…zur angeblichen Domscheit-Berg–Assange-Schlammschacht

Nachdem Fefe und Frank mit großem Geschrei die die Selbstdemontage von Julian und Daniel ausgerufen haben, und damit die Schiene manifestierten, für die der allgemeine Pressechor gerade erst die Weichen legte (die dpa nahm auf die beiden Bezug, und eröffnete die Schlammschlacht feierlich und offiziell) liest man überall nur noch, wie bedauerlich diese Selbstzerfleichung sei.


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Insbesondere Daniel kriegt in der Kommentarspalte jedes Blogs die Grundgesamtheit der negativen Charaktereigenschaften zugeschrieben. Er kann im Prinzip sagen und machen was er will. Das hätte er sich aber auch vorher schon denken können, denn wie ich schon schrieb: Assange ist so unberührbar, wie sonst nur Polanski.

Wie aber kommt eine so lächerliche Sensationsmeldung wie „Assange hat meine Katze gequält“ zustande? Etwa dadurch, dass Daniel sich ans Boulevard wendet, sich die Geschichte womöglich ausgedacht hat, Julian jetzt „endlich fertig machen will“? Mit der Tierqüaler-Nummer? Ich BITTE euch!
Ist es nicht wahrscheinlicher, dass in seinem Buch in 3-4 Sätzen eine Anekdote erwähnt wird, die sich die Journaille dann rauspickt und einen Aufmacher daraus macht?

Sehr selten fordert eine Person die andere zum Medialen Schlamm-Duell heraus. In der Regel wird die Schlammschlacht von den Medien selbst lanciert, ausgewertet, und dann, wenn alle Beteiligten dort sind, wo man sie haben möchte, als erbärmlich angeprangert.

Die öffentliche Diskussion findet anhand der Schlagzeilen statt, die der Öffentlichkeit von den Medien zum Fraß vorgeworfen werden. Kaum jemand hat bisher das Buch gelesen, aber weiter als „Das muss alles eine Kampagne von Daniel sein, um den Verkauf anzukurbeln“ denkt kaum jemand. Da lohnt es sich, diesen Kommentar von jemandem, der das Buch zumindest kennt mal zu berücksichtigen, bevor man sich seine Meinung BILDet.

Das Buch habe ich erst zur Hälfte gelesen, kann aber jetzt schon mit gutem Gewissen feststellen, dass DDB über seinen Ex-Kumpel JA in sehr respektvoller Weise schreibt. Das ist keine Abrechnung, sondern für mich mehr ein wunderschöner Tatsachenkrimi […] Ein schonungsloses und deswegen auch witziges gesellschaftspolitisches Psychogramm.

Das Boulevard reibt sich die Hände – endlich hat es seine Wikileaks-Story. Eine, bei der die Gemüter kochen. Und bisher machen alle mit, insbesondere die „Szene.“

Daniel sagte bei der Pressekonferenz, dass es sicherlich von Julians Seite ausgeschlossen ist, dass sie sich jemals wieder aufeinander zubewegen. Das ist schade, denn nur vereint könnten sie sich gegen die Schlammschlacht wehren, in die sie gerade getrieben werden, und bei der beide nur verlieren können.

Die Presse ist die einzige Möglichkeit menschlicher Kommunikation, die noch schlechter ist als Anwälte.

UPDATE: Besonders lesenswerte Kommentare zu diesem Artikel von Detlef Borchers (eins, zwei) und dem auch im Artikel zitierten Wolf. Beide haben nämlich das Buch schon einmal in den Händen gehalten.

[crossposting von Linus-Neumann.de]

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123 Kommentare
  1. Wie wäre es, wenn man einfach mal aufhört, einen Thread nach dem anderen aufzumachen, aber dann scheinheilig jallert, es sei doch langsam mal gut.

    WL ist tot.

  2. Dass bei öffentlichen Diskussionen kaum einer der beteiligten das Buch liest und trotzdem über Bücher diskutiert wird, ist leider in letzter Zeit oft zu sehen. Das war erst bei Sarrazin so, dann bei Amy Chua und nun wohl auch bei Daniel Domscheit-Berg.

    Ich habe mich bisher aus allen drei Diskussionen herausgehalten, weil ich noch nicht dazu gekommen bin, die Bücher zu lesen. Muss ich demnächst aber mal nachholen. Sarrazin werde ich vermutlich auslassen, weil das ja eher ein statistisches Buch mit vielen Grafiken sein soll. Wenn ich Zeit habe, werde ich es aber mit einem anderen Standardwerk zu Migration vergleichen.

  3. DB wird nunmmehr die Kraft und den Saft der gebündelten Justiz zu spüren bekommen.

    Mehr gibt es zu diesem Subjekt nicht zu sagen.

    Und ich hoffe, meine Kollegen legen sich richtig ins Zeug. Vernichten den Typen von A bis Z.

    Meine besten Wünsche gehen an diese!

  4. bei uns auf dem clo hängt noch die titelseite einer Bild des jahres 2001/2002:
    ATTA:
    er war eine niete im bett und misshandelte meine katze!
    jetzt redet seine letzte freundin!!
    also haben wir assange alles angehängt,was auch atta ausmachte:
    terrorist-tote-schlechter sex-katzen.

  5. Ähhhhhhmmmm – hier baust Du jetzt mit der „Journaille“ selbst einen Popanz auf. Sicher: die Katzen-Geschichte ist ein schlechter Witz – gleichzeitig gibt es jedoch sehr reale Beschuldigungen beider Seiten: Datendiebstahl auf der einen, eklatante Sicherheitslücken auf der anderen Seite – das ist keine Erfindung der Yellow-Press.

  6. @manka

    Stelle Dir vor:

    Ich bin seit Jahren mit markus in einem Boot. Wir arbeiten an diesem Projekt. Ich bin mit seiner Familie bekannt, bin in seinem Leben. Wir sind befreundet, jahrelang. Vertrauen, Freundschaft, Zuverlässigkeit.

    Dann habe ich keinen Bock mehr.

    Ich gehe aus dem Projekt. Kein Problem, aber nein, ich bin ein Arschloch.

    Ich schreibe ein Buch über Interna, verrate markus, schreibe über dessen Informanten, gebe Infos über User raus, über manka und weitere. Gebe Infos über die Familie von markus, setze ihn einem Publikum aus. Verdiene Kohle ohne Ende damit. Weil ich ja sowieso immer schon der geilste Hengst bei netzpolitik.org war.

    Wie nennst DU mich????

  7. @Primo: Das er das Buch veröffentlicht hat finde ich auch nicht schön, jedoch kein Grund ihn „von A bis Z“ vernichten zu wollen.
    Zumal es nicht so war, das er keinen Bock mehr hatte, sondern das sein Freund Julian zunehmend ein Problem mit seinem Ego bekam und in paranoider Alleinherrschermanie(r) ihm einen Tritt in den Allerwertesten versetzte.
    Das Ganze nenne ich unschönes pubertäres Gebaren von Leuten die sich zu sehr um sich selbst drehen. In meinen Augen ist Julian jedoch bei weitem der Meister dieses Fachs und Daniel erlebe ich als eher zurückhaltend.

