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„Warum entwickeln wir kein europäisches Betriebssystem?“ – Ein Kommentar zur Antwort der SZ

CC BY-ND 3.0 via fsf.org

In der Kolumne „Ihre Frage“ der Süddeutschen ging es gestern darum, zu beantworten, warum eigentlich kein europäisches Betriebssystem entwickelt wird.

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Warum entwickeln wir nicht endlich ein offenes, europäisches Betriebsystem für PCs, Tablets und Handys, so dass wir wissen, was im Inneren mit unseren Daten geschieht, und wir so wieder Vertrauen in unsere Geräte fassen können?

Pascal Paukner versuchte sich an einer Antwort und verweist darauf, dass so etwas „im Prinzip“ schon gibt – Linux nämlich, doch:

Es ist zwar offen, frei und sicher, hat aber den Ruf, nicht sonderlich sexy zu sein.

Er argumentiert, dass man mit den Hardwareherstellern in Kontakt stehen müsse, die eben nicht in Europa säßen und daher Subventionen nötig seien, um die Entwicklung nach Europa zu holen. Er zieht leider nicht die Konsequenz, dass das System im Wesentlichen hieran krankt, denn Lösung kann es nicht sein, die Kooperation mit Hardwareherstellern zu vereinfachen. Lösung muss sein, offene Hardware zu fördern, sodass es nicht mehr möglich ist, durch proprietäre Systemkomponenten die Entwicklung freier und offener Software zu behindern. Es geht nicht darum, dass die EU-Kommission ein neues Apple, Microsoft oder Google „kreiert“, es geht darum, die Mechanismen dieser kommerziellen Technologiekonzerne aufzubrechen. Denn sonst landet man zwangsläufig wieder an dem Punkt, der einen Großteil der Linux-Distributionen zu unfreien Systemen macht: Unfreie Gerätetreiber, Firmware-Blobs und andere proprietäre Programme.

Paukner hat Recht, Innovation lässt sich nicht „staatlich verordnen“. Aber es lassen sich Umstände schaffen, die ihr Raum geben, sich zu entwickeln. Eine Community motivierter Entwickler, die nicht aus kommerziellen Interessen arbeiten, sondern weil sie gute Systeme schaffen wollen, sind genau diejenigen, die das bewältigen können. Vielmehr als Konzerne, die sich danach richten, was gerade hip und trendy ist. Doch dafür müssen ihnen Förderungen gewährt und Hindernisse aus dem Weg geräumt werden.

Denn es nützt das innovativste und „sexieste“ freie und offene Linux nichts, wenn wir zu befürchten haben, dass es nicht mehr auf Standardhardware läuft, weil Secure Boot das Zertifikat des Systems nicht mehr akzeptiert und freie Systeme aus guten Gründen nicht für das Signieren ihres Kernels bezahlen wollen. Und schon jetzt kann es einen Menschen zur Verzweiflung bringen, Linux auf Systemen mit UEFI zu installieren.

Zuletzt wird die Frage aufgeworfen, ob ein europäisches Betriebssystem das Vertrauensproblem überhaupt lösen könnte, denn:

Wie inzwischen bekannt ist, arbeiten Geheimdienste aus Europa in vielen Fällen nicht viel anders als ihre Kollegen aus den USA. […] Man müsste ganz grundsätzlich die Internetinfrastruktur überarbeiten. Da erscheint es fast einfacher und zielführender, die große Macht der Geheimdienste endlich einzuschränken.

Was stimmt ist, dass die Internetinfrastruktur überarbeitet und dezentralisiert werden müsste. Klar, ein Betriebssystem löst nicht das Metadatenproblem bei Kommunikationsvorgängen. Aber es gibt Vorbilder wie Tails, die mögliche Schritte gehen und standardmäßig einen anonymisierten Internetzugang über Tor umsetzen und eine Menge Krypto-Tools zum Verschlüsseln von Mails, Dateien und Instant Messages mitliefern.

