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Deutsche Content Allianz

Pünktlich zum heutigen Start der Digitalen Gesellschaft hat sich heute noch eine weiter Vereinigung der Öffentlichkeit präsentiert: In der Deutschen Content-Allianz engagieren sich unter anderem Dieter Gorny, ARD, ZDF und GEMA für „angemessene Rahmenbedingungen“ für Inhalteproduzenten.

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Eine klare Vorstellung von der zukünftigen Gesellschaft scheint der Verein zu haben: „Bei allen Entscheidungen und Weichenstellungen zur digitalen Entwicklung müssen unsere Positionen berücksichtigt werden.“ Immerhin: Für Netzneutralität will man sich engagieren. (Es scheint den Äußerungen nach hauptsächlich um die Probleme der Inhalte-Anbieter mit Apple’s 30% zu gehen.) Und natürlich für „Effektive Rechteklärungsmechanismen“, die schließlich „der beste Schutz gegen Piraterie“ seien.

Die Rede ist – na klar – von [2|3]-strikes und Netzsperren. Bei heise liest man:

Nicht zuletzt würde es Doetz begrüßen, auch mit Vertretern der „Digitalen Gesellschaft“ ins Gespräch zu kommen, die sich parallel als Bürgerrechtslobby auf dem Bloggerkongress re:publica wenige Kilometer entfernt formierte. Er sei sich aber auch sicher, dass einige das Anliegen der Allianz als „Kriegserklärung“ verstünden.

Ach, ehrlich?

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31 Kommentare
  1. Na klasse. Und die Digitale Gesellschaft war gerade dabei, mir Hoffnungen zu machen… jetzt haben wir eine allgemeinfinanzierte Lobby-Monstrosität vor der Nase.

    1. na und? konkurrenz belebt das geschäft. und solange herr gorny dabei ist, sehe ich dem ganzen gelassen entgegen. der typ hat nämlich überhaupt keinen plan.

  2. mit verlaub, herr (prof) gorny, sie sind und bleiben ein arschloch. und ihre posistionen zu websperren und wieviel strikes auch immer können sie unter ulk abhaken.

    noch einaml wird sich die sog. „communtity“ nicht von der politik und den lobbyhu.en verarschen lassen wie bei den 140.000 petitionszeichnern damals. das gebe ich ihnen schriftlich.

  3. Zeigt aber doch eines: Dass die genau wissen, was dank eurer Initiative mit dem Projekt „Digitale Gesellschaft“ hier entsteht. Und die wissen auch was draus werden wird….

    Und haben offentsichtlich jetzt schon feuchte Hosen…

    Von daher nehmt’s als Kompliment ;)

  4. ARD, ZDF und GEMA bezahlt also jetzt mit meinem (GEZ) Geld Leute dafür sich gegen meine Interessen zu engagieren?
    Können wir die nicht gleich aus Steuergelder stützen?…

  5. Wisst ihr was – nehmen wir das Gesprächsangebot doch einfach an, sobald die Digitale Gesellschaft soweit organisiert ist. Wenn wir es schaffen, DENEN Alternativvorschläge schmackhaft zu machen, haben wir schon gewonnen.

    Und an Kompetenz sind wir denen sicherlich überlegen, also können Antworten auch diesen ganzen Kopierschutz-Krams eh praktisch nur von uns kommen.

    Wer sitzt uns da eigentlich gegenüber? Sind das nur die Verwerter oder z. B. auch die Künstler?

  6. aus dem Heise-Artiekl:
    „Öffentliche und private Rundfunkveranstalter, die Musikindustrie und die GEMA, der Buchhandel und Verbände der Filmwirtschaft haben sich zusammengeschlossen: Sie wollen die ihrer Ansicht nach zu stark technisch und ökonomisch getriebene Netzpolitik auf die Bedeutung der Inhalte ausrichten und gemeinsame Kernforderungen durchsetzen.[…]“

    tja, Netzpolitik.org bzw. Markus Beckedahl, nur mal so: http://re-publica.de/11/ –> Kooperationspartner SONY

    und von „Wir sind die Digitale Gesellschaft“ halte ich auch nicht besonders viel. „das“ Internet ist kein Unternehmen, „Lobbyismus“ ist also ganz falsch, und vor allem hat es keine Sprecher.

  7. Solange die Piratenpartei die 5% nicht schafft wird es nicht möglich sein den Lobbyismus und Korruption zu stoppen.

    Denn die „Digitale Gesellschaft“ wird es wohl kaum schaffen gegen die Multi millionen Lobby der Industrie anzustinken die mit sicherheit auch nicht vor unlauteren Methoden der Korruption und beinflussung halt machen wird.

