Kultur

Gesucht: Beispiele für Künstler-Geschäftsmodelle mit Offenheit

Die Enquete-Kommission Internet & digitale Gesellschaft hat eine Arbeitsgruppe Urheberrecht. Für den Zwischenbericht soll es ein Kapitel über neue Geschäftsmodelle für Künstler geben, was ich übernommen habe. Meine Vorgehensweise wäre eigentlich, ein Pad zu eröfnnen und alle einzuladen, daran kollaborativ mitzuschreiben. Das darf ich aber leider nicht, denn die Texte sollen von den Sachverständigen alleine geschrieben werden. Nun hat man dabei als Netzaktivist gegenüber den meisten anderen Mitgliedern der Enquete den Nachteil, dass man nicht auf einen Stab von Mitarbeitern der eigenen Lobbyorganisation oder des eigenen Bundestagsbüros zurückgreifen kann, die dann (heimlich) beim Schreiben mithelfen. Dafür hab ich dieses Blog und die Kommentare und lade einfach alle ein, mir Hinweise zu geben, welche spannenden Projekte ich in dem Text mit auflisten soll.

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Eine Menge hab ich schon im Hinterkopf. Grob formuliert kann man diese in verschiedene Blöcke einteilen:

– Erschaffung von Mangel, wo es sonst keinen gibt (limitierte Deluxe-Sets, Nine Inch Nails, etc)
– Promo für andere Verkaufswege, Einbindung von Communities (Cory Doctorow, Nine Inch Nails, etc.)
– Crowd-sourcing und -funding (Flattr, Kickstarter, Musopen, Vodo, SellYourRights, Sell-a-Band, Nina Paley)
– Fair-Trade-Modelle für Musik und Film (MICA, Magnatune, OnlineFilm)
– Streaming (Last.fm, Spotify, Simify.de)

Welche Beispiele sollte ich noch unbedingt mit reinnehmen und kurz beschreiben? Gibt es noch einen Block, den ich vergessen habe?

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44 Kommentare
  1. Flatrate. Für bspw. 100,- €/Jahr erhält man alles was der Künstler macht, von Platten über Merchandise bis zu Konzerten, gratis mp3s, Live-Webcam in den Proberaum und persönlichen Kontakt (Skype o.ä.) zum Künstler.

  2. Persönliche Kontaktmöglichkeiten

    Ich hab meine Bücher ja aus frei verfügbaren Texten zusammengestellt, aber jedes Buch habe eine persönliche Widmung für den Käufer.

    Was auch noch möglich ist, gerade im Bereich Bücher, sind auf den Käufer direkt abzielende Bücher – z.B. indem man dann eine Geschichte mit dem Namen des Käufers verfasst. D.h. es gibt das Standardbuch, aber jeder Käufer erhält eine zusätzliche Geschichte nur für ihn/sie.

    Auch der persönliche Kontakt zum Künstler, fernab von Management usw. ist ein wichtiger Punkt – die vorgenannte Flatrate beispielsweise ist eine gute Idee.

  3. Naja, 100€ für die Werke eines Künstlers halte ich für klar überteuert. Das mag sich für einige lohnen, die meisten werden sich das aber nicht leisten können. Etwas anderes wäre es, wenn man diese Flatrate für VIELE Künstler zu einem erschwinglicherem Preis (Dabei auch Einkommen berücksichtigen→ Schüler, Studenten, sozial Schwache u.s.w. sollten einen ermäßigten Satz bekommen).

    Und generell sollte man das Verständnis der Alben als Werbung für Konzerte, bei denen die Künstler ohnehin das meiste Geld verdienen verstehen.

    Falls in 10^100 Jahren mal zu viel Geld da sein sollte, könnte man auch überlegen, dass man Künstler regulär vom Staat bezahlen lässt, wofür ihre Alben dann aber gemeinfrei sein müssten und ihre Auftritte nur die Unkosten auf die Besucher umwälzen dürften. Wie gesagt: Falls mal in ferner Zukunft zu viel Geld da ist.

