Kultur

Die Zukunft der Digitalisierung des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks

Auf dem Chaos Communication Camp läuft gerade eine Diskussion zur Digitalisierung der Öffentlich-Rechtlichen Sender: Der richtige Weg in die Zukunft –
Freier Zugang zu öffentlich-rechtlichen Inhalten?
Gast ist die Generalsekretärin der ARD, Verena Wiedemann, die gerade die Digitalstrategie der ARD vorstellt und mit den Anwesenden über die Strategie und die Zukunft der Öffentlich-Rechtlichen Sender. Ich blog mal mit.

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Einer der Gründe, warum sie hier ist, ist „dass Sie unsere Nutzer sind. Vielleicht sogar immer weniger. Das sagen uns unsere Umfragen.“ Es soll in der Diskussion um die Frage gehen, welche Rolle die ARD in einer Freien und offenen Kommunikationswelt des 21. Jahrhunderts hat? „Freie und offene Inhalte waren und sind unsere Aufgabe“.

Der Plan ist, eigene Inhalte sieben Tage lang kostenfrei im Netz zur Verfügung stellen. Auf der IFA wird das „ARD Mediaportal“ als Showcase vorgestellt. Ausgewählte Programmangebote aus den Archiven sollen zu einer längeren Zeit zum Abruf ins Netz gestellt werden.

Audio-Visuelle Archive der ARD sind ein historischer Schatz in kulturelle rund gesellschaftlicher Hinsicht. Allerdings gibt es oftmals ungeklärte Urheberrechtsprobleme wegen unbekannten Nutzungsarten.

Nutzer erwarten neue Formen von Partizipation: Plattformen zum Austausch von Inhalten, Weblogs, …

Das soll in Zukunft weiter ausgebaut werden, „um mit Ihnen in einen Dialog zu treten.“

Digitalkonzept ist erst am Anfang, beschreibt Rahmen zur Weiterentwicklung des ÖR. Wird nie abgeschlossen sein und muss weiter dran gearbeitet werden.

Kommerzielle Verwerter verlangen, dass ihre Inhalte nur zu marktüblichen Preisen angeboten werden sollen. Pay per View, was Verschlüsselung bedeutet.

Verwerter treiben ÖR ebenfalls dazu, ihre eigenen Inhalte ebenfalls zur verschlüsseln.

Zeitungsverleger protestieren wegen ihrer (lokalen- ) internetstrategien dagegen, dass die ARD Multi-Media Angebote im netz anbieten kann.

„Wir wenden uns gegen alle Massnahmen, die die Privatkopie einschränken können. Damit meinen wir DRM-Systemen.“

„Wie verhalten wir uns zu Youtube & Co. Wir gehen wir mit der Verantwortung gegenüber Urhebern und unserer Marke um, die nicht geschädigt werden darf?“

Programmauftrag der ARD ist immer noch dergleiche geblieben. Ist aus dem Grundgesetz abgeleitet.

ÖR ist eine Art Gesellschaftsvertrag zwischen den Bürgern und ÖR. Stossen im Alltag immer an Grenzen.

Digitale Strategie Konzept wurde im Juli vorgestellt und steht im Netz.

„Wir denken noch an Sendezeiten. Ich weiss, diese Gemeinschaft hat sich davon längst verabschiedet.“ (Zustimmender Applaus)

„Freie Inhalte, das Thema dieser Diskussion müsste meiner Meinung nach mit einem Ausrufezeichen enden.“

Fragen ans Publikum:

Wer hat keinen Fernseher mehr? Grosse Mehrheit. Wer nutzt ÖR Inhalte im Netz? Grosse Mehrheit.

„Bei uns ist angekommen, dass die Welt sich verändert.“

Frage: Rechtliche Rahmenbedingungen, was muss da als Herausforderung noch getan werden, um alles rechtliche in die richtigen Wege geleitet werden?

Unterscheidung zwischen Neu-Produktionen und Archive

Neu-Produktionen haben wir mit den Gehältern der Freien und Festen geregelt. Wir wollen zukünftig auch die Rechte für On-Demand zur Verfügung haben. Ist teilweise leicht, wird aber immer schwieriger. Interesse der Produzenten an der Eigenverwertung im Netz. Wollen Rechte teuer abgekauft haben. Die Sieben-Tage on-demand Bereitstellung ist erstmal ein erster Schritt, mit den Produzenten zu verhandeln. Unterschied zwischen ÖR-produzierten Beitrag und privat finanzierten.

Zugekauftes Agenturmaterial ist auch schwierig.

