TrugbildEine Frage der Qualität

Der Einsatz sogenannter künstlicher Intelligenz im Kreativbereich ist schambehaftet und wird in der Regel argwöhnisch beäugt. Dabei zählt am Ende die Qualität eines Werkes – und die müssen wir erst einmal erkennen.

  • Vincent Först
Hephaistos, Gott des Feuers, der Schmiedekunst und der Vulkane, und Athene, Göttin der Weisheit und der Künste, bei der Geburt von Erichthonios. – Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com: The New York Public Library

Kaum jemand entkommt den Heilsversprechen oder auch apokalyptischen Prophezeiungen rund um sogenannte künstliche Intelligenz. Sie gilt wahlweise als Booster für Wirtschaft und Forschung oder als Killer für Klima und Kultur. Bislang bewegt sie vor allem die Portfolios von Aktienanlegern.

Als jüngst ein betagter Journalist ganze Texte mit einer KI generieren ließ, war die Empörung groß. Sofort mahnten besorgte Kollegen: Die KI nehme uns das Denken ab. Denken sei aber gesund. Ergo verdumme uns die KI – wir sterben früher! Teilnehmer eines Workshops für kreatives Schreiben beichteten, dass sie heimlich KI für eine Schreibaufgabe nutzten. „Manche gestanden es tränenreich und sogar voller Selbstekel“, heißt es. Andere Medienmacher ergriffen die Gelegenheit beim Schopfe, um sich und ihre Arbeit heiligzusprechen: Das eigene Unternehmen solle „ein Fest für Menschen von Menschen“ bleiben.

Auch im künstlerisch-kreativen Bekanntenkreis rümpft man standardmäßig die Nase, wenn es um das Thema KI geht. Auf Nachfrage stellt sich aber doch heraus, dass die meisten in der einen oder anderen Form mit Chatbots arbeiten. Die Musikerin holt sich Inspiration für ihre Songs, der Autor für seine Texte. Und für Verwaltungsaufgaben geht es oftmals gar nicht mehr ohne: Der Start-up-Gründer rechnet seine Excel-Tabellen „mit Chat“ durch. Und der befreundete Software-Entwickler nutzt täglich Claude.

Die Frage sollte deshalb längst nicht mehr „Warum KI?“, sondern „Wie KI?“ lauten. Denn am Ende zählen doch bekanntermaßen Qualität und Aussagekraft eines Werkes sowie der ökonomische Nutzen für den Anwender.

Alles nur geklaut

In der Kulturkritik ist der größte Vorwurf an die KI ihre fehlende Originalität. Denn alles, was ein Chatbot produziert, sei ja nur geklaut. Das stimmt gewissermaßen. Aber genau genommen gab es Billigware, Ideenklau, Propaganda und Schwindeleien auch schon lange zuvor, mit und ohne Computerunterstützung.

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So ist die meistverkaufte 12-Inch-Single aller Zeiten und einer der prägendsten Songs der 80er auch „geklaut“: „Blue Monday“ von New Order. Die Band hatte das Lied aus vielen kleinen Soundschnipseln anderer Musiker zusammengebaut, wie der YouTuber „Creating Music and Sound“ in einem Video hervorragend erklärt. New Order nutzte dafür sogar ein Sample von Kraftwerk.

Auch der deutsche Produzent Moses Pelham hat Kraftwerk gesampelt. Pelham schnitt zwei Sekunden aus Kraftwerks „Metall auf Metall“ und legte sie als Dauerschleife unter „Nur mir“, produziert für die Rapperin Sabrina Setlur. Kraftwerk klagte. Seit 1999 streiten die Kontrahenten vor Gericht. Abseits einer rechtlichen Beurteilung zeigt die unterschiedliche Verwendung der beiden Kraftwerk-Stücke, dass es auf die Idee hinter dem Sampling ankommt.

Mehr als die Summe aller Teile

Pelhams Sampling erfüllt keine wirkliche Funktion, in „Nur mir“ erscheint es wahllos und austauschbar. Anders ist das bei New Order und „Blue Monday“. Die vielen verschiedenen, genial zusammengesetzten Elemente werden in der Summe zu einer mächtigen „Wall of Sound“. Durch die besondere Idee und das handwerklich ausgezeichnete Arrangement entsteht ein gänzlich neues Werk, das über seine Einzelteile hinauswächst und bis heute fasziniert.

