Öffentlichkeit

Die deutsche Blogosphäre (Beta)

Die Deutsche Welle hat mich angefragt, für die Berichterstattung rund um die BOBS-Preisverleihung (Die Partner der re:publica´2010 sind) einen Artikel zur „deutschen Blogosphäre in 3000 Zeichen“ zu schreiben. Der wird dann in elf oder mehr Sprachen übersetzt. Da die Aufgabenstellung mit der Buchstaben-Zahl für ein äusserst komplexes Thema schon eine fast unlösbare Aufgabe ist, musste ich mich auf wenige Punkte beschränken. Und da der Artikel in viele Sprachen übersetzt wird, stelle ich ihn lieber mal in einer Beta-Version online und bitte um Kommentare. Wenn Ihr etwas anders seht oder Ergänzungsvorschläge habt, könnt Ihr das gerne kommentieren.


netzpolitik.org - unabhängig & kritisch dank Euch.

Die deutsche Blogosphäre

Einen Artikel über die deutsche Blogosphäre im Jahre 2009 zu schreiben, ist nicht einfach. Aktuelle wissenschaftliche und verlässliche Untersuchungen gibt es nicht und so hängt vieles von der subjektiven Sichtweise des Autors ab. Alleine die Frage, wieviele Blogs es in Deutschland gibt, ist unbeantwortet. Aber wer kann schon genau definieren, was ein Blog ist. Zählt die MySpace-Seite dazu oder der Twitter-Account? Geht man von den traditionellen Blogs aus, gibt es Schätzungen zufolge zwischen 200.000 – 500.000 im deutschsprachigen Raum.

In früheren Jahren hatte man in Deutschland oft das Gefühl, im Vergleich zu den Nachbarn in einem Blog-Entwicklungsland zu wohnen. Soviele Blogs wie z.B. in Frankreich gibt es in Deutschland nicht. Und vielleicht gab es auch schon mehr? Nimmt man die Anzahl der Verlinkungen aus den Deutschen Blog Charts, die wöchentlich die Top 100 meist verlinkten deutschsprachigen Blogs ermittelt, sieht man einen Höhepunkt der deutschen Blogosphäre im Jahre 2007. Seitdem geht es zahlenmässig nur noch bergab. Ob dies der Zenit der der Blog-Welt war, ist umstritten. Möglich ist einerseits eine Verschiebung hin zu den Rändern. Was früher noch fast eine gemeinsame Blog-Community mit ihren großen bekannten Knotenpunkte als Kommunikationszentralen war, verteilt sich immer weiter in kleinere Themen-orientierte Blogosphären. Ein weiteres überzeugendes Argument ist die Ergänzung durch neue Kommunikationsformen wie Twitter und Facebook. Während man früher noch eigene Blog-Beiträge für den Link-Hinweis auf einen guten Artikel woanders schrieb, hat man dies heute in wenigen Sekunden in 140 Zeichen über Twitter oder Facebook erledigt. Die sozialen Medien bilden im Zusammenspiel immer mehr eine vernetzte Kommunikationslandschaft, indem viele Blogs aber immer noch einen wichtigen Knotenpunkt darstellen.

Hinzukommt: Die deutsche Blogosphäre hat in den traditionellen Medien einen schlechten Ruf. Diese Entwicklungen haben andere Blogosphären längst hinter sich gelassen. Bei uns gilt noch immer: Blogs sind in der Regel unrelevant, die traditionellen Medien sind ihnen überlegen. Dass die meisten Blogger diese Werkzeuge nutzen, um mit Freunden und Gleichgesinnten einfach nur zu kommunizieren, wird gerne übersehen. Auch fehlt oft noch der Mut bei traditionellen Medien, die neue vernetzte Kommunikationslandschaft als Ergänzung zu sehen und gemeinsam mit Lesern und Bloggern zu arbeiten. Ein weiteres Vorurteil: Die deutsche Blogosphäre gilt als unpolitisch. Ein Blick in die Deutsche Blog-Charts zeigt mittlerweile aber, dass man rund 20% der meistverlinkten Blogs eindeutig als politisch identifizieren kann.

