Kultur

It’s between you and the universe – DIY in der Raumfahrt und auf der #rp13

CC-BY-SA by Copenhagen Suborbitals

hubbleWer an die Do it yourself Kultur (DIY) denkt, dem kommen wahrscheinlich Bilder vom Heimwerken, von Nähmaschinen und Bastelscheren in den Sinn. Doch was hat Raumfahrt mit DIY zu tun? Es gibt mittlerweile viele selbstorganisierte Raketen-, Satelliten- und Raumfahrtprogramme, und nicht alle sind von wissenschaftlichen Motiven getrieben. Auch auf der re:publica gab es dieses Jahr erstaunlich viele Vorträge und Workshops, die Astronomie, Raumfahrt und DIY Projekte thematisierten.


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Hojun Song zum Beispiel ist Künstler aus Süd-Korea. Er will als erste Privatperson einen Satelliten in den Orbit schicken. Die Bauanleitung veröffentlichte Song unter CC-Lizenz, das Geld für seine Open Source Satellite Initiative (OSSI) sammelte er durch T-Shirt-Verkäufe und Spenden. Hojun Songs 10cm³ kleiner OSSI Würfel startete diesen April, am 19., mit einer russischen Rakete in den erdnahen Orbit. “It’s time to have a private connection between you and universe”. Er macht es, weil er es kann. Wie einfach die Kontaktaufnahme zu Raumfahrtagenturen und die Materialbeschaffung war, hat Hojun überrascht. Er ging davon aus, dass Raumfahrt etwas geheimnisvolles und unnahbares hat – vor seinem OSSI Projekt. Heute geht er davon aus, dass jeder in der Lage ist, einen selbstgebauten Satelliten ins All zu schicken. Eigentlich sollte Hojun auf der re:publica über seine Open Source Satellite Initiative sprechen, dieser Vortrag wurde jedoch leider abgesagt.


CubeSats, das sind solche Kleinsatelliten mit einem Gewicht von maximal 1,33 kg. Eine öffentliche Universität in Kalifornien initiierte ein internationales Programm, das es Universitäten, Hochschulen und privaten Unternehmen ermöglicht, die kostengünstigen CubeSats in die Umlaufbahn zu bringen. Seit 2003 sind so schon mehr als 20 der Kleinsatelliten als Sekundärnutzlast bei Satellitenstarts erfolgreich mitgeführt worden. Auch staatlichen Raumfahrtbehörden wie der NASA, nationalen Forschungszentren wie der DLR und internationalen Weltraumorganisationen wie der ESA ist es zu verdanken, dass Raumfahrt in der medialen Öffentlichkeit wieder stärker thematisiert wird. Freie Lizenzen für Bilder, ein twitternden @MarsCuriosity Rover, laien-verständliche Podcasts, Online-Plattformen für Kinder und Image-Videos, die durch Crowdfunding finanziert werden – regen die kreative und wissenschaftliche Auseinanderseitzung mit dem Weltraum an.

Auch durch Wettbewerbe werden private Raumflugaktivitäten gefördert: Der Google Lunar X-Prize beispielsweise, mit insgesamt 30 Millionen US-Dollar Preisgeld. Derzeit nimmt unter anderem das Team Part-Time Scientists daran teil mit dem Ziel, bis Ende 2015 eine unbemannte Mondlandung durchzuführen. Und nicht nur das: neben Bildern und Videosequenzen in HD-Qualität will die mittlerweile rund 100 Kopf starke international aufgestellte Gruppe die erste SMS und die erste E-Mail von einem Erdtrabanten aus zur Erde senden. Unter dem Motto “Hell yeah, it’s Rocket Science!” ist die Truppe in allen großen sozialen Netzwerken erreichbar und stellt ihr Projekt auch auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress und der re:publica vor. Leiter der Part-Time Scientists, Robert Böhme, erklärt seine Motivation: “We all are standing on the shoulders of giants, I just like to enable others to reach higher.” Die Part-Time-Scientists sprachen auf der rp13 über ihr Projekt:

Rocket Science? Die Wissenschaft rund um Raumfahrt gilt seit Jahrzehnten als die höchste von Menschenhand entwickelte Technologie. Alles Quatsch, sagt Kristian von Bengtson. Er und sein Team, die Copenhagen Suborbitals, setzten sich den suborbitalen bemannten Flug einer Rakete zum Ziel. Die 2008 gegründete, nicht gewinnorientierte Organisation entwickelt und baut die Kapseln und Raketen, die sie für das Vorhaben braucht, selbst. Alle Ergebnisse und technischen Informationen werden nach dem Open Source-Prinzip veröffentlicht. Das von privaten Spenden und Sponsoren finanzierte Projekt hat als erste “small budget” Organisation einen erfolgreichen Raketenstart im Meer durchgeführt. Wie, das erklären die Copenhagen Suborbilats in einem Beitrag des Deutschland Funks:

You need the angle, a hammer, a screwdriver, an angle grinder and a welding tool. And if you have this, you can build a space rocket. It’s basically about 95 percent black smith work.

Erklären die Copenhagen Suborbitals und entmystifizieren damit die Raumfahrt: „[Our rocket] is made of stuff bought in the super market or in the local plumbing shop, just regular materials.”

CC-BY-SA by Copenhagen Suborbitals
CC-BY-SA by Copenhagen Suborbitals

Es muss aber nicht gleich jeder eine Rakete basteln, um an Astronomieprojekten teil zu haben. Laut der Astrophysikerin und Hackerin Carolina Ödman beginnt für die Astronomie gerade eine völlig neue Ära. Die Teleskope werden immer größer und leistungsstärker, was dazu führe, dass die Datenmengen geradezu exponentiell ansteigen. Gleichzeitig gebe es jedoch zu wenige Astronomen, die diese Datenmenge auswerten können. Daher entwickelten sich unzählige Doktoranden-Projekte, die alle nur auf Daten aus dem Archiv beruhen – so sei die Bürgerbeteiligung als eine zusätzliche Form zur Datenauswertung in den letzten Jahren immer wichtiger geworden.

Astronomie hat laut Ödman schon immer auch von den Beobachtungen und dem Input von Hobby- und Amateurastronomen profitiert – man denke an die Menge von Kometen, die eben nicht von professionellen Astronomen erstmals entdeckt wurden. Und genau hier habe das Netz viel verändert. Es ermögliche denjenigen Menschen, die einen Rechner und eine Internetverbindung haben, selbst etwas beizutragen. Gemeinschaftswerkzeuge ploppen überall auf, speziell für die Wissenschaft und Astronomie oder ganz allgemeine – wie GitHub. Für die heutigen Astronomen mache das die Arbeit aber auch schwieriger im Vergleich zu früheren Generationen. Offene APIs und die weltweit vorhandenen Fähigkeiten zu programmieren führen nach Ödeman dazu, dass Forscher außerhalb der Astronomen-Szene ihre ganz eigenen Werkzeuge und Forschungsmethoden entwickeln. Über ihre Arbeit sprach Ödman in einem leider spärlich besuchten, aber sehr inspirierenden Vortrag auf der re:publica:

Die Grenzen zwischen Amateur- und Profiforscher verwässern, nicht zuletzt durch die sogenannte NewSpace Bewegung und private Raumfahrt-Initiativen. Diese Öffnung der Raumfahrt kann auch als Demokratisierung einer Wissenschaft verstanden werden, die durch die Verbreitung des Internet und die Schaffung von neuen Wissenszugängen entsteht. Jeder der Zugang zum Internet hat und neugierig ist, kann lernen. Dem wohl bekanntesten Amateurforscher auf dem Gebiet der Raumfahrt, Konstanton Ziolkowski, zufolge haben wir noch viel vor:

Es stimmt, die Erde ist die Wiege der Menschheit, aber der Mensch kann nicht ewig in der Wiege bleiben. Das Sonnensystem wird unser Kindergarten.

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Ein Kommentar
  1. Kann es vielleicht sein, dass es sich auch um einen „Hype“ handelt. Alle reden von Selbstbau-CubeSats und Open Source.. Leider sind dies oft nur hole Worte.. selbst auf den Webseiten vom selbsternannten OpenSource Satelliten Begründer aus Korea findet man NICHTS brauchbares auf den Webseiten.. alles nur Ankündigungen und Versprechungen. Das ist leider alles Augenwischerei und dient wohl eher nur dem Image.. Sowieso funktionieren die meisten DIY CubeSats nach dem Start nicht mehr.. Verschwendung von Resourcen und Geld… man könnte diese Dinger auch genauso einfach am Ballon starten…

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