  8. Vielleicht war es wirklich voreilig die Schlammschlacht auszurufen, aber die bei Cryptome veröffentlichten Ausschnitte hörten sich in dieser Ballung schon sehr unschön an. Auch die Behauptungen, mit denen WikiLeaks geantwortet hat und die im Widerspruch zu Aussagen von Daniel stehen, eignen sich für die Eröffnung einer unschönen Medienauseinandersetzung.

    Aber keine Sorge, ich wette irgendwann demnächst, fangen die Leute an ihre Helden nicht mehr auf ein Podest zu stellen und zu akzeptieren, dass sie auch nur fehlbare Menschen mit ihren eigenen Schwächen sind. Bin ich von überzeugt. Ganz bestimmt. Demnächst.

  9. Er wird vollständig vernichtet.

    Eine Diskussion gibt es nicht.

    Er sollte überhaupt besser verreisen, denn es sind Morddrohungen ohne Ende im Netz zu finden.

  10. Ich kann nur zustimmen. Dieser Flamewar wird gepusht. Aber in einem Punkt muss ich widersprechen. Assange ist kein Teflonmensch. Ich finde es eher erschreckend. Am Anfang war Assange als der Befreier der Unterdrueckten mit Wikileaks. Dann bekam er seitens Unternehmen und Regierungen heftigen Bash und dann stieg Domscheit-Berg aus. Trotzdem liess sich Assange nicht unterkriegen, das wird allerdings alles andere als einfach fuer ihn gewesen sein. Nun kommt Domscheit-Berg mit seinem Buch und stellt Assange als Chauvinisten und Doktator und GRoessenwahnsinnigen dar, ueberspitzt gesagt. Da ist doch klar, dass soetwas passieren muss, das schlimmste daran ist aber dass Wikileaks darunter leidet. Whistleblower brauchen einen Anlaufhafen.

  11. So langsam glaube ich, dass Linus einfach nur Freude daran hat oppositionelle Meinungen anzutreten.Anschließend kann man sich ganz wunderbar mit Wohllust im Schlamm der Kommentare zu wälzen.

  12. …bißchen schon nicht wahr? vor allem vor dem hintergrund, dass das buch [bei aller stellenweisen dürftigkeit und zugegeben zeilen- udn abschnittsweisen peinlichkeit] nicht gerade arm an durchaus relevanten details ist.

    – der fall des holocaust-leugners bei WL
    – die tatsache, dass das ein bezahlter zuarbeiter ist, wird umso kritischer wenn man bedenkt, wie lange sich WL gesträubt hatte, eine spende für den support von bradley manning zu überweisen (monate vorher aber großkotzig und laut angekündigt)
    – das abwälzen selbst von solchen spesen wie des flugtickets in den iraq (apachevideo-recherche) auf die freiwilligen mitarbeiter
    – dann sein frauenbild. sry, es ist zwar ein boulevardthema, aber vor dem hintergrund der hahnebüchenen argumentation von assange sehr wohl nicht irrelevant

    das einzige, was man vermisst ist ein detail, von dem er nciht viel wissen kann, weil das erst nach dem bruch richtig losgegangen sein dürfte: zur erinnerung. assange besteht vehement darauf, in den medien als „journalist“ bezeichnet zu werden. so und dann sucht mal schön: wieviele journis kennt ihr so, die nicht schreiben können? journis, die ghostwriter für ihre eigenen texte/artikel u.o. bücher brauchen? vom ghostwriter für die entstehende autobiographie kann daniel außer gerüchten nicht viel wissen, aber unter journalisten gilt das gerücht als bereits ziemlich fundiert. dass das bei der autobiographie nicht zum ersten mal passiert, kann man dann wieder im buch nachlesen (nanny für die reden).

    dass ein informatiker eine autorin für sein buch brauche, wundert keinen. aber mit ghostwritern auf die bezeichnung „journalist“ pochen, nachdem es erstmal mehrere redaktionen mti belegschaft gleichzeitig gebraucht hatte, um assange eine der grundregeln des jobs überhaupt zu verklickern, – nee also irgendwo passt hier was nicht, oder?

    der WL-truppe wäre echt anzuraten, über birgittas vorschlag von damals nochmal in ruhe und gründlich nachzudenken. vor allem den abschnitt mit den vertikalen strukturen, die sich jedes netzwerk raschest knicken sollte, solange es „supporter“, ehrenamtliche mitarbeiter und eben spenden, spenden, spenden will.

  13. Ich denke die Katzengeschichte passt nur ins mediale Schema so gut rein.

    Zugleich sind es ja Anekdoten, die etwas höflich beschreiben wollen, wo die NYT in ihrem Assangefeature auf eine drastische Weise den geballten Müllkübel ausschüttete.

    @1337 „…brauchen einen Anlaufhafen.“ Für solche Personen ist der Service seit mindestens einem Jahr nicht mehr geeignet und es gibt und gab vor WL bekanntlich ähnliche Dienste.

    1. Sicherlich gab es genug Dienste aber ich moechte mal kurz etwas erlaeutern. Zur Zeit wissen Wisthleblower doch gar nicht wo sie hinsollen. Wem koennen sie schon vertrauen? Ich sehe eine Gefahr darin, immer mehr Leakplattformen zu eroeffnen. Denn bald weiss keiner mehr wem er seine Daten geben soll, damit sie auch dort landen wo sie sollen. Naemlich in der Oeffentlichkeit, darum geht es doch. Und Wikileaks ist nunmal der erste Schritt gewesen, wenn man Wikileaks wieder umbauen wuerde, waere es ideal. Ideal fuer mich bedeutet eine Leakplattform deren Hintermaenner man nicht kennt, deren Quellen anonym sind und die bedingslos authentische Dokumente veroeffentlicht. Doch wie will man soetwas anstellen?

      Stell dir vor du bist Whistleblower und es kommt drauf an wie brisant dein Dokument ist, also willst du doch dass es maximale Aufmerksamkeit bekommt, dazu dient Wikileaks am besten, das macht aber dann auch andere Leakplattformen sinnlos. Man muss eben an WL noch etwas arbeiten…

  14. kann mir mal einer verraten warum DDB überhaupt ein buch über diese vorgänge schreibt?

    und das ausgerechnet jetzt veröffentlicht, wo wikileaks, assange, etc ohnehin schon bis zur unerträglichkeit medial hochgekocht ist?

    egal wie „ehrlich“ das buch geschriegben ist und wie „respektvol“ gegenüber „julian“ – DDB hat sich selbt und der SACHE, also wikileaks, openleaks und dem „leaken“ an sich, keinen guten dienst erwiesen.

  15. @wn030: Naja, Bücher schreiben und Artikel schreiben ist schon ein Unterschied. Und wenn ich mich nicht irre, hat sich Daniel doch auch schon öfter als Journalist bezeichnet.