    Was ich mir auch noch vorstellen könnte, wäre, dass man Künstlern kostenlos Proberäume und Aufnahmestudius zur Verfügung stllt, falls sie ihre Aufnahmen anschließend ebenfalls unter einer freien Lizenz zur Verfügung stellen (dürfte für Garagenbands interessant sein, kommerzielle Bands sind hier weniger die Zielgruppe).

    Generell sollte man auch die Frage stellen, ob die zunehmende Kommerzialisierung der Musik wünschenswert ist: Kunst und Geld passen IMHO nur beschränkt zusammen und führen letztlich zur Schmälerung der Vielfalt. Möglicherweise ließe sich hier ein Gegenstück zur freien Software-Szene etablieren, die noch ein wenig umfangreicher als heute ist.

  4. wie wärs damit mal ne Seite mit ordentlichem Front-End bereit zu stellen, wo man dann Ideen und Projekte mit Beschreibung einreichen kann, ggf. noch mit Anhängen?
    Btw, allein schreiben heißt nur, dass du sagst du bist urheber des textes, die erste seite google dich nicht sofort entlarvt wenn man teile deines textes eingibt und niemand anderes urheberansprüche drauf stellt.

    1. @Horst: Die Kommentarspalte reicht hier auch erstmal und ich schreib dann zum Schluß alles zusammen. Würde den ganzen Prozess nur gerne richtig offen und kollaborativ gestalten, vor allem bei nur beschreibenden Texten wie diesem Kapitel sollte gut gehen.

  5. in deiner aufzählung fehlen mir freemium-modelle bzw. diskriminierung zwischen kommerzieller und nicht-kommerzieller nutzung, wie es beispielsweise jamendo versucht (hat). ähnlich versuchen das ja auch manche fotographen auf flickr: nicht-kommerzielle nutzung ist völlig frei, kommerzielle verwertung (z.B. musik in werbespots, als hintergrundmusik in bars etc.) ist kostenpflichtig.

    ist in der aufzählung von dir nicht wirklich enthalten, dieser ansatz, oder?

  6. Braindump:
    – google://1000 true fans
    – Man sollte zumindest das Bedingungslose Grundeinkommen erwähnen, nicht als Geschäftsmodell, sondern als Absicherung auch für Künstler
    http://www.osnews.com/story/24350/Francis_Ford_Coppola_quot_Who_Says_Artists_Have_to_Make_Money_quot_
    – Bevor es die Massenmedien und Reproduktionsmöglichkeiten im großen Stil gab, konnten Künstler auch nicht davon leben, ein Werk zu schreiben und millionenfach kopieren zu lassen: Bach hat Unterricht gegeben, Mozart Opern als Auftragsarbeiten geschrieben.

    – Und letztendlich: Ich finde das sovieso viel zu viele Texte, Musik und Videos produziert werden!

  7. zum thema crowd sourcing:

    eine alternative zum strassenmusizieren ist es in secondlife konzerte zu geben. ausserdem kann man dort wiederum plakate aufstellen , die links zu zb. iTunes enthalten.
    es ist meist mirco-payment….aber immerhin

  8. „Mangel, wo es sonst keinen gibt“ nennt man meistens künstliche Knappheit. ;)

    Virtuelle Räume, etwa interaktive Welten, Gallerien – ganze Umgebungen werden seltener als Einzelwerke kopiert – für die man dann Werbefreistellung oder Serviceupgrades anbieten kann. Im Prinzip so ähnlich wie Onlinespiele nur für künstlerische Inhalte.

    Fällt vermutlich unter crowd-funding: Verkauf von Sponsoren- oder Beteiligungsslots, klassisches Beispiel ist die Million Dollar Homepage. Genauso bei kleinteiligen Werken Förderung eines Elements durch eine einzelne Person (Micromäzenentum, irgendjemand?).

    Weiß nicht ob „Shareware“ (Probekapitel etc.) bei dir unter Promo für andere Verkaufswege fällt.

