Kultur

Jungle World: Gerrt Lovink erklärt das neue Netz

„Zugriff verweigert“ ist – für Bildschirmleseverhältnisse – ein Monster von einem Text. Am besten ausdrucken und morgen in aller Ruhe auf dem Balkon oder in der Badewanne lesen.

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Neben der Kritik am Web 2.0, dem Haupt- und Titelthema des für die Jungle World ausgekoppelten Textes, sprang mir gerade beim Überfliegen der Aspekt des „nationalisierten Cyberspace“ ins Auge:

Manch einer vermag sich kaum vorzustellen, was es bedeutet, dass der englischsprachige Anteil am Inhalt des Netzes deutlich unter 30 Prozent gesunken ist. Durch diese Verwendung anderer nationaler Sprachen hat das Wachstum des Internet gleichzeitig zu einer »Nationalisierung« des Cyberspace geführt – entgegen der Vorstellung vom grenzenlosen Netz, das vielleicht nie existiert hat.

Ich hatte es ja früher mal mit den global villages(!) nach McLuhan vs. Rötzers Grundmodell einer Telepolis, dachte dabei aber weniger an Sprachbarrieren, sondern eher an die – mitunter engstirninge – Fokussierung auf Partikularinteressen und jägerzaunkulturelles Abgrenzungsverhalten. Wie auch immer: Das Buch zum von Felix Kurz übersetzten Textausschnitt erscheint 2007 bei Routledge, New York.

(via Christian, gestern schon)

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4 Kommentare
  1. immer wenn ich den begriff „Web2.0“ höre oder lese, kommt mir das geflügelte wort vom alten wein in neuen schläuchen in den sinn.

    „In einem Posting auf der Mailingliste iDC schreibt Scholz: »Der Begriff Web 2.0 ist trügerisch, eine weitere Blase, mit der Investoren eine Neuheit vorgegaukelt werden soll – so wie bei McDonald’s alle sechs Monate die fettigen Fleischlagen umgeschichtet werden, um ein vollkommen neues Produkt zu verkaufen.«“

    von der idee ausgehend, das das englische die verkehrssprache im i-net ist:

    der 30%-anteil der englischen sprache im i-net bedeutet vielleicht, daß die user nur die wichtigen anteile ihrer kommunikation ins englische übertragen. und selbst dann sind 30% noch viel.
    vielleicht bedeutet es auch, daß nur 30% der user sich aktiv am i-net beteiligen und der rest das i-net so nutzt, wie auch das fernsehen genutzt wird. passiv, konsumierend.

  2. Genau dieser Absatz mit den 30 Prozent ist mir auch aufgefallen. Noch scheinen aber die wichtigen Neuerungen zunächst im englischsprachigen Raum ihren Anfang finden. Oder aber die Chinesen haben längst Dinge, von denen wir nicht wissen, dass es sie gibt (MySpace-Hologramm-Chat?)

  3. – „Ob eine Kritik gerade erst entstehender Phänomene möglich ist oder nicht, wird immer eine ontologische Frage bleiben.“

    – Informationen haben keine Masse – da fällt es leicht, von heißer Luft zu sprechen.

    – Web 2.0 ist die zunehmende Verbindung menschlicher und informationstechnischer Klugheit.

    – Web 2.0 ist die Hintenanstellung von Technik und Ökonomie an ein soziales Phänomen, das dominiert, weil es frei und natürlich ist.

  4. Vorab mal passenderweise den Eintrag von web2.0 auf Wikipedia.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Web2.0

    Der Begriff Web2.0 ist unscharf und wird auf verschiedenste Weise von allen möglichen Seiten verwendet. Aber ein allgemeiner, breiter Umbruch im Webspace ist nicht von der Hand zu weisen.

    Social Community (myspace.com, del.icio.us etc.) sites erreichen eine nie dagewesene Reife und Popularität, neue Formen der User Interaktion verbreiten sich wie ansteckende Krankheiten (tag clouds etc.), gleichzeitig finden neue Techniken Verbreitung (Ajax etc.). Das ganze wird getragen von einer neuen Philosophie des Information Providings: alle entscheidenden Web Player bieten ihre Information nicht nur für die EndverbraucherIn als Webseite an, sondern stellen gleichzeitig deren Abruf über ein Programming Interface zur Verfügung, was deren Weiterverwendung in anderen Webseiten erleichtert (flickr.com, yahoo.com, google maps etc.).

    Für Web Unternehmen bedeutet dies, immer schneller immer komplexere Seiten aus einer Sammlung von Modulen zimmern zu können.

    Zum Schluß wäre hier vielleicht Flavour Flav zu zitieren: „Don’t believe the hype“ – Skepsis ist immer angebracht, aber. Es wäre Blindheit, die gegenwärtigen Veränderungen im Netz der Netze als die aufgewärmten Speisen von gestern abzutun.

    Alex

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