Eine KI schafft es dagegen nicht, eigenständig über die Summe der verfügbaren Daten hinauszugehen. Für diesen letzten und essenziellen Schritt braucht es den ideenreichen Anwender. Gerade deshalb sind Wertschätzung für Qualität und der Blick auf den Kontext von Inhalten in einer von Massenproduktion bestimmten Zeit so wichtig.

Die Entwicklung von Geschmack und Medienkompetenz wird damit zum wichtigen Mittel im kulturellen und politischen Umgang mit einer zunehmend vermüllten Welt. Zugegeben eine äußerst schwierige Aufgabe in Zeiten der Dauerablenkung. Dabei sind die qualitativen Unterschiede von KI-Content gewaltig.

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Der entscheidende Unterschied

Einerseits begeistern viele Content Creator wie „Gossipgoblin“ oder „Demonflyingfox“ sowie der Künstler Jon Rafman rasant wachsende Fan-Gemeinden mit durchdachten und unterhaltsamen KI-Inhalten. Andererseits fluten banale Aktivisten, Propagandisten und Meme-Macher das Netz mit KI-generiertem Schund. Zu den unzähligen Negativbeispielen gehören menschenverachtende Videos von Donald Trump und die „Musik“ des rechtsradikalen KI-Avatars Danny Bones, dessen Macher die erfundene Figur als Dreckschleuder für ihre politischen Parolen benutzen.

Ob politische Hetzer oder feinsinnige Künstler – sie alle nutzen dabei dieselben Werkzeuge. Hinter den einen Inhalten stecken betrügerische Geschäftsinteressen und hinterhältige Propaganda, hinter den anderen der Wille, Mitmenschen nachhaltig zu bewegen und zu inspirieren. Die Werte von Produzenten und Konsumenten machen schließlich den entscheidenden Unterschied.

Handarbeit bleibt Handarbeit

Vor knapp einhundert Jahren verteilten der Deutsche Musiker-Verband und die Internationale Artisten-Loge ein Flugblatt gegen den Tonfilm. „Tonfilm ist Kitsch“, stand in dicken schwarzen Buchstaben darauf. „100% Tonfilm = 100% Verflachung.“ Die neue Technik sei „wirtschaftlicher und geistiger Mord“. Wer Kunst und Künstler liebe, lehne den Tonfilm ab. Hinter dem Flugblatt standen die Kinomusiker – sie begleiteten damals Stummfilme live im Saal. Durch den Tonfilm verloren sie ihre Arbeit und das Kino seinen ursprünglichen Charakter.

Die Kritik am Tonfilm scheint heutzutage seltsam abstrakt, auch wenn seitdem tatsächlich eine gewisse Verflachung des Kinos eintrat und das Aussterben der Live-Musiker in den Sälen tragisch ist. Der Fortschritt durch neue Technologien hat immer einen hohen Preis. Dennoch entsteht neben der Massenware der zeitgenössischen Unterhaltungsindustrie bis heute sehr viel Schönes auf den Bildschirmen.

Die KI nimmt uns geradezu in die Pflicht, unsere Sinne zu schärfen und ganz genau hinzusehen, um am Ende die Qualität eines Werkes besser wertschätzen zu können. Gute Handarbeit, auch mit Unterstützung einer Maschine, bleibt gute Handarbeit.

Über die Autor:innen

  • Vincent Först

    Vincent arbeitet als Redakteur und Autor. An der Universität der Künste lehrt er Texttheorie- und Textgestaltung. Wenn er nicht gerade an seinem Schreibtisch sitzt, organisiert er Kulturveranstaltungen in Berlin.

    Kontakt: Instagram, Mastodon, Bluesky

    Foto: privat


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12 Kommentare zu „Eine Frage der Qualität“


  1. Horst Kinski

    ,

    Mit KI kann ich auch als Bürgergeld Empfänger bald Filme produzieren. Eine Vorstellung die bis vor kurzem absolut undenkbar war.