  16. Es gibt ein zwangsläufiges Wechselspiel zwischen Schöpfung und Zerstörung, Ordnung und Chaos, Konstruktion und Destruktion. Wer sich selbst – seine unbewussten, unliebsamen Anteile – nicht sehr gut kennt, landet leicht im Urschlamm seiner archaischen Gefühle (Hybris, Neid, Rache usw.), das ist menschlich. Fehlen soziale Kompetenzen, um mit diesen enormen inneren und zwischenmenschlichen Spannungen umzugehen, wird eben der andere mit dem Schlamm beworfen, mit dem man selbst nichts zu tun haben will – und natürlich springen die Medien da sofort auf.

    Das „Böse“ ist eben nicht nur da draussen zu suchen, sondern auch und zuerst in uns.

    Für den Aufbau einer Organisation wie WikiLeaks reichen technische (Hoch)Begabungen und gute Absichten allein nicht aus. Hier bräuchte es aus meiner Sicht professionelle Organisationsentwicklung, um psychische und psychosoziale Kompetenzen mitentwickeln zu können und eine gedeihliche Kultur des Umgangs zu etablieren. Das wäre doch noch mal ein letzter Job für H.E. Richter…

  17. Ich freue mich immer, wenn Subjekte ihrer gerechten Strafe zugeführt werden.

    Und wenn es soweit ist, dann gebe ich eine Party mit allem Champus und Schnickschack, der aufzutreiben ist.

    Judas hat dreißig Silberlinge bekommen. Er schämte sich so, daß er sich selbst einen Strick genommen hat.

    In diesem Sinne.

  18. @Manka @Primo
    Hat einer von beiden eigentlich diesen Artikel gelesen und verstanden?
    Steht da irgendwas davon, ausser von fefe und Frank, die das Buch wohl auch noch nicht gelesen haben, dass Daniel Julian in die Pfanne gehauen hat. Steht da irgendwas davon, dass Daniel über Julians Familie berichtet?
    Genau, gar nichts. Der Kommentar stellt klar, dass Daniel über das Projekt spricht.

  19. DDB kann Wikileaks und Assange gerne öffentlich kritisieren, auch hart, auch umfassend, aber dass er der Öffentlichkeit dabei reihenweise extrem persönliche Dinge über Assange um die Ohren schlägt und umfassendst intere Details über die Organisation herausposaunt, ist ein riesengroßer Fehler. Ein Fehler, der eigentlich rational nicht erklärbar ist, und auf eine unreife Frustreaktion schließen lassen muss.

    DDB hat viel geleistet, und vieles was er sagt ist richtig, aber mit dem Buch und seinen damit verbundenen Presseauftritten hat er sich einfach disqualifiziert und selbst ins Off gestellt.

  20. Ich habe die Nase gestrichen voll, daß es immer TROLL heißt, wenn einem die Meinung des Gegners nicht in den Kram passt.

    Das haben die Nazis gemacht. DAS ist kein Argument!!!!!!

    Alles klar?

    1. Wie aber kommt eine so lächerliche Sensationsmeldung wie “Assange hat meine Katze gequält” zustande? Etwa dadurch, dass Daniel sich ans Boulevard wendet, sich die Geschichte womöglich ausgedacht hat, Julian jetzt “endlich fertig machen will”?

  21. @Shai Segal
    Ich würde die Lektüre des Buches empfehlen und dann selber entscheiden, ob Daniel Julian einen reinwürgen will oder die Presse das will und da den Dreck aus der Ecken Kratz und zum Misthaufen deklariert.

  22. Wenn jemand in einem Buch darüber schreibt, dass ein ehemaliger Kollege stinke und die Toilette nicht richtig herunterspüle, dann ist das also nach der Definition von Linus keine Schlammschlacht. Da frage ich mich dann ernsthaft, was dann bitte eine Schlammschlacht sein soll, und wie es so um den Realitätsbezug von Linus bestellt ist.

  23. GOTT!
    ich versteh nicht, was der ganze mist soll!
    genau DAS ist es, was die *leaks gegner und kritiker stark macht.
    warum können halbwegs inteligente leute wie assange und domberg nicht einfach aufhören und das unter vier augen ausmachen und gut?

    das zieht alle befürworter und freunde von *leaks in den dreck, und schadet nur der idee, die sie wohl beide gut finden.

  24. Ich habe das Buch gelesen (und in der FAZ besprochen) und bin erstaunt, was hier für Ansichten geäußert werden, bar jeder Kenntniss. Das Buch ist eine klassische Trauerarbeit in seiner Mischung aus Wehmut und faktischer Kritik.Es ist geprägt durch Daniels aufrichtiges Bemühen, den Menschen Assange zu verstehen, auch wenn die beiden so etwas von anders gepolt sind. Wenn Julian Assange die Größe hat, ein ähnlich aufrichtiges Buch zu schreiben, dann wäre eine dritte, aufbauende Erzählung der bunten Abenteuer dieser beiden, die drei Jahre lang alleine Wikileaks repräsentierten, die moderne Fassung von Tom Sawjer und Huckleberry Finn.

    Was sich manche Meiden aus dem Buch jetzt rauspicken zeigt mir nur, dass diese Medien überhaupt nicht verstehen wollen, was für eine spannungsgeladen Plattform Wikileaks eigentlich ist.

    Disclaimer: Ich mag das Buch, auch wenn meine eigenen Erfahrungen mit Wikileaks in dem Buch aus meiner Perspektive heraus falsch dargestellt sind. Denn jeder Mensch, der wie daniel mit so einem wichtigen, identitätsstiftenden Stück seines Lebens abschließen muss, muss solche Trauerarbeit leisten, ehe er sich neuen Aufgaben wie Openleaks widmen kann. In diesem Sinne hoffe ich für Daniel, dass er mit sich im Reinen ist. –Detlef

  25. Mal was anderes jetzt lese ich an verschiedenen Stellen Daniel sei der „Architekt“, meinem Verständnis nach ist er das nicht. Ist das jetzt mal wieder halbgare Recherchearbeit der Presse?

  26. @34 Völliger Quatsch. Daniel beschreibt die Arbeit des Architekten und dieser ist mit ihm bei Wikileaks ausgestiegen. „Architekt“ ist nach meinem Verständnis der Besitzer/Programmierer der Submission Platform.

  27. Linus‘ Artikel ist ein Meta-Beitrag, der tatsächlich einmal in dieser Form nötig ist: Es geht nämlich schon lange nicht mehr um Wikileaks, Assange, Domscheidt-Berg, sondern nur noch um die Desauvoierung des Projektes an sich. Und darüber, dass nicht nur die Massenmedien, sondern auch Personen von der Prominenz eines FeFe ihre Meinung zur Angelegenheit kund tun und das in den Mantel objektiver Berichterstattung kleiden.

    Seitens der Massenmedien habe ich nichts anderes erwartet. Zu schillernd ist die Person Assange, zu geheimnisumwoben das Projekt, zu groß die Verführung, mit einfachen Klischees die Protagonisten gegeneinander in Stellung zu bringen. Das ist schnell und billig zu generierender Content, der so verführerisch da liegt, wie ein Ball auf dem Elfmeterpunkt vor einem menschenleeren Tor.

