Die Washington Post scheint eine API ihrer RSS für die Leser geöffnet zu haben, damit diese die RSS-Feeds remixen können. Ähnliches macht bereits die BBC mit ihrer Webseite. Spiegel-Online berichtet ausführlich darüber: „Washington Post“ lässt Leser Nachrichten remixen.
Einen grossen Schnitzer leistet man sich aber mit dem folgenden Absatz:
Für die Zeitung ist das Remix-Projekt, das sie selbst auch liebevoll „Mashingtonpost“ (von „to mash“ = vermanschen) nennt, einerseits eine Möglichkeit, mit ihren aktivsten Lesern in Kontakt zu kommen. Andererseits lassen sich so auf simple und kostenfreie Weise Ideen darüber sammeln, wie man Nachrichten online noch präsentieren könnte. Mit einem anderen Versuch, Leser einzubeziehen, war die „Los Angeles Times“ vor einigen Monaten kläglich gescheitert: Leser, die ein Editorial im Netz frei bearbeiten konnten, überfluteten das Textfenster mit Flüchen und sogar obszönen Bildern. Bei der „Washington Post“ hat man wohl aus den Fehlern der Kollegen gelernt: In die Inhalte eingreifen dürfen sie nicht.
Mir ist überhaupt nicht klar, wieso hier noch der Vergleich mit dem gescheiterten Los Angeles Times – Experiment unbedingt rein musste. Vielleicht weil Spiegel Online beides noch nicht ausprobiert hat? Bei der Los Angeles Times Sache ging es um ein Editorial zum Irak-Krieg, welches die Leser in einem modifizierten Wiki schreiben sollten. Leider hat man damals soviele handwerkliche Fehler gemacht, dass die Aktion nach einer Nacht abgebrochen werden musste und das Experiment scheiterte. Trotzdem war es eine sympathische Idee und mit ein wenig mehr Grips und weniger handwerklichen Fehlern (Kein Irak-Krieg als erstes Thema, nicht die besten Funktionen aus dem MediaWiki einfach entfernen, über Nacht wenigestens beobachten, was da passiert…) hätte das wahrscheinlich sogar geklappt.
Auf jeden Fall sind das zwei so unterschiedliche Sachen, als wenn man Äpfel mit Birnen vergleichen würde. Da hätte man auch gleich Spiegel-Online selbst heran ziehen können, da durch die Foren-Funktion genauso die Leser „einbezogen“ werden wie bei dem Wiki-Experiment oder beim öffnen einer API zum Remixen. Schade eigentlich.
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Ein Kommentar zu „Äpfel mit Birnen vergleichen“
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[…] Es gab schon ähnliche Versuche von traditionellen Medien, Textinhalte von Nutzern remixen und mashen zu lassen. Zuerst war die Los Angeles Times im Frühjahr 2005 daran gescheitert, ausgerechnet einen Kommentar zur Irak-Politik der USA von Internetnutzern gemeinschaftlich verändern zu lassen. Zuletzt hat das die Washinton Post medienträchtig probiert, als sie eine API öffneten, damit die Leser die Feeds mixen konnten. Jetzt führt das Wired weiter und will sich einen Artikel über einen Wiki von den Lesern zusammenstellen lassen. Bis jetzt steht da noch nicht viel drin – sowohl Inhalt als auch Länge können frei gewählt und gemasht werden. Leser können sich den Titel als auch die Zusammenfassung für die RSS-Feeds ausdenken. Redakteur Ryan Siegel soll das langsame Wachsen bis zum siebten September überwachen und Fragen auf einer Kommentarseite beantworten. Mitmachen darf jeder, der sich vorher bei Socialtext angemeldet hat. von Verena um 16:04 | abgelegt in General, Digitalkultur, creative commons Trackback URL | Comment RSS Feed Tag at del.icio.us | Incoming links […]
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