Technologie

„Cyberclown“: Weitere Kritik am designierten BSI-Präsidenten Arne Schönbohm

Der unter Kompetenzmangel- und Lobbyismusverdacht stehende Personalvorschlag zur geplanten Neubesetzung des BSI-Präsidenten (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik), Arne Schönbohm, ruft weiter Kritik hervor. Durch eine Stellungnahme zur Diskussion um die Leitung des BSI (pdf), die heute veröffentlicht wurde, gerät der Wunschkandidat des Innenministeriums erneut unter Druck.

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Arne Schönbohm im Interview mit N24.
Bild: Screenshot.

In der Welt wird heute ebenfalls Kritik laut. Statt „Cyberclown“ zieht man hier die Bezeichnung „Pundit“ für Schönbohm heran, der Spezialexperte im Fernsehen. Auch gegenüber der „Welt“ gibt sich der designierte Präsident zugeknöpft und möchte zu seinen wirtschaftlichen Kontakten, Interessen und möglichen Ermittlungen nichts sagen:

Zu seiner Zeit bei dem Unternehmen schweigt Schönbohm. Eine Anfrage der „Welt“, ob auch gegen ihn ermittelt wurde, ließ er unbeantwortet. Auch den übrigen Kritikpunkten wollte er vor seiner Ernennung öffentlich nicht entgegentreten.

Es gab bereits parlamentarische schriftliche Anfragen, nach welchen Kriterien die Auswahl eigentlich erfolgt sei und welche Gespräche im Vorfeld der Besetzung stattgefunden hätten. Die Antworten ergaben aber wenig Erhellendes. Auch ein Termin für die Befassung des Kabinetts fehlt noch immer, die aber erfolgen muss, denn das Bundeskabinett muss zustimmen. Eigentlich sollte der neue BSI-Präsident bereits am 2. Februar 2016 seine Tätigkeit beginnen.

Ob er dazu fachlich in der Lage ist, daran bestehen erhebliche Zweifel. In der heutigen Stellungnahme des Netzwerk Datenschutzexpertise wird aber nicht nur seine mangelnde Qualifikation, sondern auch seine Militär- und Rüstungsnähe kritisiert:

Mit Schönbohm soll erstmalig ein Betriebswirt an der Spitze des BSI stehen. Der Sohn des CDU-Innenpolitikers und Generalleutnants a. D. Jörg Schönbohm begann seine Karriere als Manager in der Verteidigungssparte zuerst von Daimler, danach bei EADS. Nach eigenen Angaben ist er weiterhin Mitglied im „Förderkreis Heer“, einem Lobbyverband der Rüstungswirtschaft, und in der „Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik“, in dem sich Rüstungsfirmen und Abgeordnete vernetzen.

In der Stellungnahme findet sich der treffende Satz:

Die Präsidenten des BSI waren bislang ein Abbild der politischen und inhaltlichen Schwerpunktsetzung des BSI.

Möglicherweise ist es gar kein Zufall, dass ein als „Cyberclown“ verspotteter rüstungsnaher Betriebswirt den Chefposten bekommen soll.

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13 Kommentare
  1. Möglicherweise ist es gar kein Zufall, dass ein als „Cyberclown“ verspotteter rüstungsnaher Betriebswirt den Chefposten bekommen soll.

    Natürlich ist das kein Zufall, sondern ein strategischer Schachzug. Dabei ist es auch nicht klug, diese Personalie mit „Cyberclown“ ins Lächerliche zu ziehen. Wer zuletzt lacht, lacht bekanntlich am besten.

    Denkt mal in die Richtung, welchen Zweck Herr Schönbohm auf seinem neuen Posten erfüllen soll, und warum gerade er dafür geeigneter ist (nicht aus Eurer Sicht) als andere. Und wenn Ihr nicht sofort eine gute Antwort findet, dann fangt doch mal an, ganz klassisch den Herrn unter die Lupe zu nehmen.

    1. Dann müsstest du aber fairerweise ergänzen, dass hier nur indirekt, mit Anführungszeichen, der Begriff „Cyberclown“ verwendet wird. Insofern ist der Artikel sehr neutral geschrieben, lediglich der letzte Absatz ist ein Denkanstoß in eine bestimmte Richtung.