Aber dass es einfacher sein soll, die Macht der Geheimdienste einzuschränken? Wohl kaum, denn auch wenn dementsprechende gesetzliche Regelungen erlassen würden, die zweifelsohne nötig und wichtig sind, bleibt die Unkontrollierbarkeit dessen, was im Verborgenen geschieht. Wobei man wiederum nicht vergessen darf, dass die Geheimdienste bei der Gestaltung der Netzinfrastruktur prägend mitwirken. Genau wie bei der Standardisierung von Kryptoverfahren, in die verborgene Hintertüren eingebaut werden. Womit man wieder am Anfang steht. Offene und freie Betriebssysteme reichen nicht. Es braucht eine Öffnung von Hardware und Standards- sowie den dahinterliegenden Standardisierungsprozessen. Ganz egal, ob europäisch oder nicht.

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40 Kommentare
  1. Was mich immer wieder wundert ist, dass die Politik so sehr zögert, selbst die geringen Möglichkeiten, die sie hat, auszunutzen.

    Konkret denke ich da an:

    1. Die Kartellbehörden, welche mal ein scharfes Auge werfen sollten auf Secure Boot und die Regelungen die da zwischen Microsoft und den Hardwareherstellern gegroffen wurden und

    2. Die Verwaltungsbürokratien. Wenn Deutschland, Frankreich und die EU-Behörden festschrieben, dass sie nur Hardware kaufen, für die quelloffene und offen lizensierte Treiber vorhanden sind (Security! Industriespionageabwehr! Cyber! Cyber!), dann würde das alleine reichen, um ein paar offene Produkte am Markt zu halten. Noch besser wäre es natürlich, wenn sich die Bürokratien aller EU-Staaten beteiligten.

    Aber vermutlich ist das zu viel gehofft. Irgendwie traut sich heute keiner mehr, das Heft in die Hand zu nehmen und die Gestaltungsspielräume zu nutzen. Und das Netz/die Zukunft ist noch nicht mal das einzige Politikfeld, in dem das so ist. Natürlich könnte man sich angesichts dessen fragen, ob wir eine Regierung, die nichts macht, überhaupt brauchen.

    1. Deutschland und noch viel mehr die EU ist das Opfer der Bürrokraten geworden. Visionsloser Leute die lieber den Alltag bis ins kleinste Detail verwalten wollen anstatt wirkliche Visionen anzugehen. Vor allem Bürokratien die über Themenfelder regulieren und verwalten von denen sie offensichtlich keine Ahnung haben. Ich denke das man da auch für die Zukunft nix erwarten kann als die immer währende selbstbeschäftigung der Bürrokraten mit sich selbst (von der man sich eher fern halten sollte sonst wird man von denen nämlich auch mit Bürrokratie beschäftigt).

      Daher wird es in Europa auch nix mit Linux oder europäischem Betriebssystem. Das wird selbst dann wenn ein entsprechendes Programm beschlossen wird dermaßen unter der Kontrolle der Bürrokraten stehen das echte Kreativität und Inovation kaum möglich wäre. In sofern, da gibts nur eins: Selber machen.

  2. Das Problem von Linux ist, dass es meist versteckt ist. Die meisten Linux-Nutzer wissen einfach gar nicht, dass sie welche sind. Aber Linux steckt in so vielem. Die meisten Router laufen unter Linux, nur steht das nirgends. Bei meinem heißt es zum Beispiel „FritzOS“. Auf Handys und Tablets trägt es meist den Namen „Android“, es steckt in Navigationsgeräten und vielem mehr… Auch viele Websites laufen unter Linux: Google, Wikipedia und so weiter…

    Das eigentliche Problem von Linux ist, dass keine Marketingabteilung dahinter steckt. Nur darum ist es nicht „sexy“.

    1. Wobei im Falle von Android der Linuxkernel um proprietäre Bestandteile erweitert und die meisten Apps (zunehmend auch die Sytemapps von Google) sind Closed Source. Bei Routern könnten nur Modelle mit Firmwares á la OpenWRT richtig frei sein.

      Dennoch sollte meines Ermessens auch in der Schule mehr Bewusstsein für freie Software erweckt werden.