    Alternative Spendenmodelle, anstatt einer offenen Gemeinschaft sowas wie Wikipedia Geld zur Unterstützung zu spenden, bezahlt man an den Künstler, der für die Gemeinschaft dafür ein frei nutzbares Werk schafft. Also im Prinzip Auftragsarbeit, die auf die Schaffung freier Werke abzielt.

    Als Beispiel würde ich taleoftales.com nennen, die machen so künstlerische Spiele und benutzen glaube ich verschiedene der genannten Geschäftsmodelle.

    Richtigen Job suchen und in der Freizeit Kunst kostenlos machen.

    Hm, okay. Streicht den letzten Punkt.

  9. Interessant sind ggf. alternative Vertriebswege, die durch elektronische Verbindung mehrerer Anbieter möglich wird, wie zum Beispiel hier: http://www.recordjet.com. Künstler lädt Titel hoch, verteilt ihn an verschiedene Onlineshops wie iTunes & Amazon, erhält alle Einnahmen und behält aber alle Rechte an seinem Stück. Das Musiklabel als reiner Verteiler wird so quasi überflüssig.

  10. Supportermodelle wie das von den Einstürzenden Neubauten sollten IMHO auch erwähnt werden: Finde ich genügend Fans, die es mir ermöglichen, ein neues Album aufzunehmen? Was gebe ich den Fans dafür zurück (Zugucken bei den Proben, Webcasts von Konzerten, Mitspracherecht bei der Songauswahl für das Album, usw.).

    Olga Nunes hat das via Kickstarter gemacht (sie ist ehemalige Webelfe von neilgaiman.com, wird von ihm regelmäßig erwähnt, ist also in der „Szene“ auch nicht ganz unbekannt). In http://olganunes.com/2011/01/on-lamp-kickstarter-and.php hat sie ein wenig zusammengeschrieben, welche Erfahrungen sie damit gemacht hat. Bei Kickstarter findet man dann auch so lustige Projekte wie das Smith-Cover-Box-Set: http://www.kickstarter.com/projects/1616392208/the-smiths-project-6-cd-box-set

    Amanda Palmer ist ein gutes Beispiel künstlicher Verknappung, so hat sie z.B. einen „Wohnzimmergig“ für US-$ 5000,- verkauft: http://blog.amandapalmer.net/post/3009694722/amanda-fucking-palmer-for-sale

    Regelmäßige Techdirt-Leser finden dort auch genügend Beispiele, bei denen es unbekannten Künstlern gelingt über solche Alternativmodelle Geld zu verdienen – meistens mehr, als sie es über Plattenfirmen je geschafft hätten.

    Ich interesse mich eher für den Musikbereich, wie man oben leicht erkennen kann. Aus dem Filmbereich gibt es eventuell noch das Iron-Sky-Projekt. Ob man es schaffen kann, via Crowdsourcing auch einen großen (aka teuren) Film zu finanzieren wird die Zeit wahrscheinlich zeigen. Kevin Smith versucht gerade seinen neuesten Film komplett selbst zu vermarkten, um die Enstehungskosten wieder einzuspielen: http://www.coopersdell.com/ – Kevin Smith vermarktet sich selbst recht gut. Man kann den Film schon vor dem offiziellen Start sehen, mit einer Q&A-Session mit ihm und einigen Schauspielern. Karten für die Radio City Music Hall kosten dann schon mal zwischen US-$ 59,- und US-$ 124,- – und die RCMH hat ca. 10000 Sitzplätze, IIRC. Er twittert recht ausführlich über seine Experimente: https://twitter.com/#!/ThatKevinSmith

    Reicht das erstmal? >:)

  11. Hi

    Zufällig habe ich gerade einen Artikel geschrieben, der dies berührt. Der Fokus ist allerdings etwas anders.

    Zwei Dinge fallen mir ein:
    Nur sehr wenige Musiker verdienen wesentlich am Copyright. Die allermeisten sind Musiklehrer und dann gibt es noch einige, die mit Live-Musik etwas verdienen. Das könnte auch als Modell für andere Kulturschaffende dienen. Tatsächlich ist insbesondere die Lehre oft ein wichtiger Eckpfeiler des Lebensunterhalts von Kulturschaffenden.

