Diese Bilderserie geht ohne Einleitung los, denn ich habe auch keine bekommen. Ich stieg aus dem Van aus und stand auf dem Schulhof. Und mich hatte auch niemand gewarnt, so wie ich es jetzt trotzdem mit euch mache. Die Bilder gehen im Zweifelsfall an die Nieren.
Diese Schule ist eine Grundschule für blinde und sehbehinderte Kinder zwischen 7 und 15 Jahren. Es ist die einzige ihrer Art in Lesotho, und sie ist nicht sehr bekannt. So kommt es, dass immer wieder neue Schüler kommen, die vorher im Niemandsland der Dörfer Lesothos gelebt haben ohne zur Schule zu gehen, weil dort niemand etwas mit Ihnen anfangen konnte. In einigen Fällen dauert es Jahre, bis irgendjemand die Eltern auf diese Schule hinweist.
Hier kümmern sich 4 Lehrer um 70 Kinder zwischen 7 und 15 Jahren. Die meisten schlafen dort, aber nicht alle – es ist zu wenig Platz. Das ist natürlich ein Problem, denn auch mit einwandfrei funktionierenden Augen ist die Teilnahme am Straßenverkehr hier eine Herausforderung.
Vor einiger Zeit hat die Schule 4 Drucker für Braille („Blindenschrift“) und 10 PCs bekommen. Von den 4 Druckern sind 3 kaputt. Sie scheinen mit den Stromnetzschwankungen nicht klarzukommen, vermutet die Lehrerin.
Von den 10 PCs ist einer im Einsatz. Gerne würden sie mit den Kindern daran arbeiten, aber es gibt keinen Platz für einen Computer-Raum – weil die Kinder ja auch irgendwo schlafen, essen und lernen müssen. Hatte ich erwähnt, dass die 4 Lehrerinnen natürlich auch die 24/7‑Betreuerinnen sind?
Die Lehrerinnen haben einen Computerkurs gemacht, aber sie wissen und merken jetzt schon dass sie schnell vergessen. Dabei würden sie ihren Schützlingen so gerne den Umgang damit näher bringen. Zugang zu zu Braille-Büchern haben sie kaum. Zum Glück können sie mit dem PC Dinge in Braille drucken.
Ich habe in meinem Leben keinen Ort gesehen, wo Neid, Gemeinheit, Hass und Wut so weit weg waren wie hier. Hier wird nicht mit Stock gelaufen, hier wird niemand allein gelassen. Die Sehenden helfen den Blinden. Hier wird zusammen gelitten, zusammen gelacht und zusammen aufrichtig geliebt. Hier wird sich andauernd offenherzig in den Arm genommen. Wenn man von diesem Ort kommt, reichen auch Stunden, wahrscheinlich Tage danach die kleinsten Alltagsvorkommnisse aus, um einen zum Weinen zu bringen. Es ist ein Gefühl, dass ich gar nicht mehr kannte.
Ich glaube es nennt sich Rührung.






