Kultur

Dradio Wissen: Ist Adblock Plus ein Produkt der Werbeindustrie?

Gestern berichtete Nicolas über einen Artikel von Sascha Pallenberg, in dem dieser behauptet dass die beliebte Browser-Erweiterung Adblock Plus ein Produkt der Werbeindustrie sei und als Erpressungwerkzeug gegen Webseiten genutzt werde. Auch Michael Gessat nimmt sich dieses Themas in der heutigen Webschau von DRadio Wissen an: „Mafia-Verhalten im Werbenetzwerk“.


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Werbung im Internet polarisiert: Die einen sind auf sie angewiesen, die anderen entziehen sich ihr mit Werbeblockern, zum Beispiel mit Adblock Plus. Diesem Instrument wirft der Blogger Sascha Pallenberg nun aber vor, ein mafiöses Werbenetzwerk zu sein: Adblock Plus scheint eng mit Werbetreibenden zusammen zu arbeiten.

20 Kommentare
  1. Das Problem an der ganzen Sache ist doch, dass die ganzen Websiten selbst schuld sind, das viele Leute Adblocker nutzen. Denn hätten sie am Anfang nicht mit der Einblendung von Werbung übertrieben, wären Adblocker niemals beliebt geworden. Aber einige Seiten sind gierig geworden und haben an jedem nur erdenklichen Punkt versucht Werbung einzublenden, dazu noch diese nervtötenden Popups. Klar, das die Leute dann versuchen was dagegen zu unternehmen…

    Das schlimme daran ist, dass die Verwendung von Adblockern jede Seite trifft, nicht nur diese ‚Bösen Seiten‘, die damals übertrieben haben und die Leute mit irgendwelchem Mist genervt haben.

    Gut, Werbeblocker sind auch schon etwas älter und haben früher dazu gedient, die Ladezeiten von Websiten zu erhöhen. Früher, als DSL noch ein Fremdwort war später selbst die 768kBit vom ersten DSL Anschluss verdammt viel und auch schnell waren…

    1. Da muss ich als Publisher allerdings schon sagen dass du alle über einen Kamm scherst mit dem ersten Absatz. Und das ist nicht ganz korrekt so.

      Natürlich gibt es Idioten die ihre Pages endlos mit Bannern, Layern und PopUps zukleistern. Das war früher mit „Blink Blink Elementen“ ja noch viel schlimmer. Dazu hatten diese Seiten teilweise mal gar keinen Inhalt und noch weniger Nutzen. Wie du richtig schreibst waren die ersten Blocker wohl auch eher „Bandbreitensparer“.

      Jetzt ist es aber nun mal auch so dass viele „nützliche“ Seiten einfach nur existieren weil der User damit Geld verdient. Nicht nur um die Seite zu betreiben (Serverkosten) sondern einfach auf weil einige Webprojekte deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen als manch ein Besucher erwartet.

      Es ist also Schade dass ein solches „Feature“ nun auf so eine Art und Weise missbraucht wird.

      Als ich den Artikel gestern gelesen habe musste ich erst schmunzeln. Einerseits ist es ein wirklich, wirklich gut durchdachter Schachzug. Andererseits natürlich eine Megasauerei für beide Seiten: Den Betreiber und den User, beide werden verschaukelt.

      1. Ich denke nicht, daß Stefan alle über einen Kamm scheren wollte, oder dies auch tat, es dürfte sich um seine ganz persönliche, anekdotische Evidenz handeln. So wie die meine, jetzt folgende:

        Ich selbst schalte bei allen Seiten, die ich regelmäßig besuche und schätze, ganz selbstverständlich alle meine Blocker aus, etwa AdblockPlus, die »127.0.0.1« in /etc/hosts, RequestPolicy, Ghostery und NoScript. Das mache ich spätestens beim dritten, vierten und somit regelmäßigem Beusch der jeweiligen Seite, erlaube VGWort, IVW, etc.

