Kultur

Endlich: Knigge jetzt auch für Social Media

Der Deutsche Knigge-Rat hat einen Leitfaden für soziale Netzwerke herausgebracht. Der sich Adolph Freiherr Knigge verbunden fühlende Verein kämpft seit 2005 für den Erhalt der Manieren in unserer Gesellschaft – und gegen die zunehmende Bedeutungslosigkeit Knigges und des Vereins selbst.

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Jetzt also auch im Internet. Dabei legt das neu vorgestellte Werk besonderes Augenmerk auf Privatsphäre. Den „Privacy-Knigge“ gibt es als .pdf zum Aufhängen, Auswendiglernen und Nachschlagen. Hier die 7 Regeln im Schnellüberblick:

  1. Alle Sicherheitseinstellungen aktivieren
  2. Bilden Sie Freundeskreise
  3. Schützen Sie bei jedem Eintrag ihre Privatsphäre
  4. Prüfen Sie Ihre privaten Fotos
  5. Ihre Persönlichkeit verdient Schutz
  6. Achten Sie auf Vertraulichkeit
  7. Löschen Sie aktiv unerwünschte Einträge

Bereits 2010 wurden für den allgemeinen Umgang in Sozialen Netzwerken wichtige Regeln wie

  • Bleiben Sie freundlich
  • Bleiben Sie authentisch
  • Lehnen Sie unerwünschte Anfragen ab
  • Belästigen Sie ihre Kontakte nicht
  • Schließen Sie Trolle aus

aufgestellt.
Gut, dass sich da mal jemand drum gekümmert hat.

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25 Kommentare
  1. Das ist mir jetzt aber selbst als Socialmedia-Bewusst-Nichtnutzer ein bisschen zu unflexibel, wo bleibt da die Freiheit zum selbstgewählten Datenexhibitionismus? Andererseits hat der Realwelt-Knigge wohl auch nicht viel für Realweltexhibitionsmus übrig, insofern wahrscheinlich konsequent.

    Das entscheidende haben sie trotzdem vergessen, nämlich die Privatsphärevorlieben des Freundes- und Bekanntenkreises zu achten. Bekanntlich ist das ja die Hürde, an der auch das beste Datenselbstschutzkonzept scheitert.

    1. Liest man in das PDF hinein, findet sich die Beachtung anderer Personen zum Beispiel bei Punkt 4. Ich denke dennoch das müsste stärker hervorgehoben werden.

  2. Knigge:

    1. Bezeichne soziale Netzwerke als das, was sie sind, asozial
    2. Verabscheue asoziale Netzwerke dieser Art, die Gutgläubigkeit in bare Münze umsetzen
    3. Stelle generell keine privaten Fotos ins Netz und keine Namen
    4.Lerne den eigenen Rechner kennen
    5. Nenne nicht andere Leute Troll, ohne diese zu kennen
    6. Werde aktiv in Bürgerrechtsorganisationen
    7. Mache ein gutes Blog auf
    8. Spende ab und zu für die Guten
    9. Klicke hier und da mal auf Werbung von nachweislich guten Projekten
    10. Niemals die eigene Meinung verbieten lassen, durch wen auch immer

    Und zu 11: Hau jedem Admin, der Deine Meinung nur deshalb löscht, weil sie nicht seiner eigenen entspricht, richtig ein paar auf die Fresse!

    :-)

      1. Dessen Sohn aber nicht. Der sieht die ganze Sache etwas entspannter. Vater Knigge war übrigens auch ein ziemlich humorvoller Mensch. Jedenfalls hat er gar nicht gewollt, daß sein Werk (zig Mal umgeschrieben von Anderen) zum Erziehungsmachwerk verkommt. Dennoch hätte er sicher einen Knigge für das Netz rausgebracht. Aber wer hat sich damals wie heute daran gehalten? Niemand? Genau!

        Erstmal sollte man sich erinnern, daß in der Nazizeit und früheren Zeiten „gute Erziehung“ eben nicht gut war, im Nachhinein gesehen. Sondern im Gegenteil wird sie zu Einheitsbrei und zur Fessel.

        Gut ist, wenn man seine Meinung vertritt, egal, was andere Leute denken!
        Jetzt lege ich erstmal die Füße auf den Tisch und saufe mein Bier aus der Flasche.

        Prost!
        :-)

  3. Täusche ich mich, oder war Herr Knigge nicht eigentlich egalitär beseelt, als er die Benimmregeln verfasste: die Großkopferten sollten sich nicht alles leisten können und die kleinen Leute hatten kein Regelwerk, das sie an die höchsten Stände anpasste, sie quasi erhob. Man wird nicht nur hochwohlgeboren, sondern kann sich aus eigenem Antrieb benehmen.

    Wie kann man also den Stempel „Knigge“ für ein Regelwerk verwenden, das total ich-zentriert ist? Das mir keinen Respekt vor anderen bezeugen lässt oder mein Zusammenleben mit anderen Menschen erleichtert, sondern nur die Bedienungsanleitung für eine Maschine ist, die man nach kurzsichtig ersonnenen Kriterien bedienen soll?

    1. Mh…. andere Zeit? Knigge durchaus die Elite. Und den Damen in den Mantel helfen, die Tür aufhalten, nach den Damen die Treppe hinaufsteigen, vor den Damen die Treppe hinuntersteigen, die Autotür aufhalten und schließen…..ich finde den Knigge sehr akutell. Aber er wollte eben nicht das, was später andere reingemogelt und reingesponnen haben. Ich pädiere für den Mandanten Knigge auf Unschuld in jeder Hinsicht!

    2. Knigge war ein Aufklärer, ein Illuminat. Der hatte Benimmregeln nicht im Sinn. Oder Wikipedia:

      „Freiherr Adolph Franz Friedrich Ludwig Knigge (* 16. Oktober 1752 in Bredenbeck bei Hannover; † 6. Mai 1796 in Bremen) war ein deutscher Schriftsteller und Aufklärer. Bekannt wurde er vor allem durch seine Schrift Über den Umgang mit Menschen. Sein Name steht heute stellvertretend, aber irrtümlich für Benimmratgeber, die mit Knigges eher soziologisch ausgerichtetem Werk im Sinne der Aufklärung nichts gemein haben.“

      Oder zitieren wir aus dem Werk (das in Zeiten der Zensur entstand):
      „Diese Erfahrung macht den frechen Halbgelehrten so dreist, über Dinge zu entscheiden, wovon er nicht früher als eine Stunde vorher das erste Wort gelesen oder gehört hat, aber so zu entscheiden, daß selbst der anwesende bescheidene Literator es nicht wagt, zu widersprechen, noch Fragen zu tun, die des Schwätzers Fahrzeug aufs Trockene werfen könnten.

      Diese Erfahrung ist es, durch welche der empordringende Dummkopf sich zu den ersten Stellen im Staat hinaufarbeitet, die verdienstvollsten Männer zu Boden tritt und niemand findet, der ihn in seine Schranken zurückwiese.

      Sie ist es, durch welche sich die unbrauchbarsten, schiefsten Genies, Menschen ohne Talent und Kenntnisse, Plusmacher und Windbeutel bei den Großen der Erde unentbehrlich zu machen verstehen.

      Sie ist es, die größtenteils den Ruf von Gelehrten, Musikern und Malern bestimmt.“

  4. @Esch-Schifia
    Erstellt am 2. Januar 2012 um 19:14 | Permanent-Link
    Ach so “richtig ein paar auf die Fresse” ist Humor, na dann …

    Ok, habe das Eierabreißen und verbrennen noch vergessen. Sorry.

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