    1. Wahrscheinlich nicht, aber man kann das machen was wir ohnehin schon tun: Drauf scheißen.
      Die meisten US-Patente könnte man in Europa ohnehin nicht eintragen lassen, weil sie nicht mal ansatzweise die Mindestansprüche dafür erfüllen (siehe auch: „Rechteckiges Gehäuse mit abgerundeten Ecken“). Folglich sind sie hier auch nicht durchsetzbar. Vielleicht lässt sich das Produkt dann nicht mehr in den USA verkaufen, aber das ist ja auch nicht der Sinn.
      Gerade im Bereich Software und Algorithmen sind praktisch alle US-Patente wertlos – wenn unsere Behörden den Mut hätten, „nein“ zu sagen.

  3. Das es nur so wenig offene Hardware gibt liegt nicht an der mangelnden Subventionen aus Brüssel. Es liegt einfach an dem fehlendem Business Modell. Wenn ein Hersteller alle technischen Details offenlegen soll wie vermeidet er dann das die Kunden nicht den Nachbau seines Produkts kaufen. Wie kann man den Entwicklungsaufwand, der ja einfach mal da ist, finanzieren in einem solchen Modell?

    Darauf müssen wir eine Antwort finden. Dann wird ein solch offenes System auch ganz schnell sexy.

    Lustiger Weise war das (offen legen der technischen Spezifikation – mit Möglichkeit den Entwicklungsaufwand zu finanzieren) ja genau der Grund weswegen das Patent System erfunden wurde,…

    1. Der Hersteller braucht nicht die Interna seines Geräts offenzulegen, sondern die betriebssystemseitige Schnittstelle – also wie das Gerät angesprochen werden muß, damit es tut, was es soll. Wie das Gerät es fertigbringt, dies sogar wahnsinnig toll zu machen (sofern das der Fall ist), darf er für sich behalten.

      1. Gerade bei Geräten die „betriebssystemseitige Schnittstelle“n haben bleibt da nicht mehr viel übrig was geheim gehalten werden kann.

        Um Geld zu sparen werden viel Funktionen in den Treiber verlagert. Wenn man nun dieses Wissen wie man das beste aus den Standard Komponenten raus holt geheim halten will bräuchte man also wieder einen Prozessor im Device und müßte sich ein Protokoll zum Betriebssystem einfallen lassen. neben den höheren Kosten ergibt sich dann auch das Problem das man zusätzliche Verzögerungen durch den zusätzlichen Bearbeitungsschritt bekommt,..

        Außerdem hilft das gerade für die Sicherheits-Geschichte wiederum gar nichts. Denn dann kann ein böser Hersteller, oder die NSA ja wieder was in dem gerät verstecken,…

        Was helfen könnte währe eher ein Ansatz andersherum. Wenn die Community sagen würde, hey wir haben hier Treiber für Geräte die diese Standard Komponenten einsetzen. Hier ist ein Beispiel Schaltplan. Und jeder der uns ein passendes Gerät Zeigt bekommt ein Sigel das sein gerät kompatibel ist. Kann uns jetzt mal bitte jemand solche Geräte verkaufen?

        Wenn also die gesamte Produkt Entwicklungs-Arbeit schon getan ist und man dann „nur“ noch ein Produkt daraus machen muß dann kann es sein das sich da jemand findet. Natürlich nur wenn es auch genug Kunden gibt.

  4. Die Antwort ist einfach: weil der Zug längst abgefahren ist.

    Um Win8 nutzen zu können, muss man sich bei ms registrieren.

    Word, Excel, Powerpoint und Co können jetzt schon fast nur noch über die Server von ms gestartet werden.

    Die Lizens läuft nur noch 365 Tage (ms bzw. die USA können jederzeit in jedem Land überall das Starten dieser Programme verhindern, die Folgen sind unabschätzbar ;)

    Der nächste Schritt wird sein, dass die Dokumente (Word, Excel und Co) immer auch in der ms cloud gespeichert werden müssen.

    Die EU ist lächerlich!

    Dazu passt übrigens die Nachricht, die man in den news unter „Galileo“ findet. Hat wirklich jemand gedacht, dass die Russen oder auch die Amis es zulassen, dass Europa ein eigenes GPS aufbaut … (die haben doch wirklich die Russen damit beauftragt, unsere GPS-Satelliten hochzubringen ;D)

    1. Auf meinem Laptop läuft nicht Win8 (war vorinstalliert) sondern Linux und ich kann nicht behaupten, irgendwas zu vermissen.