    Was es mir persönlich aber unerträglich macht, ist, dass FeFe und Co unnötigerweise Öl ins Feuer gießen; die Flammen werden höher und vergrößern nur den Schatten der Kommentatoren. Und die Zwerge um sie herum halten dies für ein Indiz von Relevanz und Wachstum und Bedeutung und was weiß ich nicht noch alles. Dabei übersehen sie aber, dass Fefe und Co. sich einen feuchten Kehricht darum scheren, die Dinge wieder zu relativieren, sollte sich am Ende herausstellen, das alles anders war.
    Ich habe zumindest damals, als ich FeFe noch regelmäßig gelesen habe, niemals erlebt, dass eine Richtigstellung mit der selben Beflissenheit erfolgte, wie die initiale Erregung.

    Grundlegend ist mir das auch vollkommen egal, ich muss ihn ja nicht lesen. Aber nun ist die Konstellation eine andere: Hier wird Einer von Allen fertig gemacht. Und das ist nicht akzeptabel. Das haben weder Assange, noch Domscheidt-Berg verdient. Nicht dafür.

  28. DDB betont, wie wichtig das Leaken ist, und wie sehr er doch eigentlich WikiLeaks und Assange bewundert.
    Wieso hat er dann dieses Buch geschrieben?

    Jeder Mensch, der einigermassen bei Verstand ist, muss doch wissen, was „die Medien“ draus machen, erst recht ein helles Köpfchen wie DDB (keine Ironie), und dreimal erst recht jemand, der „Journalist“ sein will. Er muss die Mechanismen einfach kennen, und es kann mir keiner erzählen, dass er’s nicht tut.

    Warum also hat er dieses Buch geschrieben? Oder autorisiert, was ein Ghostwriter geschrieben hat? Schon alleine dieser unsägliche Titel gibt doch eine bestimmte Richtung vor. Wenn es ihm hauptsächlich um die Sache geht, warum die Anekdoten, die mit Wikileaks auf den ersten Blick gar nichts zu tun haben?
    Es interessiert mich auf den ersten Blick einen feuchten Dreck, dass JA seine Frauen jung und seinen Sex kondomlos mag und wieviele Kinder er hat und wie oft er damit geprahlt hat – aber die schwedischen Behörden werden’s gerne hören. Im gegenwärtigen Kontext ist das leider nicht egal.
    Ich mag Katzen nicht besonders, aber im gegenwärtigen Kontext ist es leider nicht egal, ob er DDBs Katze bleibende Schäden verschafft hat.
    All das zeichnet ein Bild von JA’s Persönlichkeit, die auf WikiLeaks durchfärbt; all das mögen Anekdoten sein, die dem Buch insgesamt durchaus nicht gerecht werden, aber was zur Hölle hat DDB denn erwartet? Es war doch abzusehen, dass genau das passieren würde!

    Wenn ihm wirklich an WikiLeaks läge (und ich meine *WikiLeaks*, nicht JA), dann hätte er geschwiegen und die Sache für Wikileaks nicht dadurch noch schwieriger gemacht, dass er die literarische Klappe aufreissen lässt. Er hätte doch auch einfach den Mund zumachen und gehen können? Und wenn er seine Software mitnehmen will, klasse, kann er ja, hat sie ja auch geschrieben, aber wieso muss er sie WikiLeaks wegnehmen?
    UND gleich noch Dokumente mitnehmen?
    UND das dann damit der mittlerweile wohl legendären Kinder-Bemerkung quittieren?

    Jedem gottverdammten Arbeitssuchenden wird eingebleut, dass er niemals NIE auch nur ein schlechtes Wort über seinen letzten Arbeitgeber verlieren darf. NIE. Das tut man einfach nicht.

    DDB hat das Buch geschrieben/ autorisiert, statt einfach still zu gehen und es besser zu machen.
    Ich hätte mich gefreut und viele andere auch – the leakier the merrier. Aber so? Nö. Sorry, aber das muss ich echt nicht haben.

    (Und übrigens bin ich kein Assange-Fangirl; ich war mal ein WikiLeaks-Fangirl, aber fürchte, Wikileaks ist wirklich tot. Lang lebe … wer auch immer.)

    (Das ist irgendwo wohl doch ein Flame geworden… :-( Sorry dafür. Es tut mir nur so leid, was da mit einem ehemals großartigen Projekt und einer so wichtigen Idee passiert, und es macht mich wütend. Man schaut den beiden zu und möchte sie mit den Köpfen aneinanderschlagen dafür, dass keiner die Kraft und/ oder die Größe hat, sich zusammenzureißen, sein Ego hinten anzustellen und aus diesem von außen so absehbaren Teufelskreis auszusteigen. Sorry.)

  29. Nachtrag @Detlev Borchers (Posts haben sich überschnitten)

    Das Buch als Trauerarbeit? Ja, valides Argument, kann ich sogar nachfühlen, mach ich auch. Gehört, verstanden, akzeptiert.
    Dann ändere ich meine Frage: Weshalb hat er es veröffentlicht?

    Wäre es ihm nur um die Trauerarbeit gegangen, hätte ich ihm (mit dem größten Respekt) ein Bett empfohlen: Warme weiche Decke über den Kopf und lostrauern.
    Und wenn er beim Schreiben besser trauern kann: Man muss nicht alles veröffentlichen, was seinem Ghostwriter so aus der Feder fließt – man kann Geschriebenes auch vernichten… Echt jetzt.

  30. @39: Bin ganz bei dir und dem was du sagst. Das Argument der Trauerarbeit ist nachvollziehbar. Das dies öffentlich geschieht eine Frage des Geldes fürchte ich.

  31. Was soll das!?
    Assange ist das eine und Domscheit-Berg das andere Prinzip, beide sind nicht vollkommen. Aber was jetzt läuft, ist Dummheit pur. Es gibt noch keine ernsthafte Alternative zu Wikileaks und schon demontiert sich der „Kopf“ (?) von Openleaks und damit auch selbiges. Schließlich muss jede(r) Whistleblower zukünftig damit rechnen, dass Herr Domscheit-Berg oder jede(r) andere Leakbetreiber(in) Interna in die Öffentlichkeit bringt.
    Glorreiche Zeiten für Whistleblower beginnen jetzt – stolze Leistung, davor verneige ich mich!
    (Mein Zynismus gehört mir.)

  32. @ 39 + 40: Auf dem 27C3 hat Daniel Domscheit-Berg die Arbeit an dem Buch erwähnt und das es ein auch finanzieller Teil des Bemühens um Openleaks ist.Hat sogar Beifall bekommen dafür. Hat also offen seine Motive genannt. Ich sehe darin nichts Schlechtes oder Ehrenrühriges, muss als Journalist freilich auch eingestehen, dass ich darüber schreibend auch von dem Aufmerksamkeitszyklus profitiere.