Das politische Weck-Erlebnis hatten die deutschen Blogs spätestens im Frühjahr dieses Jahres, als die Bundesregierung eine Netzzensur-Infrastruktur geschaffen hat. Innerhalb von 3,5 Tagen wurden über Blogs und Twitter für eine ePetition mobilisiert, um die kritische Masse von 50.000 Unterstützern zu sammeln, damit eine kritische Position im Bundestag angehört wird. So schnell fand noch nie eine Mobilisierung im Rahmen der ePetitionssystems des Deutschen Bundestages statt. Über Blogs und Twitter wurde der Protest organisiert, zu Mahnwachen aufgerufen, die Aussagen von Politkern schnell widerlegt und eine kritische Gegenöffentlichkeit aufgebaut. Viele Blogger schrieben zum ersten Mal über Politik oder wiesen einfach nur ihre Leser auf die Petition hin. Das führte dazu, dass zunehmend auch viele Journalisten immer kritischer und informierter wurden und zumindest im Netz sich eine große Opposition gegen das Netzzensur-Gesetz formte.

Die deutsche Blog-Community hat mittlerweile auch viele Offline-Anknüpfungspunkte gefunden. Auf der (vom Autor organisierten) re:publica-Konferenz trafen sich im April 2009 mehr als 1600 Menschen, um über Blogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft zu diskutieren. Fast jedes Wochenende finden irgendwo in Deutschland Barcamps statt, wo Menschen themenorientiert und/oder in ihrer Region mit anderen zusammenkommen, um über Blogs und soziale Medien zu diskutieren.

44 Kommentare
  1. Ich habe das Gefühl, dass Blogs, die über Politik schreiben, sich überproportional mit Netz- und Technikpolitik beschäftigen, was vielleicht auch mit der Zentralität von „Netzpolitik“ und mit der Zensursula-Debatte zu tun hat.

    Was mir fehlt sind politische Blogs, die analytisch oder investigativ an Politik herangehen, die Lücken füllen, die die Medien lassen, anstatt der Politik hinterher zu rennen, die von den Medien sowieso schon beobachtet wird.

    Ich jedenfalls lese ganz selten deutsche Blogartikel über Politik, die mich tatsächlich fesseln, weil sie etwas Neues zu bieten haben.

    Vielleicht hat das aber auch mit der ausgeprägten Medienlandschaft in Deutschland zu tun, die letztendlich nur wenig Raum für diese Form der Berichterstattung lässt. Obwohl ich das ehrlich gesagt nicht glaube…

  2. Selbst unter einem weitgefassten Begriff des Politischen ist die Blogosphäre zu unpolitisch und zuviele der politischen Blogs treffen weder Tonalität noch inhaltliche Tiefe, um über eine enge Fangemeinde hinaus anerkannt zu werden …

  3. Ich finde das einen recht guten und vollständigen Überlick über die Blogosphäre, wobei die „Feindschaft“ zwischen Blogs und alten Medien erheblich abgenommen hat und die Durchlässigkeit von Themen aus der Blogosphäre in die klassischen Angebote spätestens seit Zensursula erheblich gestiegen ist.

    Man könnte zur technischen Seite noch schreiben, dass hier vor allem auf wordpress geschrieben wird.

    Dann fällt mir noch der extreme Longtail ein, weiß aber nicht, ob das ein spezifisch deutsches Problem ist.

  4. 2. Absatz: [..] Zenit der der Blog-Welt war, ist umstritten.
    4. Abs.: wurden über Blogs und Twitter für eine ePetition mobilisiert. Bitte auch die Zahl nennen, immerhin über 134.000.
    Zunehmende Politisierung, nicht nur auf Netzthemen bezogen. Zersplitterung, Abnahme der ausschlaggebenden Relevanz vieler themenspezifischer Knoten zu wenigen übergeordneten themenspezifischen Knoten. Abnahme der Relevanz von Personen, (dadurch?) zunehmende Kritikfähigkeit.
    (Eure und Fefes Aufrufe, Petitionen zu unterzeichnen oder ‚mal eben‘ was abzustimmen) Letztlich ist das Blog immer noch die ‚Verlängerung‘ von Twitter, Facebook, etc. (gleich, ob in der Vor- oder Nachbereitung von Ereignissen/Aktionen, oder zur Vertiefung von Themen).