      Im Gegenteil: Ich habe mich so an das einfache Updaten bei Linux gewöhnt, das ich gar nicht mehr so wirklich was mit Windows zu tun haben will.

    2. Hallo Marc,

      die Lösung wäre natürlich ein System ganz ohne Windows. Statt Microsoft Office gibt es dann Open Office, statt Internet Explorer Firefox usw.

      Ich selbst habe zuhause nur noch Windows, weil ich von Zeit zu Zeit gern Computerspiele zocke, welche auf Linux noch etwas Mangelware sind. Aber das ist im Verwaltung- und Geschäftsleben eher unerwünscht, also kein Hindernis für die Einführung von Linux ;-)

      1. Hallo Martin,

        ich muss dich leider enttäuschen.

        Schau mal in den news unter zB „Verwaltung München Linux“.

        An der Wirklichkeit kommt man nicht vorbei, unix ist halt eher was für nerds.

        Ganz praktisch konnte man den nicht mehr aufzuholenden Vorsprung der USA übrigens bei Nokia sehen. Die Hardware war vorhanden, das Geld und eigentlich auch das Personal. Trotzdem, keine Chance gegen Googel und Appel ;)

        Das Ganze betrifft übrigens auch die nationale Sicherheit und Autonomie, nur mal so zu den jüngsten Äußerungen eines gewissen Bundesinnenministers zum Thema.

      2. marc, schau doch mal, was der mensch oben geantwortet hat.

        der arbeitet offensichtlich nicht in der münchner stadtverwaltung, wo der fisch übrigens auch längst noch nicht geputzt ist. dem ging es um seinen persönlichen informatikpark.

        viel spaß noch beim daddeln!

        .~.

  5. Wer sich für keine Quell offene Hardware beim Kauft entscheidet ist eben selbst dran Schuld…

    Ich kenne durchaus eine menge Leute die den Umstieg von Windows zu Linux für sich geschafft haben

    1. „Wer sich für keine Quell offene Hardware beim Kauft entscheidet ist eben selbst dran Schuld…“

      Für die Demokratie ist es ziemlich egal ob du oder ich komplett sichere systeme nutzen.
      Wichtig ist, dass die große bevölkerung und vor allem auch entscheidungsträger sicher komunizieren können.

      Da ist dein Spruch nicht nur überheblich sondern geht aus demokratischer sicht auch in die komplett falsche richtung.

    2. Meinst du Hardware oder Software? Ich glaube nämlich nicht, dass du in Deutschland einen Elektromarkt findest (Saturn Mediamarkt, Medimax usw.), der auch nur ein Hardwareprodukt im Angebot hat, dass wirklich komplett offene Hardware hat…eventuell in speziellen Geschäften. Amazon und die meisten Onlinehändler haben nicht mal eine Kategorie dafür. Da musste schon wirkich gezielt suchen. Einen kompletten Computer oder Laptop wäre mir jetzt gar nicht bekannt (kennst du da was?), lediglich ein paar Einplatinencomputer kenne ich mit offener Hardware.

      Wenn du Software meinst, stimme ich dir zu, da ist das Angebot viel größer und in vielen Bereichen gleichwertig (oder sogar besser) als ClosedSource Produkte (siehe z.B. Linux).

  6. Schoener Artikel!

    Im Kontext von Loesungen oder jedenfalls Verbesserungen koennte man noch Retroshare oder Gnunet erwaehnen. Das loest fuer diverse Anwendungsgebiete das Metadatenproblem relativ weitraeumig.

  7. „Eine Community motivierter Entwickler, die nicht aus kommerziellen Interessen arbeiten, sondern weil sie gute Systeme schaffen wollen, sind genau diejenigen, die das bewältigen können.“

