Wissen

Aus Protest: Torrent mit 18.592 wissenschaftlichen Artikeln

Aus Protest gegen die das juristische Vorgehen gegen Aaron Swartz hat jemand, der sich als „Greg Maxwell“ ausgibt, einen Torrent mit 33GB wissenschaftlicher Publikationen der Royal Society veröffentlicht. Dazu gibt es eine ausgiebige & lesenswerte Erklärung.


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[… Sie stammen alle] aus alle aus der Zeitschrift Philosophical Transactions of the Royal Society, die für alle frei verfügbar sein sollte, bisher aber größtenteils durch paywall-Wächter wie JSTOR nur zu hohen Preisen verfügbar waren.

Ein bisschen Ironie zeigt das Vorgehen – Greg Maxwell macht genau das, was Aaron Swartz nicht getan hat: Er veröffentlicht die Daten. Der Einzelpreis pro Artikel liegt je nach Alter zwischen 8 und 19$. Man kann da einerseits von einem großen Verlust für die Lizenzinhaber sprechen – ich jedoch empfinde den bisherigen Verlust der Weltöffentlichkeit, durch enorme Kosten von diesem Wissen ausgeschlossen zu sein als sehr viel herber.

Die Taktik, juristisch verbriefte Rechte anderer zu „verletzen“ ist ein Weg. Gleichzeitig sollte aber gerade bei Wissenschaftlern dafür geworben werden, dass sie sich nicht länger in ihrer Wirkungsbreite beschränken lassen: Im Directory of OpenAccess Journals finden sich viele Zeitschriften, die heute schon ohne Zugriffsbeschränkungen Wissen frei verfügbar machen.

Dass und wie das funktioniert, nimmt dem die Wissenschaft einschränkenden Verlagswesen den Wind aus den Segeln.

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26 Kommentare
  1. Ich teile die Meinung, das wissenschaftliche paper öffentlich zugänglich sein sollten auch. Aber man muss trotzdem bedenken, dass es weiterhin eine Kontrollinstanz geben muss, die Gutachter für die eingereichten Arbeiten kümmert. Das wird auch weiterhin Geld kosten, den Qualität ist nicht umsonsst zu haben.

    Ein einfaches „gebt alle daten frei,“ ohne wenn und aber, wie es dieser Maxwell offenbar meint, führt unweigerlich zu Qualitätsverlust. Man muss sich schon Gedanken darüber machen, wie man die Qualitätssicherung anders finanziert.

    1. Du weißt schon wie dies aktuell meist funktioniert?

      1) Es gibt kein Geld.
      2) „Man“ kennt sich. Meist sogar ziemlich gut.

      Alternativ:

      http://www.plosone.org/

      @Dr. Klaus Graf: Wie rechtlich sicher ist diese Einschätzung? Ich würde diese Dokumente gerne einmal überfliegen, ohne eine Abmahnung in Haus zu bekommen. Und warum hosten dt. Bibliotheken/Universitäten diese Material dann nicht?

    2. Doch, die Kontrollinstanz ist ohne Geld zu haben.
      Indem die Einreichenden auch noch kostenlos andere Papers reviewen. Das ist das, was jetzt schon so ist. Nur dass man zusätzlich noch alle Veröffentlichungsrechte an den Verlag abtritt.

      In anderen Worten: Der Verlag kassiert zwar, ist aber schon jetzt nicht die Kontrollinstanz.
      Öffentlich finanzierte Forschung wird von den Forschern kostenlos an die Verlage abgetreten, von eben diesen Forschen kostenlos kontrolliert und Geld damit machen am Ende nur die Verlage.

    1. Der Vergleich mit Harry Potter passt hinten und vorne nicht. Bei wissenschaftlichen Publikationen handelt es sich fast immer um komplett öffentlich finanzierte Arbeiten. Verfassen, Peer Review und nicht selten auch die Publikation werden komplett von öffentlichen Geldern (a.k.a. Steuern) finanziert. Hätte Frau Rowling Harry Potter im Auftrag einer Uni verfasst und wären die Lektoren etc. allesamt Kollegen von anderen Unis, die dafür auch kein Geld außerhalb ihres Prof-Salärs bekommen hätten, wäre der Vergleich eventuell angemessen. So aber nicht.

      1. Die haben aber vllt einen Zuschuss aus nem EU Filmfonds bekommen..
        Ist ja auch egal, wenn die Rechte beim Verlag liegen, darf man das halt nicht veröffentlichen.. Dagegen darf man gerne protestieren, aber nicht so..

    2. Klingt verdächtig nach „Protest bitte nur so, dass es den Gegnern nicht wehtut“. Erkläre der staunenden Leserschaft mal, wie das funktionieren soll, gerade bei diesem Thema. Open Access ist schon so lange in aller Munde, so viele Formen des Einspruchs und Protests wurden durchprobiert. Halte den Akteuren die Argumente für Open Access vor und sie lachen dir ins Gesicht. Veröffentliche es und streue so weit du kannst und fast kein größeres Medium interessiert sich dafür, ergo kein Journalist recherchiert genauer. Jetzt das vollkommen überzogene Urteil die vollkommen überzogene Anklage gegen Swartz inkl. vorauseilenden Verdächtigungen, was er mit seiner „Beute“ hätte vorhaben können. Da wird die Gangart halt härter.

      Die Verlage stämmen sich hier gegen eine Selbstverständlichkeit des digitalen Zeitalters und alle, die das anders sehen, sind per Definition Kriminelle im großen Stil. Insofern hat die Aktion mein volles Verständnis.