        Allerdings, und da gibt es keinerlei wie auch immer geartete Ausnahme, doubleclick, facebook und google-analytics kommen mir grundsätzlich nicht auf meinen Möhren, und ebenso schalte ich meine Add-Ons wieder ein, wenn es blinkt, lärmt & »uffpoppt« — mit diesen abartigen, aggressiven Dingen disqualifiziert sich jede Buzzwordbingobullshitbude aka »Werbeiunternehmen« bei mir für immer. Unwiderruflich, für alle Zeiten!

        Last, but not least, wenn ich in meinem Ghostery lese, daß ein Werbeunternehmen keine privacy policy pflegt oder seine gesammelten Daten weitergibt ohne zu spezifizieren, an wen und/ oder ob anonymisiert, dann ist der Hammer ebenfalls gefallen, insofern hat es jede Bude — in meinem Fall — selbst in der Hand, ob ich mir das gefallen lasse oder nicht.

        Da halte ich es ganz so wie mit TV-Filmen und Serien, die ich aufzeichne. Die gebe ich uneingeschränkt weiter, wenn das Patent-Äquivalent (20 Jahre) abgelaufen ist, oder wenn die Privatwixer von Pro7Sat1 »Uffgepoppe« und BlingPlop einweben — damit ist deren »Aufführungs-/ Verwertungsrecht« erschöpft.

  2. Es ist keine Mafia, weil Adblock Plus seine Macht nicht durch Gewalt aufrecht erhält, sondern durch die völlig freie Wahl ihres Tools durch die Nutzer, was sie jeden Tag beenden könnten.

    1. „Aufrechterhalten“ wird Adblock Plus anscheinend durch die Finanzmittel eines Investors, der das dafür notwendige Geld mit genau den Firmen (Qualigo, Binlayer, effilinet) verdient, die Adblock Plus ja angeblich „bekämpfen“ will. Das riecht doch sehr nach Neue-Märkte-Erschliessen. Dann kann ich auch als Antivirenprogramm-Hersteller munter Trojaner verbreiten, oder?

  3. Da es ja offenbar nur um die Whitelist geht, kann ich dem Fazit in dem Beitrag nur zustimmen. Die Whitelist ist halt opt-out das wäre aber auch das einzig störende. In diesem Zusammenhang kann man auch Ghostery erwähnen, das ist ein addon um social media unfug zu blocken auch betrieben von der Werbeindustrie.
    Das ganze ist im übrigen nicht nur eine frage von werbetracker, es werden ja ständig irgendwelche obskuren Werbesites gehackt und mit drive-by downloads verseucht. Wenn nun eine website 10+ verschiedene adpartner hat ist die Wahrscheinlichkeit doch recht groß das es irgendwann knallt. Bei wetter.com passiert z.B.

    Hier noch ein Tipp für privacy/security firefox addons: Adblock Plus, Disconnect.me, HTTPs Everywhere, Flash Block, Noscript, RequestPolicy und CookieMonster. Wie immer natürlich eine Balance zwischen privacy/security und Bequemlichkeit.

  4. Äußerst auffällig finde ich, dass die Presse erst vor wenigen Wochen einen Aufruf gestartet hatte, die Leute sollten die Adblocker abschalten. Das hat wohl nicht gefruchtet. Natürlich nicht bei diesen Hofberichterstattern für Bankster und alle anderen Verbrecher! Und jetzt auf einmal diese Berichterstattung über den populärsten Adblocker … ein Schelm, wer dabei mitdenkt!

    Man kann ja nicht alle Adblocker schlecht machen, aber den, der am wirkungsvollsten ist. Für mich ist das ein sehr durchsichtiges Manöver der meinungsmanipulierenden Presse. Wie heuchlerisch die ist und wie sehr den Mächtigen verbunden, sieht man ja an der Berichterstattung über den Obama-Besuch bzw. über PRISM!

    Da ich hier selber bestimmen kann, ob ich die whitelist angeschaltet lasse oder nicht, ist der Mafia-Vorwurf natürlich haarsträubend! Würde mich nicht wundern, wenn da Geld geflossen wäre oder Versprechen für einen Redaktionsplatz gemacht wurde nach dem Motto: Jeder hat seinen Preis.

    1. sorry, Sascha Pallenberg würde sich nicht herablassen und sich für Berichte kaufen lassen. Das hat er weiß Gott nicht nötig. Außerdem gab es schon vorher etliche Berichte über Adblocker Plus. Die Verquickung ist nicht erst seit gestern vorhanden.. Andere Medien habens schon vorher angesprochen, irgendwann Anfang des Jahres kam das schon heraus.

