Kultur

Deutsche Bank Research zu OpenGov, OpenAccess, etc

Es gibt ein neues spannendes Papier von Deutsche Bank Research, dem Trendforschungsinstitut der Deutschen Bank: Die digitale Gesellschaft: Neue Wege zu mehr Transparenz, Beteiligung und Innovation (PDF). Auf 28 Seiten werden viele Themen angeschnitten und Handlungsempfehlungen definiert. In Richtung Entscheidungsträger der Politik schlägt Deutsche Bank Research das vor:


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— Rechtsrahmen (z.B. immaterielle Güterrechte) zur Ermöglichung offener Prozesse anpassen
— Netzneutralität (Box 11) ggf. gesetzlich verankern
— Netzpolitische Themen in Bildungsprogramme integrieren
— Mit neuen Online-Beteiligungsformen experimentieren
— Zugang zu öffentlichen Infrastrukturdaten (kein Personenbezug) in maschinenlesbarer Form ermöglichen
— Communities, NGOs, interessierte Bürger einbeziehen
— Offene Technologiestandards einsetzen

Hier ist das Summary:

Digitaler Strukturwandel. Der steigende Einsatz moderner Netzwerktechnologien verändert den sozialen und wirtschaftlichen Alltag der Menschen. Heute kann sich jedermann in digitalen Räumen interaktiv beteiligen. Dadurch entstehen sowohl neue Beteiligungsformen als auch neue Wertschöpfungsmuster, die u.a. mit einer Machtverschiebung zu Gunsten eines souveränen Bürgers bzw. Konsumenten einhergehen. Der digitale Strukturwandel begünstigt insbesondere die folgenden Öffnungsbewegungen:

(Corporate) Social Media. Soziale Netzwerkplattformen erobern alle Lebensbereiche. Auf Unternehmensebene führt dies zur Umverteilung der Kommunikationskontrolle zu Gunsten der Internetgemeinde. Unternehmen und Organisationen können einerseits vom mächtigen Empfehlungsweb profitieren, andererseits verlieren sie aber einen Teil ihrer Kundenkontrolle sowie ihre Kommunikationshoheit. Dadurch wird Unternehmenskommunikation authentischer und informeller.

Open Innovation. Interaktive Wertschöpfung kann die Innovationskraft von Unternehmen erhöhen, indem Wissen und Kreativität externer Experten oder Communities in interne Prozesse integriert werden. Je mehr externe Ideen eingehen, desto größer sind die Kombinationsmöglichkeiten, um Neues zu schaffen. Open Innovation birgt aber auch Risiken, weil klassische Wertschöpfungsmuster aufgebrochen und mit neuen Strategien, vor allem aber mit neuen Interaktionskompetenzen, modernisiert werden müssen.

Open Government. Politische Institutionen und Verwaltungsbehörden öffnen ebenfalls ihre Pforten für eine verstärkte Bürgerbeteiligung. Durch die zur Verfügung gestellten öffentlichen Daten können neue Verwendungsmöglichkeiten und Geschäftsmodelle entstehen. Kommt es zur Interaktion bzw. zu externem Feedback in die Verwaltung, können sich neue Kooperations- und Partizipationsmodelle zwischen Verwaltung und Bevölkerung bilden. Dadurch erfährt Demokratie mehr Transparenz und wird aktiver.

Open Access. Bedienerfreundliche Internet-Technologie hat die Verbreitung von wissenschaftlichen Erkenntnissen grundlegend verbessert. Eine aktive
Open Access-Politik kann Wissen effizienter und kostengünstiger verbreiten und sorgt somit für ein höheres Innovationspotenzial in der Volkswirtschaft.

Open/Free Culture. Auch im Kreativbereich profitiert der Mensch vom digitalen Zeitalter: Vermehrt wird Know-how in virtuellen Räumen angeboten, zur Beteiligung eingeladen und aktiv die Interaktion mit anderen (Peers) gesucht. Damit soll Einseh- und Veränderbarkeit in die diversen Projekte, Konstruktionspläne, Werke oder Blaupausen ermöglicht werden, die positive Spillover-Effekte im Innovationsprozess mit sich bringen.

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8 Kommentare
  1. Hm, muss ich mir doch gleich mal zu Gemüte führen.
    Irgendwie erstaunt mich die positive Sichtweise auf die Digitalisierung (im Gegensatz zu manch anderen Akteuren in Politik und Wirtschaft)

  2. Hmm, die Ergebnisse klingen überraschend sinnvoll und gewissenhaft…
    Beim namen „Deutsche Bank Research“ hatten sich eigentlich schon die üblichen Nackenhaare gestellt.
    Kann man von denen sagen sie sind neutral? oder doch Konzern-Interessen-vertretend?
    Gibts weitere öffentlichkeitsbewusste Themen zu denen die geforscht haben?

  3. „Heute kann sich jedermann in digitalen Räumen interaktiv beteiligen.“ Und was machen die Analphabeten und Leute mit begrenztem Zugang zum Internet? Es gibt auch Leute die keinen Computer haben. Die Präsenz des Internets lässt uns schnell vergessen, dass es auch noch ein digitales Jenseits gibt.

    1. Das Analphabeten oder arme Menschen die digitale Welt nicht nutzen können, ist ein Armuts- und/oder Bildungsproblem und kein primäres Problem der Digitalisierung.

  4. — Rechtsrahmen (z.B. immaterielle Güterrechte) zur Ermöglichung offener Prozesse anpassen

    Was ist ein offener Prozess? Warum können die Researcher nicht einfach sagen, was sie konkret fordern? Worum geht es?

    — Netzneutralität (Box 11) ggf. gesetzlich verankern

    Von wegen. Glaubt bloß nicht, dass dies der Bevölkerung zum Besten dient. Aber das will hier eh niemand hören, daher gleich zum nächsten Punkt:

    — Netzpolitische Themen in Bildungsprogramme integrieren

    Netz_politische_ Themen? („Und morgen schreiben wir einen Aufsatz darüber, warum Terrorismus im Internet ein so weit verbreitetes Problem ist“) Zumindest im Worst Case.

    — Zugang zu öffentlichen Infrastrukturdaten (kein Personenbezug) in maschinenlesbarer Form ermöglichen

    Was bitte sind „Infrastrukturdaten“ und warum werden nicht einfach *alle* öffentlichen Daten ohne Personenbezug veröffentlicht?

    Da wird wieder mit nichtssagenden Wörtern um sich geworfen… Hauptsache es hört sich toll an.

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