Technologie

Neues Tool zeigt konservative und liberale Filterbubbles bei Facebook

Facebook wird immer mehr zur primären Informationsquelle für seine fast 1,7 Milliarden Nutzer. Sei es Sport, Klatsch und Tratsch oder Politik – viele Nutzer erfahren Neues vorwiegend über den Facebook Newsfeed. Ein Tool des Wall Street Journals zeigt, wie unterschiedlich liberale und konservative Filterbubbles in den USA aussehen.

Screenshot des "Blue Feed, Red Feed" Tools der Washington Post

In der letzten Woche gab es Aufregung um die mutmaßliche Befangenheit der „Facebook Trending News“. Dabei handelt es sich um ein Feature der Plattform, das in Deutschland nicht verfügbar ist. Die „Trending News“ sind ein Übersichtsbereich, in dem die öffentlich auf Facebook meistdiskutierten Themen zusammengefasst werden und mit einen charakteristischen Artikel zum Thema verlinkt werden.

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Der Techblog Gizmodo sprach mit ehemaligen Mitarbeitern, welche aussagten, dass die Kuratoren der „Trending News“ politisch liberale Medien favorisieren würden. Konservative und rechte Nachrichtenseiten würden bewusst eingeschränkt. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat die Vorwürfe zurückgewiesen und sich mit konservativen Politikern getroffen.

Filterbubble zum Ausprobieren

Die Datenjournalisten des Wall Street Journal zeigen auf der Seite „Blue Feed, Red Feed“, wie die Filterbubble bei Facebook real aussieht. Nutzer können sich zu Themen wie Bernie Sanders, Waffen oder Transgender einen exemplarischen liberalen und konservativen Newsfeed anzeigen lassen. Es ist faszinierend, die unterschiedliche Wahrnehmung und Deutung aktueller Ereignisse durch unterschiedliche politische Linsen zu sehen. Die angezeigten Beiträge werden stündlich aktualisiert und stammen von den Facebook-Seiten liberal und konservativ geltender Nachrichtenportale.

Die Kategorisierungen stammen aus einer Studie von Facebook aus dem letzten Jahr. In dieser bewerteten die Wissenschaftler Nachrichtenseiten als sehr liberal oder konservativ, wenn ihre Posts mehrheitlich von Nutzern geteilt wurden, die als sehr liberal oder konservativ eingestuft wurden. Die Wissenschaftler beriefen sich bei ihrer Einstufung auf eine Selbsteinschätzung der Nutzer. Die Washington Post erläutert das im Detail:

They examined the self-described political leanings of people who shared links on Facebook to calculate a political “alignment score” for each link. Using that score, they grouped the links into five categories, from “very conservative” to “very liberal.” So that site’s current content appears in the Journal’s conservative column because more than half of its links fell into the “very conservative” category during the period of the study

Big Data kann Wahlen beeinflussen

Auch Spiegel Online widmet sich der Frage, welche Macht Internetkonzerne und soziale Netzwerke für politische Entscheidungen haben. Fabian Reinbold interviewt die Wissenschaftlerin Kate Crawford vom Thinktank Microsoft Research zur Rolle von Facebook und Big Data im Wahlkampf.

SPIEGEL ONLINE: Und abhängig davon, was er unentschiedenen Wählern im Netz anzeigt, könnte ein Tech-Konzern den Ausgang zumindest mitbestimmen.

Crawford: Es gibt zumindest riesige ethische Fragen, die sich in Wahlkämpfen zeigen, schließlich hat Facebook dabei diese enorme Macht. Gibt es einfache Antworten für eine Firma wie Facebook? Nein. Wird dort über solche Fragen nachgedacht? Ja. Brauchen wir darüber eine öffentliche Debatte? Ganz sicher. Ich erwarte eine heftige Diskussion darüber, wie Wahlen mithilfe von Daten beeinflusst werden können.

Kate Crawford hat vor zwei Wochen auf der re:publica einen Vortrag über die Notwendigkeit einer Datenethik gehalten. Ihr Vorwurf: Viele Formen der Diskriminierung, die wir in unserer Gesellschaft größtenteils überwunden geglaubt haben, leben in Algorithmen weiter. Klare Informationen über deren Funktionsweise könnten gegen Benachteiligung helfen.

Update: In einer frühen Version hatten wir die Washington Post mit dem Wall Street Journal verwechselt.

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12 Kommentare
  1. Ja wichtige Debatte. Facebook nimmt immer mehr die Gatekeeperfunktion ein, die einst der Journalismus für sich beansprucht hatte. Wie lange noch ist für Politiker der morgendliche Pressespiegel wichtiger als Google Trends?

  2. Früher nannte man sowas Propaganda heute erledigt die ein Algorithmus. Besser wird es dadurch auch nicht. Einziger Vorteil heute gegenüber früheren Zeiten ist, dass solche – ob so gewünscht, mal dahingestellt – Meinungsbeeinflussung recht gut sichtbar ist – noch.

  3. Hat jemand einen Tipp? Ich sehe nur zwei leere Spalten. Unten steht die Meldung:
    „These Facebook posts do not represent the reporting or opinion of The Wall Street Journal, and are not verified, edited or endorsed in any way. Read our Methodology.“

    Ich habe sogar extra ein neues profil angelegt. Es funktioniert nicht.

  4. Wenn man davon ausgeht, dass die Alternative bei Leuten, die FB als Nachrichtenquelle betrachten, wohl FOX-News heissen dürfte, dann ist die FB-Filterbubble womöglich noch die harmlose Alternative.
    Doof bleibt eben doof. Da helfen keine Algos.

  5. Hm, gab es das nicht schon mal mit diesem Wahlkampf in den USA wo das alles so toll war, das danach der Havanna-Raucher bei uns Kanzler wurde und nun für Gasprompt sorgt?
    Der hatte einen italienischen Schneider, der EURO ist dort nicht so stabil. Schaut halt jeder was er so ändern kann, oder?
    Wer hat eigentlich Zugriff auf die Datenbanken und kann sauber auswerten was Sache ist?
    Wen interessieren denn die Charts oder Algorithmen, mich interessiert die META-Ebene.
    Außerdem interessiert mich, wer die ganzen naiven Handynutzer steuern kann, die glauben doch was in Funk, Fernsehen , Radio und Internet geschaltet wird. Oder ist das Internet noch ehrlich?
    Lieben Gruß SUSI

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