  8. Sony als „sponsors kooperationspartner“ geht gar nicht. Selbst in Zeiten von GEZ-Gebühren finanzierten Gegenlobbygruppen.

    Markus magst Du dazu mal zu Stellung nehmen? Lock-In, DRM und kaputt klagen stehen bei Sony seit Jahren an erster Stelle.

  9. Kinners, können wir vor der Kriegserklärung bitte erstmal das Verhandlungsangebot abwarten?

    Gerade als Urheber (ja, wenn ich nicht gerade Blogs vollschreibe, verkaufe ich Inhalte für Geld) halte ich ein Content-Bündnis nicht nur für legitim, sondern auch für notwendig. Insbesondere, wenn es denn die Rechte der Urheber stärkt und nicht nur die der Verwerter. Urheberrechte sind ja nicht pauschal schlecht oder ablehnungswürdig.

    Ganz im Gegenteil, es wäre wünschenswert, wenn sich die Politik auf den ursprünglichen Sinn des Urheberrechts besinnt: Ein gerechter Ausgleich, bei der gleichzeitig der Verbreitung kultureller Leistungen möglichst wenige Steine in den Weg gelegt werden.

    Von versteckter Wirtschaftsförderung durch Ausbeutung oder der Subvention eines durch eigenes Verschulden weitgehend zerstörten Marktes war ursprünglich nicht die Rede!

    Oder, um die Worte der Allianz etwas abzuwandeln: „Das beste Netz ist nichts, wenn die Urheber nicht honoriert werden!“

    Linus, ich sehe auch nicht, dass es bei der „Deutschen Content-Allianz“ vorangig oder gar geschlossen um „[2|3]-strikes und Netzsperren“ ginge.

    Im Gegenteil, wenn Gorny sich aufplustern muss, um seine „Individualforderung“ zu promoten, scheint es diesbezüglich mit der „einen Stimme“ nicht weit her zu sein.

    Und bitte, wenn Gorny sich anmaßt, von einer „ominösen Netzgemeinde“ zu sprechen, die – im Gegensatz zu ihm und seinem kulturellen Leichenpflegerverband? – nicht die „Interessen der Allgemeinheit“ vertrete, sagt mir das vor allem eines:

    Da möchte sich jemand proaktiv als Gesprächspartner disqualifizieren. Die Mitglieder der Allianz sollten Gornys Wunsch respektieren (Die SPD, die Gorny erst Ende des Jahres in ihre Medienkommission berufen hat, übrigens auch). Allein schon im Interesse der Urheber und unserer Zukunft.

    @KH: Es muss ja nicht zwingend die dg sein (Die sehe ich eher als einen Impulsgeber). Es gibt im Netz genügend kluge Köpfe, auf die Politik und Wirtschaft hören sollte.

    Alternativ kann man natürlich auch einfach weiter auf die normative Kraft des Faktischen setzen. Bis einer weint (Hat bei Filesharing ja auch allerbestens geklappt …). Wobei, das tut Gorny ja schon. Das hilft nur leider niemandem weiter. Weder den Urhebern, noch der Gesellschaft,

    @Dd: Wieso glaubst du, dass nur Unternehmen ihre Rechte und Interessen vertreten lassen dürfen? Bzw. warum sprichst du Internetnutzer pauschal ab, Interessen zu haben (das ist nämlich die Konsequenz deiner Forderung)?

    1. was fürn Tier?
      ich spreche niemandem irgendwas ab und forderte in meinem Kommentar oben gar nichts.
      wer ist denn das Internet?? ich verzichte auf diese „Elite-Blogger“ und ihre neue „Digitale Gesellschaft“ lieber. es gibt zahlreiche Menschen, Internetnutzer, wie aus dem CCC, die zensus11-Leute usw., die seit Jahren engagiert technisch und politisch arbeiten.
      die Politik und vor allem Unternehmen wie SONY wollen einfach nicht; sie hören ja nicht auf, „das“ Internet zu dämonisieren…

    2. Und bitte, wenn Gorny sich anmaßt, von einer “ominösen Netzgemeinde” zu sprechen, die…..

      genau deswegen bleibt er, mit verlaub, für mich ein arschloch. und wir werden denen, die die „ominöse netzgemeinde“ so hemmungslos verascht hat bei der ganzen diskutiererei um zensursula, petition, die verarschung von franziska durch S.kauder („sollen wir twittern“…jaja, wir vergessen nichts, herr kauder) noch gehörig in denselben treten, verlasst euch drauf.

