Kultur

Katzenvideos können politisierend wirken

Wenn die Timeline auf Twitter oder Facebook überwiegend aus Katzenbildern besteht, dann nehmen Nutzer politische Inhalte nicht nur besser auf. Es steigt auch die Wahrscheinlichkeit, sich eher politisch zu engagieren, hat eine Studie ergeben.

Katze, die auf einem Holzpfosten sitzt.
Auch diese Katze kann politisieren. Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Rob Tol

Katzenfotos auf Twitter, Instagram & Co. sind gar nicht mal so unpolitisch, wie man meinen würde. Dominieren solche Inhalte die eigene Timeline in einem sozialen Netzwerk, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, einen trotzdem durchgerutschten politischen Inhalt besser im Gedächtnis zu behalten. In weiterer Folge könnte zudem das politische Wissen sowie die zivilgesellschaftliche Teilnahme steigen, ergab eine Anfang des Jahres veröffentlichte Studie.

Die Kommunikationswissenschaftler Raffael Heiss und Jörg Matthes beschäftigen sich in der 2017 durchgeführten Untersuchung mit der Frage, inwiefern die Einbettung politischer Nachrichten in humorvolle Beiträgen die Aufnahme der politischen Nachrichten beeinflusst.

Inhaltliche Abwechslung entscheidend

Soziale Netzwerke werden für Nutzer*innen vermehrt zu einer wichtigen Quelle politischer Informationen. Weil diese Nachrichten oft nur einen Teil der Posts auf Timelines ausmachen, untersuchten die Wissenschaftler die Folgen der inhaltlichen Abwechslung auf der Timeline für die kognitive Verarbeitung der politischen Informationen.

Die Studie basiert auf der früheren Erkenntnis, dass der Konsum von Nachrichten einen Einfluss auf politisches Wissen und politische Teilnahme beziehungsweise den Wunsch, sich politisch zu engagieren, haben kann. In Experimenten wurde eine Gruppe von Testpersonen gebeten, sich Timelines mit humorvollen Kurzvideos, inklusive der genannten Katzenvideos, Memes und eingestreuten politischen Nachrichten anzuschauen. Eine Kontrollgruppe sah sich die gleichen politischen Beiträge an, allerdings eingebettet in sachliche Posts.

Erkenntnis trifft nicht auf alle Nutzer*innen zu

Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass politische Nachrichten, die zwischen lustigen Beiträgen gelesen wurden, kognitiv besser verarbeitet wurden und dass sich die verbesserte Verarbeitung positiv auf den Wunsch auswirkt, sich politisch zu engagieren.

Eine mögliche Erklärung für den politisierenden Effekt, über den der Tagesspiegel zuerst berichtet hatte, kommt aus Untersuchungen über die Wirkung von Werbung. Die Untersuchungen legen nahe, dass Humor die Aufmerksamkeit auf Informationen richten kann, die sonst nicht wahrgenommen werden. Das bedeutet in diesem Fall, dass lustige Katzenvideos nur politisieren, wenn Nutzer*innen hauptsächlich zur Unterhaltung durch ihre Timeline scrollen und die politischen Nachrichten nur beiläufig erscheinen.

Eine Ergänzung
  1. Aus der Zusammenfassung der Studie lese ich heraus: Die lustigen Katzen bringen nur solche Leute zum Nachdenken oder gar zum Demonstrieren, die politische Nachrichten nur selten in sozialen Medien lesen. Die anderen werden eher negativ beeinflusst. Oder sollte ich den „abstract“ völlig falsch verstanden haben?

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