    Und die werden bitte wie bezahlt? Es gibt kaum (eigentlich kenne ich gar keins) OpenSource Projekte, die nicht regelmäßig kurz vor der Pleite stehen. Sieht man z.B. sehr gut an Mozilla, die sind streng genommen mittlerweile komplett abhängig von Google (finanziell gesehen). Wenn du jetzt noch Hardware dazu nimmst sieht es komplett düster aus. Zahle ich zukünftig nur noch die Materialkosten für die Hardware, glaubst du im ernst jmd hätte noch Lust aktiv zu entwickeln? Einige sicher, aber dann nur die paar Stunden am WE, an denen die Leute Freizeit haben und nicht grade Geld verdienen müssen. Also wie finanzieren? Durch Spenden? Ich glaube ihr bei netzpolitik.org wisst nur zu gut, dass Spenden keine zuverlässige Einnahmequelle sind. Durch Staatliche Förderungen? Eigentlich keine schlechte Idee, aber ich glaube nicht, dass du damit die Kosten wirklich abdecken kannst. Außerdem wird es eine endlose Disskusion darüber geben, wieviel Geld dann an wen ausgeschüttet werden soll und so wie ich unsere Bürokratie kenne werden Projekte auf diese Weise nicht unbedingt schnell an Geld kommen.

    Ich finde, dass eigentliche Problem liegt woanders: Vertrauen! Vertraue ich dem Hersteller (zumindest einigermaßen), ist das die halbe Miete, selbst wenn ich nicht selber Einsicht in den SourceCode habe (den ich vermutlich eh nicht verstehen würde). Dieses Vertrauen ist größtenteils futsch. Es passiert nur leider trotzdem sehr wenig. Kommt raus, dass Kleidungsmarke A seine Produkte von Kinder zusammennähen lässt, ist der Skandal groß, die Marke wird von den Kunden gemieden und die Marke muss darauf reagieren. Kommt raus, dass Softwarefirma A Hintertüren in seine Produkte baut ist der Skandal vergleichsweise klein. Besonders bei den großen Softwarefirmen (Apple & Google & MS z.B.), die haben ja auch wenig zu befürchten, dank mangelder Alternativen ist der Kunden mehr oder weniger an sie gefesselt, selbst wenn sie damit unzufrieden sind.

    Was also fehlt ist einerseits mehr Vielfalt in der Branche und andererseits Kunden mit mehr Sensibilität in dem Thema. Bei beidem könnte der Staat sicher nachhelfen.

  8. „Denn sonst landet man zwangsläufig wieder an dem Punkt, der einen Großteil der Linux-Distributionen zu unfreien Systemen macht: Unfreie Gerätetreiber, Firmware-Blobs und andere proprietäre Programme.“

    Es gibt genug ausgereifte, über jahrzehnte bestehende Linux-Distributionen die keine unfreien Gerätetreiber, Firmware-Blobs oder proprietäre Programme beinhalten. Mir fällt direkt mal Debian ein: https://www.debian.org

    Die setzten sich sogar zusammen mit der FSF für freie Hardware ein:
    https://www.debian.org/News/2014/20140908

    1. Das stimmt zwar, aber 1) ist Debian nicht unbedingt eine Einsteigerdistribution (vorallem nicht für Leute ohne Computerinteresse) und 2) laufen die freie Geräteteiber nicht immer auf der neusten Hardware. Grade wenn du bei Debian Stable bist, deren Software/Treiber nunmal zwangsweise nicht immer auf dem neusten Stand sein kann, hast du mit neuer Hardware und freien Treibern oft Probleme (vorallem bei Grafik und WLAN Sachen).

      1. Natürlich ist Debian eine Einsteigerdistribution! Einmal installieren und Surfen/Office (was der Großteil der Nutzer macht) gehen direkt vom Start ohne Probleme. Mit Hardware hat man dort auch keine Probleme. Sollte es wirklich mal Hardware/Treiber-Probleme geben, sollte man sich mal Gedanken um den Hardware-Hersteller/Verkäufer machen, was man sich für ein minderwertiges Produkt hat verkaufen lassen.

      2. ??? Mir ist absolut unbegreiflich, wie du auf sowas kommst…
        Die aktuelle Debian Stable Version (Wheezy) unterstützt nichtmal vollständig die Haswell Integrated Graphics Reihe. Die 4400 und 4600 Modelle davon sind gefühlt in jedem dritten Laptop zu finden und beide würde ich nicht grade als neu bezeichnen! Von neueren Sachen will ich gar nicht erst anfangen. Und wenn du jetzt mit Testing/Jessie kommst: Nichtmal die Debianentwickler empfehlen das für Leute ohne entsprechendes Wissen oder zumindest mal Interesse an Computersachen. Ich müsste mir um so ziemlich jeden Hardware-Hersteller Gedanken machen wenn ich ihm verwerfen wollte, dass seine neusten Produkte nicht mit Debian Wheezy vollständig laufen.

