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DNS-Test-Zwang in Bad Vilbel

In Bad Vilbel ist die Polizei auf der Suche nach der Mutter eines tot aufgefundenen Babys die Idee zu einem „freiwilligen Massen-Gentest“ von insgesamt 1.500 Frauen gekommen. Innerhalb von einer Woche lieferten 1.100 brave Bürgerinnen bereitwillig ihre Speichelprobe ab.


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Die verbleibenden Frauen, die vielleicht aus Zeitmangel , vielleicht aus Desinteresse, vielleicht aber auch aus Unbehagen, dem Staat ihren genetischen Fingerabdruck zu liefern, der Einladung zum freiwilligen Test nicht nachgekommen sind, bekommen nun Hausbesuch – schließlich scheinen sie etwas zu verbergen zu haben!

Ich gehe davon aus, dass viele Frauen den Test dann noch nachholen.

gibt Polizeisprecher Jörg Reinemer sich siegesgewiss.

22 Kommentare
  1. Kann es überhaupt nicht verstehen, warum sich die Frauen weigern dem Staat freiwillig ihre DNA zu geben. Es dient doch einem guten Zweck und die Daten sind beim Staat wirklich sicher aufgehoben. Ausserdem verhindern die Frauen damit die Aufklärung eines Verbrechens.

  2. In Dörpen gab es auch einen Massen-Gentest, bei dem noch 350 Proben fehlen.

    „Die Polizei setzt den mutmaßlichen Vergewaltiger von Dörpen weiter unter Druck.“

    „Dabei handelt es sich nach Angaben der Polizei um etwa 350 Personen. Diese würden nun mit dem Ziel kontaktiert, sie doch noch zu einer Teilnahme an dem freiwilligen Test zu bewegen, teilte ein Sprecher der Polizei gestern mit. Wer sich dem Test verweigere, müsse mit einer Überprüfung seines Alibis für den Tattag rechnen.“

    Soviel zum Thema „freiwillig“. Die Polizei setzt damit wohl kaum ausschließlich den „mutmaßlichen Vergewaltiger“ unter Druck.

    Quelle: https://www.noz.de/artikel/48510657/350-speichelproben-fehlen-noch

  3. Der Staat und insbesondere die Polizei verhöhnt doch die Intelligenz eines jeden Betroffenen wenn von Freiwilligkeit mit dem gleichzeitigen Beisatz „man wird sich erklären müssen wenn man nicht dran teilnimmt“ spricht.
    Wäre ich betroffen würde ich Strafanzeige gegen den aussprechenden Beamten wegen Nötigung im Amt stellen. Weiterhin würde ich jede Aussage verweigern und damit sofort auch in die Öffentlichkeit gehen, sowie den Gesamtgentest versuchen juristisch an zu greifen. Sollen die doch ihre Aufgaben mal ordentlich erledigen und nicht aus Bequemlichkeit auf solche Massen-General-Verdachtsmethoden zurückgreifen. Das ist schlicht ungesetzlich!

  4. Interessant bei diesen „freiwilligen“ Tests ist, dass der Staat die DNA auch über den eigentlichen Ermittlungsgrund hinaus speichern darf. Von dem her ist die Sorge der nicht hingehenden Frauen sehr berechtigt.

  5. Wenn ich den Bericht richtig verstehe, dann hat man noch nicht einmal die bislang eingesammelten „freiwilligen“ Proben vollständig untersucht. Es kann also noch nicht einmal die Rede davon sein, daß zum jetztigen Zeitpunkt durch Ausscheiden der 1100 „Freiwilligen“ ein „Tatverdacht“ gegen die restlichen 300 bestünde …

  6. Jetzt mal grundsätzlich zu diesem Thema, das mich schon lange aufregt bis zum geht nicht mehr. Egal, um welches Verbrechen es geht, egal, ob Männer oder Frauen betroffen sind.

    Man stelle sich vor, da lebt man lustig vor sich hin, dann flattert ein Brief in den Kasten und man wird aufgefordet, seine DNA abzugeben, weil man entweder ein bestimmtes Geschlecht, einen bestimmten Wohnort, ein bestimmtes Alter hat etc..

    Sagt mal Leute, wo leben wir eigentlich?

