Einige Tage, nachdem die deutschsprachige und zunehmend auch die internationale Blogosphäre über den Fall „Transparency International Deutschland versus Bloggerin“ berichtetet und kommentiert, hat sich nun auch die klassische Online-Presse der Sache angenommen.
Für tagesschau.de schreibt Fiete Stegers: Transparency International im Clinch mit Weblogs.
Die Fakten überprüft oder sich wie professionelle Journalisten mit Transparency International als Gegenseite in Verbindung gesetzt hatten die privaten Blogbetreiber dabei nicht.
Bei Focus Online gibt es ein paar lesenswerte Details von Thomas Wiegold: Der selbst gemachte PR-GAU
Transparency International reagierte. Mit Nervosität. Auf Anfrage von FOCUS Online lehnte Geschäftsführerin Dagmar Schröder noch am Montagnachmittag jede inhaltliche Stellungnahme ab
… und dann
Die Verschwiegenheitspflicht hielt nur wenige Stunden. Noch am Montagabend veröffentlichte die Organisation eine Pressemitteilung, in der die angeblich so schützenswerten Personalangelegenheiten detailliert ausgebreitet wurden:
Bei der Netzeitung (deren Inhalte an anderen Stellen syndiziert werden) gibt es ein Interview mit der justiziarten Bloggerin von Ben Schwan : Transparency hat ein Blog-Problem
Soweit die Presseschau. Es ist anzunehmen, daß es hier noch weitere Medien geben wird, die auf diesen Zug aufspringen.
Ich hatte heute die Gelegenheit, mehrmals mit Menschen von Transparency International Deutschland e.V. zu sprechen. Mein erster Versuch, an das Statement von TI zu kommen, auf das Focus verweist, erwies sich als schwierig. Zitieren lassen wollte man sich dort nicht, konnte aber nur sagen, daß das Statement nicht mehr herausgegeben werde. Whatever.
Irgendwann fand es irgendwie doch seinen Weg in die Blogosphäre und liegt nun beispielsweise bei Don Alphonso.
Das dritte Gespräch an diesem Tag war ein Anruf von Dagmar Schröder, Geschäftsführerin bei TI Deutschland e.V., die mir ausführlich Auskunft über den Sachverhalt gab.
Dass es das Statement von TI nicht mehr gebe (es war übrigens nach ihren Aussagen nie online, sondern wurde nur auf Nachfrage herausgegeben), konnte sie nicht bestätigen: „Es gab keine Telephonkonferenz und keinen Vorstandsbeschluß, das Statement [vom 27. März] nicht weiter herauszugeben. Jeder bekommt das Statement, der bei uns nachfragt.“
Das umfasst natürlich auch die Zahlen, die es in dieser oder ähnlicher Form auch bei Moni gab und die Don Alphonso in seiner Kopie entfernt hat.
Im übrigen handele der Justiziar nicht im Auftrage von TI, wenn es um sein Begehren ginge, die Veröffentlichung seines Schreibens mit dem Löschungsbegehren mittels Rückgriff auf das Urheberrecht zu verhindern.
Was Moni sicherlich freuen dürfte, wenn sie es noch nicht gehört hat: Transparency International wird keinerlei Schritte gegen sie einleiten, was diese Postings angeht. Keine Unterlassungserklärung, keine einstweilige Verfügung. Dagmar Schröder lässt sich hierzu zitieren:
„Wir werden diese Blog-Einträge nicht weiter verfolgen. Wir wollen unserer normalen Arbeit nachgehen.“
Sie konnte mir im Telephonat nicht bestätigen, daß die Bloggerin davon schon in Kenntnis gesetzt wurde. Den Hinweis, daß sie es schon merken werde, wenn die Frist ablaufe und nicht kommt, halte ich hier übrigens für deutlich zu schwach. Spannend dabei ist auch die Verknüpfung der beiden Aussagen. TI’s Entscheidungsfindung könnte wohl durch die Aufregung in der Blogosphäre beeinflusst worden sein. Es ist müßig zu spekulieren, ob ohne eine solche Aufregung nicht andere Schritte erfolgt wären.
Jemand anders möge bitte ein oder mehrere Fazitversuche starten. Meinetwegen dann, wenn es eine direkte Kontaktaufnahme von TI an Moni gab, daß die Sache erledigt ist (und man meinetwegen nochmal mitteilt, daß man von TI aus die Darstellung weiterhin für sachlich falsch hält, man aber aus – legitimen – Gründen hier nicht ins Detail gehen kann.
Was übrigens noch interessant ist: Die ex-TI-Mitarbeiterin hat wohl auch vom Justiziar ein Schreiben bekommen, in der Sie aufgefordert wird, falsche Behauptungen über ihren ehemaligen Arbeitgeber zu unterlassen. Ist es naiv zu hoffen, daß dieses Schreiben freundlicher oder brauchbarer ist?
Wenngleich Transparency offenbar noch nicht Anwendungsmöglichkeiten von Blogging im eigenen Feld erkannt hat (soll’s ja geben), gibt es ein paar Streicheleinheiten für die Vertreter der als Klowände gescholtenen virtuellen Häuschen:
„Wir haben nichts grundsätzlich gegen Weblogging. Es ist eine legitime Kommunikationsform der Zivilgesellschaft.“
Wir auch nicht :)