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Wikipedia wird 15 Jahre alt: Beiträge zur Lage der freien Enzyklopädie [2. Update]

Wikipedia-logo-deBereits im Vorfeld des 15. Geburtstags der Wikipedia, der eigentlich erst am 15. Januar und damit Ende der Woche gefeiert wird, sind in zahlreichen Medien mehr oder weniger kritische Beiträge zur Lage der freien Online-Enzyklopädie erschienen. Gemeinsamer Nenner sämtlicher Analysen sind einerseits die Anerkennung für die enorme Leistung der freiwilligen AutorInnen und die zentrale Bedeutung der Wikipedia, die, andererseits, aber eben auch zu Sorge (Autorenschwund) und Kritik (Autorendiversität) Anlass geben.

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Astrid Herbolds Beitrag bei Zeit Online ist dementsprechend mit „Happy Birthday, Sorgenkind!“ betitelt. Herbolds legt den Fokus vor allem auf die Chancen und Risiken des neuen Vorzeigeprojekts Wikidata:

Auch bei Wikidata stehen die Inhalte, die ebenfalls von Ehrenamtlichen zusammengetragen werden, unter freier Lizenz: Sie dürfen ausgelesen, kopiert, verbreitet und weiterverarbeitet werden. „Wikidata hat ein riesiges Potenzial und könnte grundsätzlich verändern, wie wir freies Wissen im Netz wahrnehmen“, sagt Wikimedia-Mitarbeiter Jens Ohlig, der an der Entwicklung der Datenbank beteiligt ist.

Doch mit dem Potenzial geht möglicherweise auch eine neue Gefahr für die klassische Wikipedia einher. Je öfter Suchmaschinen und Sprachassistenzprogramme wie Siri oder Google auf die Wikidata-Datenbank zurückgreifen, desto mehr rückt der ausformulierte Lexikoneintrag in den Hintergrund.

Bei Spiegel Online gab es zum 15. Geburtstag bislang nur eine Klickstrecke mit „Wikipedia-Anekdoten„, aber vielleicht kommt da ja noch etwas mehr bis Freitag rechtzeitig zum Geburtstag hat Angela Gruber noch einen Artikel beigesteuert (siehe auch 2. Update).

Bereits am 8. Januar erschien ein Artikel von Torsten Kleinz im c’t-Magazin, der inzwischen auch online verfügbar ist. Er widmet sich unter anderem dem Versuch, Autorenschwund mittels Algorithmus zu bekämpfen:

Wenn zudem die ersten Gehversuche eines Neulings sofort wieder gelöscht werden, kommt der wahrscheinlich nicht so schnell wieder. „Unsere Studien zeigen, dass die Wiederkehrrate von wohlmeinenden Autoren eingebrochen ist, als diese Tools eingeführt wurden“, schreiben Aaron Halfaker und Dario Taraborelli, die die Situation in der Wikipedia untersucht hatten. […] Ihre Lösung dafür ist der „Objective Revision Evaluation Service“, ein selbstlernender Algorithmus, der künftig eine bessere Analyse liefern soll und als Webservice in 50 bis 100 Millisekunden eine Bewertung der Beiträge liefern kann. Inwieweit die Änderung im Backend tatsächlich für ein freundlicheres Klima auf Wikipedia sorgen wird, muss sich aber noch erweisen.

In der Süddeutschen Zeitung durfte ich schließlich auch eine Einschätzung beisteuern. Aus dem Fazit:

Das Beispiel Wikipedia ist der beste Beleg dafür, dass rein technologische Offenheit kein Garant für soziale Offenheit ist, im Gegenteil. Für Wikipedia gilt Ähnliches wie für Facebook und Zeitungsforen, die mit Hasskommentaren kämpfen: Digitale Plattformen basieren auf Voraussetzungen, welche die digitale Technik selbst weder herstellen noch garantieren kann, ohne die sie aber auf Dauer nicht lebensfähig sind.

Einen kurzen Fernsehbeitrag zum Wikipedia-Geburtstag gab es ebenfalls bereits im Magazin „Shift“ der Deutschen Welle, der hier online angesehen bzw. als MP4 heruntergeladen werden kann.

[Update, 14.01.2016] Bereits am Sonntag, 10.01. in der österreichischen Wochenzeitung profil erschienen aber erst jetzt frei online verfügbar ist eine „kritische Liebeserklärung“ von Ingrid Brodnig zum Wikipedia-Geburtstag:

Die größte Gefahr für die Wikipedia, wie wir sie kennen, ist wohl, dass aus Liebe eine Hassliebe wird.

