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Montag, 9. April 2007

Machtkampf: Thailand sperrt YouTube-Video

In Thailand übernahm das Militär die Macht, als der Premier Thaksin Shinawatra letzten September auf Auslandsreise war. YouTubes Taktik, Marktanteile und Bekanntheit zu erhalten, treibt auch zur Zusammenarbeit mit Zensoren der neuen Regierung. Zensiert wird offenbar vor allem die Online-Welt und ab und an CNN; Zeitungen können ungestört berichten, wie es scheint. Es scheint ein Machtkampf im Gange zu sein, der auch auf dem Rücken des Web 2.0 stattfindet. Aus der Ferne gibt es jetzt eine Lektion in durchsichtiger Pressearbeit: das Militär will eher bald als später verhindern, dass der alte Premier noch gesehen und gehört wird. Der nutzt nämlich auch YouTube, um sich aus dem Exil zu melden.

Was ist passiert? Ab dem 5. April war YouTube in Thailand pauschal gesperrt, wegen eines eher dilettantisch gemachten, den König beleidigenden Videos. Bei Youtube kuschte man und bot proaktiv Hilfe an, gezielt einzelne Videos zu sperren. Mutter Google selbst hatte sich wohl zuvor geweigert, den fraglichen Clip offline zu nehmen, wie die NY Times weiß:

Thailand’s military-appointed government blocked access to YouTube and several other Internet sites on Wednesday in a crackdown on material that denigrates the country’s monarch.

“We have blocked YouTube because it contains a video insulting to our king,” said Winai Yoosabai, head of the censorship unit at the Ministry of Communication and Information Technology.

Thailand’s ban on YouTube, the popular video-sharing Web site, came after YouTube’s owner, Google, refused to remove the video clip, the communications minister, Sitthichai Pookaiyaudom, said.

Es ist Straftatbestand, den gottgleich verehrten König zu beleidigen. Aber es gibt einen Beigeschmack: Wie heise.de heute berichtet:

Obwohl der Clip inzwischen gelöscht wurde, hatte das verantwortliche Ministerium den Bann aufrechterhalten, nachdem zwei ähnliche Videos aufgetaucht waren. Der Minister für Information und Kommunikationstechnologien, Sitthichai Pookaiyaudom, will die Komplettsperre aufheben, sobald er einzelne Inhalte gezielt blockieren könne. Kritik an dem Vorgehen der Regierung wies er zurück. “Ich brauche keine Lektion über Meinungsfreiheit”, sagte er der BBC, “ich bin ein Verfechter der Meinungsfreiheit, aber das ist kulturell unsensibel und beleidigend”. Solche Inhalte werde er nicht tolerieren.

Das Argument ist heikel, zumindest hat er sich mit dieser Aktion selbst widerlegt, Verehrung hin oder her. Die FTD weiß so einigen Hintergrund zu beleuchten:

Generell wird in Thailand derzeit die Internetzensur aggressiver. Die vom Militär installierte Regierung will verhindern, dass der vergangenes Jahr durch einen Staatsstreich entmachtete Ministerpräsident Thaksin Shinawatra das Internet dazu nutzt, seine Anhänger um sich zu scharen. Thaksin hält sich seitdem im Exil auf und hat sich wiederholt in professionell gemachten, sentimentalen Videos über Youtube zu Wort gemeldet. Er äußerte den Wunsch, in seine Heimat zurückzukehren, und zeigte sich besorgt über die schwächelnde Volkswirtschaft des Landes.

Das provokative Video war bis am Mittwochabend über 16.000-mal abgerufen worden. Es zeigt in einer Diashow Bilder des Königs, die mit grob angefertigtem elektronischen Graffiti überlegt und von blechern klingender kriegerischer Musik begleitet sind. Die Bilder stehen in krassem Gegensatz zu den sorgfältig kontrollierten Aufnahmen des beliebten Königs, die ansonsten überall in Thailand zu finden sind.

Klingt letztlich nach fabrizierten Videos, die dem Militär nur allzu willkommen sind. Und so lernt man von Youtube - bald brauchts keine Beleidigungsvideos mehr, und bald sieht und hört man in Thailand nichts mehr von Vertretern der alten Regierung. Kennt sich unter den LeserInnen jemand besser mit Thailand aus?

UPDATE: Spät gesehen, aber der SpOn hat schon berichtet und anschauliche Bilder vom Video.

Dienstag, 12. Dezember 2006

Briten sollen Taliban zuspammen

Über eine revolutionäre Art der psychologischen Kampfführung berichtet das britische Revolverblatt “The Sun“. Die britischen Truppen sind anscheinend richtig kreativ und innovativ, was sich daran zeigt, dass sie jetzt die Taliban-Kämpfer mit SMSen zuspammen (sollen). Vermutlich glaubt man daran, dass Nachrichten wie “We know who you are, give up” oder “Go home, you’ll never beat us” die Kampfmoral schwächen werden. Ungeklärt ist bisher, was daran wahr ist und ob diese Nachrichten nicht eher den gegenteiligen Effekt haben, wenn ein Taliban-Kämpfer überlegen sollte, wer jetzt wo nach Hause gehen soll.

[via]

Donnerstag, 28. September 2006

Weizenbaum warnt vor Sicherheitsgesellschaft

Weizenbaum ist im Moment in Höchstform: Weizenbaum bezeichnet “Sicherheitsgesellschaft” als Katastrophe.

Joseph Weizenbaum hat im Vorfeld der am morgigen Freitag in Berlin beginnenden Tagung “Informatik und Rüstung” vor einer hauptsächlich vom Militär geförderten Forschung in den Bereichen Computertechnik, Biotechnologie und innere Sicherheit gewarnt. “Die Entwicklung der Informationsverarbeitung ruft die Frage der Verantwortung hervor”, forderte der Computerpionier eine strengere Ethik in diesen Wissenschaftsgebieten bei einem Pressegespräch ein. Während seiner Zeit als Professor am renommierten MIT in Boston habe er seine Studenten schon immer dazu angehalten, auf die mögliche Endnutzung ihrer Arbeiten zu achten. Abgeraten habe er etwa von Projekten, mit denen Computer gleichsam das Sehen beigebracht werden sollte. Dabei sei schließlich davon auszugehen, dass die entsprechenden Rechner in Raketen eingebaut und für den Abgleich von eingespeicherten Landkarten zur “Verbesserung” der Zielgenauigkeit verwendet werden.

Ich hatte eigentlich eingeplant, an der Tagung teilzunehmen. Aber wegen Erkältung, viel Arbeit und Barcamp am Wochenende fällt das leider flach.

 

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