Kultur

Riya – Flickr für Big Brother?

Bei Riya kann man wie bei Flickr Bilder hochladen und einzelne Bereiche der Bilder mit Tags versehen, also z.B. das Gesicht von Netzpolitik-Chef Markus mit dem Tag „Markus Beckedahl“. Riya scannt die Bilder aber dann mittels Gesichtserkennungs-Software und taggt alle anderen Bilder, auf denen Markus zu sehen ist, automatisch mit seinem Namen. Nach einigem manuellen Training soll es dann angeblich auch funktionieren. Riya scheint zwar noch sehr Beta zu sein, aber diese Ausrichtung ist schon ziemlich obskur. Ralf vom Netzbuch nennt Riya daher die „»Schily-Schäuble-Beckstein-Variante« von Flickr und Konsorten“ und fordert daher „Keine Fotos mehr auf Bloggertreffen und Konferenzen“ – eine Policy, die der CCC mittlerweile aufgrund der vielen Fotohandies auf seinen Konferenzen wieder aufgeben musste.


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Das ist für mich wieder ein Anlass, über die Privacy-Implikationen des ganzen „Web2.0“ oder „Social-Software“ Hypes nachzudenken. Nicht nur sammeln die Techniken, die hier verwendet werden, immer mehr Daten über immer mehr Leute und immer mehr Interaktionen zwischen ihnen (und wenn dann mal die Polizei bei dem Anbieter vor der Tür steht, gucken einige bestimmt dumm aus der Wäsche), sondern mein Gefühl sagt mir, dass der ganze neue Rummel um Online-Communities mit Sachen wie „hey, du hast keinen OpenBC-Account? Wie lame – gehörst wohl nicht dazu?“ den Leuten die Wertschätzung von Privatsphäre und Datensparsamkeit abgewöhnt.

Vielleicht wäre das auch mal ein Thema für einen Webmontag? Die internationalen Datenschutzbeauftragten interessieren sich jedenfalls auch schon für das Thema, aber die sind ja irgendwie auch lame – jedenfalls aus Sicht der Flickr-Kids.

Wired News hatte übrigens schon im Dezember über Riya geschrieben:

Riya has a tart answer to user privacy concerns. If you do not want to be indexed, do not let anyone post any photos of you. This is easier said than done. Also, the response falsely assumes that being seen has the same privacy implications as being identified. It does not.

7 Kommentare
  1. Wenn diese Technik populär wird, dann gute Nacht. Überwachungskameras sehen kurz bei Riya nach und über deinem Kopf schwebt dein Name. Immerhin, der unmaskierte Bankräuber könnte vom Angestellten sogleich namentlich begrüßt werden. Leider bekäme ich von meinem Chef auch sofort die Kündigung, wenn ich meine Krankmeldung dazu nutze, eine Veranstaltung zu besuchen. Jeder überwacht jetzt jeden, und wer viel unterwegs ist, kann sein Bewegungsprofil des Tages abends im Internet bewundern. Webcams, Fotohandys, Mautbrücken, Digicams – von wievielen Linsen werde ich eigentlich abgelichtet, ohne es zu wissen? Diese Wissenslücke könnte bald geschlossen werden. Viel Spaß mit dem Internet!

  2. Ist das crass.Ich habe gedacht nach dem Lesen der letzten 4 Ausgaben von Clip die ich mir bestellt hatte (Institut für Bürgerechte und öffentliche Sicherheit) könnte mich so schnell nichts mehr schocken oder richtig aufwühlen aber kam diese Nachricht wirklich böse an.Ich finde das alles nicht lustig.Vor 25 Jahren sind Wir mit ach so grimmigen Gesichtern durch die Gegend gelaufen und haben gedacht schlimmer kann es nicht kommen.Aber das war ja Kindergarten(nichts gegen kindergarten) gegenüber den realen Bedrohungen die jetzt anstehen.Ich verstehe die angeblich so coolen IT User "auch" alle nicht.Wenn vor 20 Jahren so eine Sammlung von Daten wie jetzt zb.telefon und e.mail Daten gesetzlich nur in der Diskussion gewesen wäre dann hätte Berlin und Hamburg gebrannt und die Strassen wären voller als jetzt in Frankreich gewesen.Das muss man sich wirklich ohne das dramatisieren zu wollen mal vor Augen
    führen wieweit diese Unbekümmertheit sich schon entwickelt hat.Ich mache mir keine Illusionen.Es wird richtig mies werden .Aber so richtig.Und um diese Erkenntnis zu erlangen musste ich auch nicht erst die echt süsse Spätzünder Sendung des Chaos Radio Nr.110 des CCC. hören oder runterladen.Obwohl die nätürlich das pädagogische Prädikat besonders wertvoll verdient hat.
    Gruss Dr.Hirsbrei

  3. Tja, den Beckedahl kann ich auch nicht einstellen – dazu brauchts da Windows XP, um die Uploadsoftware (diese ist nicht Dein Browser) laufen zu lassen.

  4. <a href="http://twit.tv">Inside the net</a> hatte mal ein Interview mit den Riya-Leuten. Die Dame, die dort für Riya gesprochen hat (sorry – Namen vergessen), hat mehrmals erwähnt, dass es keine globale Suchen geben soll. Nur weil ein User also "Markus Beckedahl" getaggt hat, sollen die anderen deshalb noch lange nicht nach "Markus Beckedahl" suchen können und damit fündig werden. Die Bilderkennung, so ihre Aussage, diene hauptsächlich dazu, die eigenen Bilder automatisiert zu sortieren.

    Falls das stimmt, sind daran aus meiner Sicht noch zwei Sachen bedenklich:

    1. Wozu sollte man die eigenen Bilder automatisch taggen wollen? Klar, witziges Feature, aber so richtig rocken würde es nur, wenn es die besagte globale Suche geben würde. Das aber wiederum hätte all die oben angesprochenen Probleme der Privatsphäte.

    2. Der Hauptgrund, warum es diese globale Suche nicht gibt, ist laut der Riya-Sprecherin (neben Privacy natürlich, aber das klang nicht besonders überzeugend), dass die Rechenlast zu hoch sei. Aber heißt das, wenn sie die Rechenpower haben, dann sind alle Probleme vergessen?

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