[2. Update, 15.01.2016] Am Geburtstag selbst steuerte Torsten Kleinz noch einen zweiten Beitrag für heise.de über „Die Unvollendete“ bei, in der auch auf aktuelle Konflikte zwischen Wikimedia Foundation und Autoren-Community eingegangen wird:

Hinter den Streitigkeiten steckt ein grundsätzlicher Konflikt: Die Wikipedia- Autoren befürchten, dass ihre jahrelange Arbeit entwertet wird, sollte die Wikimedia Foundation die Wikipedia nicht mehr als Hauptzweck, sondern nur noch eine von mehreren Wissensquellen behandeln. Die Wikimedia Foundation befürchtet wiederum, dass sie Relevanz verliert und so ihrer Mission, das Weltwissen an möglichst viele Menschen zu verteilen, nicht mehr nachkommen kann.

Außerdem durfte ich mit Deutschlandradio Kultur über Wikipedia sprechen und Angela Gruper schreibt im Geburtstagsartikel von Spiegel Online über „schlechte Manieren“ als Bedrohung für die Wikipedia.

Das größte journalistische Geschenk machte aber wahrscheinlich die Tagesschau-Redaktion, die ihren Geburtstagsbeitrag gleich im Wikipedia-Gewand präsentiert:

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20 Kommentare
    1. Sehr gut. Das Prinzip Wiki ist für den Arsch, Marke gefährliches Halbwissen. Dafür kann Porno-Jimmy und seine Foundation im Geld schwimmen, muss er nicht mehr auf Währungen spekulieren.

  1. Oft befinden sich die Hemmnisse für die Mitarbeit im Kopf der Menschen: „Und da kann jetzt jeder was schreiben?“ „Du auch? Und was bekommst du dafür?“ „Wieso sollte ich was schreiben, was habe ich davon?“

    Tja, schade. Man könnte WP einfach als riesige Wissenssammlung benutzen, die eine Bereicherung für Alltag, Freizeit und Job ist… aber für die meisten Internetuser ist es wohl nur die Website, die in den Google-Suchergebnissen zu einem Begriff zufällig ganz oben erscheint. Bookmarken? Fehlanzeige („Was ist bookmarken? Ach nee, ich geb das einfach bei Google ein…“)

  2. Ich frag mich, wie die Menschen gestrickt sein müssen, die als Sklaven für WIKIMEDA umsonst arbeiten, damit die Jungs in Kalifornien mit üppigen Gehältern ausgestattet. Ihre eigene Zeit im firmeneigenen Wellness Bereich verbringen können. Vielleicht finden sich auch deshalb fast nur Männer. Frauen sind nicht so blöd. Oder haben es bzw. nicht so nötig, Ihr kleines EGO über sowas wie „Administratoren“ Rechte aufzublähen. Lächerliche Zuckerli an ganz kleine EGOS mit viel Tagesfreizeit. Der nächste vorhersehbare Schritt wird sein, dass sich die WIKIMEDIA auflösen wird, und die bisdahin gesammelten Millionen ( aktuel 84 Millonen $, Tendenz wachsend), zwischen den Gesellschaftern aufgeteilt wird. Das System WIKIPEDIA – WIKIMEDIA ist so durchschaubar für Blöde, dass es weh tut. Wäre ja nicht weiter schlimm, auch anderswo lassen sich Trottel, wenn auch nicht ganz so krass auf Sklavenniveau, ausbeuten. Gefährlich ist aber die politische und gesellschaftliche Fehlentwicklung, die durch die Indoktrination der neoliberalen Agenda der WIKIPEDIA einhergeht.

    1. Ich kann natürlich nicht für andere sprechen. Aber ich trage deshalb zu Wikipedia bei, weil sie mir regelmäßig hilft, einen schnellen Überblick über alle möglichen Themen zu bekommen. Das ist so eine Nehmen-und-Geben-Sache. Neidprobleme bzgl. irgendwelcher Foundation-Mitarbeiter habe ich nicht. Ich spende Zeit, nicht Geld.