Ich hab mich gerade mal mit den folgenden drei Fragestellungen gemeldet:

Frage von mir: Freie Inhalte brauchen freie Formate, ob das in der ARD bewusst sei? Flash, Windows Media und Real sind das nicht und machen nur Probleme. Vorbild OGG VOrbis beim Deutschlandfunk

„Ich bin keine Online-Expertin der ARD“. „Auf diesem Gelände hab ich gelernt, dass es Probleme gibt mit Windows Media Player gibt“. „Gibt es Probleme bei der Verwendung von freien Formaten?“ Meine Antwort: Nein, ist sogar billiger. Frau Wiedemann : „Wir setzen uns dafür ein, dass es offene Standards gibt. Das ist unser Anliegen, da sind wir völlig d’accord.“

Frage von mir: Ich möchte Inhalte remixen und wieder online stellen – Privatkopie deckt das nicht ab. – Und das mit der Markenkontrolle kann die ARD meiner Meinung nach eh vergessen. (Antwort darauf von Frau Wiedemann weiter unten)

Frage von mir: Ist die Verwendung von Creative Commons Lizenzen, bzw. einer leicht abgewandelten BBC-CC-Lizenz angedacht?

„Ich finde das ganz spannend. Ich sprech da erstmal nur für mich“. Wir schauen uns da an, beobachten BBC (und besuchen sie in 3 wochen). Wir wollen das nicht ausschliessen. „Wir wollen durchaus Inhalte für persönlichen Gebrauch zur Verfügung stellen. Sie wollen das aber remixen dürfen“? Einwand von mir: Wir machen das schon, wir wollen das nur legal machen. Und was wir heute machen, machen morgen unsere Eltern.

Andere Frage: GIbts nach den sieben Tagen Abruf noch die Möglichkeit des kostenpflichtigen Abrufs on Demand?

Nach en sieben Tagen landen sie ins Archiv. Werden zweitverwertet in den dritten Programmen oder Wiederholungen im Ersten. „Nach den sieben Tagen ist Schluss“. Eigenes Recht, dafür zahlen wir schon extra. Richtige Balance zwischen den Ausgaben.Wofür sollen wir unser Geld ausgeben und wofür nicht? Im Augenblick noch nicht On Demand danach abrufbar. Da ist Forderung der Privaten da. EU-Kommission sagt: Entweder Auftrag und dann über Gebühr. Oder gegen Entgeld zur Verfügung, dann kommerzieller Tätigeit und zu Marktgesetzen einstellen.

Frage: Was kann man machen?

„Sie können eine Menge tun. Sie sind ein wichtiges Sprachrohr. Die Diskussionen sind jetzt. Es ist noch nicht zu spät. Aber die Weichen werden in den nächsten Jahren gestellt.“

Statement eines Zuhörers: „Sie stellen die Inhalte für sieben Tage ins Netz, aber dann sind sie weg. Das ist Schade.“ Applaus.

Frage: Warum stellen Sie eigene (geklärten) Rechte nicht schon ins Netz?

Antwort: Mit aktuellen Inhalten haben wir das schon gemacht (Mit Streams). Und das soll auch so bleiben.

Zur Frage von Verschlüsselung der Satellitenübertragung: „Wir können auch Hollywoodfilme einkaufen und über Sat frei ausstrahlen. Die deutsche Sprache ist schon Verschlüsselung genug“. (War noch mehr Erklärung vorher in der Antwort)

Ich schreib hier übrigens nicht alles mit. Es wird ja irgendwann eine Aufzeichnung geben. Die Diskussion ist aber sehr interessant und spannend. Ein Crash-Kurs darin, wie und warum er der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk (so) funktioniert.

Update: Bei der Futurezone findet sich ein Interview mit Frau Wiedemann: Öffentlich-rechtlich und frei.

Auf dem Chaos Communication Camp hat ARD-Generalsekretärin Verena Wiedemann über freies Fernsehen im Netz referiert. ORF.at sprach mit Wiedemann über Konkurrenzdruck und Vertriebskonzepte.

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11 Kommentare
  1. Meine Meinung zu den oeffentlich rechtlichen:
    1. Die Angebote sollten nur empfangbar sein, wenn der Nutzer es will. D.h.: Zahlen sollen die, die ARD, ZDF etc empfangen, nicht die, die es ueberhaupt nicht gucken wollen.
    2. Die oeffentlich rechtlichen haben eine klare Aufgabe: Rundfunk. Es gehoert mMn nicht zu ihren Pflichten, alle Medien zu fluten – und damit hoehere GEZ-Gebueren zu rechtfertigen.
    3. Die Gelder, die die oeffentlich rechtlichen bekommen sollten auch nicht fuer private Hobbys der Chefs ausgegeben werden. J*n U**rich soll nicht fuer jeden Sieg mit einer Praemie ueber 50k€ bezahlt werden.
    4. Wenn sie Inhalte ausstrahlen, sollten diese zu 100% frei sein. Insbesondere bei Eigenproduktionen.

