UK-Studie: kaum empirische Belege für ökonomischen Sinn ‚geistigen Eigentums‘

Im letzten Jahr hat Premierminister David Cameron eine unabhängige Studie zu der These in Auftrag gegeben, dass Gesetze für geistiges Eigentum Wachstum und Innovation förderten. Immerhin: Diese Behauptung gilt in weiten Teilen der Welt als unantastbare Wahrheit.

Geleitet wurde die Studie von Ian Hargreaves, Professor für Digital Economy an der Cardiff University, der sich ein Panel von Experten zur Seite stellen ließ. Die Studie ist nun abgeschlossen und steht zum Download bereit.

Darin finden sich so schöne Formulierungen wie:

Wir fordern die Regierung dazu auf, in der Zukunft ihre Richtlinien anhand von wissenschaftlichen Belegen, statt Lobbying zu gestalten. […]

In Copyright-Fragen waren die Minister eher durch Lobbying der Rechteinhaber, als durch ökonomische Studien zu überzeugen […]

Viele der Daten, die gebraucht werden, um empirische Belege zu erlangen, sind in privater Hand. Der Öffentlichkeit werden daraus hauptsächlich auschnitthaffte ‚Beweise‘ für die Argumente der der Lobbyisten vorgetragen, statt unabhängig überprüfte Untersuchungsergebnisse.

Hargreaves schließt mit 10 Empfehlungen. Die erste lautet: Untersuchungen und Belege sollten die Regulierung bestimmen, nicht Lobbyismus. Er hat das Wort ‚unabhängig‘  und seinen wissenschaftlichen Forschungsauftrag wohl ernst genommen, statt es nur als Schmuck für weitere Lobbyarbeit zu missbrauchen.

Die gesamte Studie als pdf gibt es beim UK Intellectual Property Office zum Download (direkt-pdf). Zusätzlich wurde übrigens auch eine Auswahl der wichtigsten Quellen und Dokumente und veröffentlicht.

Update: Es gibt sogar schon einen deutschen Wikipedia-Artikel dazu.

14 Kommentare
  1. Philip Engstrand 20. Mai 2011 @ 13:51
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