    Der wichtigste Punkt ist meiner Meinung nach aber dieser: Solche Geschäftsmodelle sind ja schön und gut. Freut mich auch ehrlich für Künstler, die ihre Leidenschaft zum Beruf machen können. Aber es gibt heute absolut keinen Grund mehr (wahrscheinlich hat es ihn nie gegeben) für die künstliche Verknappung von Kultur. Viele Menschen haben heute genug Qualifikationen und Freizeit um Kultur in eben dieser (der Freizeit) zu schaffen. Und sie tun dies auch. Kulturelle Güter und Medien sind keine begrenzten Güter mehr. Die künstliche Verknappung dient im Wesentlichen der Gewinnmaximierung der Kulturverwerter.

    Gruß
    Thorsten

  12. Ist schon zu spät um zu schauen, ob der Vorschlag schon kam, aber ich persönlich halte das street performer protocoll für ein sehr vielversprechendes Finanzierungsmodell. Gerade als Treuhänder könnte Vater Staat (oder meinetwegen Vater Land; wegen Kulturhoheit…) wertvolle Dienste leisten.

  13. Bedingt wurde es schon genannt und vielleicht fällt es unter „crowd-funding“:

    Steven King (?) hat sowas mal gemacht und online einen Roman geschrieben und nur wenn > X% aller Leser mindestens 1$ spendeten schrieb er das nächste (Kapitel? Abschnitt? Seite? keine Ahnung wie viel Inhalt da 1$ kostete).

    MindCraft ist auch so ein Beispiel, welches nicht nur mit Software funktioniert: Man verkauft sein Werk kommerziell und verspricht daran weiter zu arbeiten solange es Geld abwirft. Sollte es mal kein Geld mehr abwerfen würde man es frei setzen.
    Auf Musik bezogen heißt das: Man verkauft sowas wie die o.g. Künstler-Flat und allen Kunden stehen auch alle neuen Veröffentlichungen zu (das Versprechen daran weiter zu arbeiten) gibt es eines Tages keine (neuen) Kunden mehr gibt man alles bisherige frei und fängt von vorne an.
    Dabei kann man sogar darüber nachdenken die Flatrates zu verkaufen statt zu vermieten (also einmalige Zahlung) oder zu deckeln (monatlich 5€ aber nie mehr als insgesamt 100 oder 200 oder so).

    Letzte Idee, die hier und da schon funktionier hat wenn man bekannt ist: Man verspricht ein Album zu produzieren (oder ein bereits produziertes zu releasen), wenn eine Spendensumme X zusammen gekommen ist.

    Ansonsten wurde glaube ich alles schon gesagt was mir einfällt.
    Wäre noch die Frage in welchem Rahmen man OpenSource-Modelle auf Kunst übertragen kann. Dort wird ja vor allem mit individueller Anpassung und Support Geld verdient… naja das ist vielleicht das was oben „persönlicher Kontakt“ genannt wurde.

    Ansonsten bin ich durchaus auch dabei zu behaupten „Kunst ist nicht zwingend für Profit gedacht“. Künstler werden auch dann Kunst machen, wenn sie kein Geld damit verdienen, immerhin sind es Künstler, die können gar nicht anders ^^
    Abseits der normalen Künste, wenn es nämlich „praktische Kunst“ wird gilt das erst Recht, Leute produzieren Sachen für sich selbst und stellen es als Abfallprodukt der Gesellschaft zur Verfügung.
    Das ist im Grunde doch der Kern/Ursprung von freier Software. Und inzwischen gilt ähnliches für Freie Hardware. Ich persönlich erstelle manchmal Bastel-Bögen für mich selbst und sehe keinen Grund diese nicht auch der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen (sowas meine ich halt mit „praktische Kunst“ denn der Bastelbogen bzw. das Gebastelte ist/soll hinterher nützlich sein). Und so fort.

  14. Noch etwas: Die Weitergabe von Kultur zu verbieten ist absolut kontraproduktiv. Wenn jeder Künstler sich jede neue Idee schützen ließe, hätte die moderne Musik schon mit Bach ein Ende gefunden, denn kopieren darf man ja nicht. Kultur schaffen ist aber gerade kopieren … und weiter entwickeln.