  2. Nachtrag: Werbung darfs natuerlich auch keine geben, genauso sollten die Informationen fuer ÖR-User immer, zu jedem Zeitpunkt frei zur Verfuegung stehen. Dafuer wird dann ja gezahlt.
    Wobei. Mir sind Punkte 2-x voellig egal, wenn Punkt 1 realisiert wird ;D

  3. Ich habe eine Nachfrage:

    Frage von mir: Ich möchte Inhalte remixen und wieder online stellen – Privatkopie deckt das nicht ab. – Das mit der Markenkontrolle können Sie eh vergessen.

    Der hervorgehobene Teil ist ihre Antwort? Wie ist das zu verstehen? Hat sie bestätigt, dass beispielsweise anderswo Audiofragmente nie und nimmer mehr der ARD zugeordnet werden, gedanklich oder gar rechtlich? Oder wie war das gemeint?

  4. Öffentlich Rechltlichen Rundfunk Reformieren. Jetzt!

    Hallo zusammen. Anbei die Kopie eines „Manifests“ meinerseits im Heise Forum. Könnte auch hier interessant sein:
    Das gesamte ÖR System gehört reformiert, damit es endlich zwischen dem (berechtigten) staatlichen Interesses eines Bildungsauftrags für alle und dem (noch berechtigterem) privaten Interesse der Bürger nach Haushalts und Kostendisziplin zu einem Gleichgewicht kommt.

    1) Zentralisierung des ÖR.

    Die Zersplitterung des ÖR ist eine historisch und politisch
    gewachsene Missgeburt. Ebenso wenig wie die die frühere Angst der Alliierten vor einem „Grossdeutschen Rundfunk“ im heutigen Deutschland noch eine Berechtigung hat (damals schon) ist die schwachsinnige Existenz des ZDF (sollte Adenauers „schwarzes“ Gegengewicht gegen die „rote“ ARD sein) heute noch zu tolerieren. Die Dezentralisierung hat zwei entscheidende strukturelle Nachteile

    a) Enorme Kosten
    b) (Und dies ist entscheidender) Die Tatsache dass „Das Erste“ und „ZDF“ beides Vollprogramme sind führt nicht zu mehr Programmvielfalt sondern vielmehr zu einer Austauschbarkeit. ARD und ZDF buhlen um die selben Zuseher mit den selben Mitteln

    Ein Zentralisiertes Rundfunk und Fernsehsystem nach dem Vorbild der BBC könnte sowohl im Hörfunk als auch im Fernsehen klar abgetrennte Spartenkanäle anbieten. (Warum nicht auch einen Kanal für die 50+ Leute. Dann könnte der Mutantenstadel laufen ohne anderen Formaten den Platz wegzunehmen). Das eine Regionalisierung des Angebots auch
    in einem zentralistischen ÖR funktioniert zeigt ebenso die BBC. Nur muss ich für ein Studio Bayern keine komplette Intendantur mit allem was dazugehört vorhalten

    2) Finanzierung des neuen ÖR ausschliesslich über eine Umlage der Haushalte.

    Da das neue ÖR (wenn ich die BBC mal wieder zugrunde lege) c.a. um 30% billiger wäre, käme dies einer netten Entlastung der Haushalte entgegen. Konsequenz:

    a) Abschaffung des unertäglichen GEZ Spitzelapparats. Die permanente Rechtsbeugung dieser Organisation die mit Hilfe der SWR Anwälte sich wie ein Staat im Staate aufführt gehört ein und alle Male beendet
    b) Keine Werbefinanzierung des ÖR. Die Einsparmassnamen aus Punkt eins müssten dies ermöglichen. Zusätzlic würde dieser Punkt ein Plus an Programmvielfalt (!!!!) bringen. Momentan ist doch die Situation die, dass die ÖR mit den privaten um Werbeeinnamen konkurieren. Mit dem Ergebniss dass es fast schon eine Austauschbarkeit gibt. Im Radio ist dies übrigens schlimmer als im Fernsehen. Hier haben sich ARD und ZDF zumindestens den schlimmsten Auswirkungen widersagt. Im Radio dagegen: Oh Je.

    Vorangesetztes könnte als öffentliches Manifest verstanden werden. Wenn Heise Forum Leser mir zustimmen könnten wir eine Plattform gründen. Vielleicht wäre hier ein Druck auf die Politik möglich

    Gruss
    Der Marshall Amp User

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