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iRights: US-Lehrbücher mit Verfallsdatum

Vor drei Tagen geisterte die Meldung über ermässigte wissenschaftliche DRM-Textbooks durch zumeist US-amerikanische Medien und Blogs. Ich wollte dazu auch was schreiben (Danke auch an Stefan für die Mail) , hatte aber leider nicht die gewünschte Zeit. Also nutze ich jetzt mal das Potential der Creative Commons Lizenzen und nehme einen schönen Text von Matthias Spielkamp, den dieser für das Verbraucherportal iRights.info geschrieben hat:

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US-Lehrbücher mit Verfallsdatum

Der US-Buchgroßhändler MBS Textbook Exchange plant gemeinsam mit fünf großen Verlagen Lehrbücher für Universitäten als E-Books anzubieten. Die digitalen Ausgaben sollen ein Drittel weniger kosten als ihre gedruckten Pendants, können jedoch durch den Einsatz von digitalem Rechtekontroll-Management (DRM) nur auf einem Computer gespeichert werden und laufen nach fünf Monaten ab.

„Universal Digital Textbooks“ nennt MBS das Programm, an dem die Verlage McGraw-Hill Higher Education, Houghton Mifflin Company, John Wiley & Sons, Thomson Learning und SAGE Publications teilnehmen. In einem ersten Schritt sollen die E-Books in Buchläden an zehn US-Universitäten verkauft werden. Die E-Books im Adobe-PDF-Format werden mit einem DRM-System versehen, das kontrolliert, dass die Bücher nur auf einen Computer geladen werden können. Nach fünf Monaten – einem US-Semester – sind die Dateien nicht mehr lesbar. Außerdem können die E-Books nicht weiter verkauft werden.

Lehrbücher haben im US-Universitätssystem traditionell eine andere Bedeutung als an deutschen Hochschulen. In den USA gibt es für jedes Studienfach eine bestimmte Auswahl an Referenz-Lehrbüchern, die in jedem Hochschulkurs zum Thema verwendet werden. Diese Bücher werden meist exklusiv in einer Buchhandlung auf dem Universitätsgelände verkauft, die aber nicht zwangsläufig der Hochschule gehört. Das führt dazu, dass ein Lehrbuch eine Quasi-Monopolstellung innehat, wenn es sich als Standardlehrbuch durchsetzt. Preise von mehr als 100 US-Dollar pro Buch sind daher keine Seltenheit. Aus diesem Grund hat sich ein großer Markt für gebrauchte Bücher etabliert, in dem gut erhaltene Lehrbücher oft für mehr als die Hälfte des Neupreises weiter verkauft werden können, solange keine wichtige Neuauflage auf den Markt kommt. Es gibt immer wieder Kritik an den hohen Preisen der Bücher.

MBS und die Verlage wollen nach eigenen Aussagen diese Kritik entkräften, indem sie günstigere Ausgaben der Bücher in elektronischer Form anbieten. Um ein solches E-Book herunterladen zu können, müssen Käufer in der Universitätsbuchhandlung eine so genannte „Universal Digital Textbook Card“ kaufen. Dadurch wird das E-Book zum Download freigegeben.

Darin, dass die Studierenden weiter in eine Buchhandlung gehen müssen, um an ein E-Book zu kommen, sieht MBS nur Vorteile: Zum einen können sie sehen, zu welchem Preis neue und gebrauchte Druck-Exemplare angeboten werden, zum anderen sei es auf diese Art einfacher, Buchkäufe über universitätstypische Rabattprogramme abzuwickeln. Für die Universitätsbuchhandlungen bedeutet es, dass sie weiterhin am Umsatz beteiligt sind.

Kritik am Programm äußerte Fred von Lohmann, Anwalt bei der Electronic Frontier Foundation: „Solange die Käufer die Wahl haben, gedruckte Bücher zu kaufen, sehe ich da kein Problem. Die entscheidende Frage ist, wie lange es dauert, bis die Verlage aufhören, Bücher zu drucken. Es gibt keinen Zweifel, dass sie eine Welt bevorzugen, in der es keinen Markt für gebrauchte Bücher gibt“, sagte von Lohmann gegenüber dem IT-Nachrichtendienst Cnet.

Edward Felten, Professor für Computerwissenschaften an der Princeton University und einer der bekanntesten DRM-Kritiker, glaubt nicht, dass sich DRM-kontrollierte E-Books durchsetzen werden: „Wenn der Preis zwei Drittel eines gedruckten Buches beträgt, ist das offensichtlich ein schlechtes Geschäft. Unsere Studenten sind schlau genug zu entscheiden, welche Version sie kaufen – und die Dozenten werden sie gerne beraten, falls sie nicht sicher sind“, schreibt Felten in seinem Weblog. „Es stört mich nicht, wenn andere Leute ihr Geld verschwenden um Produkte zu entwickeln, die die Käufer nicht wollen“, fährt Felten fort. „Das Problem mit DRM ist nicht, dass schlechte Produkte angeboten werden können, sondern dass der Staat manchmal schlechte Produkte schützt, indem er den freien Markt und den freien Fluss der Ideen ausbremst. Wenn man den Markt in Ruhe lässt, wird er DRM aus der Welt schaffen.“

Mittwoch, 10.08.05, Matthias Spielkamp

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