    Freiwillig?? Mit Drohgebärden, die immer zu hören sind, nach dem Motto, wer nicht kommt, der wird durch einen richterlichen Beschluß gezwungen, oder wir (die Bullerei) hören uns dann eben mal den Nachbarn um, was man für einer/eine ist etc. etc. etc..

    Dann natürlich Hausbesuche und dergleichen?

    Ich erwarte von betroffenen Menschen, jetzt endlich mal allesamt nicht hinzugehen, wenn mittlerweile routinemäßig die Massengen“tests“ genommen werden sollen an tausenden Bürgerinnen und Bürgern. Wer hingeht, der hat nicht etwa nichts zu verbergen, sondern zeigt offensichtlich seine Blödheit. DIE sollte man tatsächlich nicht zeigen. Wie mich solche Deppen aufregen… boah!

    Allen Standhaften sei gesagt:
    Gar nichts wird passieren. Knallt den Bullen die Tür vor der Nase zu, sammelt Schreiben unbeantwortet in einem Ordner und fertig. Wenn alle Stricke reißen, dann Anwalt einschalten.

    Und nebenbei: Mit der Bullerei muß niemand reden. Weder ein Zeuge, noch ein Verdächtiger, noch ein Angeklagter. Nur vor der Staatsanwaltschaft muß man sich äußern, wenn man Zeuge ist. Als Verdächtiger natürlich auch nicht. Und als unschuldige/r Bürgerin/Bürger, die mal locker ins Raster genommen wird, schon ganz gar nicht!

    Und da man heute ja schon verdächtig ist, weil man seine Gene bei der Bullerei nicht abgeben will, sollte man sofort folgende Strafanzeigen (bei der Staatsanwaltschaft!!) erstatten:

    Nötigung
    Belästigung
    Ggf. üble Nachrede/Verleumdung

    Auch eine Unterlassungsklage gegen die Bullerei ist immer eine wahre Freude.

    Es wird Zeit, daß auch hier eine Klage beim Bundesverfassungsgericht ein für allemal die Grenzen absteckt!!! Und von wegen, wird alles wieder gelöscht. Gar nichts wird gelöscht. Die Betroffenen haben NULL Kontrolle!!!

    Klagt endlich, vor allem: Bildet Interessengemeinschaften, dann wird es nicht so teuer und man hat Zuspruch, welcher sicherlich benötigt wird, wenn sowas aus heiterem Himmel auf harmlose Bürger/innen zukommt.

    Massengentests?? Ein Skandal größten Ausmaßes.
    Da könnte ich wieder ausrasten!!

  7. Die Überschrift ist schon ok.

    Letztendlich sollen die Leute gerichtlich gezwungen werden. Und das hat die Bullerei nicht zum erstem Mal, auch in der besten Tagesschauzeit, aufgrund zahlreicher Fälle kundgetan.

    So soll Druck weiter aufgebaut werden.

    Aber ich kann nur raten, einen guten und kackendreisten Juristen einzuschalten.

    Immer feste druff.

  8. Crossposting mit Fefe? Da hatte ichs zuerst gelesen :)

    Ich sehe es ähnlich wie Silvie, nur hätte ich nicht so erm scharfe Worte gewählt.
    Das ist jetzt Halbwissen, aber _soweit_ich_weiß_ darf der Staat, die Daten, die ich ihm freiwillig gebe behalten und zu jedem Zweck verwenden und jene Daten, zu deren Abgabe ich gezwungen werde sind Zweckgebunden und müssen nach Zweckerfüllung gelöscht werden.
    Das bedeutet: Einfach abwarten bis man gezwungen wird. ^^

    Für die Überprüfung des Alibi gilt imho das gleiche, wenn einem irgendwie unangenehm ist da Angaben zu machen (z.B. weil man gerade den Ehepartner betrogen hat), dann kann man Staatsanwaltschaften, Gerichten oder Polizisten einfach sagen „ich hab’s nicht getan und habe ein Alibi für den Tat-Zeitpunkt“. Das sollten sie mir erstmal glauben, ich bin nämlich eine ehrliche Haut. Mit der ganzen Info rücke ich dann raus, wenn ich _wirklich_ verdächtig bin, also Indizien gegen mich vorliegen. Bis dahin muss mein Wort reichen.

