Assange jetzt auch ohne Schweizer Konto

Die Schweizer Bank Postfinance, bei der Assange ein Konto hatte, hat ihm nun gekündigt, weil er keinen Wohnsitz in der Schweiz hat – seine Angaben bei der Eröffnung des Kontos waren falsch. Es ist schon spannend, was plötzlich alles für Formalitäten ausgraben werden. Und von wem…


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Unklar bleibt, ob rigoros bei jedem so vorgegangen wird (was nicht überraschend wäre). Nicht nur im eigenen Interesse sollte Wikileaks ein bisschen vorsichtiger beim Einhalten von Formalitäten sein – es drängt sich sonst der Verdacht der Stümperhaftigkeit auf, oder der, dass die offenen Flanken absichtlich hinterlassen werden, um vermeintliche „Skandale“ zu provozieren.

41 Kommentare
  1. Darf ich die bitte wiederholen: etwas weniger Fefe, etwas mehr Netzpolitik. Ein Postbank-Konto ist kein Nummernkonto. Dieses verschwörerische „Es ist schon spannend…“ ist einfach nicht angebracht.

  2. Nun ja,

    bei Amazon hat Assange ja zugegeben, dass die Platzierung sehr bewusst erfolgte (und bei einigen anderen auch) um zu zeigen, wer nur von Freiheit spricht und wer sie lebt (im Fall von Staaten).

    Im Guardian gab es dazu ein sehr erhellendes Interview.

  3. Was ist denn jetzt noch kündbares vorhanden?

    Verstehen würde ich, wenn die Lebensversicherung ihn rauswerfen würde. Das Risiko dürfte langsam nicht mehr tragbar sein :D

    @Torsten:

    Das Timing ist doch schon verdachtschöpfend, nicht? Und all das noch innerhalb von ein paar Tagen.

    Zufall ist ein Konzept, dem ich nicht viel abgewinnen kann.

    Außer natürlich: Mein Name wäre Hase ich wüsste von nichts.

  4. Klar die Banken waren ja schon als nächstes Enthüllungsziel angekündigt, da ist es nachvollziehbar, dass die Banken nicht wirklich erfreut sind und da lastet sicher eine Menge „Peer Pressure“ auf der Schweizer Post, das Konto dichtzumachen.

    Ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, wann die Bank Ziel eines DDoS wird:
    (siehe: http://pandalabs.pandasecurity.com/tis-the-season-of-ddos-wikileaks-editio/)

    Ob man in den Vorstandsetagen daran gedacht hat?

  5. Naja, das ist doch wenigstens mal nachvollziehbar. Das würde in Deutschland bei jeder Sparkasse genauso passieren.

    Ansonsten muß man schon vorsichtig sein, welchen Teil der Anti-Wikileaks Aktionen man als Verschwörung betrachtet, und welchen als Verplantheit und/oder Fehleinschätzung von Assange.

  6. Auch wenn es zugegeben ein wenig seltsam aussieht, dass gerade das Konto von Assange gekündigt wurde, ist das allerdings keine Besonderheit – oder gar Verschwörung.
    Wer nun einmal Angaben bei (gerade so etwas seriösem wie) einem Bankkonto fälscht muss nun einmal damit rechnen, dass das nicht lange überlebt. Aus der Gegebenheit das Assange jetzt nun einmal im Rampenlicht steht war es doch klar, dass hier das Konto genauer überprüft wird – was aber ausdrücklich jedem passieren kann.
    Letztendlich kommt es aber auch leider dazu, dass viele Konzerne heutzutage nicht mehr die Eier haben, auch von den USA kritisiere Kunden aufzunehmen (siehe Amazon, everyDNS, …). Das ist schade und zeigt, dass unser Wirtschafts- und Politiksystem zu stark noch von den USA abhängt.
    Es gilt diese Unabhängigkeit zu lösen (siehe Bahnhof AG) und der USA auf gut deutsch zu signalisieren „Ihr könnt uns mal“…

  7. Ja, der Zeitpunkt ist seltsam. Zudem muss ich davon ausgehen, dass eine Bank für gewöhnlich den Kunden zuvor informiert und die Chance gibt das Ganze wieder ins rechte Licht zu rücken. Ich meine einen Brief wo nach der aktuellen Anschrift gefragt wird, weil die Angabe offenbar nicht mehr richtig zu sein scheint.

    Keine Ahnung ob das hier der Fall war – wäre mal interessant bei der Bank da nachzubohren!

