Technologie

Google zerschlagen

Google zerschlagen. Sagt ein Forschungsreport aus Österreich. Das berichtet Heise: Google muss zerschlagen werden.


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Eine Studie der TU Graz warnt mit drastischen Worten vor der „Bedrohung der Menschheit“ durch Google. Der Suchmaschinenprimus schicke sich nicht nur an, den Schutz der Privatsphäre auf dem Müllhaufen der Geschichte zu entsorgen, heißt es in dem 187-Seiten umfassenden Bericht „über die Gefahren und Chancen großer Suchmaschinen unter besonderer Berücksichtigung von Google“ (PDF-Datei). Das „monopolistische Verhalten“ des Marktführers bedrohe vielmehr, „wie wir die Welt sehen und wie wir als Individuen wahrgenommen werden“. Damit gerate sogar die gesamte Weltwirtschaft in Gefahr. Google habe in unerhörter Art und Weise Macht angehäuft, sodass ein Gegenangriff überfällig sei.

Update: Danke für den Kommentar:

Der Betreuer dieser Studie (Hermann Maurer) ist stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der NewHyperG AG, die im Bereich Wissensmanagment tätig ist. Sie ist also ein direkter Konkurrent zu Google. Somit stand das Ergebnis im vornherein fest.

24 Kommentare
  1. Der Betreuer dieser Studie (Hermann Maurer) ist stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der NewHyperG AG, die im Bereich Wissensmanagment tätig ist. Sie ist also ein direkter Konkurrent zu Google. Somit stand das Ergebnis im vornherein fest.

  2. Besonders interessant finde ich folgenden Teil:
    „Ausgangspunkt des Reports waren nach Angaben der Verfasser „schwere Bedenken über Plagiate durch die Nutzung von Google“. Als Basis und Schwerpunkt des ersten Teils der Sammlung dienen hier Erkenntnisse des Salzburger Medienwissenschaftlers Stefan Weber, der in der Telepolis-Reihe ein Buch über das „Google-Copy-Paste-Syndrom“ herausgebracht und eine entsprechende Artikelserie (Textueller Missbrauch, Die abschreibende Zunft, Wissenschaft als Web-Sampling, Contentklau in Blogs und anderswo, Reuse, Remix, Mashup – also: Plagiieren erlaubt!) im Netz veröffentlicht hat. “
    Das finde ich als Argument schon ziemlich lächerlich… Es ist also schlecht, wenn Menschen eine öffentliche Quelle für sämtliche Informationen haben, die sie brauchen? Natürlich werden dabei auch viele Informationen per „Copy & Paste“ mitgenommen – das war aber schon immer so. Nur hat man früher halt aus Lexika abgeschrieben und heute druckt man es sich aus dem Internet aus.

    Man kann sich auch wirklich alles schlecht reden…

  3. Ich hatte noch überlegt, ob ich die Heise-Meldung bookmarken soll — aber nach — wie Andreas hier schon schreibt — erstens den Verknüpfungen zwischen Maurer und HyperWave/HyperG — war Anfang des Jahrtausends mal eine akademische Alternative zu CMS mit viel Hype — und zweitens dem Verweis auf die seltsamen Stefan-Weber-Untergang-des-Abendslandes-per-Copy-und-Paste-Märchen dachte ich mir, dass aufmerksamkeitsökonomisch nicht weiter drauf hinweisen wohl die bessere Strategie sei.

  4. Ach so, und noch was: ein Argument scheint zu sein, dass Wikipedia-Seiten bei Google signifikant häufiger erscheinen als in anderen Suchmaschinen. Die Erklärung dahinter ist ganz einfach: es gibt ein „Sponsoring“ o.ä. der Wikipedia durch Google, die genau das zum Effekt hat. Ist also Feature und kein böser Algorithmus.

  5. Wenn man die Kommentare im Heise-Artikel-Forum weiterliest, wird man auch darauf hingewiesen dass Vorstand ungleich Aufsichtsrat ist, und dass sich die Hyperwave Produkte doch um einiges vom Google-Angebot unterscheiden…

  6. Hermann Maurer hat als Science-Fiction-Autor, Komponist und Philosoph IMHO einen kleinen Knall, aber ich glaube nicht, dass er hier sein Amt als stellvertrender Ausichtsratsvorsitzender von Hyperwave missbraucht, dazu sind die nun doch ein Stückchen von Google entfernt.

  7. So würde ich das auch nicht verstehen — aber vielleicht als eine Perspektive, aus der einiges schlimmer aussieht als aus anderen Perspektiven. Und die dann vielleicht die Rede vom Untergang des Abendlandes rechtfertigt.

    BTW: Cory Doctorow hat das ganze Szenario vom allinformierten bösen Google-Konzern unter dem Titel „Scroogled“ (einfach danach googlen ;-)) in ein brauchbares Stück SF-Kurzgeschichte gepackt. Eröffnet die Bedrohungsszenarien besser als jede Studie …

  8. In der heutigen Zeit muss man sich bei Studien immer erst die Frage stellen, wer zahlt und wer hat was davon. Da sich der Staat unabhängige Studien nicht mehr leisten kann, wird das eben gerne von der Wirtschaft bezahlt. Mit den Ergebnissen müssen wir dann fertig werden.

  9. Noch vergessen, Google sollte man trotzdem im Auge behalten. Die grösste Suchmaschine die zudem noch jede Anfrage speichert, hat einen Haufen Daten mit dem sich was anfangen lässt.

  10. Es gibt meines Wissens kein Sponsoring von Wikipedia-Treffern auf google, wie Till es beschrieben hat. Die Testreihe aus der Studie dazu vermischt die Beobachtung mit Interpretation, Anfängerfehler sozusagen.

