Der Internet-Bezahldienstanbieter Paypal hat sich mal wieder etwas neues einfallen lassen, um den Menschen zu verdeutlichen warum wichtige Infrastruktur nicht zentral – also nicht in den Händen einer einzigen Organisation sein sollte: Man hat den Account eines deutschen Onlineshops gesperrt. Der Betreiber wurde laut laut golem dazu aufgefordert, kubanische Produkte aus dem Programm zu nehmen, wenn er weiterhin seinen Kunden die Möglichkeit zur Zahlung via Paypal bieten möchte.
Dieser Aufforderung Folge zu leisten könnte sich gelinde gesagt als Wettbewerbsnachteil erweisen: Es ist ein Onlineshop für Rum.
Hintergrund ist das bald 40 Jahre alte Handelsembargo der USA gegen Kuba. Dieses Embargo ist ja schon unsinnig genug, es aber auch noch gegenüber Bürgern anderer souveränen Staaten erzwingen zu wollen, ist schon ein starkes Stück. Rein rechtlich aber – und das ist genau das Problem bei Paypal – absolut in Ordnung: Im Gegensatz zu Bank-artigen Anbietern wie Visa & Mastercard ist Paypal ein simpler Online-Dienst, der sich seine Nutzer aussuchen kann. So steht es auch in den AGBs: Nach eigenem Ermessen behalten wir uns vor, Konten jederzeit zu schließen. Update: Wie KrChris in den Kommentaren anmerkt, hat Paypal in Deutschland & Europa den Status einer Bank und ein rechtliches Vorgehen sollte möglich sein. /Update
Ebenso hält sich Paypal das Recht vor, Konten mitsamt dem auf diesen Konten gutgeschriebenen Geld einzufrieren. Das wurde bekanntermaßen unter anderem mit dem Konto der Wau-Holland-Stiftung gemacht, die für Wikileaks spenden entgegen genommen hatte – oder zum Beispiel auch mit dem des Bradley-Manning-Support-Network.
Paypal ist also alles andere als ein neutraler Bezahldienst. Auch hier, wie bei so vielen anderen Dingen, müssen also Alternativen geschaffen werden. Diese heißen nicht Google Checkout oder Amazon, die an den gleichen Defiziten der Zentralität leiden. Eine viel diskutierte Methode der Online-Bezahlung wäre zum Beispiel Bitcoin. Bitcoin hat jedoch einige andere Besonderheiten, sie zum Erkennen der Stärken und Schwächen des Systems wichtig sind. Diese wurden zum Beispiel in diesen 2 Podcasts behandelt.