Kultur

Kein E-Sport-Turnier in Karlsruhe

Nach langem Hick-Hack hat der Veranstalter Turtle nun ein großes E-Sport-Turnier in Karlsruhe abgesagt. Laut Medienberichten ist man damit dem Stadtrat zuvor gekommen, die im Laufe des Tages einen Beschluß dagegen fällen wollten. Zum Opfer fällt auch eine Veranstaltung für Eltern, die in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung durchgeführt werden sollte. In dieser sollte Eltern die Angst und die notwendige Medienkompetenz im Umgang it Computerspielen vermittelt werden.


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Golem hat interessante Zitate zu den Ansichten der CDU:

CDU-Fraktion und der CDU-Kreisverband Karlsruhe-Stadt haben die Absage der IFNG begrüßt. „Wir freuen uns, dass dieses von uns geforderte Ergebnis in Gesprächen zwischen Stadtverwaltung und Veranstalter doch noch erreicht werden konnte“, sagte Fraktionsvorsitzende Gabriele Luczak-Schwarz. Die Absage sei allein auf die Initiative der CDU und deren klare und eindeutige Haltung zurückzuführen. Luczak-Schwarz ist der Auffassung, dass Aufklärung dringend geboten sei, weshalb die CDU eine öffentliche Diskussion und objektive Information nach wie vor begrüßt. „Zudem wird sich die CDU weiter dafür einsetzen, dass die rechtlichen Grundlagen für ein Verbot von Killerspielen und Veranstaltungen, bei denen solche Spiele angeboten werden, geschaffen werden“, so die Fraktionsvorsitzende. „Eine Veranstaltung, bei der ‚Killerspiele‘ den Schwerpunkt bilden, hat in einer städtischen Halle nichts zu suchen“, erklärte der CDU-Kreisvorsitzender und Bundestagsabgeordnete Ingo Wellenreuther. „Solche Spiele sind mit dem Werteverständnis der CDU nicht vereinbar. Die Absage ist deshalb die einzig mögliche und richtige Konsequenz.“ Vor dem Hintergrund der Amoktat in Winnenden sei seiner Meinung nach eine andere Entscheidung kaum zu verantworten gewesen.

Schade, dass die Junge Union es immer noch nicht geschafft hat, die Partei-Meinungen zu Computerspielen zu verändern. Dabei ist das doch die große (und einzige) Netzpolitik-Kompetenz der Jugendorganisation. Aber die Entscheidung passt auch zur aktuellen Debatte rund um das Waffengesetz: Großkaliber bleiben legal, Schuld ist alles anderes, was nicht töten kann.

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26 Kommentare
  1. „In dieser sollte Eltern die Angst und die notwendige Medienkompetenz im Umgang it Computerspielen vermittelt werden.“

    Eltern soll die Angst „it“ Computerspielen vermittelt werden? Nicht vielleicht eher genommen? ;)

    1. nene ich glaub das ist so richtig, war aber wahrscheinlich nur ein freudscher versprechern.

      angst vermitteln ist doch den ihre stärke…
      #terrortheater ;)

      1. @ed: Die Bundeszentrale für politische Bildung macht da sehr wichtige Veranstaltungen. Es werden Eltern und Lehrer an Computer gesetzt zum Counter-Strike spielen. Da sehen sie dann, wie „gewaltverherrlichend“ die Spiele sind, und können sich unabhängig von Medien und Politikern ihre eigene Meinung bilden.

        Es ist also durchaus positiv zu sehen. In dem Fall wird IMHO keine Angst vermittelt.

