Kultur

Die Woche mit Peter Glaser (KW 07)

Mehr oder weniger regelmässig gibt es hier “Die Woche mit Peter Glaser”. Peter Glaser begleitet seit Anfang der 80er Jahre als Schriftsteller und Ehrenmitglied des Chaos Computer Clubs (CCC) die Entwicklung der digitalen Welt. Sein Blog “Glaserei – Bemerkenswertes aus der digitalen Welt” betreibt er bei der Stuttgarter Zeitung.

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Was war gut diese Woche?

Dass es wieder geschneit hat. Die Natur zeigt kalt und freundlich, dass sie die Macht hat.

Die Bahn-Werbekampagne für netzpolitik.org ist leider frühzeitig beendet worden. Wie war denn die Aussensicht darauf?

Wenn bei den Kommunikation von Großunternehmen mit Bloggern etwas NICHT schiefgeht, sehe ich immer einen leitenden Angestellten vor mir, der irgendwo aus dem fuffzehnten Stock schaut und sich fragt: Oh Gott, was hab ich richtig gemacht? – Also, erst war da schon der Eindruck, dass mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird; dann hat es sich aber schnell, juristisch gesagt, in eine einstweilige Vergnügung gewandelt. Man konnte den Unterschied sehen zwischen Genie und Bahn.

Das Informationsfreiheitsgesetz hat 2008 ganze 1.500 Anträge gebracht. Wann können wir endlich mit der maschinenlesbaren Regierung rechnen?

1.500 Anträge ist für’s erste nicht so schlecht. Schon angesichts des abschreckend hässlichen Begriffs „Informationsfreiheitsgesetz“, der in der Preisklasse von Begriffen wie „Aufzugtürsteuersysteme“ oder „Schnittstellensteckerkreuzschlitzschraubenzieher“ steht, hätte ich bedeutend weniger Anträge vermutet. Den Weg zur maschinenlesbaren Regierung wird, wie alle anderen wichtigen Dinge auf der Welt, die Firma Google freimachen: Da Information heute – noch ehe es darumgeht, ob sie verständlich, nützlich oder sonstwas ist – als allererstes findbar sein muß und Journalisten schon gelernt haben, so zu schreiben, dass Google den Text auch günstig annimmt, werden die parteipolitischen Pressestellen demnächst nachziehen und immer maschinenlesbarer werden.

Trotz zahlreicher kritischer Gutachten plant die Bundesregierung immer noch Netzsperren als Symbolpolitik gegen Kinderpornographie. Wie bekommt man das verhindert?

Weiter aufklären. Damit zum Beispiel deutlich wird, was da an Schmu erzählt wird. Dass nicht kinderpornografische Inhalte gesperrt werden, weil deutsche Provider gar keinen Zugriff auf fremde Inhalte haben, sondern nur ihre Kunden blockiert werden und die fraglichen Websites unverändert im Netz bleiben. Dass sich die sogenannten Sperren verhältnismäßig einfach umgehen lassen. undsoweiter. Interessant ist übrigens, was die Wikipedia zum Thema „Netzsperre“ verzeichnet:

„Netzsperren sind militärische Sperren, die überwiegend in flachen Gewässern eingesetzt werden, beispielsweise vor kleineren und mittleren Hafenanlagen, von geringer militärischer Bedeutung. Die Netzsperren sollen vor allem Kampftaucher, U-Boote, Schiffe und Torpedos abwehren oder das Eindringen in die Häfen erschweren, um Zeit für die weitere Abwehr zu gewinnen. … Die bekannteste und längste Netzsperre der jüngsten Vergangenheit dürfte die rund 4,5 km lange Abriegelung des Ostseebades Heiligendamm, anlässlich des Gipfeltreffens der Staats- und Regierungschefs der G8 im Juni 2007 gewesen sein.“

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Ein Kommentar
  1. Ich halte es übrigens für ziemlich fahrlässig, von „Netzsperren“ zu reden. Nennen wir das Kind beim Namen, des geht um „Internetzensur“ und vielleicht sogar um „chinesische Verhältnisse“ wenn das ganze funktionieren soll.

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