Mehr Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz und stärkere ethische Normen:
Das sind die zentralen Forderungen von zehn Experten in einer Video-Serie des „Berkman Klein Centers“. Die Videos sind anlässlich einer Zusammenarbeit der Forschungseinrichtung an der Harvard-Universität und dem „MIT Media Lab“ entstanden.
Die Experten fordern, dass nicht nur Programmierer Künstliche Intelligenz entwickeln. Auch Menschen aus den Gebieten Sozialwissenschaften, Recht und Philosophie müssen daran beteiligt werden. Schließlich kommt Künstliche Intelligenz durch autonomes Fahren, Verbrechensvorhersage oder dem News-Feed auf Facebook eine immer größer werdende Macht zu. Deshalb muss diese Technologie kontrolliert und für die Gesellschaft transparent gestaltet werden.
Schwarz-Weiß-Denken
In den Videos wird oft über ein Schwarz-Weiß-Denken in Bezug auf Künstliche Intelligenz geredet. Entweder die Gesellschaft denkt, es wird alles besser oder wir werden alle sterben. Jonathan Zittrain, Dekan des Berkman Klein Centers und Professor an der „Harvard Law School“, weist auf die Chance hin, die wir durch Künstliche Intelligenz haben.
Seiner Meinung nach ist es nun möglich, alle Menschen wirklich gleichzubehandeln. Bisher trafen Menschen Entscheidungen, die voreingenommen, fehlerhaft oder inkonsistent sein konnten. Maschinen könnten also entweder unsere Welt gerechter oder schlechter machen, wenn die Technologie ebenfalls voreingenommen ist und nicht unter Aufsicht gestellt wird. Man sollte sich das Internet als Vorbild nehmen. Als offene Technologie, zu der jeder beitragen kann.
Kate Darling, Wissenschaftlerin am MIT Media Lab, interessiert sich besonders für den psychologischen Effekt, wenn wir Künstliche Intelligenz als sozialen Akteur wahrnehmen. Das lässt sich zum Beispiel bei der Interaktion von Kindern mit Sprachcomputern wie Siri oder Alexa feststellen. Das Gespräch mit der Künstlichen Intelligenz kann die Art wie sie mit anderen Menschen reden verändern.
Als Beispiel nennt sie die Geschichte eines autistischen Jungens, der durch Siri lernte, besser zu kommunizieren. Siri hatte unendlich viel Geduld und konnte jede seiner Fragen beantworten. Da die Spracherkennung damals noch nicht so gut war, musste er auch lernen, sich klar auszudrücken. Durch die Künstliche Intelligenz konnte der Junge sich besser mit anderen Menschen verständigen.
In einem anderen Artikel schrieb ein Vater, dass Alexa seinen Kindern eher schadet. Sie müssen nämlich nicht danke oder bitte zu der Künstlichen Intelligenz sage. Für Kinder ist es dann schwer zu begreifen, wieso man mit Menschen anders reden sollte.
Missbrauchte Technologie
Ein weiteres Problem von Künstlicher Intelligenz liegt in der Zweckentfremdung. Technologie, die für zielgruppengerichtete Werbung verantwortlich ist, könnte auch für Überwachung missbraucht werden, meint Chinmayi Arun. Die Forschungsleiterin am „Centre for Communication Governance“ der „National Law University“ in Dehli stellt sich die Frage, wie sehr Künstliche Intelligenz dazu benutzt wird, den Bürger zu überwachen, anstatt ihm zu helfen. Als Beispiel missbrauchter Technologie nennt sie den Einsatz von IBM-Lochkarten beim Holocaust. Für die Zukunft prophezeit sie Folgendes:
Wenn wir keinen Weg finden, durch den Bürger die richtigen Fragen stellen und die Künstliche Intelligenz zur Rechenschaft verpflichten können, jedes Mal wenn sie erstellt oder eingesetzt wird, dann könnten wir in einer Welt landen, die Orwell vorhergesehen hat. Das wäre wirklich schade, denn Technologie sollte zu einer besseren, nicht zu einer stärker kontrollierten oder ungleichen Welt führen.
Das Berkman Klein Center forscht zu den Themen Internet und Gesellschaft. Die Kooperation mit dem MIT Media Lab unterstützt den neu gegründeten „Ethics and Governance of Artificial Intelligence Fund“. Gemeinsam mit der „Knight Foundation“, der Investmentfirma „Omidyar Network“ und dem Mitbegründer des Karrierenetzwerks „LinkedIn“, Reid Hoffman, soll die Forschung von Künstlicher Intelligenz im öffentlichen Interesse finanziert werden.