      Interessant finde ich Deine Kritik, dass sich dort Trottel wie ich auf Sklavenniveau ausbeuten lassen und Wikipedia zugleich eine neoliberale Agenda verfolgt. Was wäre denn Dein Vorschlag: Autoren bezahlen und dafür jeden Zugriff vom Leser bezahlen lassen. Leider bleibt Dein Rant in dieser Hinsicht mehr als schwammig. Aber gut, dass Du Dich darüber ausgekotzt hast.

      1. Ganz wertungsfrei neutral stellt Du fest. dass die ( nur vordergürndig ) kostenfreie Wikipedia zunächst mal tausende von hervoragend qualifizierten Facharbeitskräfte, die Kranken – Sozial – und Rentenversicherung abgeführt haben, vernichtet hat. Die zudem einen Namen hatten, und der Verlag bekannt war ( nur am Rande bzgl.des Potanzials anonymer versteckter politischer Manipulation und Probaganda durch Geheimdienste der WIKIPEDIA ) . Deine Vorstellung, Wertschöpfung wurde zum einen „Ausdem Nichts heraus“ erbracht werden können, und weiter, es würde in der sogar keine Wertschöpfung durch WIKIMEDIA erzielt, ist mächtig naiv (?) wie völlig falsch. WIKIPEDIA wird durch allerlei Fremdmittel finanziert. Sei es zunächst der Staat, der seine Wissenschaftler bezahlt. Hier darf und kann die Finanzierung der Forschung nicht dazu dienen, dem Staat Steuern und Sozialabgaben durch die steuerfinanzierte Förderung von ( vordergründig ) Kostenlos Angeboten zu entziehen. In etwa, Kosten werden Sozialisiert, Gewinne in die WIKIMEDIA privtatisiert ( jetzt bitte kein Bla Blah zu Gmeinnützig und so, sonst wird es bitter naiv ) . Im weiteren Schreiben Menschen mit viel Tagesfreizeit. Das mag schon ab und an der reiche Privatier sein. Der Regelfall wird aber anders sein. Bezahlt durch andere Arbeitgeber, denen Wertschöpfung entzoegen wird, oder durch Transfermittel zur Lebensicherung des Staates. Die Inhalteerstellung bezahlt also ungefragt meist immer jemand anderes , als der Autor, der vorgibt, dies in seiner Freizit machen zu können. Was passiert folgend mit den Inhalten ? Umsonst für die Weltbildung ? Herrje…. 2015 sollte man niemand erklären müssen, wie Digitale Wertschöpfung funktioniert. Und wem das dennoch zu kompliziert ist, der schau nur auf den WIKIMEDIA – AMAZON Deal. Oder was FLICKR und zwischenzeitlich Hinz und Kunz an Enterprises an Bildern für die eigene Werbung abgreift. Nur Beispiele, Es erfordert nicht viel Nachdenken, um auf eigne Beispiele zu kommen. Was mich aber wirklich ärgert, ist das Abgreifsystem der WIKIMADIA Bonzen in den USA. Welch herrliche Konstruktion. Man erklärt sich einfach zu gemeinnützig ( ein Status der übrigens in Deutschland auch offiziel vom Finanzamt demnächst entzogen werden wird ) , und schiebt den wenigen Hauptamtlichen ( die Sklaven die richtig arbeiten, machen das ja freiwillig umsonst ) stattdessen einen Haufen Kohle in traumhafter Arbeitsumgebung zu. Sorry. Wie blöd muss man sein. Bzw. ne sorry,stimmt so auch nicht. Ich hab ähnliches schon früher bei Baghwan Jüngern gesehen. Die haben als Sklaven in Oregon gearbeitet, und Ihr Vermögen Ihren GURU vermacht. Und voller Glück haben die sich in den Oregon Staub geschmissen, als der Guru in einem seiner 13 Rolls Royes winkend und klimatisiert an Ihnen vorbeigefahen ist. Aber das war nicht nur Blödheit. Die Jünger hatte dabei tatsächlich ein Glücksgefühl, das man aktzeptieren konnte. Nur daraus, kann ich mir Verhaltensweisen der WIKIPADIA Autoren erklären. Es ist absurd, aber es gibt Ihnen ein Glücksgefühl, dass Sie sonst in Ihren Leben nicht generieren können.

      2. Anstatt 60 % der Deutschen Spenden in ein nebulöses schwarzes Loch hin zu dem Amerikanern zu transferieren, kann WIKI Deutschland das Geld doch an das Deutsche Finanzamt und die Sozialkassen überweisen. So als Ausgleichs Vorschlag. Was spricht dagegen ? Von mir aus auch 3 % ( was viel zuviel ist) als Ausgleich v. Datendiensten an die Amis überweisen. Wieso müssen die Amis unkontrolliert Millionen aus Deutschland anhäufen ? Wozu ?

