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Dänischer Geheimdienst rekrutiert Private für Auswertung der Vorratsdaten

Die Berliner Zeitung berichtet von unseren Nachbarn, was noch so alles passieren kann, wenn die Vorratsdatenspeicherung erstmal da ist: Die plötzlich verordnete Sammelwut übersteigt die Fähigkeiten des dänischen Geheimdienstes. Deshalb regelt das Gesetz – im Namen des Kampfes gegen den Terror – auch die Teil-Privatisierung der Online-Überwachung. Und so kam es, dass der PET nach…

  • Ralf Bendrath

Die Berliner Zeitung berichtet von unseren Nachbarn, was noch so alles passieren kann, wenn die Vorratsdatenspeicherung erstmal da ist:

Die plötzlich verordnete Sammelwut übersteigt die Fähigkeiten des dänischen Geheimdienstes. Deshalb regelt das Gesetz – im Namen des Kampfes gegen den Terror – auch die Teil-Privatisierung der Online-Überwachung. Und so kam es, dass der PET nach Vertrauensleuten suchte, Leuten wie Martin Philip Hansen, der bei einem dänischen Internet- und Telefonanbieter arbeitet. Bislang hatte Hansen mit elf Kollegen dafür gesorgt, dass die Kunden ungestört und ungehindert im World Wide Web surfen konnten. Nun sollte er auch dazu beitragen, dass diese Aktivitäten der Bürger präzise dokumentiert werden können. Wer andere überwacht, muss selbst durchleuchtet werden. So ist das Gesetz der Geheimen. Und deshalb erhielt Hansen an jenem Tag im Frühjahr einen Fragebogen der PET, den er beantworten sollte: „Die wollten von mir alles wissen“

Der hätte dann fast seinen Job verloren, weil er nicht mitmachen wollte.

Aber die Anwerbung reicht über die Telekommunikationsbranche hinaus. So werden unter anderem die Hotels und Gaststätten in Dänemark verpflichtet, eigene elektronische Listen anzulegen über die Anrufe, E‑Mails und Internet-Besuche ihrer Gäste. Überall sollen informelle PET-Mitarbeiter eingeschworen werden. Sogar Campingplatz-Betreiber werden nicht ausgespart.

Lesenswerter Artikel. Mir war nicht klar, dass die netten Dänen schon so stasifiziert sind (dieses Wort benutzt die Berliner Zeitung hier).

Über die Autor:innen

  • Ralf Bendrath

    Ralf ist seit Jahren in Zusammenhängen wie DigiGes, EDRi, AK Vorrat, AK Zensur aktiv. 2011 wurde er in den Beirat von Privacy International berufen. Nach einer soliden Grundausbildung als Nerd am Commodore C-64 und dem Studium der Politikwissenschaft in Bremen und Berlin hat er zehn Jahre lang zu Datenschutz, Internet-Governance und Cyber-Sicherheit geforscht, u.a. in Berlin, Bremen, Washington und New York City. Von 2002 bis 2005 hat er für die Heinrich-Böll-Stiftung den Weltgipfel Informationsgesellschaft begleitet. Im Hauptberuf arbeitet er seit Sommer 2009 für den Abgeordneten Jan Philipp Albrecht im Europäischen Parlament, ebenfalls zu Themen der Internetfreiheit und der digitalen Bürgerrechte. Wenn er Zeit findet, bloggt er hier auf deutsch oder auf englisch auf http://bendrath.blogspot.com. Häufiger twittert er als @bendrath.


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5 Kommentare zu „Dänischer Geheimdienst rekrutiert Private für Auswertung der Vorratsdaten“


  1. […] Gefunden habe ich das bei einer Meldung über den dänischen Geheimdienst, die inzwischen Privatpersonen für die Auswertung der angefallenen Verbindungsdaten heranzieht. […]


  2. […] Links 33 Kommerzielle Software kopieren? Das weiße Haus, die CIA und die Folter… Netzwerk der Angst Gutachter bezweifeln Durchführbarkeit von heimlichen Online-Durchsuchungen Absolute Suchgefahr Bundesregierung: BKA setzt Handies nicht als Abhörwanzen ein US-Heimatschutzministerium löst Spamflut aus Dänischer Geheimdienst rekrutiert Private für Auswertung der Vorratsdaten […]


  3. marcus

    ,

    ha! ha! – die stasi war ja ’n kindergartenverin dagegen.


  4. DieselMeister

    ,

    Na nicht ganz!!! Die möglichkeiten der Stasi wg. fehlender Computertechnik waren begrenzt. Aber auch dort wurden Privatleute gezwungen für die Stasi zu arbeiten … Einige haben es auch freiwillig gemacht …

    Mal abwareten wann Don Schäuble die ersten Firmen rekrutiert ;)

    Gruß
    DM

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