PM zur ersten Lesung zum Telekom-Paket

Auch wenn wir immer noch nicht einen kompletten Überblick über das Abstimmungsverhalten rund um das Telekom-Paket haben, habe ich mal eine erste Pressemitteilung mit einer ersten Bewertung dazu verfasst:

Die erste Lesung des Telekom-Pakets hinterlässt gemischte Gefühle:

Es wurden viele Änderungsanträge abgelehnt, die eine deutliche Verschärfung von Urheberrechtsverfolgungen und Internetüberwachung forderten. Eine große Mehrheit der EU-Abgeordneten schloss sich unserer Forderung an, “dass die Rechte und Freiheiten der Endnutzer, insbesondere gemäß Artikel 11 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union zur Meinungs- und Informationsfreiheit, keinesfalls ohne vorherige Entscheidung der Justizbehörden eingeschränkt werden dürfen”. Ebenfalls deutlich wurde der Vorschlag abgelehnt, ein System von Internetsperrungen nach dem französischen Modell der “Graduate Response” einzuführen.

Aber die Mehrheit der EU-Abgeordneten hat ich aus der Verantwortung gestohlen, indem sie kritische Punkte auf die nationale Ebene abgeschoben hat. Die soll jetzt definieren, was “rechtmäßige Inhalte” sind und was nicht. Hier bleibt viel Interpretationsspielraum, der Abbau von Netzneutralität und mehr Überwachung der Internetnutzer droht weiterhin. Hier hätten wir uns ein deutliches Signal zur Stärkung von Verbraucherrechten auf EU-Ebene gewünscht. Unklar ist auch, was die gewünschten “freiwilligen Kooperationen” aus Rechteinhabern und ISPs bringen werden. Hier ist zu befürchten, dass ISPs von der nationalen Regierungen unter Druck gesetzt werden, den Forderungen der Rechteinhaber nach einem mehrstufigen Verwarnsystem bei Urheberrechtsverstößen nachzukommen.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Datenschutz, Digital Rights, EU, Netzpolitik und getagged , , , . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Markus Beckedahl, Netzpolitik.org.

3 Kommentare

  1. wetter
    Erstellt am 24. September 2008 um 18:36 | Permanent-Link

    “Auf nationale Ebene schieben” ist ja nun nicht unbedingt im Sinne der EU, die Gesetze der einzelnen Mitgliedsländern zu harmonisieren.

    Vielleicht ein Argument für die EU-Komission?

    Wir wollen ja nun nicht bis zu 27 Laboratorien für angewandte Filtermaßnahmen zulassen.

  2. John
    Erstellt am 24. September 2008 um 21:01 | Permanent-Link

    Auch auf tagesschau.de wird netzpolitik.org erwaehnt:
    http://www.tagesschau.de/ausland/eu106.html

  3. Erstellt am 28. September 2008 um 00:39 | Permanent-Link

    Wow, heute kam der erste Trojaner, der eine “Three Strikes and you’re out”-Warnung nachzuahmen versucht, bei mir an:

    Your internet access is going to get suspended [...] You can check the report of your activities in the past 6 month that we have attached.

    Und dann sollte ich die angehängte user-activities.zip öffnen…

    Großes Kino.

5 Trackbacks

  1. Von Überwachungsorgan am 24. September 2008 um 17:46

    Telekompaket passiert Europaparlament mit Einschränkungen…

    Laut futureZone hat das Telekom-Paket das Europaparlament passiert, allerdings mit einer wichtigten Einschränkung:
    die Regelung “Three Strikes and you’re out”, die Provider dazu verpflichten sollte, bei der dritten
    Urheberrechtsverletzung ihrer Kun…

  2. Von Der SeeSpatz am 24. September 2008 um 19:56

    Erste Lesung zum Telekom-Paket…

    Netzpolitik.org berichtet über die Ergebnisse der ersten Lesung zum Telekom-Paket im EU-Parlament….

  3. [...] kompletten Artikel kann bei  netzpolitik.org [...]

  4. Von Freiheit statt Angst | lerex am 25. September 2008 um 22:48

    [...] die Freiheit der EU-Bürger im Netz zu wahren. Mehr dazu: taz), aber trotzdem gibt es noch einige Kritikpunkte. Und wie ihr dort lesen könnt (ja, man kann auf diese blauen Wörter klicken) werden Teile der [...]

  5. Von Nachgehakt am 30. April 2009 um 09:24

    Telekompaket passiert Europaparlament mit Einschränkungen…

    Laut futureZone hat das Telekom-Paket das Europaparlament passiert, allerdings mit einer wichtigten Einschränkung: die Regelung “Three Strikes and you’re out”, die Provider dazu verpflichten sollte, bei der dritten Urheberrechtsverletzung ihrer Kun…

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