Nachdem Fefe und Frank mit großem Geschrei die die Selbstdemontage von Julian und Daniel ausgerufen haben, und damit die Schiene manifestierten, für die der allgemeine Pressechor gerade erst die Weichen legte (die dpa nahm auf die beiden Bezug, und eröffnete die Schlammschlacht feierlich und offiziell) liest man überall nur noch, wie bedauerlich diese Selbstzerfleichung sei.
Insbesondere Daniel kriegt in der Kommentarspalte jedes Blogs die Grundgesamtheit der negativen Charaktereigenschaften zugeschrieben. Er kann im Prinzip sagen und machen was er will. Das hätte er sich aber auch vorher schon denken können, denn wie ich schon schrieb: Assange ist so unberührbar, wie sonst nur Polanski.
Wie aber kommt eine so lächerliche Sensationsmeldung wie „Assange hat meine Katze gequält“ zustande? Etwa dadurch, dass Daniel sich ans Boulevard wendet, sich die Geschichte womöglich ausgedacht hat, Julian jetzt „endlich fertig machen will“? Mit der Tierqüaler-Nummer? Ich BITTE euch!
Ist es nicht wahrscheinlicher, dass in seinem Buch in 3–4 Sätzen eine Anekdote erwähnt wird, die sich die Journaille dann rauspickt und einen Aufmacher daraus macht?
Sehr selten fordert eine Person die andere zum Medialen Schlamm-Duell heraus. In der Regel wird die Schlammschlacht von den Medien selbst lanciert, ausgewertet, und dann, wenn alle Beteiligten dort sind, wo man sie haben möchte, als erbärmlich angeprangert.
Die öffentliche Diskussion findet anhand der Schlagzeilen statt, die der Öffentlichkeit von den Medien zum Fraß vorgeworfen werden. Kaum jemand hat bisher das Buch gelesen, aber weiter als „Das muss alles eine Kampagne von Daniel sein, um den Verkauf anzukurbeln“ denkt kaum jemand. Da lohnt es sich, diesen Kommentar von jemandem, der das Buch zumindest kennt mal zu berücksichtigen, bevor man sich seine Meinung BILDet.
Das Buch habe ich erst zur Hälfte gelesen, kann aber jetzt schon mit gutem Gewissen feststellen, dass DDB über seinen Ex-Kumpel JA in sehr respektvoller Weise schreibt. Das ist keine Abrechnung, sondern für mich mehr ein wunderschöner Tatsachenkrimi […] Ein schonungsloses und deswegen auch witziges gesellschaftspolitisches Psychogramm.
Das Boulevard reibt sich die Hände – endlich hat es seine Wikileaks-Story. Eine, bei der die Gemüter kochen. Und bisher machen alle mit, insbesondere die „Szene.“
Daniel sagte bei der Pressekonferenz, dass es sicherlich von Julians Seite ausgeschlossen ist, dass sie sich jemals wieder aufeinander zubewegen. Das ist schade, denn nur vereint könnten sie sich gegen die Schlammschlacht wehren, in die sie gerade getrieben werden, und bei der beide nur verlieren können.
Die Presse ist die einzige Möglichkeit menschlicher Kommunikation, die noch schlechter ist als Anwälte.
UPDATE: Besonders lesenswerte Kommentare zu diesem Artikel von Detlef Borchers (eins, zwei) und dem auch im Artikel zitierten Wolf. Beide haben nämlich das Buch schon einmal in den Händen gehalten.