  2. Erster Absatz letzte Zeile: „In dieser sollte Eltern die Angst GENOMMEN und die notwendige Medienkompetenz im Umgang it Computerspielen vermittelt werden.“ ;-)

  3. Ich finde auch sehr interessant was Joachim Herrmann dazu meint, dass die katholische deutschte Jugend Bayern (BDJK) und auch die Junge Union gegen ein Verbot von Killerpielen aussprechen. Er sagt: „Ich gehe zugunsten des BDKJ davon aus, dass er nicht weiß, wie brutal und gewaltverherrlichend solche Killerspiele sind.“ Wäre schön gewesen, wenn Herr Herrmann darüber mal ins grübeln gekommen wäre. Ich frage mich auch, wer sich wirklich mehr mit dem Kulturgut Computerspiele auseinandergesetzt und es gelebt hat.

    Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Bayerns-Innenminister-bei-Killerspielen-kontra-JU-und-katholische-Jugend–/meldung/138396

  4. Was da in der Kommunalpolitik abläuft (ohnehin meistens ein Haufen geltungssüchtiger Profilneurotiker) muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
    Da wird ja eigentlich eine Aufklärungsveranstaltung der Bundeszentrale für politische Bildung eingestampft. Friendly Fire im Rathaus.

  5. Hier in Winnenden findet man in der Zeitung interessanterweise immer wieder Leserbriefe auch von Jugendlichen (oder auch Kindern), die ein Verbot der „Killerspiele“ fordern.
    Bei diesen kann ich es sogar nachvollziehen. Vielleicht sind manche direkt oder indirekt von der Problematik betroffen.

    Bei allen anderen Diskutanten erwarte ich jedoch – das gilt auch für Politiker – dass sie sich, bevor sie einen Kommentar zu „Killerspielen“ abgeben, zunächst darüber informieren. Mir scheint, fast alle Aussagen über „Killerspiele“, die eine negative Haltung aufzeigen, basieren auf FUD (Fear, Uncertainity and Doubt), von irgendwelchen christlich-fundamentalen Glaubenskriegern gestreut.

    Herrmann aus Bayern dazu: ‚[..] zeigte sich gestern „sehr überrascht“, dass sich JU-Chef Stefan Müller und der Bund der deutschen katholischen Jugend Bayern (BDKJ) gegen ein Verbot der Ego-Shooter ausgesprochen haben. „Ich gehe zugunsten des BDKJ davon aus, dass er nicht weiß, wie brutal und gewaltverherrlichend solche Killerspiele sind.“‚ (heise.de)

    Aus dieser Aussage kann ich nur ableiten: Der Herr hat entweder (in DE bereits illegale) Spiele mit extremen Blut-Patches gesehen, oder er hat einfach keine Ahnung, wovon er spricht. Zumindest trifft dies auf einen großen Teil der sog. „Killerspiele“, die ich bisher gesehen oder manchmal auch selbst probiert habe, zu. Im Vergleich dazu sind die meisten Kinofilme (auch ab 12) heute blutrünstiger.

    Gruß von einem Nicht-Killerspiele-Spieler-Aber-Killerspieler-Versteher aus Winnenden. ;)

  6. Der Veranstalter Turtle schrieb in seiner Begründung für die Absage: „Es wird deutlich, dass die große Distanz zu unserer Jugend und den neuen Medien einen schweren Generationskonflikt offen legt.“ Insbesondere auf Wellenreuther scheint das voll und ganz zuzutreffen. Denn was er als CDU-Stadtrat hier gezeigt hat, hatte er als Bundestagsabgeordneter bei der Debatte um die Websperren schon offenbart: Unwissen und Arroganz!

    Aber da nunmal Kommunalwahlkampf ist, war selbst der CDU-Oberbürgermeister den Realitäten mehr zugetan, als seine wahlkämpfenden Parteifreunde. Wie ich hier schrieb, erklärte er in der Vorlage für die für heute vorgesehene Stadtratsabstimmung: „Das Bürgermeisteramt ist der Auffassung, dass es sich bei Entscheidungen an die gültigen gesetzlichen Rahmenbedingungen halten muss und sich dieser gesellschaftspolitischen Diskussion nicht durch die Absage einer Veranstaltung entziehen darf.“

  7. Und wieder einmal brennt eine kleine Hexe und hinterlässt eine Nebelwand hinter der sich selbstbesoffene Wahlkampfproleten ins Fäustchen lachen…

  8. Schlechtes Zeichen der veranstalter, finde ich. Gerade jetzt hätte ich mir ein Verbot gewünscht. Das kann man den Leuten, die das Abgesegnet haben dann auch immer schön unter die Nase reiben. So eine eigenmächtiger Rückzug ist da nicht so brauchbar.