    Wenn sich dieses laue Geblubber über Katzen, Leberkäse und Kinder gelegt hat, werden vielleicht mal die Qualitäten der Erzählung gewürdigt. Derzeit breiten vor allem die loyalen Anhänger von Assange diesen Müll aus, um die Veröffentlichung zu diskreditieren.

    Zu meinem Vergleich mit Tom & Huck: Da brechen zwei Leute mit einem Mietwagen voller Server-Slides auf und verteilen diese innerhalb von 24 Stunden in Server-Racks von Hosting-Firmen in vier Ländern, haben überall helfende Ansprechpartner bei den Providern und schütten sich am Ende nach dem Besuch der Schweiz lachend mit Ovomaltine zu (wo Assange das meiste einfach aufisst, jaja…). Das hat schon was, das mitten in vielen Racks großer Provider Wikileaks steckte, das aber nur die Techniker wussten – und eben die beiden Floßfahrer Daniel und Julian.

    Wenn das nicht stimmen sollte (ich kann es ja nicht überprüfen), dann ist es immer noch erstklassig erzählt.

    –Detlef

  33. @Linus Neumann:
    Danke für die Klarstellung. Ich hatte auch einen anderen Eindruch als der, den einige Medien verbreiten. Wenn man sich den Mitschnitt aus der Podiumsdisskussion anhört, weißt DDB darauf hin, dass er zuerst Julian Assange direkt kritisiert hat, dann von ihm ausgeschlossen wurden, und erst nachdem DDB ihm die Chance gelassen hatte, sich zu verbessern, ist er an die Öffentlichkeit gegangen. Was DDB gemacht hat, ist also eine Bereicherung für die Allgemeinheit und alle, die sich mit Leaking/Whistleblowing außeinandersetzen.

  34. wenn man ein „enthüllungsbuch“ mit so einem reißerischen untertitel schreibt, muss man auf schlammschlacht gefasst sein, das ist das spiel auf das man sich dann einlässt.

  35. Für mich ist dass ein trauriges Ereignis.

    Die Idee, dass jeder Mensch, der es für nötig erachtet anonym Daten an eine Organisation senden kann, die verantwortungsbewußt die Daten veröffentlicht verliert hier.

    Wer, wie und warum schuld ist, mag natürlich diskussionswürdig sein aber der Schaden dieser Schlacht ist sehr groß. Gerade in diesen Tagen, in denen diese Veröffentlichung auch aufzeigt, wie engstirnig rechtsstaatliche Demokratien bei der Veröffentlichung von Botschaftsdepeschen reagieren, wird nun diese Schlacht zum Thema erhoben. Gewinner sind die Geheimniskrämer.
    Weder Herr Domscheit-Berg, noch Herr Assange, sind sich wohl bewußt, was nun aus der jahrelangen Arbeit wird. Es war noch nicht die Zeit der „Abrechnung“ mit „autarkem“ Führungsstil gekommen. Man hätte wenigstens noch abwarten können, bis die Medien zur Ruhe gekommen wären und auch journalistisch die „schlechte“ Haltung der USA zum Thema freie Meinungsäußerung ausgeschlachtet haben.

    Nun lachen die, die vergeblich versucht haben „Wikileaks“ zu Grabe zu tragen. „Wikileaks“ beerdigt sich selbst und die Idee mit sich…..

  36. Ich möchte hier mal darauf hinweisen, das der Artikel, und all die Kommentare, die diesem anhängen, nun leider einen Punkt fast gänzlich zu ignorieren scheinen. Und dies ist witzigerweise genau der Punkt, der überhaupt erst zu dem Kommentar auf fefes blog geführt hat.

    Die Daten der Whistleblower, die eine der Streitfragen zwischen JA/DDB und Wiki-/OpenLeaks ist, werden jetzt zurückgehalten, und in diesem Streit instumentalisiert.

    Bei aller Diskussion über die Form der Auseinandersetzung, und die Abbildung/Verzerrung dieser durch die Medien, das hätte nicht passieren dürfen.

    Es ist traurig, wenn ein Projekt, das eine wichtige Aufgabe ausführt, eine derartige Talfahrt (ein Ende von WL will ich jetzt nicht gleich statuieren) erlebt, vor allem für die, die Zeit, Geld und Kraft in dieses Projekt investiert haben. Aber letzten Endes kann sowas immer passieren. Hinter all dem stehen Menschen, die teilweise auch hohem Druck ausgesetzt sind. Je wichtiger den Beteiligten das Projekt ist, je mehr sie es als „ihres“ sehen, umso größer wird auch die Bereitschaft, mit allen Mitteln darum zu kämpfen (ob sie nun sinn-/geschmackvoll sind oder nicht).

    Nur sitzen gerade irgendwo ein paar Leute, die Akten, Berichte, Aufzeichnungen mit brisantem Inhalt beschafft haben, möglw. ihre Karriere, Familie oder Leben riskiert haben, wie auf heißen Kohlen. Diese Personen haben diese Daten WikiLeaks anvertraut, damit diese _veröffentlicht_ werden. Evtl. haben diese Daten ein Verfallsdatum, müssen _jetzt_ öffentlich gemacht werden, weil in einem halben Jahr oder wenn immer sich der Streit zw. JA und DDB, oder zumindest der zw. den Plattformen, gelegt hat, nicht mehr von Bedeutung sind?

    Dieses Verhalten ist für eine, und im Endeffekt für alle, Whistleblowing-Seiten schädlich. Wenn ich als Leaker nicht mehr den Dienst bekomme, der mir zugesagt wurde, Personalien hin oder her.

    Und darum ging es letztendlich auch in dem Blog, dessen Schädlichkeit dieser Artikel hier anprangert. Man muss sicher kein Freund von fefes Äusserungen sein, aber damit hatte er recht.

    Veröffentlicht die Daten, die Euch anvertraut wurden! Ob Ihr euch dann auf persönlicher Ebene zerlegt, ist völlig egal. Ob die Medien daraus eine „Schlammschlacht“ machen, oder ob es vorher schon eine war, und wer nun angefangen hat…alles nicht wichtig, Menschen sind nun mal fehlbar, ich will kein Buch von Euch über die Unzulänglichkeiten des jeweils anderen, selbstgeschieben oder nicht. Ich will mich nicht fragen müssen, wer von Euch beiden der Bessere/Schlimmere ist. Ich will keine Seite wählen müssen.

    Nur die Daten sind wichtig, die Ihr zurückhaltet, in diesem Streit, der den Whistleblowern nichts weiter einbringt, als die Angst, daß ihre Bemühungen vergebens waren, daß sie möglicherweise deswegen gar auffliegen könnten.

  37. @Detlef:

    Wie ich sehe, habe ich deinen Namen falsch buchstabiert; bitte entschuldige meine Unaufmerksamkeit.

    Ich wünsche DDB alles Geld der Welt, aber ich zweifle die Methode an, wie er es sich verschaffen möchte.

    Meine These: Er hätte wissen können und müssen, was passieren würde, dass er WikiLeaks und Whistleblowing-Plattformen beschädigen würde, und hat das Buch trotzdem veröffentlicht.

