In einer Pressemitteilung hat die DuMont-Mediengruppe gestern über einen angeblichen Hackangriff auf ihre Server berichtet. Als Reaktion habe man alle betroffenen Systeme abgeschaltet und die Kunden aufgerufen, ihre Passwörter zu ändern. Allerdings scheint der wahre Grund für die Sicherheitslücke eine falsche Konfiguration der internen Server gewesen zu sein.
In der Nacht zum Sonntag waren einige Internetauftritte der Mediengruppe nicht mehr verfügbar. Auf Twitter machte ein Link die Runde, der auf den offenen Server verwies. Folgte man diesem Link, erhielt man Zugriff auf die Quelldateien des verwendeten Content Management Sytems Perch und die Zugangsdaten der Datenbank. Die Logdateien der Zugriffe von Abo-Kunden waren ebenso einsehbar wie deren im Klartext gespeicherten Passwörter, Namen, E‑Mail-Adressen und Zugriffsdaten. Außerdem waren 250 eingescannte Studienbescheinigungen, die Studierende dem Kölner Stadtanzeiger geschickt hatten, verfügbar.
Fahrlässig: Kundenpasswörter lagen unverschlüsselt auf Server
Der Kreis der Betroffenen dürfte recht groß sein, denn zu DuMont gehören unter anderem folgende Medien: Kölner Stadt-Anzeiger, Kölnische Rundschau, Berliner Zeitung, Mitteldeutsche Zeitung, EXPRESS, Berliner Kurier, Hamburger Morgenpost, außerdem verschiedene regionale Anzeigenblätter sowie lokale Radio- und TV-Sender wie Köln.tv, TV Halle und joiz Germany.
Die Folgen des fahrlässigen Umgangs mit den eigenen Servern tat man mit den Worten ab, es handele „sich wahrscheinlich um einen Zugriff Dritter auf Serverdaten und zum anderem um die Webauftritte der Portale, die seit der Nacht zu Sonntag nicht mehr erreichbar sind.“ Der kritische Zustand der Server dauerte mehrere Stunden an, laut DuMont wurde die „Sicherheitslücke noch am Sonntagmorgen geschlossen.“
IT-Sicherheit scheint bei DuMont nicht besonders groß geschrieben zu werden: Alle Kundenpasswörter lagen unverschlüsselt als Textdateien auf dem Server. Dazu gab es bislang kein Kommentar seitens DuMont. Telefonisch war bei dem Unternehmen heute niemand erreichbar um Auskunft über die Hintergründe zu geben. Auf Rückfrage per E‑Mail äußerte Kommunikationsleiter Björn Schmidt, man befünde sich noch in der Analyse und werde „so schnell wie möglich weitere Erkenntnisse kommunizieren“. Merkwürdig nur, dass bei DuMont das Datenleck schon vor dem Abschluss der Analyse als Hackangriff deklariert wurde.
[Update, 12.4., 13:] In einer gestern Abend veröffentlichten Pressemitteilung hat DuMont nun seine Aussage korrigiert. Statt eines Hackangriffs sei eine Störung ursächlich für die Komplikationen gewesen. „Aufgrund einer technischen Panne waren für einen kurzen Zeitraum Daten für Außenstehende sichtbar“, so der Verlag. Man werde alle Kunden persönlich informieren.
Nach der bisherigen Analyse handelt es sich bei den Daten, die betroffen sein können, um Informationen aus E‑Paper-Abonnements aus Köln, Berlin und Hamburg. Ob über die gesicherten Erkenntnisse hinaus der Zugriff auf weitere Daten möglich war, wird derzeit analysiert.