        Verstehe ehrlich gesagt auch wirklich nicht, wie du auf sowas kommst?! Debian selbst hat die Philosophie, dass Stabilität vor Aktualität geht. So eine Einstellung ist mit immer neuer Hardware nunmal nicht zu vereinbaren. Ist doch auch ok so (bin selbst Debian Nutzer). Debian hat andere Priorität und damit nunmal auch eine andere Zielgruppe.

        Surfen/Office geht nebenbei nur ohne Probleme, wenn man nicht auf die neuste Version der Software angewiesen ist. Aber gut, dass führt jetzt zu weit, was Einsteigerfreundlich ist, ist sicher auch zu einem großen Teil Geschmackssache.

      3. „Stabilität vor Aktualität“, genau was die meisten Anwender brauchen! Nur Schafe brauchen den neusten überteuerten Kram, der alte Sachen umfasst aber einen neuen Namen bekommen hat. Daher ist Debian Stable perfekt für den Normalo (=90% der Bevölkerung).

        Wofür Otto-Normalbürger das neueste Office braucht verstehe ich auch nicht. Was ist darin enthalten dies man(TM) das unbedingt braucht?

      4. Also du verlangst jetzt ernsthaft von Otto-Normal-Verbrauchern, dass sie nicht nur genau wissen, welche Hardware in ihren Computern/Laptops verbaut ist, sondern dass sie auch noch entscheiden können, ob die verbaute Hardware geeignet für sie ist oder sie vlt auch mit älterer Hardware auskommen könnten? o.O Na, den Otto-Normal-Verbraucher möchte ich mal kennen lernen.

        Dieser neuste (überteuerte) Kram, wie du ihn nennst, steht nunmal hinter jeder Verkaufstheke. Das ist Fakt. Ich glaube auch nicht, dass der durchschnittliche Verkäufer seine Kunden besonders auf „mit freien Treibern funktionierende“ Produkte hinweisen wird. Mal abgesehen davon, dass es meist sehr mühselig ist an aktuelle Listen zu kommen, welche Hardware überhaupt mit freien Treibern lauffähig ist.

    2. Aber Hallo,
      ich verwende seit mehr als 10 Jahren verschiedene Linuxe…
      anfangs Open Suse, Mageia, ArtistX, und landete bei Mint 17Cinnamon und
      Point Linux mit Mate ( Gnome2 Fork) auf Tosh Satellite L500 IC7 oder Dell Studio 1537 oder
      LG 110X oder auf verschiedenen Brummern unterm Tisch.
      NUR bei einem von diesen gibts noch ein OFF-LINE Winxp (legal),
      sonst keine gekaufte Software.
      Es geht doch fast alles, incl disc-copy for friends, drucken mit Gutenprint,
      pdf bearbeiten oder Bilder bearbeiten und auch kleiner machen für free mails,
      natürlich auf Seiten im Web copy und paste , zB. als pdf oder doc zum tauschen.
      Debian 7 konnte leider den (Broadcom) Wlan wegen „proprietaerer“ Software nicht einrichten, sonst ok.
      Also, Es ist die Gegenpropaganda von MS und den anderen NONfree s, dass ein Benutzer was verliert oder dann etwas nicht kann…
      es gibt aber eine super hilfreiche Mit-Täterschaft im Internet und auch einzelne engagierte persönliche Helfer. Siehe Hilfe beim XP-SupportEnde bei einige RepairCafes.
      LINUX ohne Firmenanbindung und MS-SpezialSpysoftware-Notwenigkeit ist doch leichter zu benutzen und erlernen als den Umstieg von W7 über W8 auf W8.1..
      Habt keine Angst !!!
      ui1947

