Amadeu-Antonio-Stiftung fördert Engagement älterer Bürger gegen Rechtsextremismus im Internet

Das Internetportal Netz-gegen-Nazis.de hat in den vergangenen Wochen ein Projekt gestartet, mit dem Senioren fit gemacht werden sollen für den Kampf gegen rechte Ideologien im Internet. Heute wurde „Generation 50plus aktiv im Netz gegen Nazis“ im Rahmen einer Podiumsdiskussion vorgestellt.

Die Workshops richten sich laut der Geschäftsführerin von Netz-gegen-Nazis, Simone Rafael, sowohl an ältere Menschen mit Interneterfahrung, die sich bisher noch nicht gegen Rechtsextremismus engagiert haben, als auch an im Netz weniger bewanderte, aber bereits politisch aktive Senioren.

Daher gibt es jeweils eine Einführung in „das Internet und seine Foren, Chats und sozialen Netzwerke“, wie es in einer Broschüre heißt, als auch in den modernen Rechtsextremismus. Es findet allerdings auch ein „Moderationstraining“ statt, in dem rechte Diskussionsmuster aufgezeigt und angemessene Reaktionen gelehrt werden.

Die Podiumsdiskussion, an der u.a. die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuthteilnahm, drehte sich leider vor allem um die Frage, wie ältere Menschen zu politischem Engagement motiviert werden können. Das Internet kam vor allem als gefährliches Territorium im Gespräch vor.

So sagte Süssmuth „Die Aussagen im Internet sind so menschenverächtlich, so voller Aggressivität. […] Die älteren Menschen werden auch die Erfahrung machen, dass sie furchtbar angegriffen werden.“ Später meinte sie sogar:

Da liegen die Gefahren dieser Meinungsfreiheit, jeder kann sagen, was er will.

Auch Anetta Kahane von der Amadeu-Antonio-Stiftung, die Netz-gegen-Nazis.de zusammen mit der Zeit betreibt, sagt: „Durch die Anonymisierung findet eine Verrohung der Sitten statt“. Zudem werde „viel mehr übers Internet kommuniziert als im realen Leben“. Dadurch sei es viel schwieriger, Menschen direkt anzusprechen: „Der Weg zu Person wird länger“.

Kahane beschrieb die Entwicklung, der das Projekt entgegengesetzt werden soll. Rechtsextreme würden soziale Medien nutzen und versuchen, dort nach und nach die Deutungshoheit zu bekommen. Es werde versucht, auch auf intelligente Weise im Internet Bündnisse herzustellen. Deshalb sei es wichtig, dort eine Gegenöffentlichkeit herzustellen:

Wir haben, gerade im Internet, ein ganz starkes Zusammenwachsen bestimmter Diskurse zu einem agressiven Mainstream, wo auch immer mehr Menschen eingeschlossen werden.

Darin stimmte ihr Simone Rafael zu. Die Rechtsextremen hätten die Veränderungen durch das Web 2.0 sehr schnell verstanden. Während es im realen Leben einen gesellschaftlichen Konsens gebe, Neonazis von der Diskussion auszuschließen, sei das im Internet „natürlich ganz anders“.

Rechtsextreme träten nicht immer offen auf, sagte Rafael. Stattdessen seien sie häufig subtiler unterwegs und versuchten so ihre Meinungen in den Diskurs hineinzutragen. Ein Thema, mit dem sie gut eindringen könnten, sei der Diskurs um die Meinungsfreiheit. Dieser lasse sich für die Rechten „nirgendwo so erfolgreich führen wie im Internet.“

Allerdings ließ sich – sieht man von der CDU-Politikerin Süssmuth ab – kein Reflex erkennen, mit gesetzlicher Regulierung auf die Verbreitung von rechten Ideologien im Netz zu reagieren. Stattdessen setzen die Organisatoren des Projektes darauf, Menschen im Diskussionsverhalten zu schulen.

Das ist grundsätzlich begrüßenswert – wer rechte Kommentare anders als mit Löschung kontern will, muss mit „Demagogie und Polemik“ umgehen können, wie Anetta Kahane zu bedenken gab. Dass der Fokus auf der „Generation 50plus“ liegt, scheint aber eher am Einfluss des Generali Zukunftsfonds zu liegen, der das Projekt sponsort. Wäre es nicht sinnvoller, diejenigen rhetorisch zu schulen, die im Alltag regelmäßig mit rechtsextremen Aussagen konfrontiert sind?

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