    Wenn ich DDB mal die hehrsten Motive unterstelle, die ich tief in mir finden kann, wäre das so etwas wie Geld für Openleaks zu verdienen.
    Dann lässt sich seine Entscheidung für das Buch letztenendes auf die Frage reduzieren:
    Was ist wichtiger, Openleaks oder WikiLeaks?
    (Es ist zwar verständlich, dass er sich an der Stelle für OL entscheidet.)
    Und wie weit ist er bereit dafür zu gehen, was ist er bereit, dafür hinzuhängen?
    Und ich finde, er hängt (gezielt oder nicht, keine Ahnung) JA und WikiLeaks, aber viel mehr noch die Idee des Whistleblowings und der Whistleblowing-Plattform hin.
    Ich meine damit nicht die Veröffentlichung von WikiLeaks-Interna – das nennt man … warte, ich komm gleich drauf… ;)
    Aber jetzt mal ehrlich: Deine Tom-und-Huck-Geschichte ist eine tolle Anekdote. Eine *Anekdote*. Nice to know but not essential. Sie mag menschliche Bedürfnisse befriedigen, aber wirkliche Erkenntnis-Gewinne?
    Persönliche Details wie JA’s Unwillen, Kondome zu benutzen? Ist das wichtig für DDBs Zeit bei WikiLeaks?
    Dass er seinen Frauen Intelligenz „erlaubt“?
    Entschuldige, aber ich hätte glücklich sterben können, ohne das jemals erfahren zu haben.
    Da überschreitet DDB die Grenze zu JA’s Privatsphäre, weshalb letztlich auch immer; er ist (bestenfalls) sorglos mit seinen Worten, und das ist das schlimmste, was man einem Autoren (und eigentlich auch jedem anderen Menschen) vorwerfen kann.
    Auch Whistleblower-Plattform-Egomanen haben Privatsphäre…

    „Man muss nicht immer alles sagen, was man weiß, aber man muss immer wissen, was man sagt.“
    „Richtig Leaken“ ist gar nicht so einfach; es bedarf mehr als nur einer Erwägung, ob Interesse oder vielleicht sogar die moralische Pflicht zur Veröffentlichung von Material besteht – es bedarf auch einer sorgfältigen Folgenabschätzung.
    Dass die Veröffentlichung dieses Buchs in dieser Form zu einer öffentlichen Zerfleischung der Kontrahenten führen und JA und WikiLeaks in ernste Schwierigkeiten bringen würde, ebenso dazu, dass an gewissen Stellen die Champagnerkorken knallen (besser hätte das mit der besten Anklage JA’s nicht laufen können) – das hätte DDB meiner Meinung nach innehalten lassen müssen – ja, und letztenendes dazu führen müssen, dass er sich das Buch (so in der Form) verkneift.
    Er hätte einfach schweigen sollen: Gehen, Klappe halten, besser machen.

    Tut mir leid, aber ich denke, dieses Buch schadet mehr als es nützt, und es zeugt von keinem kleinen Ego, es trotzdem zu veröffentlichen.

  38. @45, Fledermaus: Die Kritik übersieht, dass zumindest nach Domscheit-Bergs Buch Wikileaks drei Jahre lang nur aus dem Team Daniel und Julian bestand und all das Gerede von Freiwilligen und Unterstützern ein gut aufgezogener Schwindel war.

    @46, cd0e: derzeit ist Fefe wohl so etwas wie ein redlicher Vermittler zwischen den Fronten, der sich redlich bemüht. Das ist ihm hoch anzurechnen & in dieser ungemütlichen Rolle wird sicherlich keine Zeit sein, das Buch zu lesen. Insofern geht die Kritik ins Leere.

    Was die Whistleblower anbelangt, finde ich im Buch die Passage zur Loveparade hoch interessant, als die „halbe Duisburg Stadtverwaltung“ leakte und das Assange nicht in den US-zentrierten Kram passte. Das Daniel dann aus dem Urlaub heraus das Material Online stellte und dafür Kritik bekam, spricht doch Bände über die Nöte von Whistleblowern: Sie interessieren schlicht nicht.

  39. Gemach gemach, liebe Leute.
    Ich bin derjenige, der oben zitiert wurde und das Buch inzwischen zu 3/4 gelesen hat. Bis jetzt habe ich darin immer noch keine beleidigende oder nur halbwegs justiziable Bemerkung gefunden. DDB geht wirklich sehr respektvoll mit JA um. Viel zu respektvoll, meiner Meinung nach.

    Ausserdem habe ich auch die Pressekonferenz besucht (nur deswegen bekam ich bereits einen Tag vor Erscheinungsdatum das Buch in die Hand). Auf der Pressekonferenz war der Katzencontent wirklich nur ein Halbsatz des Moderators und DDB war es anzusehen, wie überrascht er war wegen dieser Frage. Natürlich musste DDB die Frage kurz beantworten. Ebenfalls mit einem Halbsatz.

    Und hier darf ich mal deutlich den Moderator kritisieren: Er hat „den Medien“ das Katzenfutter zugeworfen, das jetzt vom gemeinen Blödzeitungsleser genüsslich widergekäut wird.

    Der Moderator kennt natürlich das Geschäft und weiss, wen er bedienen muss: Journalisten, von denen die wenigsten zugeben würden, vor einem Jahr überhaupt was von der Existenz von WL geahnt zu haben. Journalisten, die in unterbesetzen Redaktionen keine Zeit für eine eigene Recherche haben, geschweige denn, auch nur ein nur halb so dickes Buch qerzulesen.

    Bei BLÖD & Co, sowie den meisten TV- Formaten heisst die Devise „Jeden Tag ein Kopf“. Die Geschichte dahinter interessiert dann schon keinen Journalisten mehr.
    Und die meisten Leser und Zuschauer lassen sich gern diese täglichen (Katzen)köpfe servieren, im tiefsten Glauben, damit das Wissen frei Haus geliefert zu bekommen, ohne selbst nachdenken zu müssen. Und sie plappern dann nach, was ihnen ‚die Medien‘ vorsetzen und sei es gequirlte Katzensch….

    Lasst euch sowas nicht bieten. Schon gar nicht in diesem Forum.

  40. @Detlef Borchers
    Zitat: „Das Daniel dann aus dem Urlaub heraus das Material Online stellte und dafür Kritik bekam, spricht doch Bände über die Nöte von Whistleblowern: Sie interessieren schlicht nicht.“

    Das ist doch nun genau das, was ich in meinem Kommentar zu sagen versucht habe (ist es nicht so angekommen?).

    Eine Seite, die den Dienst anbietet, geheime Informationen zu veröffentlichen, und dabei den Whistleblower nicht zu kompromittieren, dies dann aber nicht tut, ist unnütz.

    Wenn Informationen nach dem Grad der Aufmerksamkeit, die sie erzeugen (können), selektiert wird, aber dem „Kleinkram“ keine Alternative eingeräumt wird, oder zumindest ein Feedback ala „Ja können/wollen wir nicht, kein Platz, keine Zeit…geh woanders hin“, dann ist das Projekt nicht verlässlich. Und gerade _verlässlich_ sollte(n) diese Plattform(en) sein.