      3. Lieber Ad Min,

        in deinen (bis jetzt) zwei Beiträgen fehlen für zentrale Fakten-Behauptungen die Belege. Das ist einer der Vorteile der Wikipedia zu Kommentarebene bei netzpolitik.org (und anderswo) – unbelegter Unsinn wird gelöscht.

    2. Sklaven, die freiwillig arbeiten … ich fürchte, da hast du in Geschichte nicht aufgepasst. Aber das passt zu einem mit Beschimpfungen (Trottel, Blöde, lächerlich …) gespickten Beitrag.

  3. Ich finde es super, dass es Wikipedia so weit gebracht hat. Wir haben vor kurzem erst das Haus meiner Großeltern aufgeräumt und eine Serie vom Brockhaus Lexikon gefunden. Das waren 40 Bücher und haben jeweils 3 Kilo gewogen.. Ich habe in einem anderen Artikel gelesen, dass papiergebundene Lexika weniger als 1% der informationen umfassen, die in auf de.wikipedia.org verfügbar sind.. Die infos sind über das Netz eh viel einfacher und schneller zu beziehen als aus dem Büchern… leider muss ich feststellen, dass der Schreibstil auf Wikipedia nicht zum lesen animiert.. ich ziehe mir die meisten antworten über Google von anderen Webseiten, die die infos in form von Anleitungen persönlicher aufbereitet haben.. wikipedia ist mir zu steril obwohl die vermutlich genauso gut anworten haben.

  4. Egal wie man zur Wiki steht. Es ist schon intereessant über die Motivation der Autoren nachzudenken. Auch in eigenen Interesse WIKis, denn offensichtlich finden sich immer weniger, die im System WIKI mitarbeiten wollen. Bei der enorm einhergehenden Arbeitsbelastung, gepaart mit den Erzählungen vieler einer „abgeschottetenen Clique“, kommt man nich umhin, darin auch Ersatzhandlungen zur Stärkung des ( kleinen?) eigenen Egos vermuten zu dürfen. Hier wird man von einer weltweit bekannten Institution mit Macht“ ausgestattet. Von den wenigen die man über die Presse präsendiert bekommen hat, kann man sicher vemuten, dass diese nicht gerade die Klassenlieblinge oder Führer waren. Eher die, die sich ab und an im Klassenmülleimer fanden. Auch das es Frauen bei WIKI schwer haben, passt dazu, sicher waren die Autoren auchnicht jene, die für die Mädchen aus der Klasse interessant waren. Und nun, diese Möglichkeit, Macht auszuüben, und es allen zu zeigen., vorallem den fiesen Weibern. Das man dafür für andere in einer Sklavenmentalität wird in Abwägung dazu, nicht als neagtiv wahrgenommen. Man ist Teil einer Community ( Sekte).

    1. Da kennt sich jemand in Psychologie aus: Es durften welche nicht Klassenliebling werden und schon Jahrzehnte später finden sie in der WP ein Machtinstrument für ihr geschundenes Ego. Sie setzen sich nächtelang hin und schreiben über australische Bienenvölker oder schwäbische Barockkirchen, um „Macht“ über „fiese Weiber“ auszuüben – allerdings anonym, so dass das Ego am Ende nicht mal groß rauskommt und keiner weiß, ob das mit den Kirchen nicht sowieso die fiesen Weiber waren.
      „Es ist schon intereessant über die Motivation der Autoren nachzudenken.“ – ja, so verscheiden können Interessen sein. Also ich will in der WP Artikel lesen, die stimmen und sauber recherchiert sind. So hat jeder sein’s.
      Warst du eigentlich der Klassenliebling, der mich in den „Klassenmülleimer“ gesteckt hat, weil ich eine Brille hatte, und den dann „die Mädchen aus der Klasse“ interessant fanden? Und das wirkt echt bis heute? Faszinierend.

  5. Habe auch schon gelegentlich Artikel in der deutschen und englischen Wikipedia korrigiert oder ergänzt. Geld gespendet habe ich allerdings noch nie, und das werde ich auch nicht tun, solange die Wikimedia Foundation nicht detailiert Rechenschaft über die Verwendung der Mittel ablegt.

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