    Dass Du, Markus, Dir jetzt vorschreiben lässt, diese idiotischen Regeln bei der Erstellung Deines Aufsatzes zu dem Thema zu befolgen, ist ebenfalls kontraproduktiv. Du gibts auf bevor Du überhaupt anfängst. Du akzeptierst die widersinnigen Regeln in Deinem Versuch, sie zu widerlegen. Mach Dein Pad und lass Deine Leser einen kreativen Weg finden, die Regeln, die man Dir auf zu zwingen versucht, zu umgehen.

  15. Bin mir nicht sicher, ob es unter Micro-Payment fällt, aber einige Schreiberlinge (=Autoren) finanzieren sich (als Nebenjob?) über monatliche Beiträge Marke: 5 Euro im Monat erlaubt vollen Zugriff auf alle geschriebenen Werke des Autors mit der Garantie, dass es jede Woche ein neues Kapitel gibt. (Nicht 100€ wie Laurent vorgeschlagen hatte)
    Einige machen es auch über freiwillige Beiträge (beispielsweise „Wenn euch das Kapitel gefällt, so spendet bitte etwas.“).
    Da wird auch sehr viel Werbung über Communities gemacht, um Leser/Käufer zu bekommen.
    Wurde auch schon erwähnt, aber ich glaube, die Auftragsarbeiten und ihren Reiz darf man nicht vergessen. Es gibt einige, die für ihr „persönliches“ Werk etwas zahlen würden. (Mir würden da die sogenannten KAKAO-Sammelkarten einfallen, die alle selbstgemachte Einzelstücke sind und die auch ab und zu für Kleinstbeträge verkauft werden (ich rede von 1-5€ das Stück, die Karten sind sehr klein, aber die Leute kaufen sie…).)

  16. Erfworld.com – Webcomic der Gratis ist, aber einen „Premiumbereich“ besitzt. Fans zahlen jährlichen Mitgliedsbeitrag und bekommen dafür Kleinigkeiten wie einzelne Bilder in höherer Auflösung und vor allem das von ihnen gezahlte Geld gutgeschrieben für spätere Einkäufe im zugehörigen Onlineshop (wenn sie z.B. die zu einem Buch gebundenen Comics oder Plüschtiere der Hauptfiguren kaufen).

  17. sicherlich ein ansatz ist die die abkehr von den üblichen verbreitungswegen isv. download oder cd-geschäft. hier ist sicherlich, partiell das thema im umfeld der verwertungen interessant, die nur im rahmen des urheberpersönlichkeitsrechts möglich sind, also die verwendung bspw. in werbung. interessant, und unter dem gesichtspunkt der verknappung ggfl. relevant, könnte das thema live-konzerte sein. so gibt es indizien dafür, dass hierüber mittlerweile ein großteil der einnahmen generiert wird und zum teil die einbrüche aus dem absatzgeschäft kompensiert werden. parallel zu der verknappung erachte ich das zusammenspiel mit dem nutzer, der im günstigsten fall fan ist, für ganz wesentlich. bestes beispiel wie man fan und künstler zusammenbringen kann ist dass unter cc stehende remix-projekt von R.E.M. dieses aufbrechen von urherberrechtlichen schranken und die einbindung von fans scheint mir sinnvoll. denn im ergebnis sind es die fans einer band oder eines künstlers, die nachwievor bereit sind, den urheber zu unterstützen.

  18. Ich denke man kommt an Tim Pritlove und Spendenmodellen kaum vorbei. Das machen mitlerweile ja einige, aber Tim ist damit so erfolgreich, dass er zusätzlich Aufträge an Land zieht und von der Mischung aus Auftragsarbeit und Spenden wohl leben kann.

    Ich wüsste zumindest nicht, dass er einen anderen Job hat.