    Ich will und werde mich nicht hinter den einen stellen und mit dem Finger auf den anderen zeigen, auch wenn ich damit Unverständniss ernte. Ich habe Respekt vor der Leistung Beider, und halte die ganze Auseinandersetzung für deren unwürdig. Aber dass müssen die beiden letztlich selber merken.

    Die eigentlichen Hauptpersonen hier aber völlig zu ignorieren, ist fatal für das/die/alle Leaks-Projekt(e).

    Zudem bin ich mir nicht ganz sicher, was Sie mir zu sagen versuchten, mit der Kritik, die ins Leere geht…

  41. @Mel das Buch schadet weder WL, noch OL sondern beweist, dass überall mit Wasser gekocht wird und mit welch geringem Aufwand es zwei Leuten gelingt, die Strukturen der Macht als das offenzulegen, was sie sind: Kindergarten-Strukturen, die sich leider zu echten Kriegen mit echten Toten entwickeln.

    Ich lese das Buch nicht als Abrechnung, sondern eher als Rezept für eine bessere Welt genauer hinzuschauen. Dazu bedarf es auch heute noch einiger Kinder, die rufen „Der Kaiser ist nackt!“
    JA und DDB sind zwei dieser Kinder. Sie erinnern uns daran, besser hinzuschauen, Dinge infrage zu stellen und die Zusammenhänge selbst zu prüfen.

    DDBs Buch ist dafür die beste Anleitung.

  42. @50,cd0e

    Bei der Kritik, die ins Leere geht, hab ich mich verheddert, sie galt einem anderen Beitrag.

    Wir alle sollten nicht vergessen, was Wikileaks mit den beiden Protagonisten wirklich erreicht hat, auch wenn es für andere im Nachhinein wie eine Eulenspiegelei aussieht.Das zwei Leute mit ein bisschen Jay Lim-Schwindelei den Eindruck erzeugen konnten, es handele sich bei Wikileaks um eine Riesen-Organisation, wird dereinst sicher zu den Super-Hacks zählen.

    Ich jedenfalls werde, wenn es wärmer wird, die Leute einladen, die mir bei der Dechiffrierung der Maut-Dateien geholfen haben und denen ich erzählt habe, dass da eine Riesen-Organisation von Freiwilligen sitzt. Jetzt kann ich ihnen zumindest erklären, warum auf die extrem gut abgefragten Tickermeldungen bei Onkel Heise kein Splash in den anderen Medien erfolgte.

  43. Ich bin dann auch durch.

    Kurfassung: Das, was Wolf sagt. Und auch das, was Detlef sagt.

    Vorbehaltlich alternativer Wahrheiten zeigt das Buch vor allem eines: Wie mediale Mechanismen funtkionieren. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, schließlich war WL angetreten, eben diese zu demaskieren ,)

    Und nun? Nun haben wir

    a) ein paar vermeintliche Insider, die letztes Jahr immer wieder dicke Backen gemacht haben und plötzlich ohne Hose darstehen. Einige relativieren (bzw. leugnen) inzwischen, andere versuchen es mit Krawall.

    b) Ein paar vieletausend Groupies, deren Seifenblase geplatzt ist. Zumindest ein bisschen.

    Mögen sie die Kraft haben, sich beim nächsten Führer tatsächlich als die Informationselte zu erweisen, für die sie sich halten.

    @Detlef:

    Das zwei Leute mit ein bisschen Jay Lim-Schwindelei den Eindruck erzeugen konnten, es handele sich bei Wikileaks um eine Riesen-Organisation, wird dereinst sicher zu den Super-Hacks zählen.

    Durchaus, ja. Wobei das eigentlich Ende 2009 schon klar war. Dann kam „Collateral Murder“ und die Legende wurde interessanter als die offenkundige Realität.

    Wie auch immer, es wäre schön, wenn wir als, nun, digitale Gesellschaft ein bisschen was aus der schönen Geschichte lernen würden: Über Medien, Manipulation und grenzenlose Naivität im guten Glauben. Allein, ich habe Zweifel. Und das macht mir wirklich Sorgen.

  44. Ich bin persönlich auch von der (freundlich formuliert) Unsachlichkeit, mit der die „Szene“, allen voran Frank und Fefe, hier reagiert, enttäuscht.

    Die Bedeutung von Whistleblowing, von tatkräftigen Wikileakianern und forkenden Openleakianern für eine offenere Gesellschaft kann garnicht intensiv genug betont werden.

    Stattdessen erbärmliches Rumschreien, Besserwissen und Fingerdeuten.
    Liebes Nerdistan, du zeigst mir wiedermal, dass du keinen Deut besser bist als die gegen die du eine Alternative hättest sein können.

  45. Ich weiss ja nicht ob das schon woanders erwaehnt wurde, aber ich habe noch keine ausgiebige diskussion von dieser Presentation gehoert:
    http://wikileaks.ch/IMG/pdf/WikiLeaks_Response_v6.pdf
    besonders interessant finde ich da auch Slide4

    das DDB als disgruntelten Amerikaner darstellt, den zu manipulieren (oder dessen Bild) in der oeffentlichkeit zu manipulieren, zur allgemeinen Diskreditierung von Leaks ueberhaupt genutzt werden kann.

  46. Den Vorwurf, Polanski sei „unberührbar“ (denn als solcher ist es doch gedacht, oder?) finde ich einigermaßen unangemessen. Vor allem hat er nichts mit dem Thema zu tun, und redet die kritisierte Schwarz-Weiß-Malerei erst recht herbei.

  47. Ich habe ein großes Problem: Menschen wie Julian Assange und Daniel Domscheit-Berg zu kritisieren, die so viele private und persönliche Belastungen auf sich genommen haben und den Kopf in der Öffentlichkeit hinhalten, für eine Idee, die meine Wenigkeit ebenfalls unterstützt. Und jetzt sicher und geschützt vor dem heimischen PC zu sitzen und aus der Anonymität heraus zu kommentieren, ist nicht schwer.

    Trotz alledem möchte ich kurz dazu etwas sagen: Fakt ist, im Moment gibt es keine funktionierende Leaking-Plattform, was für die Anhänger dieser Idee einer größtmöglichen Transparenz natürlich mehr als unglücklich ist.

    Und ein zweiter Punkt: Bei aller Verständnis gegenüber Domscheit-Berg, aus perönlichen und fachlichen Gründen WikiLeaks zu verlassen: War es wirklich nötig Julian Assange derart bloßzustellen? Und ich meine jetzt nicht diese persönlichen Stories mit der Katze oder dem Leberkäse, im Gegenteil. Mir wäre es lieber gewesen, das Buch wäre ausschließlich voll von dieser Art Geschichten. Vielmehr schockiert hat mich das Veröffentlichen dieser ganzen „Bluffs“ von Assange, also die Sache mit den Pseudonymen, die Server-Odyssee sowie vor allem die Tatsache, dass WikiLeaks wohl tatsächlich nur diese 2-man-show ist bzw. war. Dass Assange diese Dinge vermutlich aus Gründen des Schutzes vor gewissen Behörden u.ä. so nach außen dargestellt hat, ist mehr als verständlich. Und jetzt fliegt dieser Bluff auf und Assange steht ziemlich im Regen. War das im Sinne der Idee? War das, bei aller persönlichen Abneigung, nicht tatsächlich eine üble Form von Illoyalität; weniger vielleicht sogar gegenüber Assange als gegenüber der Sache? Es gibt einen guten Grund, warum ein Pokerspieler nach einem erfolgreichen Bluff seine Karten nicht den Mitspielern zeigt. Daniel Domscheit-Berg hat gerade Assange die Karten aus der Hand gerissen und sie der ganzen Welt gezeigt!