      1. ich habe nämlich, gelinde gesagt, die schnauze voll von diesen politverbrechern in der verblödungskuppel in berlin und dieser nicht legtimierten gemeinschaft names EU, die direkte steuern fordert damit sich die korrupten ehem. ostblock -politiker noch mehr villen an die schwarzmeerküste bauen und den lupenreinen demokraten putin zur nicht verstrahlten muschelspeisung einladen können. für später schon mal kontakte knüpfen, wenn man die EU genug abgezockt hat und dann seine eigentliche interessen wieder gewahrt sehen will.

    3. Sehr geehrter Herr Schäfers

      Wie lange sollen wir still bleiben und auf welches Verhandlungsangebot sollen wir warten? Du hast eines nicht verstanden, diese Antwort gab es schon im Voraus. Falls du Georg Danzers Video „Die Freiheit“ aus seinem eigenen YouTube-Kanal abrufst http://www.youtube.com/watch?v=Cp9DmuT5mUQ& bekommst sehr seltsame Antwort.

      Das ist die Freiheit, die sie meinen.

  10. Können da eigentlich auch unsere großen (Video-)podcast-Produzenten mitmischen? Ich frag mich, wie diese Allianz mit Philipp Banse und Tim Pritlove aussehen würde

  11. nochmal ins reine diktiert:

    ja, ein urheber muss einen anspruch auf ausgleich seiner leistung haben, wenn es von anderen benutzt wird.

    aber das muss nicht mit gornys websperren und der tausenundeiner strike-lösung passieren. ich verstehe, dass gorny nicht dazu in der lage ist. er ist ja nicht mal in der lage, dem boomenden legalen musikdownload eine vernünftige geschäftsgrundlage zu geben.

    aber sperren und abschaltung des internetzugangs klingt halt martialischer…..

  12. Wie heißt es in dem Artikel so schön?
    Man wolle mit der Allianz aber „bewusst raus aus den alltäglichen Lobbyistengräben“.

    Gerne, liebend gerne würden die meisten das ganze endlich vernüftig ausdiskutieren und fair regeln. Ich frage mich dann nur, warum als erstes nicht einmal ein cut gemacht und Begriffe wie „rechtsfreie Räume“ und „Sperren für Urheberrechtsverletzer“ aus der Diskussion genommen werden?

  13. Die Tatsache, dass unsere feinen Geräte ohne Inhalte recht nutzlos wären und dass „Content“ auch finanziert gehört, ist gesetzt und nicht weg zu diskutieren.
    Aber: Was bitte haben ARD und ZDF in dieser Allianz zu suchen? Der Privatwirtschaft sei dieser Zusammenschluss ja erlaubt, bzw. hier erfüllt die Allianz als Ansprechpartner wirklich einen praktischen Zweck. Doch der öffentlich-rechtliche Auftrag ist meiner Meinung nach nicht damit zu vereinen, da die Inhalte hier ja unter einem ganz eigenen Finanzierungs- und „Besitzverhältnis“ stehen.

    Nochmal: Das Internet ist der perfekte Platz für öffentlich-rechtlichen Rundfunk (Archivmöglichkeiten, Verfügbarkeit etc.). Wenn ich mir aber gerade die Äußerungen von Frau Piel in letzter Zeit ansehe, scheint es mir, als liefe man lachend der Privatwirtschaft und dem grausigen Begriff der Wertschöpfung hinterher, anstatt auf die Qualität der ÖR-Inhalte zu vertrauen. Für mich wäre gerade Letzteres auch ein besseres Signal nach Innen, als dieses laute Schreien nach dem Schutzmantel der Politik.

  14. @DerOwie:

    Doch der öffentlich-rechtliche Auftrag ist meiner Meinung nach nicht damit zu vereinen, da die Inhalte hier ja unter einem ganz eigenen Finanzierungs- und “Besitzverhältnis” stehen.

    Sorry, aber das mit den „Finanzierungs- und Besitzverhältnissen“ stimmt so halt nicht (mehr). Öffentlich-rechtliche Sender lizensieren, ebenso wie die Privaten, seit Jahren im großen Maßstab Material, das von Dritten pro- oder zumindest coproduziert wurde. Das ist schlicht und ergreifend günstiger, als alles selber zu produzieren.

    Es ist auch deshalb günstiger, weil keine umfassenden „Welt- und für immer Rechte“ lizensiert werden (Ausser natürlich man leistet sich Formate wie den ElRep *hüstel* und stellt alles unter CC … aber das ist selten ,).