  8. Mal davon abgesehen, dass gerade im Bankbereich so ein internationaler Haftbefehl durchaus automatische Überprüfungen auslösen kann. Ebenso wie die plötzliche Inanspruchnahme des Kontos nach Ausfall Paypals.

    Auch wenn Zusammenhänge sicherlich existieren, müssen sie nicht zwangsläufig die totale Verfolgung bedeuten.

  9. mayleen: Das Konto wurde grade auf einer Webseite veröffentlicht, über die weltweit berichtet wird. Es sind höchstwahrscheinlich so viele Geldspenden eingegangen sein, dass bei jedem Geldwäsche-Erkennungssystem der Welt die Alarmsirenen klingeln.

    Und ja: in der Schweiz wurde und wird wahrscheinlich noch heute viel Geldwäsche betrieben – aber doch nicht mit einfachen Postbank-Konten…

    Linus Neumann: Ich sehe keinen Unterschied zwischen „nicht angebracht“ und „unangebracht“. Mit „Es ist schon interessant“ machst Du auf einen Fakt aufmerksam, der verdächtig sein soll. Doch bei mehr als flüchtiger Betrachtung ist er absolut nicht verdächtig. Beispiel: „Es ist schon interessant, dass ausgerechnet jetzt Tumblr ausgefallen ist“, klingt merkwürdig, oder?

    Um es mit Jon Stewart zu sagen „if we amplify everything, we hear nothing“ – durch diese ganze Haltung, Informationen zuerst in gut und „böse“ aufzuteilen und demnach Plausibilitätspunkte zu verteilen, Skandal vor Substanz und Kontext zu setzen, wird jede konstruktive politische Auseinandersetzung zunichte gemacht. In den USA wird grade an sehr kritischen Gesetzen gearbeitet, aber das ist im Zweifel nur eine Meldung unter Hunderten über die UFO-Wikileaks-Verschwörung oder wahlweise die Amazon-EveryDNS-Verschwörung.

    Ein Beispiel für Kontext, der hier relevant wäre: Falsche Adressdaten waren IIRC auch der Grund für die erste PayPal-Account-Löschung vor knapp einem Jahr. Tausende PayPal-Nutzer kennen das: wenn irgendetwas dem PayPal-Computer komisch vorkommt, wird das Konto gesperrt und der Kunde wird plötzlich aufgefordert Dokumente wie Stromrechnungen vorzulegen.

    Das heißt übrigens nicht, dass die Löschung des Wau-Holland-Accounts korrekt wäre – hier hat PayPal wahrscheinlich(!) eine politische Entscheidung getroffen, wie es ja aus dem Blog-Beitrag von PayPal hervorgeht.

  10. Er hätte besser ein anonymes Konto bei
    einer nigerianischen Bank eröffnet.

    Wenn’s um Geld geht, kann man „Verbrechern“
    anscheinend mehr vertrauen als „ehrbaren
    Geschäftsleuten“.

  11. Ist es nicht so, dass das Konto erst eröffnet wurde nachdem Paypal Wikileaks gekickt hat? Insofern wäre es logisch dass die Überprüfung erst jetzt geschieht.

  12. hm, da ist er aber in einer Zwickmuehle. Er ist ja praktisch auf der ganzen Welt Zuhause. Da ist das mit der festen Adresse sowieso wohl schwierig. Alternative waere wohl das jemand anderes das Konto eroeffnet und ihn als zweiten Nutzer eintraegt.
    Hat natuerlich den Nachteil das eine zweite Person angreifbar wird oder der Versuchung des Geldes erliegen koennte.

    Andere Alternative waere wenn man mit den Spenden direkt z.B. die Betriebskosten bei Providern begleicht oder so. Ein Intelligentes (Ticket)-System dazu vorausgesetzt.
    Naja bin auf jedenfall gespannt wie das weiter geht.

  13. nur mal so : wie war das mit all den diktoren e.a., die konten i.d. schweiz hatten/haben – wie haben DIE das mit nem wohnsitz gemacht ??? die haben sich alle nicht an die „sittlichen regeln“/nzz gehalten …

    schade, ich bin/habe leider niemanden i.d. schweiz – würde es aber sofort für WL/JA machen

    (aporopos Wau-Holland bei CB : swoeit ich das verstanden habe, werden dann unsere deutschen daten per SWIFT i.d. USA übermittelt – TOLL)

  14. Um den ganzen Spekulationen hier mal ein Ende zu machen:

    Auch ich habe als Nicht-Schweizer ohne Wohnsitz in der Schweiz ebenfalls ein Konto bei der PostFinance, die wie bereits richtig angemerkt, eigentlich gar keine Bank ist, sondern lediglich ein Finanzdienstleister. Mein Konto unterhalte ich dort ganz legal. Man muss das nur bei der Kontoeröffnung korrekt angeben. Das Ganze hat primär steuerliche Hintergründe.