  5. Das Vorurteil die deutsche Blogosphäre sei unpolitisch auf Netzpolitk.org zu lesen, finde ich irgendwie amüsant. :)
    Ich finde, da du ja zu Beginn betonst, daß du das alles aus subjektiver Sicht schreibst, fehlt am Ende noch dein persönliches Fazit.
    Ansonsten ansprechend, fasst auch so meine Auffassung zusammen, auch wenn ich eher Konsument und nicht selbst aktiver Blogger bin.
    Einen kleinen Punkt würd ich sonst noch anregen: Meinst du nicht in deinem Absatz über die Petition ist …“oder wiesen einfach nur auf die Petition hin.“ etwas unglücklich formuliert? Ich finde durch das „einfach nur“ bekommt das so einen faden Beigeschmack, als sei es nicht positiv gewesen auf die Petition hinzuweisen.
    Ich hofe ich konnte helfen.
    mfg

  6. Ich denke die neue Freitag Plattform zeigt wie ein Medium der Zukunft aussehen kann. Eine zielgruppenspezifische Mixtur aus Blog und redaktionellen Inhalten.

    Politisch wichtig wird die Verbindung von politischem Prozess und Internetöffentlichkeit, und zwar einfach als zuschauende „Öffentlichkeit“, die näher dran ist als jemals zuvor. Ich habe mir heute zum Beispiel eine Konferenz der EU im Webstreaming angeschaut. So brauche ich nicht nach Brüssel zu fahren.

    Das Problem der Blogs und Twitter ist, dass es zu schnell und impulsiv geht. Blogs folgen dem Modell Karl Kraus, das heisst sie verzetteln sich mit der Pflege von sektierhaften Spontanfeindschaften und übersehen die großen Fragen der Zeit. Eigentlich ist Wikipedia eine fast wichtigere Community für den politischen Prozess.

    Ich wünsche mir ein Medium für gemeinsame intellektuelle Reflektion über wichtige Fragen der Zeit. Auch Protestbewegungen kommen an ihre Grenzen, man sieht es bei Attac, die bei Eintreten der Finanzkrise nichts zu sagen haben, während die Regierungen die Devisentransaktionssteuer im Schnelltempo einführen. Wo finden wir gute Vorschläge und wo wächst Expertise?

    Wie kommt der politisch Interessierte aus der Antagonismusfalle? Wie institutionalisieren sich die digitalen Interessen nachhaltig?

  7. @andre: markus soll ja keinen ausblick machen.
    lies mal, heute morgen geschrieben: http://opalkatze.wordpress.com/2009/10/14/where-news-turns-into-action/, das ist doch der richtige weg. wie weit das institutionalisiert werden soll, finde ich äusserst zweischneidig. dass es bis jetzt im kleinen (zugegeben) klappt, ist doch gerade dem gegenteil zu verdanken?! lobbys kann man es nicht überlassen (hätte fast gesagt, das sieht man ja an der derzeitigen verfassung der presse). ist aber jetzt hier OT, sicher kommt markus ein andermal drauf zurück.

  8. Das Anhängen eines »e« für »elektronische« wie in »ePetition« ist aus Sicht der Rechtschreibung falsch, der Bundestag selbst verwendet nur Petition. Um den elektronischen Charakter hervorzuheben, ist »E« der richtige Buchstabe, mit einem Bindestrich: »E-Petition« und »E-Petitionen-System« (E-Petitionssystem könnte den Eindruck erwecken, dass das System elektronisch ist und nicht die Petition als solche)

  9. Schade, dass du den – deiner Einschätzung nach – „schlechten Ruf bei den traditionellen Medien“ vor die eigentlichen Inhalte gepackt hast. Spielt das Verhältnis zu den traditionellen Medien Spielt das Verhältnis zu den tradionellen Medien überhaupt noch eine so wichtige Rolle? Kann doch auch ganz an den Schluss.

    Die wenigen Zeilen könnte man vielleicht stärker nutzen, um über einzelne Bereiche zu schreiben (politische, subkulturelle, regionale Blogs). Für mich hat der Artikel bisher einen negativen Touch, der eigentlich nicht nötig ist.

    Ich frage mich immer, ob die Blogosphäre nicht zu sehr auf die traditionellen Medien fixiert ist und es so zu einer „gefühlten“ mangelndenden Anerkennung kommt. Aber das ist ein anderes Thema…

  10. es gibt übrigens im moment eine initiative ‚ein herz für blogs‘, das dient zumindest der vernetzung und bewirkt in einigen fällen sicher ein über-den-tellerrand-sehen, wenn auch ebenfalls im kleinen. (ja sorry, das thema blogs beschäftigt mich jetzt seit ein paar tagen. bin jetzt friedlich.)

    noch eier, markus, du schreibst: ‚eine Mobilisierung im Rahmen der ePetitionssystems des Deutschen Bundestages statt‘. die mobilisierung fand eben NICHT in dem rahmen statt, dazu ist er viel zu altbacken und schwerfällig. setz das doch gegeneinander.