    D.h. der Anspruch „Alles gehört uns Gebührenzahlern!“ besteht so leider nicht. Er wäre auch nicht zu finanzieren (Die Rundfunkteilnehmer, die die Mehrkosten „für ’n bisschen Internetquatsch“ nicht zahlen wollen, würden auf die Barrikaden gehen. Ich könnte sie verstehen).

    Nochmal: Das Internet ist der perfekte Platz für öffentlich-rechtlichen Rundfunk (Archivmöglichkeiten, Verfügbarkeit etc.)

    Ja, da sind wir uns einig. Depublikation ist ein Verbrechen an der Gesellschaft. Selbst der historisch vorkontaminierte Begriff der „digitalen Bücherverbrennung“ ist da nicht fern.

    Wenn ich mir aber gerade die Äußerungen von Frau Piel in letzter Zeit ansehe, scheint es mir, als liefe man lachend der Privatwirtschaft und dem grausigen Begriff der Wertschöpfung hinterher, anstatt auf die Qualität der ÖR-Inhalte zu vertrauen.

    Jein, Ja, Nein. Frau Piel hat schlicht ein Finanzierungs- und Akzeptanzproblem.

    Veranstaltet sie Elitenfernsehen, laufen ihr die Zuschauer weg. Macht sie Mainstream, wird über die Qualität gemault. Das Problem: Auch beim ÖR gibt es einen latenten Quotendruck. Ohne Akzeptanz, und sei es durch Fußball und Volksmusik, verliert der öffentlich-rechtliche Rundfunk seine Daseinsberechtigung.

    Das sieht übrigens auch das BVerfG so, das in seinen „Rundfunkurteilen“ den ÖRs ein Vollprogramm (ÖR ist eben nicht nur „Grundversorgungf“!) auf Augenhöhe mit den Privaten zugesteht, um das diffiziele Gleichgewicht des dualen Rundfunksystem nicht zu gefährden. Wenn man mal drüber nachdenkt (und eigene Interessen dabei aussen vor lässt), ist das – zumindest gesellschaftspolitisch – eine sehr clevere Entscheidung.

    1. „Öffentlich-rechtliche Sender lizensieren, ebenso wie die Privaten, seit Jahren im großen Maßstab Material, das von Dritten pro- oder zumindest coproduziert wurde.“

      Ja. Und das ist falsch. Die öffentlich-rechtlichen Sender müssen nicht alles machen. Die Unterstützung der „Deutschen Content Allianz“ ist ein schwerer taktischer und strategischer Fehler.

      1. @Christian: Vielleicht verstehen wir uns einfach falsch, aber: Ich glaube, du ignorierst das Problem: „Die öffentlich-rechtlichen Sender müssen nicht alles machen.“

        WIe gesagt, sie müssen, vereinfacht gesagt, „Programm auf Augenhöhe“ mit den Privaten liefern. Generell muss Programm bzw. müssen Inhalte produziert werden. Da sind Co-Produktionen (z.B. bei aufwändigen Dokumentationen) und Lizensierung (Sport, Spiel, Spaß) ein probates Mittel, die Kosten im Rahmen zu halten.

        Der Nachteil ist, dass man keine uneingeschränkten Rechte hat. Dafür hat aber auch nicht die kompletten Kosten am Hals, bzw. kann flexibel beauftragen und bezahlt nur, was wirklich gebraucht wird.

        Daneben gibt es natürlich Inhalte, bei denen das nicht sinnvoll ist. Bei politischen Magazinen erwarte ich zum Beispiel eine eigenständige Redaktion (zum Teil werden auch da die Berichte und Material zugekauft bzw. auftragsbezogen durch Dritte produziert).

        Besser erklärt als ich es hier könnte, wird das alles übrigens in Sydow, Jörg/Windeler, Arnold (Hrsg.): Organisation der Content-Produktion ,)

        D.h. du wirst in den nächsten Jahren wohl kein komplettes „Digital Archiv“ bekommen, selbst wenn der Depublikationswahnsinn gestoppt wird.

        Die Unterstützung der “Deutschen Content Allianz” ist ein schwerer taktischer und strategischer Fehler

        Möglich, ja. So wirklich nachvollziehen kann ich den Schritt auch noch nicht. Die Idee als solche kann ich aber durchaus nachvollziehen. Schaun‘ mer mal.

        Ich halte einfach nicht viel Kriegserklärungen, bevor klar ist, wohin die Reise geht. Ich glaube, dass haben wir (wir, als Netznutzer bzw. Zuschauer und Konsumenten) auch gar nicht nötig.

        Ich mag einfach nicht auf Gornys Niveau runter und mich als Kunde von einem Anbieter, der seinen Job nicht macht, dumm anpöbeln lassen.

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