Krokodile widerlegen Musikindustrie

Relativ unbemerkt von mir hat sich wohl ein Krokodil in Form des Songs „Schnappi, das kleine Krokodil“ auf Platz 1 der deutschen Single-Charts geschlichen. Das Lied wurde schon vor wenigen Jahren komponiert und bahnte sich seinen Weg in Form einer MP3-Datei durchs Internet und später durch die Radios bis es als Single aufgelegt wurde. In der Zeit ist nun ein spannender Artikel darüber.

Hier wird kritisiert, dass „das Stück nicht nur den letzten Rest Glauben vieler an eine gewisse Seriosität des deutschen Musikmarktes zerstört“ hat und „ganz nebenbei auch eines der wichtigsten Argumente der Musikbranche für ein strenges Vorgehen gegen so genannte „Raubkopierer“ und die Verbreitung von MP3-Files in Tauschbörsen“ widerlegt.

Bisher war die Argumentation der IFPI, dass vorab veröffentlichte MP3s in Tauschbörsen den Untergang des Abendlandes bedeuten. Allerdings zeigen Stars wie Eninem, dass sie trotz vieler Kopien in Tauschbörsen viele Alben verkaufen. Um es mit der „Zeit“ zu sagen:

„Wie falsch die Argumentation des deutschen Ablegers des internationalen Verbands der Tornträgerhersteller (IFPI) ist, verdeutlicht nun eben auch Schnappi besonders klar. In der Logik der IFPI wäre ein Nummer-Eins-Hit nach der monatelangen freien Verfügbarkeit des Songs im Netz schlichtweg unmöglich.

Offensichtlich müssen sich die Vertreter der Phonoverbände jetzt eine neue Begründung für ihre schlechten Umsätze einfallen lassen. Das Internet und die „Raubkopierer“ als Alleinschuldige für die Misere verantwortlich zu machen, zieht nicht mehr. Vielleicht sollten sich die Plattenfirmen ein wenig mit ihrer Strategie auseinander setzen, die zahlreichen Retortenbands auf Massentauglichkeit und größtmöglichen Erfolg zu trimmen.“

Und zum Schluss das hoffnungsvolle Fazit des Artikels:

So bleibt zu hoffen, dass in Zukunft mehr Songs und Bands den Sprung aus dem Internet in die Charts schaffen, um den Umgang der IFPI mit dem Netz der Netze zu entspannen und die großen Plattenfirmen zum Nachdenken über das eigene Vorgehen zu bewegen. Es muss ja nicht gleich ein Kinderlied sein.

P.S. Wer hat denn der „Zeit“ dieses grausame Content-Management-System samt „modischem“ Design verkauft? Weder Drucken noch Weitersenden funktioniert (Internal Server Error) und die Lesbarkeit am Bildschirm ist nicht gerade toll…

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