Nutzerrechte

„Fair Crowd Work“ bewertet Plattformen aus Arbeitnehmersicht

Für Crowdworking-Beschäftigte gehört es zum Alltag von Plattform und Kunden mit „Sternchen“ für ihre Arbeitsqualität bewertet zu werden. Gewerkschaften aus Deutschland, Österreich und Schweden drehen mit faircrowd.work jetzt den Spieß um und bewerten ihrerseits diese Plattformen.

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Bereits seit längerem beschäftigen sich die Gewerkschaften IG Metall, die österreichische Arbeiterkammer und die schwedische Unionen mit dem Thema Crowd- und Clickwork aus gewerkschaftlicher Sicht. Ende 2016 veröffentlichten sie dazu die gemeinsame „Frankfurter Erklärung zu plattformbasierter Arbeit“, die von digitalen Arbeitsvermittlern unter anderem Koalitionsfreiheit, Mindestlöhne und Transparenz einfordert.


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Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen und gleichzeitig Nutzerinnen und Nutzern der Plattformen Orientierung zu bieten, wurde heute in einem nächsten Schritt das Portal faircrowd.work präsentiert. Darauf finden sich nicht nur Beratungsangebote und (arbeits-)rechtliche Informationen, sondern es werden auch einzelne Plattformen konkret aus Arbeitnehmersicht bewertet. Die detaillierten Plattformprofile von Anbietern wie Amazon oder Clickworker beinhalten drei Elemente:

  • Hintergrundinformationen aus öffentlich zugänglichen Informationen (z. B. Webseite der Plattformen)
  • Bewertungen auf der Basis einer Befragung von 256 verifizierten Plattform-Beschäftigten auf sieben Plattformen.
  • Eine Bewertung zur Fairness der AGBs der Plattform.

Sternchen-Bewertung auf Plattform-Profilen

Besonders charmant ist aber die grafische Bewertung der Plattformen mit Sternchen sowie Daumen-nach-oben/unten-Piktogrammen (siehe Screenshot). Auf diese Weise wird der Spieß umgedreht und die Plattformen werden genau jener quantifizierten Evaluationslogik unterworfen, mit denen sich üblicherweise die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf ihren Plattformen konfrontiert sehen.

Plattformprofile auf faircrowd.work (Screenshot)

Wie in der Beschreibung der Methodik erläutert wird, deckte die Befragung der Plattformbeschäftigten Themenbereiche wie Bezahlung und Erlebnisse von Nichtzahlung, Kommunikation mit Kunden, Plattform-Betreibern und anderen Beschäftigten sowie die Bewertungs- und Evaluationspraktiken ab. Die Stern-Bewertung der Stundenlöhne wiederum erfolgt auf Basis des Medianwerts der Stundenlöhne, wobei bewusst die Bezahlungsbewertung höher in die Gesamtbewertung einfließt als die übrigen Kriterien.

Noch sind nicht alle Plattformprofile vollständig. Um auch mittelfristig eine sinnvolle Orientierungshilfe für potentielle Plattformnutzerinnen und – nutzer liefern zu können, dürfte aber ohnehin eine laufende Aktualisierung erforderlich sein.

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