Fünfundreißig Forscher haben 3 Jahre Zeit in die Studie Media Piracy in Emerging Economies investiert, die gestern veröffentlich wurde. Laut der Autoren ist es die erste unabhängige, groß angelegte Studie über Musik‑, Film- und Software-Piraterie in Ländern wie Brasilien, Indien, Russland, Südafrika, Mexiko und Bolivien.
Hautergebnis ist, dass gesetzliche Schritte gegen die steigenden Copyright-Verstöße keine Wirkung hatten. Die Autoren argumentieren, dass die Bürger in die Piraterie gedrängt würden, weil erschwingliche legale Zugangsmöglichkeiten nicht vorhanden sind. Piraterie als kultureller Mundraub könnte man wohl sagen.
Die Hauptbefunde:
- Kommerzielle Piraterie-Anbieter leiden ebenso, wie die legale Industrie: Sie können nicht mit Gratis-Angeboten konkurrieren.
(mein Lieblingsergebnis, L.N.) - Die Preise sind zu hoch.Eine Ausgabe von Microsoft Office ist 5 bis 10 mal so teuer in Brasilien, Russland etc. als in Europa. Dadurch sind die legalen Märkte auch so klein.
- Wettbewerb wäre gut. In Schwellenländern dominieren aber globale Firmen den Markt, und haben kaum Konkurrenz.
- „Erziehung“ gegen Piraterie hat versagt. Piraterie ist kein Stigma, sondern einfach Teil der Mediennutzung
- Das Gesetz zu ändern ist einfach, aber die Gewohnheiten zu ändern, ist schwer. Zwar haben Firmen alle möglichen Gesetze durchlobbyieren können – aber insbesondere in Ländern mit hochbelasteter Justiz werden sie niemals zu einer nachhaltig die Gewohnheiten verändernden Massendurchsetzung kommen.
- Strafverfolgung hat keinerlei Einfluss auf das Grundaufkommen von Piraterie.