Netzpolitischer Wochenrückblick KW39

Hier wieder das Wichtigste aus dem Bereich Netzpolitik dieser Woche. Wer nicht lesen möchte, kann sich das Ganze dank unserer Kooperation mit Bln FM auch hier als Podcast – gesprochen von Tim Thaler – anhören.


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Apple: TouchID Fingerabdruck-Sensor durch Chaos Computer Club gehacked

Hackern des Biometrie-Teams des Chaos Computer Clubs (CCC) ist es gelungen, die biometrischen Sicherheitsfunktionen des Apple TouchID mit einfachsten Mitteln zu umgehen. Dazu genügte den Hackern ein Fingerabdruck, welchen sie von einer Glasoberfläche abfotographierten, um einen künstlichen Finger zu erzeugen. Damit waren sie in der Lage, ein iPhone 5s zu entsperren, welches mit TouchID geschützt war. Damit demonstrierten die Hacker wieder einmal, daß biometrische Daten zur Verhinderung eines unberechtigten Zugriffs vollkommen ungeeignet sind. Der verantwortliche Hacker „starbug“ bestätigte im Interview, dass das Austricksen des iPhones „Erschreckend einfach [war]. [Er habe] mit ein bis zwei Wochen intensiver Arbeit gerechnet. Aber schon nach den ersten Tests zeigte sich, dass die Frage nach dem Material für die Attrappe keine grosse Rolle spielt.“

Europa: LIBE Ausschuss hat sich zum dritten Mal getroffen
Der Ausschuss “Bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres” (LIBE) des Europäischen Parlaments hat sich am Dienstag zum dritten Mal getroffen, um Experten zum NSA Skandal zu befragen. In der vergangenen Sitzung waren u.a. Jacob Appelbaum, Alan Rusbridger und Duncan Campbell – Letzterer hatte enthüllt, dass Schweden auch Teil der Five Eyes ist. Dieses Mal ging es um die Vorwürfe, dass die NSA SWIFT-Daten nutzt und es gab ein erstes Feedback der EU-US Datenschutzgruppe. Außerdem wurde die Frage erörtert, ob Überwachung überhaupt bei der Verbrechensbekämpfung hilft und Ergebnisse einer Studie, was für Auswirkungen die Überwachung der EU Bürger durch die NSA hat, wurden präsentiert.

NSA: Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff verurteilt Überwachung durch die USA beim
UN General Assembly in New York
Brasiliens Präsidentin hatte schon in der Vergangenheit, als praktisch einziges Staatsoberhaupt, die weltweite Überwachung durch die US Regierung aufs Schärfste verurteilt und erste Konsequenzen angekündigt – u.a. sagte Rousseff den geplanten Staatsbesuch in den USA ab. Auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York diese Woche, fand Dilma Rousseff nun sehr klare Worte für US Präsident Barack Obama. Rousseff sagte, dass es sich ganz klar um eine Verletzung internationalen Rechts, der Menschenrechte, staatlicher Souveränität und Wirtschaftsspionage durch die USA handele. Sie forderte die Vereinten Nationen auf hier einzugreifen und schlug anhand von 10 Eckpunkten ein erstes zivilies, multilaterales Rahmenwerk bzgl. Internet Governance vor.

Handygate in Dresden: Dritte Verfassungsbeschwerde gegen Funkzellenabfrage zu Anti-
Nazi-Protesten
Mit einer Funkzellenabfrage hat die Dresdner Polizei eine großflächige Gesamtüberwachung eines ganzen Stadtteils durchgeführt, um alle sich dort aufhaltenden Personen unter einen grundsätzlichen Tatverdacht zu stellen. Vor diesem Hintergrund wurde nun auch die dritte Verfassungsbeschwerde gegen eine Handy-Rasterfahndung aus dem Jahr 2011 eingereicht. Im Februar 2011 hat die Polizei in Dresden mit drei Funkzellenabfragen mehr als eine Millionen Verbindungsdaten sowie die Bestandsdaten von fast 60.000 Menschen gesammelt und gerastert. Nach zwei Linkspartei-Landtagsabgeordneten und der grünen Bundestags-Spitzenkandidatin wurde jetzt die dritte Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht dagegen eingereicht. Die Jenaer Rechtsanwältin Kristin Pietrzyk klagt als Betroffene ebenfalls gegen die massenhafte Handy-Überwachung.

