkeit zu lenken. Firmen sollten Ihre Politik nicht auf maximalen Umsatz, sondern auf maximale Qualität setzen.

    Das hätte natürlich zur Folge, das Geräte wieder teurer würden, ihr Wert würde wieder steigen. Nicht nur der finanzielle, sondern auch der emotionale Wert.

    Deshalb unterstütze ich Repairinitiativen und nutze diese auch regelmäßig, genau wie „Gebraucht-Shops“, wo gespendete Alltagsgegenstände nach Aufbereitung wieder zu erschwinglichen Beträgen wieder verkauft werden, gerade für Geringverdiener interessant.

    Ich selbst lebe schon lange nur noch im „Kreislaufdenken“: kaufe nur gebrauchte Sachen und gebe diese auch wieder ab….und man lebt damit ausgesprochen gut!

  3. Seit 2014 ein voller Erfolg: Das Reparier Café Kassel! Gut 1500 Reparaturen, davon ca. 60 % erfolgreich! Mittlerweile haben wir fünf Ableger im Raum Kassel, und alle haben zu tun. Reparieren macht Spass, fördert die Kommunikation, verringert den Abfall, schont die Ressourcen und spart Geld. Und dazu gibt’s Kaffee und Kuchen! Was will man mehr?
    Das Schöne ist: Man muss den Menschen keine Gardinenpredigten zum Thema Ressourcenschonung halten, die sehen selbst, dass dieser Weg der einzig vernünftige ist.
    Schaut mal rein: http://www.repariercafe-kassel.de

    1. Mich würde interessieren, ob es da irgendwelche Statistiken oder besser absoluten Zahlen gibt, welche Geräte repariert und welche nicht repariert werden konnten. Ich frage das in Bezug auf Kosten und Wert der Geräte zwischen den 60% zu 40%, und in Bezug auf die Masse (Gewicht, Material).

      Überspitzt gesagt, wenn die reparierten 60% nur elektrische Zahnbürsten sind mit einem Gegenwert von 10.000 Euro und 100 kg Gewicht, und alles irreparable sind 50 zoll Displays mit einem Wert von 100.000 Euro und mehreren Tonnen Material, dann ist es weiterhin eine auf vielen Ebenen gute Sache , aber ggf. nicht den Benzinverbrauch zum Cafe wert.

  4. Ob geplante oder in Kauf genommene frühe Obsoleszenz, der das Ergebnis bleibt das gleiche. Geringerer globaler Wirkungsgrad von Material- und Energieverbrauch, Verlagerung von Industrie in Regionen, die für die Produktion bessere Randbedingung bieten. Oder kurz: mehr Müll, Billiglöhne in Fernost.

    Ein Problem ist doch, dass anscheinend die absolute Mehrheit dieses (Kauf-) Verhalten zeigt und unterstützt. Da gibt es eine Menge Menschen, deren Verhalten angepasst werden muss. Es ist unwahrscheinlich, dass ohne Regulierung und ohne das Aussperren ausländischer Produkte, die wohl die absolute Mehrheit der billigen Produkte kurzer Lebenszeit herstellen, das Verhalten der Leute hier geändert werden kann.

    Diese Reparatur Cafés sind imho eine klasse Sache. Aber „Während ich bei den besuchten Veranstaltungen ausschließlich Männer gesehen habe, die Hilfe bei der Instandsetzung elektrischer oder elektronischer Geräte anbieten, waren es ausschließlich Frauen, die beim Flicken und Nähen kaputter Textilien halfen.“

    Ist doch schön, dass sich Menschen für unterschiedliche Dinge interessieren können und dennoch freiwillig zusammen kommen, um eine gute, soziale und praktische Gemeinschaft bilden. Auch wenn es den Unternehmen und Aktivist(en)*innen nicht gefällt.

    Am besten verbieten wir die Reparatur Cafés gleich. Sie sind schlecht für die Konjunktur, vermitteln ein altes, frauenfeindliches Weltbild, so bekommt jede*(r), was jede*(r) will…

    (: Text enthält in Teilen ernstgemeinten Sarkasmus :)

    1. Ist bisschen OT, aber weil sich hier gerade viele ExpertInnen rumtreiben:

      Hat man eine Chance, eine Elektrische Zahnbürste wieder flott zu bekommen, die ihren Dienst versagt?

