Netzpolitik

ICANN: Strengere Auflagen für Domainregistrare sollen Domain-Missbrauch verhindern

Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN), die die Vergabe von einmaligen Namen und Adressen im Internet koordiniert, traf sich diese Woche vom 7. bis 11. April in Peking und einigte sich auf neue vertragliche Regelungen für Domainregistrare. Beim 38. Treffen im Juni 2012 legte eine Arbeitsgruppe der ICANN bereits einen 12-Punkte-Plan vor, mithilfe dessen Registrare die „schwarzen Schafe“ aussortieren sollten. So wurde beispielsweise gefordert, dass bei Verträge zwischen der ICANN und den Registraren Identitätsprüfungen samt kontinuierlicher Checks zur Pflicht werden. Und auch die Registrare sollen ihre Kunden vertraglich dazu verpflichten, umfassende und korrekte Personendaten für die Veröffentlichung im Whois anzugeben. Im Mai 2010 hatte auch eine Kerngruppe von Strafverfolgunsbehörden ausführliche eigene Vorschläge für Registrare vorgelegt. Darin wird die ICANN u.a. aufgefordert, jegliche Verstöße gegen Bestimmungen entschieden zu sanktionieren. Jetzt, beim 46. der ICANN in Peking, wurden viele der Empfehlungen der Strafverfolgungsbehörden in die neue Version des Registrar Accreditation Agreement (Verträge mit Registraren) übernommen – wenn auch noch über Formulierungen verhandelt werde, wie Heise Online berichtet.

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Vor allem die Verifikationspflichten werden verschärft: Die Registrare sollen sowohl Rufnummer als auch E-Mail-Adresse sowie weitere Angaben der Domainkunden überprüfen. Weiter heißt es bei Heise:

Zum einen müssen die Registrare auch ihre Reseller, die nicht bei der ICANN akkreditiert sind, auf die vereinbarten Bestimmungen einschwören und die Reseller der ICANN gegenüber auch angeben. Zum anderen werden auch die Endkunden laut dem letzten veröffentlichten Entwurf verpflichtet, sich nicht nur an die Geschäftsbedingungen ihres eigenen Registrars (also des Domainregistrierngs-Dienstleisters), sondern auch an die der Registry (des Betreibers der Datenbank für die jeweilige Top Level Domain) und der ICANN selbst zu halten. Zu den aufgeführten Verpflichtungen für Domaininhaber gehören stets korrekte Angaben für das Whois und rasche Antwortfristen bei Anfragen des Registrars.

Zudem geht die ICANN gegen Proxy-Dienste vor, die anonyme Registrierungen ermöglichen sollen. Registrare sollen Proxy-Registrierungen künftig nur noch von solchen Diensten entgegennehmen, die nach ICANN-Regeln ‚legitim‘ sind. Legitim ist, wer sich u.a. dazu verpflichtet, zukünftig 24 Stunden täglich, 7 Tage die Woche einen Ansprechpartner für Behörden bereitzustellen die die ‚echten‘ Registrationsdaten herausgeben können. Außerdem müssen alle Kundendaten bei der ICANN oder einem Treuhänder hinterlegt werden. Diese Regelung sei jedoch nur vorläufig.

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6 Kommentare
  1. Man fragt sich was das bringen soll. Im schlimmsten Fall ist das nicht nur wirkungslos (.onion & Co. existiert) sondern gefährlich, weil es Regiemekritiker in totalitären Staaten direkt ans Messer liefert.

  2. Nicht nur das, politische Aktivisten könnten auch somit leichter Angriffen anderer Gruppierungen ausgesetzt werden, das muss nicht nur vom Staat kommen.
    Illegales wird sich bald nur noch im TOR Netzwerk und anderen Darknets abspielen und somit garnicht mehr verfolgbar sein.

  3. Wie wollen die das denn bei alten Domains kontrollieren? Wieviele alte Domains wird es geben, wo die Telefonnummer und Email Adresse nicht mehr stimmt? Welcher Provider will denn auf 50 Prozent seiner Einnahmen verzichten, wenn die alle den Nutzern mal sagen müssen, für welche ungenutzen Domains sie noch zahlen ;)

  4. Grauzonen sind wichtig. Wieso versteht das eigentlich niemand mehr? Die ICANN war doch mal … Hier kann dann etwas neues entstehen — ob gut oder schlecht sollt man nachher entscheiden und nicht nach der „kill it before it grows“ Methode. Mach’s gut ICANN.

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