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Creative Commons: Mehr Kompatibilität und neue Strategie

Logo der Licence Art Libre

Ein Problem von offene Lizenzen wie Creative Commons ist fehlende Kompatibilität verschiedener Lizenzen. Die modulare und damit flexiblere Konstruktion von Creative Commons hat dieses Problem noch einmal verschärft, weil beispielsweise Inhalte, die nur zur nicht-kommerziellen Nutzung freigegeben sind (NC-Lizenzen), sich nicht mit Inhalten unter der von der Wikipedia genutzten Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen (BY-SA) integrieren lassen. Was die BY-SA-Lizenz auszeichnet ist das „Copyleft“-Prinzip, das analog zur GPL-Lizenz im Softwarebereich entwickelt wurde.


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Schon vor der Veröffentlichung der ersten Version von Creative Commons Ende 2002 gab es bereits andere Copyleft-Lizenzen für Inhalte jenseits von Software. Die bekannteste ist vermutlich die ursprünglich für Softwaredokumentation entworfene GNU Free Documentation License (GFDL), unter der anfänglich auch die Wikipedia stand.

Ebenfalls älter als Creative Commons ist die in Frankreich im Jahr 2000 veröffentlichte Copyleft-Lizenz „Licence Art Libre“ (Free Art License, FAL). Erst gestern aber wurden FAL und BY-SA offiziell für kompatibel erklärt (vgl. auch Liste kompatibler Lizenzen). Ab sofort ist damit eine wechselseitige Integration von Inhalten unter den beiden Lizenzen ohne Rechteklärung möglich.

Creative Commons steigt in App-Entwicklung ein

Verbunden mit dem Wechsel an der Spitze von Creative Commons von Catherine Casserly zu Ryan Merkley sind offensichtlich auch neue Strategien wie ein Einstieg in App-Entwicklung. Bereits letzte Woche gab Merkley bekannt, dass Creative Commons von der Knights Foundation Gelder für die Erstellung einer Smartphone App eingeworben hatte. Die Idee beschreibt Merkley wie folgt (meine Übersetzung):

Wir werden eine mobile App entwickeln, die Leute zum Erstellen und Teilen von Fotos auf einer Liste der „meistgewünschten“ Bilder ermuntert. Organisationen und Einzelpersonen können einen Aufruf erstellen und Nutzer werden um Beteiligung gebeten – inklusive (für jene, die das möchten) geo-basierter Hinweise („Ryan, wir sehen, dass Du beim Mozilla Festival bist. Könntest Du ein Foto von hackenden Codern machen?“). Alle Bilder werden in ein öffentliches Repositorium hochgeladen und unter CC-BY lizenziert werden, sodass jeder sie nutzen kann. Kreative werden so eine breitere Nutzung ihrer Werke erreichen und möglicherweise um das beste Foto „konkurrieren“. Intern nennen wir es „Die Liste, powered by Creative Commons“.

Man darf gespannt sein, wie erfolgreich der Einstieg von Creative Commons ins App-Geschäft laufen wird. Der Mut zu Experimenten und neuen Strategien für mehr Lizenznutzung ist aber jedenfalls begrüßenswert.

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