  11. „Möglich ist einerseits eine Verschiebung hin zu den Rändern.“

    Das scheint mir eine sehr wichtige und richtige Aussage zu sein. Wenn man den Blick auf die Charts konzentriert, drängt sich sicher der Eindruck der Stagnation auf. Die Blogs in den diversen Blog-Charts haben sich in den letzten Jahren tatsächlich nur wenig verändert, aber die Masse der Blogs wird in solchen Listen ja überhaupt nicht erfaßt.

    Das soll nun beileibe kein Lamento à la „wir armen Nischenblogger“ sein (wer nicht über Massenthemen schreibt, kann natürlich auch nicht Massen von Lesern erwarten). Ich meine lediglich, daß kaum einen realistischen Eindruck von der deutschen Blogwelt bekommen kann, wer mit Tunnelblick auf die großen Blogs starrt.

  12. Eine Anmerkung zum Thema unpolitisch: Was ist da der Maßstab? Wenn ich mir so die Artikel anschaue, die bei Rivva landen, dann ist die deutsche Blogosphäre sogar sehr politisch. Sie ist aber gleichzeitig wenig kommerzialisiert (imo zu wenig), weshalb politische Blogs über den Status als subkulturelles Protestwerkzeug für einen kleinen Teil der Bevölkerung nicht hinaus kommen.

  13. Da beißt sich die Katze in den Schwanz: Als herausstechendster Akteur in der deutschen Blogszene bist du wohl kaum geeignet, aus einer objektiven Position heraus über „die Blogosphäre“ zu schreiben. Wäre ich die Deutsche Welle, wäre mir eine Art Leitartikel aus deiner Feder lieber.

    1. @Benjamin: Das Verhältnis zu den Medien hab ich angesprochen, weil viele nationale/sprachliche Blogosphären diese Entwicklung durchlaufen haben. In Deutschland dauert es leider ganz schön lange bis zu einem Miteinander/Akzeptanz.

      @Heiko Wolf: Danke, nehm ich mindestens 2x raus.

      @Michael: Der Artikel ist nun auch schon etwas älter und da hat sich einiges geändert.

      @Geranienonkel: EInen Leitartikel haben sie sich nicht gewünscht. Aus jeder Blogosphäre wird eine Person angefragt, für alle anderen „ihre“ zu übersetzen.

  14. Wichtig scheint mir wirklich zu sein, das Moment der KOmmunikation stärker zu betonen: Man muss sich nicht mehr physisch treffen bzw telefonieren, um sich auszutauschen, sondern kann sich mit zigtausend leuten vernetzt unterhalten und so sehr schnell eine gegenöffentlichkeit bilden. du deutest es zwar an, aber es könnte noch stärker in den vordergrund treten.

    was das ernstnehmen der blogosphäre angeht: vielleicht könnte ein optimistischer ausblick dem artikel noch würze verleihen: auch wenn blogs derzeit noch nicht ausgiebig wahrgenommen werden (obgleich es natürlich immer beliebter wird, blogs zu lesen), wird sich das in zukunft ändern: geht ein kritischer artikel durch fünf größere blogs und 20 kleinere, sind plötzlich massenhaft menschen informiert – und die erste seite bei google unter umständen voll…

  15. Es haben sich in Deutschland Monopolisten herausgebildet, die es Newcomern schwermachen, bekannt zu werden.

    Viele, die gern Blogs lesen, haben bereits ihr „zu Hause“ gefunden.

    Verlinkungen werden von vielen lediglich genutzt, um in angesagten Blogs als Trackback aufzutauchen. Im Laufe der Zeit haben unzählige einfach aufgegeben, weil „Aufstiegsmöglichkeiten“ immer geringer wurden.

    Kurzum: Ich würde das Warum mehr in den Vordergrund stellen. Warum werden es weniger Blogs? Liegt es nicht auch an unzureichender Meinungskultur? Bei anderen zu kommentieren, ist halt einfacher als selbst Artikel zu verfassen.

    Vielleicht solltest Du die Einleitung etwas kürzen und versuchen, etwas in die Tiefe zu gehen.

    Übrigens gibt es nicht nur politische Blogs;)

    Blogs werden von vielen Usern nicht ernstgenommen, weil die Inhalte oftmals unterirdisch sind: Einheitsmeinungen, Katzenfotos, 2,5 Mio. mal angeklickte Videos…

    Das Neue, das Mutige wird zu selten versucht. Man geht auf Nummer sicher und schreibt nicht selten bei den Mainstreammedien ab.