      1. Ich kann vermelden, schon mal erfolgreich eine elektrische Zahnbürste repariert zu haben! Das ist natürlich kein genereller Beweis, aber warum sollte denn ne Zahnbürste so anders als andere Geräte sein? Das Prinzip dieser Dinger ist ja recht einfach zu verstehen.

      2. Wenn sich das Gehäuse öffnen lässt und nicht komplett geklebt ist, dann ist das kein Problem für die ExpertInnen. Kann man bei fast allen Neukäufen berücksichtigen, wenn du auf Reparierbarkeit Wert legst (außer bei Handies, Pads und dünnen Laptops, weil Auswahl praktisch Null).

        Darum geht’s ja, umdenken schon beim Kauf, nicht erst später.

  5. Repair-Café’s sind Unsinn!

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich verstehe leider nicht wieso Sie über den Unsinn von Repair-Café’s berichten? In der jetzigen Form ist das reine Augenwischerei und nützt nur der Wegwerfgesellschaft und der Industrie! Stellen Sie sich vor Sie wollten Ihr Auto reparieren. Die Autowerkstatt hat aber nur alle paar Monate an einem ganz bestimmten Tag geöffnet. Wenn Sie dann hingehen, können Sie erst mal Kaffee trinken und wissen nicht wann Sie drankommen. Einen Termin können Sie auch keinen machen! Wenn Sie Glück haben und jemand findet sich, der sich Ihr Auto anschaut, dann muss sich der Defekt um eine Bagatelle handeln, vielleicht irgend eine Schraube nicht festgezogen, sonst haben Sie Pech gehabt und man kann Ihnen nicht weiterhelfen. Aber meistens sitzen Sie dort umsonst herum und müssen dann unverrichteter Dinge wieder gehen, obwohl Sie wohl möglich einen sehr weiten Anfahrtsweg hatten. Fände Sie dies eine gute Art ihr Auto NICHT(!) reparieren zu lassen. Ich nicht! Und genau das passiert aber in den Repair-Café. Und Besserung ist nicht in Aussicht. Ich habe mich eine Zeit lang mit Repair-Café’s beschäftigt und versucht mit Verantwortlichen zu sprechen, aber ich habe dann immer wieder zu hören bekommen, dass es besser nicht geht. Welch ein Blödsinn! Ich hatte vorgeschlagen ein Wiki aufzubauen, wo jeder nachschauen kann, wie man sein Gerät repariert – abgelehnt! Ich hatte vorgeschlagen ein Anmeldesystem im Internet zu installieren, wo man sein Problem schildern kann und dann gezielt einen Termin bei einem Repair-Café bekäme, sicher wären viele Leute sogar bereit eine gewissen Aufwandsentschädigung zu zahlen – abgelehnt! Also was soll ich bei so einen Dilettanten-Haufen? Und dass Sie diese Organisation schön reden, finde ich sehr schlechten Journalismus. Tut mir leid dies sagen zu müssen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Horst Meyer

    1. Ich könnte mir vorstellen, dass alles mit Anmeldung, Aufwandsentschädigung etc. irgendwie kommerziell wird und dann kommen möglicherweise rechtliche Probleme dazu, Steuern, Garantie, Versicherungsschutz. Eine andere Hypothese wäre, dass dadurch die eigentlich schöne Idee flöten geht, dass sich Menschen mit unterschiedlichen Interessen freiweillig in einer guten, sozialen Gemeinschaft zusammenfinden um sich gegenseitig zu helfen.

      Beides plausible (was nicht heißt, dass sie wahr sind) Gründe, es so zu lassen wie es ist, unverbindlich und freiwillig.

