UK: Pornofilter blockierte kurzzeitig jQuery.

Seit Beginn des Jahres werden alle Internetanschlüsse in Großbritannien standardmäßig durch die Internet Service Provider mit einem voreingestellten Pornographiefilter ausgestattet. Natürlich aus „Jugendsschutzgründen“ (wir berichteten). Diese Filter sind auch fleißig: Nach einer Untersuchung  des BBC Magazins Newsnight blockiert der Filter von TalkTalk beispielsweise Sexualaufklärungs-Websites oder Anlaufstellen für Opfer sexualisierter Gewalt, während BT Infoseiten zu häuslicher Gewalt und der Prävention sexuell übertragbarer Krankheiten herausfiltert. Im Gegenzug blockierte keiner der Filter alle getesteten Pornoseiten, was sie nicht davon abhalten wird im kommenden Jahr 25 Millionen Pfund in eine Marketing-Kampagne zu investieren, die das  Vertrauen von Eltern in die Funktionalität dieser Filter steigern soll.

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Nun war für einen halben Tag code.jquery.com durch die Filter vom ISP Sky blockiert. Code.jquery ist ein Content Distribution Network (CDN) für Javascript-Anwendungen. Wollen Webdesigner diese Funktionen nutzen und nicht auf eine eigene lokale Kopie des Scripts zurück greifen, können sie einfach nur den entsprechenden Prozess im Code verlinken um serverseitig darauf zurückgreifen zu können. Diese Praxis hatte zur Folge, dass für die KundInnen von Sky in mehrere Websites nicht korrekt angezeigt und somit in ihrer Funktionsweise eingeschränkt wurden. Die Blockade liegt nach Einschätzung von thinkbroadband darin begründet, dass wahrscheinlich auf einer Phishing-Website auf code.jquery.com verlinkt wurde – und dem Filter von Sky wohl nicht aufgefallen ist, dass diese Seite auf unzähligen Seiten verlinkt wird. Im vergangenen Monat hatte Sky zum Beispiel auch den Imagehoster imgur blockiert, weil er auf die gleichen Cloudserver-Dienst zurück gegriffen hatte wie eine Torrent-Seite

Zwar hat Sky eingegriffen und code.jquery.com gibt es nun auch wieder mit eingeschalteter Kindersicherung, aber diese Vorkommnisse reihen sich nahtlos in eine Reihe von Belegen für die Willkürlichkeit und von „Pornofiltern“ genannten Zensurwerkzeugen. Sie arbeiten nicht, wie von Konservativen gerne dargestellt wird, auf inhaltlicher Ebene, sondern müssen zwangsläufig infrastrukturell arbeiten, mit unvorhersehbaren willkürlichen Folgen für die Funktionalität ds Internets. imgur und code.jqery.com sind bei diesem Verfahren Kollateralschäden.

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3 Kommentare
  1. Es liegt schon eine gewisse Ironie darin, dass nun eine durchaus schädliche Domain, die zum immer penetranter werdenden Einsatz von JavaScript auf zahlreichen Seiten ihren Beitrag leistet, durch eine Technologie deaktiviert wird, die ihrerseits dazu beiträgt, Teile des Internets unbenutzbar zu machen.

  2. Noch kann man den Pornofilter in UK abschalten, wenn man das möchte. Noch!

    Natürlich ändert dies absolut gar nichts daran, dass es nicht Aufgabe der Regierung ist, Filter vorzuschreiben. Hätte ich minderjährige Kinder im Haus würde ich selbstverständlich einen Filter verwenden. Aber darüber entscheide ich und ich allein.

  3. Ich wäre für staatlich geprüfte Whitelists. Dann hat die Regierung endlich was sie will, Kontrolle. Wer nutzt denn das Internet noch für wirklich wichtige Dinge? Werbung, Spionage und Gefahren überall, da lass ich den Router daheim lieber aus.

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