  15. @Angelika
    aporopos Wau-Holland bei CB : swoeit ich das verstanden habe, werden dann unsere deutschen daten per SWIFT i.d. USA übermittelt

    Berichtigt mich bitte wenn ich falsch liege, aber ich meine, das nur Daten von Auslandsüberweisungen übermittelt werden.

  16. Das Vorgehen ist nur politischer erklärbar. Alles andere ist Heuchelei.

    Natürlich kann man bei der Schweizer Post ein Konto eröffnen, ohne in der Schweiz zu wohnen. Das bestreiten die Schweizer selbst nicht. Ich
    selbst hatte vor Jahren aus beruflichen Gründen bei der Schweizer Postfinance ein Konto – ohne dort zu leben. Und habe es danach
    aufgegeben, weil die Notwendigkeit weggefallen ist.

    Die Argumentation der Post bezieht sich vielmehr darauf, dass sie nicht verpflichtet sind, für Assange ein Konto zu unterhalten. Da er eben nicht in der Schweiz wohnt – in der Schweiz lebenden Personen haben wohl darauf einen Anspruch.

    Mich wundert nur die plötzliche Affinität von Assange zur Schweiz. Ist wohl ein Fehler, denn dort haben eine Menge Banker noch eine
    Rechnung mit ihm offen. Man erinnere sich an die Julius Bär Bank.

    Gruß OskarMaria

  17. Otzelotz, Oskar-Maria: Ob man ein Konto mit einer Nicht-Schweizer Adresse führen kann, ist hier nicht relevant.

    Assange hat nämlich eine Schweizer Adresse angegeben, er wohnt nur nicht dort. Für solche Fälle müsste er ein Treuhandkonto einrichten können. Aber das kann der Anwalt, dessen Adresse er angegeben hat, vielleicht am besten klären.

  18. @27 – genau, dank web/onlinebanking gehe ich jetzt dann wieder ganz analog zur bank (nicht-lustig)

    @25 – achja/achnee, und das glaubst du (meine ironie, nicht bös gemeint) ?!

  19. Diese Art und Weise gefällt mir ganz und gar nicht,ich überlege mir, die Postfinance-Konten zu kündigen, falls ich wirkliche Alternativen finde.
    Wir sind anscheinend doch in einer Bananenrepublik, die sich von gewissen Grossstaaten immer wieder beeinflussen lassen und unter Druck stehen. Sie kuschen und treten Rechte mit Füssen, siehe Herausgabe der Bankdaten von Kunden entgegen den schweizerischen Gesetzen, mit nachträglicher Absegnung durch das Parlament.
    Pressefreiheit ist ein kostbares Gut, dass sicher über den Geschäftspraktiken der Banken steht. Aber Postfinance wickelt Geschäfte ab über Grossbanken und Versicherungen oder vertreibt deren Produkte. Die Postfinance-Bank wurde abgelehnt von der CH-Politik-Elite. Filz ist leider nicht nur ein schönes Material. Wer will, findet das Haar in der Suppe.
    Ich hoffe, dass die Gerechtigkeit siegt und wünsche allles Gute und weiterhin Mut zur Offenheit.

  20. bin aus der Schweiz und muss sagen der Berichti unterschlägt etwas!!! Die Post wir Assange kontaktieren ob er nun korrekte Dokumente einsenden möchte, dann steht einem Konto bei der Postfinance nichts im Wege. Das Geld auf dem Konto wird im natürlich überwiesen.. wohin er will:)
    Gruss aus der Schweiz

  21. OskarMaria: Ah, jetzt verstehe ich was Du meinst.

    Im Artikel der NZZ steht dies:

    Grund sei, dass Assange bei der Kontoeröffnung falsche Angaben zu seinem Wohnort gemacht habe, schreibt PostFinance in der Mitteilung vom Montag. Als Domizil habe Assange Genf angegeben, was sich bei einer Überprüfung der Daten als unwahr herausgestellt habe. Assange könne keinen Schweizer Wohnsitz nachweisen. Voraussetzung für ein Konto bei Postfinance ist ein Schweizer Domizil.

    Merkwürdigerweise ist in dem Original der Mitteilung eben nicht, dass ein Schweizer Wohnsitz Voraussetzung für ein Konto sei:

    Als Domizil hat Assange Genf angegeben, was sich bei einer Überprüfung der Daten als unwahr herausstellte. Assange kann keinen Schweizer Wohnsitz nachweisen. Dies war jedoch in diesem Fall eine Voraussetzung für eine Kundenbeziehung zu PostFinance.

