Datenschutz

Rüstungskonzern entwickelt Software, mit der Social-Media-Daten zusammengeführt und durchsucht werden können, für die ’nationale Sicherheit‘

Der US-Rüstungs- und Elektronikkonzern Raytheon arbeitet laut Guardian an einer umfangreichen Software zur Durchleuchtung von Internetnutzern, indem Daten von beispielsweise Facebook, Twitter and Foursquare zusammengeführt und ausgewertet werden. RIOT – Rapid Information Overlay Technology – heißt die Suchmaschine, mit deren Hilfe aus Social-Media-Daten ermittelt werden soll, ob eine Person ein Risiko für die nationale Sicherheit darstellt. Der Guardian zeigt in einem Firmenvideo von Raytheon, wie der Konzern an einem Mitarbeiter die Fähigkeiten von RIOT demonstriert. Aus dessen Foursquare Check-ins wird eine Grafik der 10 Orte erstellt, an denen er am häufigsten eincheckt und schnell lässt sich erkennen, dass er meist montags um 6:00 Uhr im Fitnessstudio ist. Wer ihn oder seinen Laptop also mal erwischen wolle, könne dann ja dort vorbeischauen, so der ‚principal investigator‘ von Raytheon, Brian Urch.

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Es gibt ebenfalls eine „Personensuche“, die Kontakte auf Twitter und anderen Plattformen in einer Netzwerkgrafik anzeigt und so Vernetzungen von Personen sichtbar macht. Bei all diesen Daten handelt es sich zwar um öffentlich einsehbare Informationen – problematisch ist allerdings die einfache Möglichkeit, verschiedene Quellen zusammenführen und auswerten lassen zu können. Vor allem, so der Jurist Ginger McCall vom Electronic Privacy Information Centre, da viele Seiten nicht deutlich kommunizieren, welche Daten für Regierungen beispielsweise einsehbar sind und welche nicht. Raytheon hingegen brüstet sich damit, dass sensible Daten nicht offengelegt werden:

„Its innovative privacy features are the most robust that we’re aware of, enabling the sharing and analysis of data without personally identifiable information [such as social security numbers, bank or other financial account information] being disclosed.“

Bisher sei RIOT nicht an Kunden verkauft worden, jedoch habe der Konzern die Software 2010 der US-Regierung und Unternehmen zu Forschungszwecken überlassen. Im Dezember veröffentlichte Raytheon ein Patent auf ein System zur Zusammenführung und Auswertung von Daten aus Social Media, Blogs und weiteren Quellen, um Personen identifizieren zu können, die eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellen. Im April wird RIOT auf einer Konferenz von US-Sicherheitsbehörden und der Industrie in der Kategorie „big data – analytics, algorithms“ gezeigt. Die US-Regierung stuft die Technologie als „EAR99“-Objekt unter den Exportrichtlinien ein, sie kann demnach „ohne Lizenz an die meisten Orte unter den meisten Umständen“ verkauft werden.

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4 Kommentare
  1. Mit dem maschinenlesbaren Ergebnis der Auswertung wird anschließend der „Fliegende Gerichtsstand“…äh… die Drohne programmiert, die das Problem ohne großen finanziellen und zeitlichen Aufwand (Fahndung, Gefangennahme, Folter, Geheimverfahren, eventuell lange, kostentreibende Haftstrafen usw) preiswert und schnell beseitigen wird.

  2. Ich würde mich ja schwer wundern, wenn solche Systeme bei den US-Diensten nicht längst im Einsatz wären. Vor ein paar Jahren bin ich auf der Suche im Bereich Ontologien bereits über das Demo-Video eines Systems für Ermittler gestolpert, dass semantische (Text-) Analyse ermöglichen sollte. Das hier wäre dagegen ja „lediglich“ ein Crawler.

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