    Vielleicht sind deutsche Blogs einfach zu deutsch.

  16. @markus: War mir klar;) Und eins steht ohnehin fest: Viele Blogger sind einfach schlecht. Und nicht wenige gute hören gleich nach ein paar Wochen wieder frustriert auf, well nicht gleich Tausende Leser ihren Tiraden folgen. Wer heute zu bloggen anfängt, muß ein sehr ausgeprägtes Durchhaltevermögen haben. Mehr denn je.

  17. @markus: In China und Iran ist es sicher anders. Da liegt Grundsätzliches im Argen und die Motivation zu bloggen, dürfte mehrheitlich eine andere sein als hierzulande.

    Es gibt in Deutschland keine geringe Anzahl von Wohlstands-, Wehwehchen- und Befindlichkeitsbloggern. Das ist völlig okay.

    Wo und wenn es um die eigenen Rechte und die eigene Freiheit geht, engagiert man sich. Und wie engagiert Blogs sein können, sah man bei der Zensursuladebatte. Das hast Du ja erwähnt.

    Manchmal ist es allerdings so ruhig in Blogdeutschland, daß man meinen könnte, alles sei in Ordnung. Das ist auch legitim. Man kann und muß nicht immer hochpolitisch sein.

    Twitter und Facebook sehe ich derzeit als Feinde der Tiefe und des Inhalts. Mancher hat seine ausführlichen klugen Gedankenspiele gegen 140 Zeichen eingetauscht. Der Faktor Zeitmangel und Bequemlichkeit ist nicht zu unterschätzen. Wenn das Schule macht, haben wir künftig immer weniger, auf das verwiesen werden kann. Gerade Twitter sollte als Zu-, aber nicht als Ersatz verstanden werden.

    Genug monologisiert!;)

  18. Haben Blogs bei traditionellen Medien so einen schlechten Ruf? Es gibt kaum noch eine Zeitung, die keine Blogs und Twitter-Feeds anbietet. Und Du bist zum beispiel als Betreiber von netzpolitik.org fast täglich in den „traditionellen“ Medien vertreten.

    Für diese These sehe ich keine wirklichen Belege…

    1. @Thorsten: Es gibt da zumindest noch Unterschiede zu mehr entwickelten Blogosphären wie Frankreich oder USA. Aber vielleicht formuliere ich das noch um, damit es nicht so negativ wirkt. Mittlerweile gibt es ja schon eine Menge progressiver Medien, aber auch immer noch die vielen konservativen wie SZ und FAZ, die in der Regel Zeitungen sind.

      Ich glaube, ein Unterschied in der Entwicklung ist auch, wie und ob ein Blog als Quelle verwendet wird. Das ist hier auch noch ausbaufähiger.

  19. Wie wärs, wenn du den Text im Wiki kollaborativ bearbeiten lässt, Markus? Dort könnte man auch besser diskutieren.
    Das letzte Wort kannst du ja immer noch haben, aber das wäre doch viel einfacher, als hier die Änderungsvorschläge in die Kommentare zu posten.

    Einzig die rechtliche Situation wäre eventuell problematisch. Vermutlich müssten die Co-Autoren ja auch zumindest bestimmte Nutzungsrechte erlauben. Aber das Problem hast du auch, sobald du Formulierungsvorschläge hier aus den Kommentaren übernimmst.

    1. @Jan: Für eine Wiki-Diskussion ist die Zeit zu knapp, der Abgabetermin ist morgen. Und ich bin auf einer Konferenz und könnte einen Wiki-Prozess zeitlich nicht richtig managen. Mir ging es ja vor allem um die Frage, ob bestimmte Sachen von vielen anders gesehen werden.

  20. @markus: Dieser Eindruck mag an einer anderen Zitatkultur liegen. In der Blogosphäre überwiegt das „via Basicthinking“ – auch wenn dort schlichtweg nur Dinge aus anderen quellen zusammengefasst werden. Journalisten zitieren eher den Ursprung einer Meldung zitieren und nicht jede Zwischenstation ihrer Recherche.

    1. @Torsten: Die Unterschiede sind mir schon bewusst. Aber ich hatte auch mehrfach schon den Fall, dass wir hier die Ursprungsquelle waren und selbst Online-Medien wie Golem und Heise nicht auf uns verwiesen.

  21. In der Tat, seit Dirk Olbertz Erhebung im Jahr 2007 hat es keine „Vermessung der deutschen Blogosphäre“ gegeben. Damals waren es 173.300 aktive deutschsprachige Blogs.