    Sprich: Assange hat bei Kontoeröffnung behauptet, er hätte einen Schweizer Wohnsitz und kurzerhand die Adresse seines Anwalts als Domizil angegeben.

    Evtl kannst Du ja in Deinen Kontoeröffnungsunterlagen rumkramen?

  22. „Nicht nur im eigenen Interesse sollte Wikileaks ein bisschen vorsichtiger beim Einhalten von Formalitäten sein – es drängt sich sonst der Verdacht der Stümperhaftigkeit auf, oder der, dass die offenen Flanken absichtlich hinterlassen werden, um vermeintliche “Skandale” zu provozieren.“

    Das ist doch mal eine schöne Variation des hier häufig anzutreffenden Schlusssatzes bei Wikileaks-Artikeln: dass die Kritik Domscheit-Bergs an der „Organisation“ weiterhin ihre Berechtigung habe.

  23. Die NZZ wirft Nebelkerzen. Das ist leider wahr. Wir haben selbst Konten bei der Postbank in CH – und in den AGB steht dieser Satz „Voraussetzung für ein Konto bei Postfinance ist ein Schweizer Domizil“ nicht drin.

    Die Pressemitteilung geht da auch genauer ins Detail. „Das Bundesgericht hat am 22. Juli 2010 entschieden, dass PostFinance wegen ihres Grundversorgungsauftrags allen Interessenten ein Konto für den Zahlungsverkehr anzubieten und bereits bestehende Konten weiterzuführen hat (Kontrahierungszwang).“ Will sagen: für Kontoinhaber mit CH-Wohnsitz können die Konten nicht aufgelöst werden. Da Herr A. aber keinen CH-Wohnsitz hat, kann das Konto geschlossen werden.

    Richtig ist weiterhin, dass Banken bei Verstoß gegen die AGB (falsche Adressangaben) die Konten auflösen können. Aber, war Herr A. wirklich so dämlich und halt falsche Angaben gemacht? Warum läuft das Konto nicht über einen Treuhänder? Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand so große Fehler macht.

    Wahr ist weiterhin (das kommt aus gesicherten Quellen), dass Personen / Firmen etc., die ein Konto in CH / LI eröffnen wollen, überprüft werden, ob sie ein PEP sind. Das steht für „political exposed person“. Mit diesen wollen die meisten Banken nicht zusammenarbeiten. In diesem Fall wurde Herr A. zu einem ziemlichen PEP – ein Risiko, was die Postbank wohl nicht weiter tragen will.

    Ich sage nicht, dass ich das gut finde. Aber mich wundert halt etwas, dass die „Cracks“, die im virtuellen Bereich alles kaskadieren und Proxies nutzen, das nicht auch bei der wichtigsten Infrastrukturpunkt, der Spendensammlung machen.
    Mehrere Paypal-Konto, die randomisiert genannt werden, viele verschiedene Konten bei echten Banken mit Treuhänderverfügungen, Tarnfirmen usw.

  24. Nickname: Assange macht solche Fehler in Serie.

    So hat er jahrelang behauptet, er stünde unter schwedischem Quellenschutz, bis nachfragende Journalisten herausgefunden haben, dass das gar nicht stimmt. Assange hätte dafür eine Arbeitserlaubnis und noch eine weitere Quellenschutz-Zertifizierung benötigt. Dazu reiste er nach Schweden — das Ergebnis ist statt Quellenschutz ein Haftbefehl.

  25. @Torsten: Vielen Dank für Deine sachlichen Einschätzungen!

    @gandro: PostFinance ist ein staatliches Unternehmen, das heisst die Kontoauflösung ist letztlich eine Entscheidung der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Aus Sicht von PostFinance ist die Kontoauflösung verständlich, denn ein Kunde wie Julian Assange verspricht Ärger. Ausserdem entspricht es seit mehr als 10 Jahren der offiziellen Schweizer Politik, sich nicht mit dubiosen Kunden einzulassen.

    Der Druck war offensichtlich enorm: Das E-Banking von PostFinance ist für mich als Kunde seit gestern Abend nicht mehr zugänglich, was immerhin einem Ausfall von bald 24 Stunden entspricht. PostFinance musste damit rechnen und entschied sich dennoch, das Konto von Julian Assange aufzulösen.

    Immerhin: Das Geld müsste abgehoben werden können. Ich hoffe, es hat neben Julian Assange sonst noch jemand eine Vollmacht …

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