  19. Ich kenne mich mit der Theorie nicht aus, also ganz konkret:

    Als Textilkünstler sind alle Techniken, Anleitungen etc. zu meinen Projekten online (Website und/oder Blog). Ich verkaufe an Leute, die meine Kunstfertigkeit und den Zeitaufwand nicht nachstellen bzw. alleine aufbringen können.
    Ergo fertige ich Einzelstücke, die jeder auch alleine herstellen könnte. Nur mein Fähnchen ist an den freien „Nachahmerprodukten“ natürlich nicht dran.

  20. Der Vertrieb der Produkte über das Internet mag ein Weg sein, den Vertrieb über die großen Distributoren zu umgehen. Dazu muss das Produkt – etwa ein fertig produziertes Musikstück – aber überhaupt erst einmal bestehen.

    Die Produktion kostet den Künstler oft sehr viel mehr.

    Ich denke, man muss daher nach den unterschiedlichen Phasen unterscheiden, die ein Werk durchläuft, bis es Geld aus dem Verkauf oder sonst der Rechteverwertung abwirft.

    1. Konzeption: Dafür zahlt im Zweifel niemand. Wer als Künstler still am Computer oder am Klavier sitzt und vor sich hinkomponiert, der bekommt dafür kein Geld, nicht einmal im Wege des Crowdfunding.

    2. Produktion: Hier kann Crowdfunding eine Brücke bilden. Zu den schon genannten Plattformen möchte ich in Deutschland noch startnext und mySherpas.com erwähnen, die in den vergangenen Wochen bereits einigen Musikprojekten zur erfolgreichen Finanzierung verholfen haben.

    3. Vertrieb: Hier können Online-Vertriebswege eine Demokratisierung befördern und insbesondere die Eintrittshürden beseitigen oder absenken.

    Hinzu kommt: Wenn Phasen 1 und 2 nicht von den großen Verlagen und Plattenfirmen finanzierung und bevorschusst worden sind, müssen sie auch keine Kosten beim Vertrieb wieder reinholen (was immer ein hohes Marketingbudget bedeutet und damit eine hohe Eintrittschranke).

    Viel Erfolg!

  21. Wenn es um neue Geschäftsmodelle geht, sollte dabei vielleicht auch erwähnt werden, dass die alten Geschäftsmodelle der Musik-/Film-Industrie für viele Künstler nicht sonderlich lohnenswert sind.

    Siehe z. B. diesen Bericht auf Techdirt dazu: http://www.techdirt.com/articles/20100712/23482610186.shtml
    Da wird klar, warum alternative Geschäftsmodelle für viele Künstler trotz der evtl. damit verbundenen Risiken erstrebenswert sein können.

  22. erwähnenswert währe der Künstler Alexander Marcus (Felix Rennefeld), der (anstatt youtube videos zu blocken) Aktiv durch youtube und virale videos bekannt wurde und dann erfolgreich live getourt hat.

    Oder die bekannten youtube Größen wie ‚die Aussenseiter‘, Albertoson, Simon Desue etc. die teilweise auch Geld verdienen.

    Bei alternativen Geschäftsmodellen steht nicht mehr der Verkauf von Content im Vordergrund, sondern die Beziehung zum Publikum, die auf Interaktivität, persönlichkeit und gegenseitigem Respekt basiert. Für Post- und Pre- pay Modelle (Vorfinanzierung / flattr etc.) ist es erforderlich, dass ein Persönlicher Bezug zum Künstler hergestellt wird, nicht nur zum Content.
    Es geht um den Aufbau einer Reputation, der dann Potential zur Monetarisierung hat.

  23. Interessant finde ich auch die Idee der Paten wie sie die „Bewegungsstiftung“ praktiziert. Da zahlen einige Paten monatlich kleine Beträge von denen dann Aktivisten wie Cécile Lecomte leben, und sich so ganz der Politik widmen können.
    Ich denke in der Form ist es noch zu stark Personenbezogen um für Künstler zu funktionieren, aber es wäre ausbaubar wenn auf konkrete Projekte angewendet (Filme, Forschung, Journalismus) – aber bis jetzt gibt es das hauptsächlich nur im sozialem und politischem Bereich.
    Genauso wie die meisten schon genannten Finanzierungsmöglichkeiten fast nur Anwendung finden bei Sachen die „geistiges Eigentum“ betreffen. Dienst und Sachleistungen kann man bis jetzt noch nicht flattern, oder ähnliches.