Sudan einen Tag vom Internet abgeschnitten
Von Mittwoch auf Donnerstag war Sudan vom Internet abgeschnitten – vermutlich aufgrund von Unruhen und Straßenkämpfen im Land. Laut Washington Post deutet vieles auf einen Blackout hin, der durch die Regierung angeordnet wurde. Falls dem wirklich so ist, wäre es der größte Blackout seit dem vom Januar 2011 in Ägypten. Die jetzigen Unruhen, die Auslöser für das Abschalten des Internets im Sudan sein könnten, beruhen u.a. auf drastisch gestiegenen Benzin-Preisen, da die Regierung die Subvention von Benzin eingestellt hat. In den seit fünf Tagen anhaltenden Unruhen und Auseinandersetzungen mit der Polizei, im nördlichen Khartoum, sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. Seit etwa einer Woche wird der Präsident Sudans Omar al-Bashir vom Internationalen Strafgerichtshof wegen des Genozids in Darfur gesucht.

NSA hat indische Botschaft in Washington DC und indische UN Mission in New York
abgehört
Der indischen Zeitung The Hindu liegen Dokumente aus Snowdens Fundus vor, die belegen, dass das Hauptziel der NSA die ständige Mission Indiens bei den Vereinten Nationen in Manhattan, New York war. Als zweites auf der Liste stehen zwei Gebäude der indischen Botschaft in Washington D.C.: Neben dem eigentlichen Botschaftsgebäude für Wirtschaft, Diplomatie und Militär wurde auch ein Gebäude abgehört, in dem die Indian Space Research Organization (ISRO), die Visa-Stelle und das Wirtschafts- bzw. Handelsamt sind. Ganz konkret ist laut The Hindu davon auszugehen, dass die Festplatten-Inhalte kopiert werden konnten, Bildschirminhalte konnte mitgelesen werden und die Netzwerk-Kommunikation wurde überwacht. Die verschiedenen Dokumente belegen, dass es sich bei der US amerikanischen Überwachung keinesfalls um Terror-Abwehr handelte, sondern um ganz simple Wirtschaftsspionage mit politischen und strategischen Motiven.

Autotransporter-Fall: Bundeskriminalamt rastert 3.800.000 Auto-Kennzeichen und
600.000 Mobilfunk-Daten
Das Bundeskriminalamt hat in einem einzigen Fall mehrere Millionen Auto-Kennzeichen fotografiert und gerastert. Diese Daten wurden mit hunderttausenden Verbindungsdaten aus mehreren Funkzellenabfragen abgeglichen. Das BKA fotografierte über ein halbes Jahr lang jeden Tag mehr als 25.000 Kennzeichen und rastert aus einer Datenbank von fast vier Millionen Kennzeichen mit Zeit und Ort 50 verdächtige Fahrzeuge. Anlass des ganzen ist ein LKW-Fahrer, der aus dem LKW heraus auf andere Transporter schießt. Gleichzeitig werden über eine halbe Millionen Mobilfunk-Datensätze eingeholt, die mit den Kennzeichen-Daten gerastert werden. Dabei werden 312 Personen identifiziert, die an mehreren Tatorten auftauchen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Funkzellenabfragen haben die Ermittler damit Erfolg und verhaften den geständigen Täter. Es ist gut, dass der Täter gefasst wurde. Die Normalisierung der Rasterfahndung mit hunderttausenden betroffenen Unschuldigen ist jedoch besorgniserregend.

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