Sigmar Gabriel auf einer Podiumsdiskussion der Zeitschrift Stern.
Sigmar Gabriel: Ich würd’ Sie gerne mitnehmen in die Welt außerhalb des Internets.
Kathy Meßmer: Oh, ich glaube, die kenn’ ich.
Sigmar Gabriel: Ne, ich glaube, das kennen Sie nicht… Ich glaube wirklich, dass es zwei Welten gibt. Eine Berliner – eine intellektuelle, eine die sich in solchen Medien abspielt. Und eine bei der Menschen, verdammt, es hart haben durchs Leben zu kommen. Ich glaube nicht, dass es die eine und die andere Welt gibt, aber ich habe große Zweifel, ob sie in der Welt, die sie zu ihrer erklärt haben, diese Welt, über die ich rede, kennen.
Gabriel hatte schon in der Vergangenheit ähnlich, teils stärker und abwertender, auf netzpolitische Parteigenossinnen reagiert. Die fehlende Offenheit und mangelnde Wertschätzung führten dann schließlich auch zum Austritt von Yasmina Banaszczuk, die auch in der Podiumsdiskussion erwähnt wird.
Anscheinend sind dem Parteivorsitzenden diese Menschen im Internet so ominös, dass er sie persönlich runter machen muss.
, Sprecher Forum Netzpolitik Landesverband Berlin, erwiderte auf Sigmar Gabriels Aussage:
Sigmar Gabriel hat Recht: Tatsächlich gibt es unterschiedliche Lebensrealitäten. Dass die junge, internetaffine Generation keine Ahnung von „einer verdammt harten“ Lebensrealität hat, ist allerdings eine völlige Fehlannahme.
Das komplette Gegenteil ist der Fall: Noch nie stand eine Generation unter so viel Leistungsdruck. Noch nie gab es so viele prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Noch nie war eine Generation derart von Altersarmut bedroht.
All das verkennt Sigmar Gabriel mit seiner Aussage leider völlig. Es ist die Generation Praktikum, die es „verdammt hart“ hat und sich politisch im Internet betätigt. Diese Generation trennt nicht zwischen „analog“ und „digital“. Ich lade Sigmar ein, diese Lebensrealität kennen zu lernen.