    Wer so alt wie Hermann Maurer ist, bzw so lange in der IT, wird faktisch keine Chance haben, nicht überall Interessenkonflikte aufzubauen, das Hyperwave-Argument zählt also wenig. Abgesehen davon, daß ich gar nicht mehr sagen kann, ob die aktuelle Hyperwave-Firma noch was mit dem Ding zu tun hat, das er mal betrieben hat. Irgendwo im Netz waren mal einige Infos zu Insolvenzen, ich müsste das googlen…

  11. Neben http://www.golem.de/0502/36251.html (Geld/Server, wobei Yahoo das auch macht, und Mathias dementiert) und dem bei der Suche nach einer Google-Wikipedia-Kooperation gefundenen Eintrag von Mathias …

    „An einer Stelle werde ich im Paper sogar indirekt zitiert, weil ich mal gegenüber einer Privatdozentin aus Hamburg als Wikipedia-Sprecher ein klares Dementi abgegeben habe, Wikipedia würde in Sachen Suchtrefferanzeige kooperieren.“ (http://isbn.mathias-schindler.de/?p=25 ;-) )

    … war das, woran ich mich zu erinnern glaubte, jetzt auf die Schnelle dann doch nicht zu finden. Noch nicht mal in meinem Archiv der wikipedia-l. Höchstens den Google-Earth-Wikipedia-Link und Ding wie das hier:

    Half of Wikipedias traffic from Google

  12. direkter Konkurrent zu Google
    David XXXXXS wider Goliath XXXXXXXXXXL? ;)

    Abseits der Tatsache, daß ziemlich viele Konkurrenten ihren monopolistischen Kollegen die Pest an den Hals wünschen, dürfte Google in absehbarer Zeit auch kartellrechtlicher Druck entstehen.

    Früher oder später kommt das auf alle zu (IBM, MS und dann wohl Google).

    Grüße,

    René

  13. Till: Yahoo stellt Server zur Verfügung, Google nicht. Aber die Wikimedia Foundation hat IIRC mal ein paar Google-Aktien geschenkt bekommen, und google hat Wikimedia als Programmpartner für den Summer Of Code aufgenommen. Ansonsten gab es keine direkte Unterstützung, von der ich weiß. Vielleicht ändert sich das, wenn Wikimedia nach San Francisco zieht. Die Golem-Meldung bezieht sich jedenfalls auf eine Absichtserklärung, der wie so oft keine taten folgten.

    Dass viel Traffic von Google kommt deckt sich mit der Beobachtung, die AFAIK keiner bestreitet: in Google sind Wikipedia-Seiten prominenter als bei anderen Seiten positioniert.

    Markus: diese Betreuer-Konkurrent-Story kaufe ich nicht. Es gibt viel unmittelbarere Gründe, Google zu bashen. Wenn eine wissenschaftliche Studie die Zerschlagung von Google fordert, gibt das Publicity pur.

  14. Noch ein bißchen mehr Nachblättern brachte a. die Erkenntnis, dass die starke interne und externe Verlinkung von Wikipedia-Seiten denen per se hohe PageRanks gibt, und b. noch immer kein Dokument, was meine Erinnerung belegt, dass zumindest eine Zeit lang Google vor den eigentlichen Suchtreffern häufiger mal die Definition aus der Wikipedia (gelb unterlegt) eingeblendet hatte. Kann sein, dass das ein Experiment war, kann sein, dass Wikisaria einer der Gründe ist, warum das nicht mehr gemacht wird, kann auch sein, dass ich mich da falsch erinnere. Jedenfalls kommt da wohl meine Idee her, dass es eine formale Kooperation gibt …

    Nochmal zu der „Betreuer-Konkurrent-Sache“: vielleicht ist es nicht wirklich echte Konkurrenz, aber eine langjährige Schwerpunktsetzung im Bereicht Informationsmanagement im Netz plus das Plädoyer für öffentlich (finanzierte) Suchmaschinen im Plural klingt für mich schon nach dem Versuch, nicht einfach nur Publicity zu erzeugen, sondern danach, die Einwerbung von weiteren Fördergeldern (EU-Suchmaschinen etc.) vorzubereiten. Vielleicht liege ich auch da falsch, aber rational wär’s allemal.

  15. Torsten: ja, nur suche ich eigentlich nie mit Yahoo, und habe das visuell als etwas vor Augen, was ich aus meiner eigenen Suchmaschinenbedienungspraxis und nicht aus ’ner Pressemitteilung kenne.

  16. Mathias: Nein, nicht direkt. Also die grünen Werbeblöcke schon, aber eben standardmäßig mit Wikipedia-Antworten. Aber kann ja durchaus sein, dass entweder Google der Wikipedia irgendwann mal entsprechende Werbeeinblendung geschenkt hat oder diese diese sogar gekauft hatte …

  17. Bei der Diskussion um die Monopolstellung von Google wird ganz vergessen, dass vor einigen Jahren noch die ganze Welt die Monopolstellung von Microsoft beklagte, die tatsächlich auch heute noch stärker ist als die von Google. Google hat wieder Wettbewerb in den Markt gebracht und mit seinem Netz- zentrischen Modell das Microsoft Client/Server Modell kräftig aufgemischt. So man will, kann man auch heute noch ohne einen einzigen Google Service zu benutzen im Web hervorragend arbeiten.Man wird aber kaum ohne Produkte von Microsoft auskommen.

    Die Vertreter der staatlichen Regelungen sollten sich einmal ausmalen wie die Google Dieste heute aussehen würden, wenn sie von unserer Regierung oder gar von der UN geschaffen worden wären. Wer die Monopolstellung von Google brechen will, muss einfach bessere Services für die Endverbraucher anbieten. Hier könnten alle Kritiker ein weites Betätigungsfeld finden.

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