    Oh man…!

  9. Wie hier auch schon geschrieben wurde, wird hier nur der Karlsruher Gemeindewahlkampf und innerparteiliche Machtkämpfe ausgtragen. Dazu passt ein so polarisierendes Thema wie „Killer“spiele natürlich sehr gut.
    Auf KA-News ist ein, wie ich finde, recht guter Kommentar dazu zu lesen (http://www.ka-news.de/nachrichten/karlsruhe/Karlsruhe-Killerspiele-In
    tel-Friday-Night-Games;art6066,208012).

    Wirklich interessant finde ich das ewige gebetsmühlenartige Wiederholen der Phrase „solche Spiele lassen einen Menschen abstumpfen“. Leider gibt es für diese These wohl immer noch keinen haltbaren wissenschaftlichen Beweis.

    Ich selbst zocke Egoshooter und komme auch aus Karlsruhe und schäme mich derzeit für diese Stadt bzw. über das Bild welches Politiker über Karlsruhe projizieren. Gerade hier, einer vermeintlichen Technologiehochburg und der Heimat unserer höchsten Gerichte….

  10. Ach, eine öffentliche Diskussion ist ausdrücklich erwünscht. Wieso werden dann immer noch vehement Verbote gefordert?

    Und wenn dann durch die Absage auch noch eine Veranstaltung ausfällt, in der Eltern den Spielen näher gebracht werden sollten, also Medienkompetenz zumindest schon mal etwas vermittelt werden sollte, dann sind diese Aussagen dieser Lokalpolitiker doch ziemlich heuchlerisch.

    Waffenmesse – ja. esport-Event – nein.
    Hier sieht man deutlich diese Schieflage.

    Ich glaube, Deutschland ist hoffnungslos verloren, da wir von reiner Inkompetenz regiert werden.

  11. Ganz abgesehen davon, ob das mit der Gewaltverherrlichung nun stimmt oder nicht, ist folgendes bezeichnend: „Solche Spiele sind mit dem Werteverständnis der CDU nicht vereinbar. Die Absage ist deshalb die einzig mögliche und richtige Konsequenz.“

    Im Klartext: was der CDU nicht passt, hat nicht stattzufinden und wird verboten. Wie war das nochmal mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung?

  12. das es ihnen nicht gefällt ist die eine Sache das ist ja auch ihr gutes recht das sie es aber verbitten ist eine Frechheit
    denn games gehören genauso zu Kulturgut wie z.b.teater und das wird ja auch nicht gleich verboten wenn mal ein bisschen Gewalt vorkommt
    und zur JU sage ich nur das sind genauso luser wie die CDU

  13. Das Herr Herrmann einem jungen Menschen die Kompetenz abspricht über Jugendkultur zu urteilen, von der Herr Herrmann der Meinung ist er müsse sich nur anschauen um Computerspiele zu verstehen, zeigt wie wenig Verständnis er für diese Generation hat.

    Aber das ist ein Problem, das es in seiner Jugend auch schon gab und bei den Kindern meiner Generation wieder geben wird.

  14. Die Spiele jetzt zu verbieten ist reine Wahlkampfpolemik. Allerdings sollte unsere Jugend oder zumindestens die nachfolgenden Generationen meiner Meinung nach wieder auf einen anderen Weg gebracht werden. Dabei geht es nicht nur um die Gewaltverherrlichung, sondern auch um die Zeit, die Jugendliche in Computerspiele investieren. Die kann nämlich sinnvoller genutzt werden.

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