    Ein Privileg das vorher großen Hollywood Konzernen, TV Produzenten und akademischen Eliten vorbehalten war. Das wird nun durch KI demokratisiert.

    Für die alten Eliten bedeutet das natürlich einen Status und Einkommensverlust. Für alle anderen eröffnet es Chancen.


    1. Anonym

      ,

      „Mit KI kann ich auch als Bürgergeld Empfänger bald Filme produzieren.“

      Zum einen werden Sie das als Bürgergeldempfänger nicht mal ansatzweise bezahlen koennen.

      Zum anderen koennen Sie bereits jetzt mit einfachen Mitteln tolle Filme drehen, wenn Sie Ideen haben. Zum Beispiel mit Lego und stop motion. Es scheitert idR nicht an den technischen Moeglichkeiten…


      1. Anonym

        ,

        Naja, ok. Ich kann Strichmännchencomputerspiele bauen, vielleicht. Die komplette KI-Generierung will ich auch nicht, ich will Open-Source-Werkzeuge, mittels derer ich zwischen den Welten übersetzen kann. Also die mir verfügbaren Assets einfach so benutzen helfen, dass ich nicht dauernd mit einem ganzen Handwerksbetrieb am Bein durch den Sumpf muss, um einen Pappaufsteller zu realisieren (nur leicht übertrieben). Eine Kreativitätsexplosion käme entsprechend, wenn Import deiner Sachen in eine Engine so einfach wäre, Animation aus Posen heraus umsetzen zu können, Analogiewerkzeuge aller Art, Korrekturgeschichten, LODs und Vereinfachungen automatisch, aber anpassbar. Im Moment is so viel Brainfuck, oder du kaufst das Toolset von Fettigel Nr. 12. Für alles gibt es im Prinzip Algorithmen und kommerzielle Produkte bzw. Toolchains aus Produkten, aber das ist zivilisatorisch noch kein Zustand. Den Sprung auf die komplette Generierung (jetzt) halte ich allgemein erst mal auch für Mumpitz. Das ist perspektivisch etwas für die Bar auf dem Holodeck, oder für Computerspiele, die z.B. aus rundenbasierten Interaktionsszenen cinematische Kurzfilme generieren (z.B. serverseitig, nach dem Spiel), letztlich für textgetriebene Echtzeitgeschichten. Da würde ich sagen: geht nicht viel anders :p. So jedoch droht die billige Kopie, mehr noch, als von Qualität erschlagen zu werden.


    2. QuietBoy

      ,

      Dem halte ich entgegen, dass das Internet, speziell „Web 2.0“, als Demokratisierung des Wissens gefeiert wurde.
      Das Ergebnis sehen wir heute.

      Außerdem haben die Mitwirkenden an Filmen jahrelange Ausbildung genossen und Erfahrung gesammelt. Die Illusion, das mit KI-generierten Inhalten ersetzen zu können, führt, fürchte ich, zum gleichen Ergebnis wie die Demokratisierung des Wissens: billiger Mist für anspruchslose und leichtgläubige Menschen.

      Oder anders gesagt: Mich würde es wundern, wenn es anders kommt.


      1. Anonym

        ,

        Zitat QuietBoy: „Dem halte ich entgegen, dass das Internet, speziell „Web 2.0“, als Demokratisierung des Wissens gefeiert wurde.
        Das Ergebnis sehen wir heute.“

        Die üble Entwicklung des Internets bekommen alle zu spüren. Ich möchte allerdings dem Narrativ von der „Demokratisierung des Internets“ energisch widersprechen. Das Internet wird beherrscht von mächtigen Akteuren, im Widerstreit ihrer vorwiegend kommerziellen Interessen, entlang etablierter technischer Standards. Da läuft NICHTS demokratisch.

        Und völlig daneben ist es, von „Demokratisierung des Wissens“ zu sprechen, denn das wäre eine andere „Baustelle“, welche die Freiheit von Forschung und Lehre auf populistische Weise angreift. Das wäre ein Angriff auf unsere Freiheit insgesamt.

