Ein spannendes „Discussion Paper“ haben Leonhard Dobusch und Sigrid Quack vom Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln über „Epistemic Communities and Social Movements: Transnational Dynamics in the Case of Creative Commons“ erstellt, was jetzt online verfügbar ist. Konkret geht es um Creative Commons als transnationale Organisation und ich wurde dafür mal vor einiger Zeit als Experte interviewt.
Obwohl die Existenz transnationaler Gemeinschaften in der Globalisierungsforschung immer mehr anerkannt wird, bleibt deren Einfluss auf globale Steuerung und Regulierung immer noch größtenteils im Dunkeln. Studien über die Rolle transnationaler Gemeinschaften im Bereich internationaler Regulierung konzentrieren sich meist auf spezifische Typen, wie epistemische Gemeinschaften, soziale Bewegungen oder politische Netzwerke, und beschränken deren Effekte auf Agenda-Setting oder Framing von Themen. In diesem Papier wählen wir eine breitere Perspektive. Wir untersuchen regulatorische Effekte, die entstehen, wenn verschiedene Typen von transnationalen Gemeinschaften mit einem gemeinsamen Ziel gleichzeitig sämtliche Phasen des Regulierungsprozesses durchlaufen. Der empirische Teil des Papiers konzentriert sich auf transnationale Regulierung im Bereich des Urheberrechts. Konkret untersuchen wir transnationale Gemeinschaften, die Beschränkungen des vorherrschenden Urheberrechtsregimes angesichts neuer Informationstechnologie zu überwinden suchen. Auf Basis einer Längsschnittstudie zeigen wir, wie eine epistemische Gemeinschaft und eine soziale Bewegung rund um die gemeinnützige Organisation „Creative Commons“ interagieren und so unvorhergesehenen Schwung in ihrem Regulierungsprojekt auslösen. Diese Dynamik erzeugte funktionale ebenso wie verborgene Effekte. Während das schnelle Wachstum der sozialen Bewegung die erfolgreiche Diffusion von den privaten Lizenzen von Creative Commons – vorbei an klassischen Regulierern und politischen Akteuren – unter Erzeugern von digitalen intellektuellen Gütern ermöglichte, bedrohte es Ziele und interne Entscheidungsstrukturen von Creative Commons selbst. Wie sich das Zusammenwirken von epistemischer Gemeinschaft und sozialer Bewegung nach der Teilung von Creative Commons in zwei getrennte, aber immer noch miteinander verknüpfte Organisationen weiterentwickelt, wird erst die Zukunft zeigen.
Grob geht es in dem Papier um die Entstehung von Creative Commons als transnationale Organisation im Spannungsfeld zwischen eher engen, fachlich Community von Juristen und der eher breiten, sozialen Bewegung rund um Freie Kultur und Freies Wissen, sowie dessen Verbreitung.
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2 Kommentare zu „Discussion Paper: Creative Commons als transnationale Organisation“
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[…] Im zweiten Teil sprechen wir ab Minute 26 über sein aktuelles Projekt beim Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, was über “Der Streit ums Urheberrecht” forscht. Hier untersucht er die unterschiedlichen Blöcke und schauen sich das aus einer soziologisch-politikwissenschaftlichen Ebene an, wie der Streit transnational ausgefochten wird. Er sieht zwei grosse Blöcke: Auf der einen Seite die Rechteinhaber, die ihre alten Geschäftsmodelle ins digitale Zeitalter retten wollen und dies politisch durch Lobbying und markttechnisch durch Kopierschutzsysteme durchsetzen wollen. Auf der anderen Seite stehen die Kritiker des traditionellen Systems, die über neue Möglichkeiten des digitalen Zeitalters nachdenken. Das sind wir, oder wissenschaftlich auch die “Zivilgesellschafts-Koalition genannt”. Das Projekt ist noch am Anfang und Dobusch erzählt, was sie bisher erforscht haben und wie das Projekt weitergeht. Eines der ersten Ergebnisse ist eine Untersuchung von Creative Commons als transnationale Organisation. […]
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