  9. Die Zeiten, in denen Linux „unsexy“ ist, sind doch lange vorbei. Vergleicht man Gnome, Cinnamon oder gar Unity mit dem inkonsequenten Halb-Metro-halb-Explorer-Desktop von Win8, sieht so manche Linux-Distribution sogar sehr gut aus. Gleiches gilt z.B. auch für das finnische Sailfish-OS im mobilen Bereich (seeehr „sexy“ , vor allem in der Bedienung).
    Und selbst auf nem reinen UEFI-MacBook lässt sich fast jede Linux-Distribution mittlerweile gut installieren (selbst ein Arch-basiertes Manjaro).
    Das können also keine Gründe sein, dass man Linux nicht verwendet. Die eigentlichen Gründe sind wohl eher Gewohnheit und die mangelnde Linux-Unterstützung vieler Spiele.
    Es gibt da durchaus auch wirklich freie Distributionen, aber die Realität ist, dass vieles meist an der Offenheit der Hardware-Hersteller und Codecs scheitert. Aber auch das ist aus Lizenzgründen oft so gewollt, auch politisch (vor allem mit Blick auf die vielen politisch beschlossenen Datenformate z.B. bei DVB oder DAB im Rundfunk). Da werden die Entscheidungsträger also oft auch falsch beraten. Wer jedoch A sagt, muss auch B fordern. Es beginnt also nicht mit einem freien europäischen Betriebssystem, sondern mit der Unterstützung von offenen Codecs und offener Hardware.

  10. Linux ist nicht sexy? Ich habe auf meinen Laptops Ubuntu (wird demnächst gegen Debian ausgetauscht) und Fedora laufen und find’s rat-ten-scharf. Was ist schon sexyer als Freiheit?
    Okay, man muss dabei auf eine friktionslose Integration von Hardware, Software, Services verzichten, wie sie Apple hingekriegt und damit den nahezu perfekten goldenen Käfig geschaffen hat…
    Aber Anna hat schon Recht: Nicht-offene Hardware ist am Ende doch das eigentliche Problem. Am deutlichsten wird das bei Mobilgeräten: Auf meinem Smartphone läuft zwar Cyanogenmod, bereinigt von aller Google-Software. Aber dann gibt es da ja dann noch den Baseband-Prozessor, und auch auf der SIM-Karte läuft ein weiteres, rudimentäres Betriebssystem. Beides black boxes mit proprietärer Firmware. Ganz zu schweigen davon, das Cyanogenmod auch auf proprietäre Treiber zurückgreift. Da ist die gefühlte Freiheit vielleicht groß, meine tatsächliche Kontrolle über das Gerät aber sehr eingeschränkt.
    Also muss offene Hardware her. Und genau da werde ich pessimistisch. Im Software-Bereich ist es möglich, selbst Mammutprojekte communitybasiert zu stemmen. Aber Hardware-Entwicklung ist naturgemäß ungeheuer teuer, da sind freie Alternativen zu der Intel-, Infineon-, Broadcom-, Nvidia-Welt nicht möglich. Und dass „die Politik“ die nötige Offenheit bei den großen Playern erzwingt? Ist angesichts der herrschenden Religion des freien Marktes ausgeschlossen.

  11. Aber das größte Hinderniss von Linux sind die Touchpadtreiber. Echt! Jedes Jahr installiere ich ein Ubuntu oder Mint auf einem Macbook Air. Und das erste mit dem ich nach dem booten begrüßt werde, ist ein Verhalten des Touchpad dass einem die Finger wehtun.

    Das Verhalten lässt sich über die Konfigurationsdatei optimieren. Aber „ein Finger zeigt, Daumen liegt und klickt“ habe ich noch nie wie unter OS X zum Laufen bekommen. Entweder geht nur einer von beiden oder es zoom oder …

    1. Du hast ja Recht: Ein so gut abgestimmtes Zusammenspiel, wie es Apple-Hardware und OS X bieten, ist für ein „gerätefremdes“ Betriebssystem im Detail kaum zu erreichen. Das war für mich der Grund, vor drei Jahren (bis dahin war ich beruflich gewungen, Apple einzusetzen) einen radikalen Bruch zu vollziehen: Abstoßen des gesamten Apple-Geräteparks, Neuanschaffung von Rechnern mit dem Fokus auf GNU/Linux. Und was soll ich sagen? Auf meinen Thinkpads ist die Funktionalität der Touchpads unter Lunux deutlich besser als unter dem vorinstallierten Windows 7 Professional. So kann’s halt auch kommen.