      Und ihm selbst ist der Begriff wohl herzlich egal. Dass er kein „Cyber-Experte“ ist, weiß er am besten selbst, aber angesichts seines Backgrounds kann das auch nicht sein Ziel sein.

      Dass mit der Personalie ausschließlich politische Interessen verfolgt werden, dürfte auch Constanze vollkommen klar sein. Deshalb ist es wichtig, dass darüber berichtet wird und öffentlicher Druck entsteht. Freiwillig geben die ihn bestimmt nicht auf.

      1. „Dann müsstest du aber fairerweise ergänzen, dass hier nur indirekt, mit Anführungszeichen, der Begriff „Cyberclown“ verwendet wird. Insofern ist der Artikel sehr neutral geschrieben, lediglich der letzte Absatz ist ein Denkanstoß in eine bestimmte Richtung.“

        Ach bitte! Das sind genau die Dinge, die euch schaden: solch unwürdige Ausflüchte. Der Artikel ist weder neutral geschrieben noch widmet sich Frau Kurz „neutral“ dem Sachverhalt. Ich zitiere den Deutschlandfunk:

        „Einen Cyberclown nennt ihn Constanze Kurz, langjährige Sprecherin des Chaos Computer Clubs.“

        Geschrieben von Falk Steiner. Dürfte dem einen oder anderen hier ja auch nicht gerade als Gegner von Netzpolitik.org bekannt sein. Hier zu finden: http://www.deutschlandfunk.de/neuer-bsi-chef-lobbyist-wird-chef-der-cyberabwehr.862.de.html?dram:article_id=342703

        Anführungszeichen als Ausrede und Rettungsanker, das ist schwach. Und in „der Szene“ auch als Wieselworte bekannt. Steht doch mal zu einer Aussage. Ja, Schönbohm ist ein Clown, in technischer Hinsicht auf jeden Fall. Er spricht in jedes Mikro, sondert nur Floskeln ab und hat keine technische Vita. Und? Ist Clown jetzt so schlimm? Tut das so weh? Ich denke nicht. Er wäre auch als Fussballprofi, Sternekoch oder Eisenbieger ein Clown, also was solls? Wir wissen alle, auch ohne Rumgewiesel, wen wir hier vor uns haben.

      2. Ich habe mich lediglich auf diesen Artikel bezogen, wo und wie sie ihn sonst nennt, darüber bin ich jetzt nicht auf dem laufenden.

        Aber auch wenn ich grundsätzlich deine Ansicht teile, so sollte doch ein gewisses Maß (kein Maas) an Seriosität gewahrt werden.

    2. Manche Positionen überdauern Regierungen und ihre möglichen Zusammensetzungen. Da ist es klug solche Positionen mit verlässlich treuen Personen zu besetzen.
      Dabei können sie ruhig (Regierungs-)Schläfer sein. doch zu einem Zeitpunkt, wenn es ernst wird, sind sie Soldaten, die ihre Aufgabe zufriedenstellend erfüllen.

      http://www.cybersicherheitsrat.de/ueber-uns/praesidium-kurzvita/

      Interessant sind die Lücken im Lebenslauf, über die geschwiegen wird. Offenbar hat Herr Schönbohm in diesen Zeiten seine Vertrauenswürdigkeit unter Beweis gestellt. Ohne eine solche wird man kaum so eine Position bei EADS geschenkt bekommen.

  2. Die genannten Einwände sind in jedem Fall berechtigt. Fraglich ist m.E. allerdings, ob ein Studienabschluss in einem nicht-technichen Fach grundsätzlich der Sachkompetenz im Bereich IT-Sicherheitheit entgegen steht.

    Wäre dem so, dann könnte man das Thema wohl nie erfolgreich in die Breite tragen. Daher denke ich, dass das ein schädliches Signal ist. Dennoch das wäre Wasser auf die Mühlen deren, die das als Gebiet für „Nerds“ abtun.

  3. Hmm, war der etwa auch noch für die transatlantische Gesellschaft tätig?
    Eventuell hat der auch noch Kontakte in OST-Deutschland?
    Abgesehen von den militärischen Hintergründen, ich dachte das Internet sein eine Spaß-Party für jeden.
    Ist das nicht so?
    Lieben Gruß SUSI

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