        Falls Du beim Schreiben an Wikipedia gedacht haben solltest, dann wäre auch dort festzustellen, dass es dort NIEMALS „demokratisch“ zuging.

        Nach meiner Wahrnehmung ist es so, dass kommerzielle Plattform-Akteure ihren Nutzern erlauben sich dort so lange hemmungslos auszutoben, bis es ihren eigenen Interessen zuwiderläuft. Dann werden die Nutzer ganz schnell vor die Tür gesetzt und mit einem digitalen Hausverbot belegt. Demokratisch ist auch das nicht, und wird es selbst im Fediverse nie werden.


      2. Anonym

        ,

        Als Arbeiterkind der 70er, das viel Zeit in der Stadtbibliothek verbrachte und viele Stunden mit der Enzyklopädie des Lehrerehepaares, bei dem meine Mutter putzte: der Internet ist eine unglaublich tolle Bibliothek und Treffpunkt, eine grosse Bereicherung mit extrem niedriger Eintrittsschwelle.

        Web 2.0 war uebrigens eher ein Abstieg in dieser Perspektive, weil es die Monopolisierung der Plattformen durch Grosskonzerne beinhaltete.


    3. Vincent

      ,

      Schöner Gedanke. Es muss vielleicht gar kein Blockbuster sein.

      Im Grunde reicht es ja schon, dass KI die Einarbeitung in bewährte digitale Werkzeuge wie Photoshop, Ableton oder DaVinci Resolve erleichtert. Wer einmal verzweifelt nach einer versteckten Funktion in einem der genannten Programme gesucht hat, kann das vielleicht nachvollziehen.


  2. Anonym

    ,

    Was bei „früher gab es Plagiate“ übersehen wird, ist u.a. die Ausbreitungsgeschwindigkeit. Damals malte man eben sowieso etwas neues, das Alte brachte (direkt) kein Geld mehr, und der Maler oder Komponist im anderen Land hatte auch nur begrenzte Resourcen. Wir reden potentiell über die Auslöschung von Stilen, Möglichkeiten, etc. Kunsthandwerk ist ein wichtiger Bereich, wenn es darum geht, auf der Basis wiederum zu schaffen. Beispiel Computerspiele. Die Geschwindigkeit und Reichweite des Markets haben bereits das ihrige getan, das soll jetzt mit KI irgendwie kreativer werden? Nein (allgemein). Es wird bestenfalls leichter, schneller und billiger zu produzieren. Leider geht damit folgendes einher: Zwang. Oder in „FDP-Sprech“: Möglichkeiten. Also die eine Möglichkeit im Kontext, das Handtuch zu werfen. Es sei denn, der verbleibende Markt wäre so viel größer als die Nachfrage, was man aufgrund bereits zuvor eher purzelnder Preise im Digitalen, anzweifeln sollte. Ach ja, ich meinte vor allem im Digitalen. Also quasi wie auf Papier :).

    Das kann durchaus Menschen befähigen zu schaffen, wofür sie sonst andere Menschen gebraucht hätten. Kreativität ist so eine Sache. Man könnte es Masturbation insofern nennen, als dass im Zeitalter direkter weltweiter Kommunikation, Leute die neue Technologie zunächst im stillen Kämmerlein ausprobieren, und entsprechend von der Zahl der Möglichkeiten „unendlich, sicherlich“, überwältigt sind. In der Realität sind die Ergebnisse der Ergebnismaschinen nicht derart divers. Dennoch ermöglichen die Maschinen altes/neues/anderen.


  3. anonymer KI-Nutzer

    ,

    Sehe ich genauso. Das Problem sind nicht die Werkzeuge, sondern wie man damit umgeht.


    1. Also Daten Wurst?

      ,

      Das sehe ich insofern anders, als dass „man“ z.B. nicht mit Atomwaffen umgehen kann. Ich natürlich schon, aber nicht irgendwer mit irgendwelchen Motivationen.

      Die Existenz kann bereits zerstören, der Umgang muss gegebenenfalls erzwungen werden, da das keine persönliche Entscheidung sein kann.