  12. Schon die Frage „Warum entwickeln wir kein europäisches Betriebssystem?“ zeugt schon von einer gewissen Naivität. Nur weil ein OS in Europa oder – was wahrscheinlich gemeint war – in der EU entwickelt wird, sagt per se nichts darüber aus, ob nicht irgendwelche Hintertüren oder sogar normale Türen eingebaut werden.

    Den Anwendern von heute verkauft man doch gerade, dass das Betriebssystem nach Möglichkeit das technische Wissen, dass frühere Computergenerationen voraus setzen, obsolet geworden sei. Ein Betriebssystem, dass dies nicht leisten kann, ist nicht cool, sexy, up to date oder wie auch immer man es nennen mag.
    Das ist auch der Grund, warum Linux als Desktop Betriebssystem bis heute nicht wirklich voran kommt. Nicht Open Source ist in diesem Zusammenhang das Problem, sondern dass die Offenheit, zig verschiedene Oberflächen wählen zu können, dazu führt, das man genauso viele Abhängigkeiten berücksichtigen muss. Wie allein soll man einem durchschnittlichen Anwender klar machen, das er unter den Distributionen auch noch die Ausprägung wählen soll und trotzdem eigentlich immer das gleiche Betriebssystem wählen soll? Einem Anwender, der nicht versteht, was die Cloud ist und welche Risiken er eingeht, weil es nur bequem ist? Oder den Nutzern von Smartphones, die den Apps mal eben alle Rechte einräumen, weil sie eben angefordert werden und zudem nicht mal wissen, was der Hersteller der Geräte so alles in ihren Betriebssystemen versteckt haben?

    Und die Forderung, Verträge mit fremden Geheimdiensten zu schließen oder Gesetze zu erlassen, die die Rechte von Geheimdiensten einschränken: Alles Augenwischerei und Volksverdummung. Man muss einfach davon ausgehen, dass alles gemacht wird, was technisch möglich ist und alles unternehmen, um das zu erschweren oder zu verhindern. Das wird im Regelfall natürlich mit Komfortverlust einhergehen. Und das ist nicht cool, …

    Manche mögen es als Verfolgungswahn abtun, aber ich bin überzeugt, das in allen Staaten unabhängig von der Regierungsform Angst und Kontrolle einander die Hand geben, nur das Maß ist unterschiedlich.

    1. Stimmt schon, „made in Europe“ ist kein Qualitätsmerkmal, auch nicht, wenn es um Backdoors geht. Fedora dagegen ist ein von einem US-Konzern gesponsortes Betriebssystem, dessen Quellcode offenliegt und dessen Entwicklung in hoher Transparenz vorangetrieben wird – unter diesen Bedingungen könnte es meinetwegen „made in hell“ sein.
      Das Problem der Artenvielfalt der Linuxwelt wird oft betont, ich halte es allerdings für übertrieben. Ein Apple-Nutzer weiß gewöhnlich nicht, dass er ein Mach/FreeBSD-Betriebssystem im Einsatz hat, er kennt nur OS X. Warum also bei den Linux-Distros auf dem Kernel rumreiten, warum nicht einfach nur von OpenSuse, Ubuntu, Fedora usw. reden? Ich habe einigen Leuten, die von Windows überfordert waren – darunter meine 79jährige Schwiegermutter-, Ubuntu installiert, und manche von ihnen wissen bis heute nicht, dass sie GNU/Linux benutzen.

  13. fefe hat mal bei Deutschlandradio Kultur zum verwandten Thema Europäische Suchmaschine gesagt:

    „Google wird dann argumentieren, das sei unfairer Wettbewerb und eine WTO-Beschwerde einreichen. Und sie hätten damit völlig Recht. Der Punkt ist doch, dass die Daten, von denen wir nicht wollen, dass Google sie über uns sammelt, einen Wert haben. Wenn unser Gegen-Google ohne diese Daten arbeiten muss, dann muss das Geld von woanders kommen, wahrscheinlich aus Steuergeldern. Ich als Steuerzahler hätte da kein Problem mit. Aber die WTO-Spielregeln untersagen das. Und aus mir völlig unbegreiflichen Gründen sind wir ja diesem WTO- und WIPO-Kram beigetreten.“

    Dies könnte auch bei einem Europäischen Betriebssystem zutreffen.

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