  24. @ Markus; Und was gibt es gegen Mäzene einzuwenden? Wenn das für ein paar Leute funktioniert ist es doch gut.
    Du brauchst Hunderte, Tausende, Abertausende Ideen und konkrete Praxen (deshalb ist ja auch Deine Sammlungsidee gut) aber Du brauchst kein „Modell“. Es gibt keine Blaupause, wenn wir Wissen, Informatione, Kunst und Kultur als Commons organisieren und nicht auf den Markt zurichten wollen.
    Ich war deshalb etwas erschrocken über Deinen ersten Vorschlag: „Künstliche Verknappung“ – Himmel, das ist doch genau das, was die Anderen machen. Deswegen müssen wir ständig für Dinge zahlen, die eigentlich leicht geteilt werden können.
    Das ist die Strategie, die Wissensallmende und Kultur zur Ware zu machen.
    Die beiden Kommentare von Torsten Roggendorf kann ich deshalb nur unterstützen.
    Am Anfang der Liste müsste meiner Ansicht nach stehen, dass zunächst mal der Staat (auf allen Ebenen) Kunst- und Kultur solide grundfinanziert. Und dann die Liste mit den Abertausend Vorschlägen, von denen Ihr hier ja schon viele gesammelt habt.

    1. @Silke: Wenn „Künstliche Verknappung“ Beispiele wie die Deluxe-Edition von Nine Inch Nails meinen, finde ich das prima. Im übrigen sollte in dem Text nicht nur stehen, was ich ganz toll finde, sondern generell eine Marktbeobachtung erfolgen, welche neue Arten es da gibt.

      Im übrigen hab ich nichts gegen Mäzentum und hab das auch unter dem Punkt Crowdfunding in dem Papier so genannt. Allerdings fand ich das Beispiel Bewegungsstiftung eher unpassend, ich hab dafür Tim Pritlove und Jill Sobule in ihren Wegen beschreiben, mit Hilfe ihrer Fans ihre Produktionen zu finanzieren.

  25. Künstler und Geschäftsmodelle? Hier direkt vom BarCamp +Kultur in Osnabrück ein Lese-Tipp zur Broschüre des Wettbewerbs „Kultur- und Kreativpiloten Deutschland“ der Initiative Kultur- und Kreativwitschaft der Bundesregierung mit 32 bundesweiten Geschäftsmodellen, zum Teil sogar digital :-)
    Hier:
    http://www.kultur-kreativ-wirtschaft.de/Dateien/KuK/PDF/kultur-kreativpiloten-deutschland-32-preistraeger-wettbewerb,property=pdf,bereich=kuk,sprache=de,rwb=true.pdf

  26. @Markus… wenn ich mich mal erinnern würde, wo ich das gelesen habe, dann würde ich Dir den Link schicken. Irgendein ziemlich berühmter Mensch schrieb darüber, was man in Zukunft noch verkaufen kann – jenseits der Verknappungsstrategien. Dazu gehören \De Luxe Editions\ – das heißt aber: Du hast die Fans schon in der Tasche und die wollen das Besondere und geben dafür auch Geld aus. Sie wollen die Hintergrundinfo, das liebevoll gestaltete Cover usw…
    Obwohl ZUGLEICH die Musik im Netz frei zu haben ist. Das ist m.E. eben keine künstliche Verknappung. Ich denke, mit solchen Begriffen muss man sehr vorsichtig sein. Einfach weil unser ganzes Wirtschaftssystem auf der Knappheitsidee aufbaut und wenn wir das umkrempeln wollen, müssen wir an dieser Idee rütteln.

    Ansonsten, ja … ich finde auch die Finanzierung durch viele Mini-Mäzene symphatischer als durch den einen gewichtigen mit dem dicken Scheckheft.

    PS: Eure Captchas machen mich verrückt. Die sind sowas von schwer zu entziffern!

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