  9. Ehrlich gesagt macht der Gentest biologisch ohne den Vater zu kennen (und das ist ja wohl kaum der Fall) sowieso wenig Sinn, weil die bestimmten Fragmentlängen nicht eindeutig zugeordnet werden können.

    Auch wenn auffällig viele Übereinstimmungen (+ 40%) zwischen Kind und getesteter Frau vorliegen, kann dies ein zufälliges Ergebnis sein. Bad Vilbel ist jetzt zwar nicht gerade en Dorf, aber es dürfte wie überall außerhalb der Großstädte noch immer viele alteingesessene Familien geben, deren entfernte Verwandschaftsbeziehungen in einem solchen Gentest durchaus Probleme machen können. Wenn z.B. der Vater, die echte Mutter und Testfrau in der dritten Generation verschwägert sind, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese +50% Fragmentlängenübereinstimmung mit dem Kind hat (und damit hoch verdächtig ist) immer noch gerundet 7% !

    Ich vermute also, dass die Ermittler hier ganz gezielt auf Einschüchterung setzen, eine echte Beweiskraft dürfte sich kaum ergeben.

    1. @Th
      Um Beweiskraft geht es bei der Suche noch gar nicht, sondern um neue Spuren. Sebst wenn man nur einen Verwandten findet, bietet das neue Ermittlungsansätze.

      1. @Piratenpart: Darum ging es Th aber nicht allein. Es ging auch darum, dass neben Ermittlungsansätzen auch völlig zufällige und höchst kritische Verwandtschaftsbeziehungen aufgedeckt werden könnten. In einem kleinen Dorf kommt sowas auch bei hoher Sorgfalt der Behörden heraus und kann dann erhebliche unerwünschte Nebeneffekte haben.

  10. *zitat schrozberg*
    Kann es überhaupt nicht verstehen, warum sich die Frauen weigern dem Staat freiwillig ihre DNA zu geben. Es dient doch einem guten Zweck und die Daten sind beim Staat wirklich sicher aufgehoben. Ausserdem verhindern die Frauen damit die Aufklärung eines Verbrechens.
    —-

    Hehe, made my day. Der Sarkasmuss war so gut versteckt das ich ihn fast nicht erkannt habe.

  11. @ Silvie
    In der Tat kann man Ihnen nur zustimmen. Und daß Sie sich so aufregen, ist völlig zu verstehen, mir geht es da nicht anders. Die Realität ist aber offenbar, daß die Masse der Leute – ganz egal, ob Frauen oder Männer – nicht auffallen will und mitmacht, weitere Überlegungen werden da offenbar nicht groß angestellt. Insofern wäre ein Grundsatzurteil vielleicht wirklich hilfreich.

    Die absurde Formulierung „freiwilliger Zwang“ gab es tatsächlich in der DDR (Volksmund); sie brachte treffend zum Ausdruck, daß Leute irgendwas mitmachten, was sie am liebsten nicht getan hätten. Paßt auch hier sehr schön. Denn damals wie heute sind diese Veranstaltungen formal alle freiwillig.

  12. In der Tat kann man Ihnen nur zustimmen. Und daß Sie sich so aufregen, ist völlig zu verstehen, mir geht es da nicht anders. Die Realität ist aber offenbar, daß die Masse der Leute – ganz egal, ob Frauen oder Männer – nicht auffallen will und mitmacht, weitere Überlegungen werden da offenbar nicht groß angestellt.

    Ich finde es mehr als unverschämt, die Leute, die von Polizei und Presse bedroht, von Familie, Freunden und Nachbarn unter Druck gesetzt werden, hier pauschal Blödheit und Mitläufertum zu unterstellen. Sicher gibt es Leute, die ihre DNS mit Stolz abliefern, weil sie ja „nichts zu verbergen“ haben, und „unsere Polizei jederzeit mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen“. Nackte Angst vor Polizeiterror, gewalttätigem Nachbarschaftsmob und Hetze á la „Das ist die Frau, die den DNA-Test verweigert!“ in der Lokalpresse könnte bei vielen aber auch eine Rolle spielen. Diese Leute brauchen Hilfe und Unterstützung statt Hohn und Spott.

  13. Mitlerweile geht die Polizei in der Stadt umher und versucht Speichelproben an der Haustür zu bekommen.

    Wo bleibt der Grundsatz der Unschuld, bis das Gegenteil bewiesen worden ist?

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