      Ein Modell ist Kannibalisierung:
      1. Eine KI verdrängt, womit sie trainiert wird.
      2. KI ist nicht wirklich in der Lage, die Lücke zu füllen.
      3. Die Fähigkeit geht verloren, die KI wird letztlich nutzlos.
      4. Damage done.

      Regulieren reicht nicht, wenn Märkte offen sind. Das ist nicht wirklich ein Widerspruch dazu, sich zu überlegen, wie man mit einem Werkzeug umgehen will. Doch wird KI mit der Atombombe verglichen, „schlimmer als die industrielle Revolution“. Das Potential ist: fast alle sterben wütend und arm, gegängelt und gehetzt, entrechtet und einsam. Später ist dann Star Trek, aber womöglich erst wenn sich die Fürsten dieser und der nächsten Zeit erledigt haben. Zuzüglich der ein bis zwei Jahrhunderte, die die dann eigenständige Super-KI braucht, um den Kram zu erforschen und zu bauen.

      Was „Diebstahl betrifft“: Doch. Die Beißer der Konzerne haben es doch schon versucht. Fair use für alles öffentlich einsehbare – Blitzkrieg, der bisherige Kampf ging um die Daten, während man uns erzählt was „die KI“ morgen schon alles können wird. Viele dieser Systeme sind prinzipiell enzyklopädisch und können so betrieben werden. Witzig, wie man denkt, es wäre quasi schon menschliche Intelligenz, aber merken könne sich das System nichts. Also…


      1. Anonym

        ,

        „Die Beißer der Konzerne haben es doch schon versucht.“

        Wenn man (zu?) nett sein will, sagt man, dass Google das nur gebracht hat, um die Aufmerksamkeit für das Thema zu erzeugen, damit es nicht schleichend eintritt. Vielleicht?


  4. Mercooles

    ,

    Der Text macht es sich zu einfach, wenn er KI als neutrales Werkzeug behandelt, bei dem allein die Werte und das Können der Nutzer entscheiden. Die wichtigere Frage lautet: Was macht die Infrastruktur, in der diese Technik operiert, mit uns? Mit Bernard Stiegler lässt sich Technik als *Pharmakon* verstehen: nie nur Gift oder Heilmittel. Entscheidend sind Eigentum, Zugriff und die Organisation ihrer Nutzung. Plattform-KI ist kein Hammer, den man nach Gebrauch weglegt, sondern Teil einer Umgebung, die Wahrnehmung, Erinnerung und Aufmerksamkeit fortlaufend misst, sortiert und rückkoppelt – und damit Abhängigkeiten erzeugt.

    Auch der Sampling-Vergleich greift nur bedingt. Gutes Sampling beruht auf Auswahl, Montage, Kontextverschiebung und einer ästhetischen Entscheidung, die beim Hören weiterarbeitet. KI verarbeitet kulturelle Archive dagegen zunächst als statistisch verwertbare Datenbestände. Das ist nicht einfach „auch geklaut“, sondern eine andere Produktionsweise: automatisierte Rekombination im Maßstab industrieller Massenproduktion, oft ein glattes Konglomerat aus bekannten Klischees.

    Der Gegensatz lautet daher nicht: gute KI-Kunst hier, rechte KI-Propaganda dort. Beide zirkulieren in derselben Aufmerksamkeitsarchitektur, deren Geschäftsmodell Sichtbarkeit, Reaktion und Verhaltensdaten produziert. Stiegler nannte die Folge **symbolische Verelendung**: Nicht der Mangel an Content ist das Problem, sondern seine Überfülle als sofort konsumierbares Signal. Dies schwächt die Fähigkeit, Bedeutung selbst hervorzubringen. Wer sich daran gewöhnt, permanent mit Signalen versorgt zu werden, verlangt irgendwann nicht einmal mehr nach Symbolen – weil vergessen wurde, was mit ihnen verloren ging.

    Medienkompetenz und Geschmack bleiben nötig, reichen aber nicht. Nötig sind Transparenz, Urheberrechte, Vergütung, öffentliche Archive und demokratische Kontrolle über die Plattformen, die unsere kulturelle Umwelt organisieren.

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