    Die interessantesten statistischen Erhebungen findet man derzeit auf Blogoscoop. Dank der „Stichprobengröße“ von über 7.000 Blogs sind einige der dortigen Werte auch statistisch signifikant.

    Das die deutschsprachigen Blogs weltweit nur rund 1% aller Blogs darstellen, ist an sich nicht überraschend und entspricht dem Anteil der deutschen Muttersprachler an der Weltbevölkerung.

    Das „Hinterherhängen hinter den europäischen Nachbarn“ hört und liest man oft – stimmt aber nicht mehr so ganz. Immerhin sind von den Top 50 der europäischen Blogs immerhin 14 aus dem deutschen Sprachraum (Oktober 2009, Wikio-Ranking). Und das von einer französischen Seite gerankt!
    (Übrigens: netzpolitik.org auf Platz 1 vor Iain Dales’s Dairy und Nerdcore. Glückwunsch!)

  22. Viele merkt man ja auch gar nicht, sind leise, bloggen vor sich hin und erfreuen sich einfach am Sein im Internet. Und wer mist, mist Mist, eine alte Handwerkerweisheit aus Hessen.

    Andere bloggen in Gemeinschaftsunterkünften, die es wie Sand am Meer gibt. Bei näheren Betrachtung ist aber im WordPress-Forum mehr los. Und diese Unterkünfte werden ganz oben in Google gelistet. Haben nix und sitzen auf der Kirchturmspitze.

    Im Frankfurter Eck bloggen die beiden großen Zeitungen wie verrückt. Allerdings endet in jedem ihrer Blogs die „Blogosphäre“. Seltsam, ist aber so.

    Ob es die Blogosphäre im eigentlichen Sinne überhaupt gibt, naja… auf Grüppchen bezogen ja, eine gesamtumfassende DE-Blogosphäre nein. Es sind Zirkel, mehr nicht – ob Schäuble oder v.d Leyen. Sie raffen sich nur zusammen, wenn es um ihr „Wohnzimmerrecht“ geht, mehr nicht. Für das Unrecht was außerhalb des PCs passiert, auf der Straße den Menschen begegnet, ist noch niemand aus der „Blogosphäre“ aufgestanden, hat ein Klappbild mit Script für Straßenkinder und der einhergehenden Prostitution mit 15-jährigen etc.pp. gemacht (Beispiel). Diese Save-irgendwas-Kampagnen zähle ich zum Medienhype, muß man machen um dabei zu sein.

    Blogs sind Internetseiten mit Kommentarfunktion, nicht mehr, nicht weniger. Keine Besonderheit im Internet. Ich mache nichts anders, als in der Zeit wo es noch keine Blogs gab. Ein Austausch fand da auch statt, mit Bilder, Rollenspiel, Chats. Man sollte die Blogs nicht sooo wichtig nehmen.

    Gruß rü

  23. Ich persönlich würde einen Punkt noch stärker hervorheben:

    Es gibt in der deutschen Blogosphäre oft die genaueren Informationen als in den klassischen Medien. Vieles, was ich in Blogs lese, kommt in meiner Tageszeitung überhaupt nicht vor. Wenn ja, dann haben sich deren Redakteure oft auf die Agenturen verlassen und reproduzieren deren Floskeln und Falschmeldungen. Damit sind Blogs nicht nur eine Gegenöffentlichkeit, in der bestimmte ansonsten nicht hörbare Meinungen zu lesen sind. Sie sind auch (zumindest teilweise) originäre Informationsquellen. Zum Thema Datenschutz und Bürgerrechte nutze ich ausschließlich Blogs. Auch das von mir sehr geschätzte Berliner Inforadio bietet zu diesem Thema nicht ansatzweise, was Blogs bieten.

  24. Was mir vielleicht noch abgeht (auch in Bezug auf Julien Frisch’s Kommentar): wieviele der wirklich interessanten deutschen Blogs sind eventuell auf Englisch? Und gehören damit zwar zur deutschen aber nicht mehr zur deutschsprachigen Blogoshphere.

    Was wir bei dem Projekt Bloggingportal.eu gesehen haben: es gibt so gut wei keine deutschsprachigen Blogs zum Thema Europapolitik.

  25. Was der Blogosphäre fehlt, ist eine semantische Verknüpfung der einelnen Artikel Blog übergreifend. Vielleicht wird dieses Ding dabei was verändern: leafrs.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.