Kultur

„This is how we fucking do it. We are the media.“

Unter dem Titel „This is the future of Music“ startete Amanda Palmer, bekannt als Sängerin der Band „The Dresden Dolls“, ein Crowdfundig zur Finanzierung der Promotion, Herstellung und dem Vertrieb ihres neuen Albums „Amanda Palmer & The Grand Theft Orchestra “.

Wir finanzieren uns fast vollständig aus Spenden von Leserinnen und Lesern. Unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende oder einem Dauerauftrag.

Mit ihrer Aktion kritisiert sie das traditionelle Verwertungssystem der Musikindustrie, in dem die Künstler oft in Knebelverträgen stecken und ausgebeutet werden.

Palmer schreibt, dass das Verhältnis von Kunst und Kommerz schon immer ein Schwieriges war. In der Vergangenheit haben Künstler den „dirty job“ des Geldeintreibens und der Vermarktung von Kunst Unternehmen wie Plattenlabels überlassen. Künstler haben Plattenverträge für die Vorleistungen der Labels unterzeichnet und wurden damit laut Palmer oft versklavt.

there’s nothing dirty about asking to get kicked back for giving someone your art.


Ganz im Gegenteil, Amanda schreibt: Leute sind gerne bereit Künstler zu fördern, Leute lieben es zu helfen.
Als ihr Konzept der Unterstützung und crossfinanzierung durch Fans von der Plattenfirma belächelt wurde, beschloss sie die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Sie trennte sich von ihrem Label, produzierte ihr neues Album und setzte für Promo und Vertrieb ein Crowdfunding auf der Spendenplattform Kickstarter auf. Ihr Spendenziel: $100.000.

Mit dem eher symbolischen Preis von $1 für den Download eines Albums, aber vielen aufwendig gestalteten Booklets und exklusiven Events, die einen viel breiteren Absatz fanden, zeigt Palmer, dass sich gerade in Zeiten von Filesharing Kreativität auszahlt. Jeder gesammelte Dollar über dem Spendenziel fließt in Sonderetitionen, Artwork, Gehälter für das Team und Bühnenkostüme.

i think music should be shared. all the time. by everybody. i think it’s pure insanity to make music filesharing illegal.
and with that said, i have, for years, encouraged my fans to burn, download and share all of my music with each other and with strangers. and i will never stop doing that. all that sharing eventually comes back to me in all forms of income and goodwill.

Ihr Plan ging auf, Fans und Unterstützer spendeten mehr als 10-mal so viel wie angesetzt, nämlich über eine Million Dollar.

Natürlich, und das erwähnt Amanda Palmer auch in ihrem Blog, ist eine crowdfunding Aktion für unbekannte Künstler um einiges schwerer. Der größte Fehler ist ihrer Meinung nach, dass Leute ohne Fanbase und ohne selbst Menschen zu aktivieren ihren Crowdfunding-Aufruf in die großen Weiten des Netzes setzen und tatenlos auf Unterstützung hoffen.

Sie rät zu besser durchdachtem Vorgehen. So setzte sie ihrem Funding ein niedriges Ziel, das sie mit hoher Wahrscheinlichkeit erreichen würde. Davon, dass ihr Aufruf dermaßen gut geklappt hat, ist sie selbst überrascht.

Ihr erfolgreiches Funding zeigt einmal mehr: wenn sich Verwertungsindustrie und Musiklabels gegen die Interessen von Künstlern und Konsumenten stellen, dann könnte die Zukunft für Künstler und Musiker vielleicht wirklich bald so aussehen, wie es Amanda „Fucking“ Palmer vorgemacht hat- unabhängig und crowdgesourced.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
9 Kommentare
  1. sie war glaub ich auch enttäuscht von ihrem label, weil der support immer mehr nachlies (roadrunner records)

    bewundere amanda palmer…die musik im clip is sehr geil ! und genau nach meinem geschmack !!! :-)
    und der clip selber ist auch fuckin kreativ…

    congratz ! :-)

  2. Der Fall AFP ist wohl kaum vergleichbar mit irgendwas anderem.
    Bellygate war halt auch ein Stück Seltsamkeit. Aber so sind Label wohl.

    Zu der ‚We are the Media‘ Tagline gehört auch zwangsläufig noch das ‚Map of Tasmania‘ Video um das wenigstens in Ansätzen in einen Kontext zu rücken.

  3. Nehmt einen Kredit auf oder leiht euch bei mir Geld. Ich nehme weniger Zinsen als die Bank. Aber einfach Geld verschenken. Ehrlich, was soll die Bettelei. Nur weil es hier um „Kunst“ geht und das alles auch irgendwie niedlich und nett gemacht ist, wird erwartet das man das honoriert.
    Und immer wird über Knebelverträge gejammert. Ich schick euch mal meine Kreditvertrag….

    1. Eine Künstlerin unterstützen, von der man sich wünscht, dass sie mehr Musik machen kann. Ist doch prima. Lieber gebe ich AFP direkt 5 oder 10€ für das Album (und motiviere – rein hypothetisch – Freunde mittels böser Urheberrechtsverstöße dazu, sich ihre Musik anzuhören und auch ein paar Kröten lockerzumachen, wenns ihnen gefällt), als Roadrunner knapp 20€ zuzustecken, wovon ein Bodensatz bei Amanda + Co. ankommt. Das hat nix mit Betteln zu tun…

    2. Einfach mal auf der entsprechenden Kickstarter-Seite die rechte Spalte anschauen – hier wird mitnichten etwas verschenkt. Man bezahlt nur quasi im Voraus, geliefert wird ab September.
      $1 für das Album als Download, $25 für die limitierte Deluxe-Edition inklusive weltweitem Versand – nicht zu viel für wirklich gute Musik.
      Da kann sich manch großes Label mal gepflegt schämen gehen. :-)

    3. Was ist am Prinzip „Geld gegen Ware“ verschenken ?
      Ware ist in diesem Fall ein neues Album, ein Art-Book und ’ne Tour. Das ist doch offensichtlich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.