      1. Open Access wuerde dann funktionieren, wenn die DFG einfach festlegen wuerde, dass fuer jedes Projekt, in dem auch nur 1ct von der DFG finanziert wird, auch(!) als Open Access bereit gehalten werden muss.

        Und man muss das ja gar nicht von heute auf morgen machen: Anzukuendigen, dass diese Regelung fuer alle Foerdergelter ab 2013 gilt und es dann einfach durchsetzen sollte reichen. Dann haben Wissenschaftler, Verlage, Unis und Bibliotheken genug Zeit sich auf die neue Situation einzustellen.

    1. @Dr. Klaus Graf: Wie rechtlich sicher ist diese Einschätzung? Ich würde diese Dokumente gerne einmal überfliegen, ohne eine Abmahnung ins Haus zu bekommen. Und warum hosten dt. Bibliotheken/Universitäten dieses Material dann nicht?

  2. Das Publizieren der eigenen Arbeiten in Open Journals ist für Wissenschaftler leider nicht risikofrei machbar. Wenn wissenschaftliche Stellen vergeben werden, wird der Wert eines Wissenschaftlers oft genug nur über die verschiedenen Indexe bestimmt (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/H-Index). Ein guter H-Index ist nicht zu erreichen, wenn die eigenen Arbeiten nur in Open Journals erscheinen. Diese haben in jenen Indexes schlichtweg weniger Wert.

    Wer nur in Open Journals veröffentlicht riskiert seine wissenschaftliche Karriere, so einfach ist das. Leider.

    1. Wieso haben Open Journals „weniger Wert“? Ist die WP-Darstellung des H-Index nicht korrekt? Ich sehe da keine Wertung der Publikationen, sondern nur „Anzahl Zitate“.

      Oder kommen Open Journals im Web of Science (et alia) einfach gar nicht vor? *Dann* wäre aber „weniger Wert“… na, zumindest irreführend, wenn auch nicht *absolut* falsch ;-P

  3. Als Jung-Akademiker begrüße ich den Vormarsch der openAccess-Journals sehr und publiziere liebend gerne dort. Allerdings fallen gerade bei den openAccess-Journalen sehr hohe Kosten für den Autor (also den einreichenden Wissenschaftler) an, die wiederum dann für Ausrüstung fehlen.

    Es gibt openAccess-Journale, die 500US$ für das Einreichen verlangen (also: ein Editor nimmt das Paper entgegen). Mag der Editor das Paper, geht es für weitere 750US$ zum Reviewer (also: ein anderer Experte ließt das Paper Korrektur). Wird es dann akzeptiert werden noch einmal 3.000US$ fällig (also: es wird veröffentlicht). Hinzu kommen kosten pro farbiger Grafik von etwa 70US$. Viele Forschungsprojekt-Budgets sind dann schon ausgeschöpft und es bleibt kein Geld mehr für die eigentliche Forschung.

    Das gleiche Paper bei Nature, PNAS, Science oder anderer Journals mit PayWall zu veröffentlichen kann man für 500US$ insgesamt.

    Weiteres Entscheidungskriterium ist der „Impact Factor“ eines Journals. Je höher, desto besser. openAccess-Journale kommen fast nicht über 10. Nature liegt derzeit bei etwa 35. Ziel eines Forschers ist es, 10+-Paper platzieren zu können. Sie sichern das Budget für das nächste Projekt.

    1. Welcher Fachbereich?

      Was spricht z. B. gegen plosone.org? Die Kosten liegen zw. $1300-2500 wenn ich mich richtig erinnere. Arbeitet man an einer Hochschule die mit plosone.org zusammen arbeitet (Bielefeld, Hannover) wird es auch günstiger.

      http://www.plos.org/journals/pubfees.php

      „LoS is committed to ensuring that our fee is never a barrier to publication and so we offer a waiver to any authors who do not have access to funds to cover our publication fees. Editors and reviewers have no access to author payment information, to ensure that the ability to pay never influences a publishing decision.“

      Einfach mal versuchen und berichten :)

      IF Plos:
      PLoS Biology – 13.5
      PLoS Medicine – 12.6
      PLoS Computational Biology – 6.2
      PLoS Genetics – 8.7
      PLoS Pathogens – 9.3
      http://blogs.plos.org/plos/2008/06/2007-impact-factors-for-plos-journals/

      Und nein, ich arbeite dort nicht.

  4. Im nicht-naturwissenschaftlichen Bereich gibt es zum ThomsonReuters Index (http://science.thomsonreuters.com/citationimpactcenter/) quasi keine Alternative wenn es um Journals mit Impact-Faktor geht. Da gibt es kein Open Access und die Konzerne (Elsevier, Routledge Taylor & Francis oder Springer) lachen sich ins Faeustchen, wenn Wissenschaftler brav ihre Ergebnisse abliefern damit die dann hinter paywalls verschwinden koennen. Zur ‚Belohnung‘ gibt es einen Impact-Faktor der dann bei der Vetragsverlaengerung etc. eine wesentliche Rolle spielt. Erinnert ein bisschen an Rating-Agenturen, die unternehmerische Interessen haben und natuerlich nicht ‚objektiv‘ sind, aber von allen Beteiligten als das non-plus-ultra gehalten werden. Zudem sind fuer den wissenschaftlichen Betrieb ohnehin nur aktuelle Veroeffentlichung von Belang, daher sind die Artikel von JSTOR eine nette Aktion, aber mehr auch nicht.

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