    2. Wieso sollen diese Repair Cafes Unsinn sein?
      Natürlich klappt das nicht mit Autowerkstätten, so wie sie heute eingerichtet sind. Es gibt trotzdem genug selbständige Autobastler, wo man jederzeit anfragen kann und die zum teil weit günstiger sind, als eine Werkstatt.
      Bei Haushaltsgeräten funktioniert es auch ganz wunderbar dieses Prinzip.
      Ihre Rede hört sich etwas so an, als wenn ein Unternehmer durch diese Sache anfängt seine Felle wegschwimmen zu sehen, und das am liebsten durch ein Verbot dieser Repais Cafes unterbinden würde. Sie untermauern das ganze mit einem Beispiel, das so nicht klappen kann, aber durch Initiative anderer trotzdem klappt.
      Die Wegwerfgesellschaft nicht nur in unserem Land hat schon soviel Schaden an der Umwelt gemacht, dass es vielleicht schon 1 Minute vor 12 oder gar schon nach 12 ist.
      Die Leute, die von Ihnen als „Dilettanten-Haufen“ bezeichnet werden, sind in den Repair Cafes nur so gut, wie sich die Person anstellt, die das Gerät reparieren möchte.
      Sie können noch so sehr über solche Einrichtungen schimpfen, und weiter in Ihrem Kunsstoffmüll untergehen, diese Leute haben wenigstens den Mumm etwas zu tun, und nicht über Dinge zu schimpfen, von denen Sie augenscheinlich nicht einmal einen Ahnung haben, wie es abläuft.

      In diesem Sinne
      Ich wünsche Ihnen noch ein schönes angenehmes vermülltes Leben!

    3. Hi Horst Meyer,
      wie immer hinken die Autovergleiche. Es geht nach meinen Auffasung in den Repair Cafés ja nicht darum einen auf Gewinn ausgerichteten Service anzubieten, sondern um ein Zusammenkommen von Menschen, die Ihre Schätzchen wieder in Gang bekommen wollen und Menschen, die daran Spaß haben, diese dabei zu unterstützen.
      Wikis für verschiedene Geräte gibt es schon eine ganze Menge im Netz. Ich konnte in der Vergangenheit von diesen in den verschiedensten Bereichen Nutzen ziehen. Host Meyer, es hindert dich doch niemand daran ein weiteres Wiki zu erstellen, in dem andere ihre Erfahrungen einfließen lassen können, nur zu.
      Andere zu beschuldigen, etwas nicht richtig zu machen ist sehr einfach, aber selber eine Initiative zu starten macht Arbeit. Also Horst Meyer, setze Deine Ideen um und halte anderen nicht vor, was sie zu tun haben.

    4. Ja, es ist schon unverschämt, lieber Herr Meyer, da gibt es eine ehrenamtliche Initiative, die nicht nur Reparaturen, sondern auch ein soziales Miteinander bieten kann – etwas, das viele heute vermissen -, bei dem HelferInnen Zeit und Material zur Verfügung stellen und dann: völliger Dilettantismus! Kein Service, keine ordentlichen Termine – auf deren Einhaltung man dann bestehen könnte und: keine ordentliche Reparatur! Es ist schon ein Kreuz mit Menschen, die helfen möchten.
      (Vorsicht, hier könnte Ironie versteckt sein).

      Ich hoffe, Sie werden Ihre Form des Reparatur-Services finden.
      Nur ich

    5. Ich bin selbst aktiv bei einem Repair Cafe. Leute wie Herr Meyer, die uns mit einem professionellen Unternehmen vergleichen, stellen tatsächlich ein Problem dar, weil sie ein Anspruchsdenken mitbringen, das ein Repair Cafe nicht erfüllen kann. Ja, bei uns muss man warten, bis man dran ist, im Einzelfall auch mal länger. Nein, wir können nicht alles reparieren. Ja, es besteht das Risiko, dass man vergeblich gekommen ist. So ist das nun mal beim Repair Cafe, das allein von Ehrenamtlichen organisiert und durchgeführt wird. Wer das nicht akzeptieren kann, mag doch bitte einfach wegbleiben.

      Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Geräte wieder flottgemacht werden können. Eine Menge Leute sind sehr froh über diese Hilfe – wir hören oft, wie toll diese Initiative ist.

      Bei uns wird geholfen, während bei den Meyers nur gemeckert wird.

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