Neues Deutschland versucht sich an Blogs

Ich habe selten einen so schlechten und dummen Artikel über Blogs gelesen, wie gerade im Neuen Deutschland: Die neue Meinungsmacht – Weblogs – autonome Austauschforen im Internet. Alles wird ohne Zusammenhang zusammengeworfen, mal der CCC, etwas SmartMobs, mal Wikipedia, lauter Blogs…

Alleine schon der Anfang:

Ein Wiki sein, das ist was Besonderes und doch so einfach. Jeder kann zur hundertsprachigen Gemeinschaft von Wikipedia zählen – die »freie Enzyklopädie« ist ein Weblog und somit aus Sicht von Fachleuten das Kommunikationsmedium von morgen. Einfach wikipedia.de in die Suchleiste tippen und man ist ein Blogger in spe.

Ein weiteres Beispiel:

Vor 25 Jahren trafen sich Hamburger PC-Freaks im Chaos Computer Club und loggten sich in die Netzwerke großer Server ein. Die CCC-Hacker galten als kriminell, doch ihr Netzwerk war einzigartig und in gewisser Weise das erste Blog.

Oder fast noch besser:

Wikipedia-Blogger trafen sich im August zur ersten Konferenz über das Lexikon in Frankfurt (Main). Der Seite dict.cc wurden so viele deutsch-englische Übersetzungen aus dem Alltagsgebrauch hinzugefügt, dass die kostenpflichtige Konkurrenz ins Schwitzen gerät. Das Krokodil Schnappi wurde durch die Weitergabe unter Bloggern ebenso zum Hit wie »Happy Slapping«, bei dem Gewalttaten per Fotohandy ins Netz gestellt werden.

Und wie das Neue Deutschland so ist, wird AOL-Bloggerin Petra Pau als einzige rühmliche Ausnahme unter den Polit-Bloggern genannt. Der Redakteur sollte sich echt mal überlegen, ob er den richtigen Job gefunden hat oder ob er nicht lieber über andere Themen schreiben sollte.

Der Artikel endet mit dem Fazit:

So bleiben Blogs vorerst, was sie sind: Ein Ort für Leute mit viel Zeit, großem Mitteilungsbedürfnis, einiger Sachkenntnis und vor allem: einem guten Browser.

Was das ganze jetzt mit einem (guten?) Browser zu tun hat, weiss wohl nur der Redakteur selber. Und wer zu dumm zum bloggen ist, kann immer noch in der ND-Redaktion anfangen…

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7 Ergänzungen

  1. Das ist ja zum Rammdösigwerden!
    Noch so ein Klugscheisser Journalist im Fahrwasser des hereinbrechenden Signifikanzdünkels. Ein Wiki ist KEIN Weblog, und Ward Cunningham hat nicht dazu geführt, dass das Bildblog unsere mediale Landschaft erweitert. Auch wenn ich das nicht oft sage. Jan Freitag sollte einfach mal die Schnauze halten und den Stift weglegen. Und fast vergessen: Ich besitze vier gute Browser

  2. Ich glaube, vor langer Zeit in einem besseren Land gab es mal eine Tugend unter Journalisten, die nannte sich „sauberes Recherchieren“. Kann aber sein, dass dies nur eine Legende ist. Fakt ist aber wohl, dass es in vielen Blogs fundierter zugeht wie im „Neuen Deutschland“.

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