  5. An meinem Briefkasten befindet sich ein Aufkleber: „Keine Werbung“ und alle Verteiler haben sich bitteschön daran zu halten. Dafür gibt es Gesetze. Mein Mailclient sortierte heute automatisch wieder ca 70 Spammails aus. Das ist rechtens. In meinem Browser befinden sich Erweiterungen wie NoScript, Ghostery und AdblockEdge, weil ich aufdringliche Werbung für sowas von dümmlich finde und trotzdem gibt es Webseiten die von mir verlangen, das ich sie abschalte. Nun wird mir vorgeworfen, das ich eine ganze Branche schädige.

    1. dann kann es Dir aber eines Tages passieren, dass Du vor einer Schranke stehst, denn technisch wäre es jetzt schon möglich, Adblocker außen vor zu lassen, wenn es die Betreiber so wollen. Oder auf ne Bezahlseite weiterzuleiten.. Vergiß nicht, viele Projekte haben nur Werbung als einziges Finanzierungsmittel. Und Du möchtest evtl. Vielfalt behalten und nicht nur Monopole oder?

  6. Pallenberg verkauft doch sehr jeher für jeden, der genug zahlt, seine Seele. Bei seiner Empörung über gut funktionierende Werbeblocker (denn davon handelt mehr als die Hälfte seines …Textes) kommen mir de Tränen :(

    1. gibt es fuer „jeden“ auch konkrete Namen? ;)

      P.S. 100% des Textes drehen sich um Adblock Plus, einem Gatekeeper der als Gelddruckmaschine positioniert wurde um Inhalte im Netz zu kontrollieren, blockieren und manipulieren

      1. Ein sehr grundlegendes Mißverständnis. Ich bin der Gatekeeper. Ich kontrolliere, was ich sehe. Adblock Plus ist nur mein Werkzeug.

  7. Solange das Werkzeug sicher, transparent und zuverlässig das tut, was ich von ihm erwarte, ist es mir gleichgültig, wie moralisch sich sein Entwickler sonst verhält.

    Wer vermutet, daß die „Accetable Ads“ oder die „Typo Correction“ nach monetären statt objektiven Kriterien arbeitet (wofür es keine Hinweise gibt), kann diese Funktionen einfach ausschalten.

    1. schade, dass Du dir nicht die Muehe gemacht hast und die Investoren bzw. Beteiligten zu hinterfragen.

      Aber wer:

      „Solange das Werkzeug sicher, transparent und zuverlässig das tut, was ich von ihm erwarte, ist es mir gleichgültig, wie moralisch sich sein Entwickler sonst verhält.“

      sagt, dem duerfte das ja eh egal sein. Sehr schoen ;)

    2. „Solange das Werkzeug sicher, transparent und zuverlässig das tut, was ich von ihm erwarte, ist es mir gleichgültig, wie moralisch sich sein Entwickler sonst verhält.“

      macht es das noch, nach zulassen von „einigen werbungen“?

  8. Meiner Erfahrung nach hat Adblock Plus noch keine Werbung angezeigt, welche gegen die Regeln des Erlaubten auf ihrer Whitelist stehen. Die Anschuldigungen halte ich daher für den Benutzer als Nachverlässigbar. Für den Webseitenbetreiber oder die Werbeindustrie mag das anders aussehen. Aber für die sind Adblocker eh ein Gräuel an sich.
    Das Problem ist doch einfach: Je mehr Werbende Adblock Plus zulässt, desto uninteressanter wird das Tool für die Nutzer. Wenn sie sich also an einige Größen der Werbeindustrie verkaufen und das Problem auf die Spitze treiben, wird die Konkurenz sie auffressen. Denn es ist ja nicht so, dass es keine Alternativen gäbe.

    Die Furcht vor Adblock Plus und seiner Marktmacht auf die Werbeindustrie sind also kompletter Schwachsinn. Und Angst haben nur die, welche die Frage aufgeworfen haben, auf die Adblocker die Antwort sind.

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