    Bei allem Respekt vor den Leistungen von Daniel Domscheit-Berg, aber war das wirklich notwendig? Glaubt er, er hat durch diese Aktion der Idee des Leakens geholfen? Oder hat er möglicherweise doch nur WikiLeaks und Assange unnötigen Gefahren ausgesetzt?

  48. Erstens:
    Man kann sicherlich über JA eine zwiespältige Meinung haben, aber er hat, nüchtern betrachtet, die welt ganz ordentlich umgekrempelt. Dass muss DBB ihm erstmal nachmachen (bevor alle schreien: natürlich war er nicht ganz unbeteiligt, aber JA hat die Bombe zum platzen gebracht). Mit anderen Worten, wer so viel vorzuweisen hat wie JA, dem kann ich einen schlechten Führungsstil und ein Ego das zwei Größen zu groß ist eher verzeihen als einem beleidigten Verlierer der nicht mehr mitspielen wollte.

    Zweitens:
    Ich nehme einem Profi wie DDB nicht ab dass er nicht genau gewusst hat welche Wirkung die beschreibenen Details über JA in der Öffentlichkeit erzielen, auch wenn es sich nur um Randnotizen handelt. Sorry, aber jetzt zu sagen „die bösen Medien machen daraus die Schlammschlacht und ich kann da nix für“ ist nicht mehr als ein schlechter Versuch einer Ausrede.

    Nach allem was bisher bekannt ist, ist es schwer die Publikation und deren Inhalt nicht als kalkuliert zu interpretieren. Mindestens aber war sie extrem blöd (da hilft auch kein noch so hehres Ziel wie die Finanzierung von OpenLeaks). Ob das am Ende dazu dienen sollte das öffentlich Erschienungsbild oder das Produkt zu pushen ist dann eigentlich auch egal..

  49. das ich nicht lache…
    netzpolitik.org distanziert sich von WL, Fefe, Frank, der „Szene“, dem „Boulevard“, der ganzen „blöden“ Groupies, ALLEM…

    …und doch habe ich kaum wo anders mehr Artikel darüber gelesen ;)

    Es lebe die „netzpolitik.org“! Das mit der Politik wird hier von Tag zu Tag GRÖSSER geschrieben. Immer schön abwarten und den Pendel, sobald er ausschlägt, schnellstens in die andere Richtung schubsen. Aber nicht zu doll. Dann kann man am Ende immer sagen: „Wir habens euch ja gesagt“.

    Da hat Jemand aber dazu gelernt, wa?

    treuer Leser, danke!

  50. @48, Detlef Borchers: Die Kritik übersieht, dass zumindest nach Domscheit-Bergs Buch Wikileaks drei Jahre lang nur aus dem Team Daniel und Julian bestand und all das Gerede von Freiwilligen und Unterstützern ein gut aufgezogener Schwindel war.

    Mir geht es hier und heute, „ich betone heute“, NICHT um „Wahrheiten“ und „Lügen“.
    Mir geht es darum, dass eine „Idee“ kaputt geht bei dieser Schlammschlacht.

    Wir erinnern uns wie Geschichte funktioniert. Die Ungeduld hat schon manches zartes Pflänzlein zertreten, bevor die Stengel dick sind um etwas Sturm ertragen zu können. Der Zeitpunkt ist ungünstig!

    Hätte DDB gewartet bis Assange seine „Affäre“ hinter sich gebracht hat und die Situation klar ist. Die restlichen Depeschen veröffentlicht sind. Und etwas Ruhe eingekehrt wäre, dann wäre so ein „Übergang“ wohl sauber zu bewerkstelligen gewesen.

    Geduld ist eine Zier und HIER geht’s ohne Ihr!

    So muß ich enttäuscht das Debakel abhaken. Eine „Kindergartenschlacht“ um das Thema „Leaks“ wird es definitiv begraben oder stets miesen Beigeschmack hervorbringen. Die „manipulative Presse“ wird diesen „Dreck“ bei jeder Erwähnung neuer Erfolge stets hervorkehren. Betroffene des Leaks werden die Umstände angreifen und es wird nicht mehr um die Inhalte gehen. Also 1:0 für alle Geheimniskrämer zum Schaden des Volkes.

  51. Ich weiß nicht was immer diese Nibelungentreue zu Assange soll. Sicher, das Buch von DB mag von den Medien ausgeschlachtet werden und ich will DB als Person nicht mal unbedingt verteidigen, aber zu argumentieren, dass er das Buch nicht hätte schreiben sollen nur weil es Wikileaks schaden könnte ist schon sehr seltsam.

    Wenn das Buch Wikileaks schaden kann dann hat Wikileaks offensichtlich was falsch gemacht. Und mit Assange muss man auch kein Mitleid haben. Er will ein Held sein, das kann er gerne werden, aber aus Dankbarkeit werde ich ihm nicht die Treue halten. Alle wissen, dass Leaken ein riskantes Geschäft ist und wenn man sich so in den Mittelpunkt drängt, dann muss man mit den Konsequenzen leben.

    Sich irgendwie emotional Wikileaks oder Assange (oder auch Openleaks) verpflichtet zu fühlen ist dumm. Sollen diese Plattformen meinetwegen scheitern. Danke für die bisherigen Leaks, aber wenn jetzt nichts mehr kommt können sie wieder in der Versenkung verschwinden. Es werden andere kommen.
    Wichtig ist nur, die Idee des Leakens an sich zu fördern.

  52. Man sollte vielleicht mal bedenken, aus seiner Perspektive tut Daniel ja gerade das, was er für die Idee des Anonymen Leaking für das Beste hält. Sein Buch soll auch den Erfolg dieser Idee schildern. Weiterhin soll es als Referenz dienen, Fehlentwicklungen bei WikiLeaks aufdecken, um eine Reform dieser Organisation anzuregen, und auf die Gefahr des Entstehens neuer Informationsmonopolisten hinweisen. Gut, man mag das alles für vorgeschoben halten, „in Wahrheit will er ja auch nur ein Stück vom Kuchen abhaben und sich profilieren“. Ich habe diesen Eindruck nicht. Oder, man mag es für fehlgeleitet halten. Dieses Urteil würde ich mir allerdings nicht erlauben, ohne das Buch gelesen zu haben. Aus meiner Sicht ist sein ehrliches Ziel mit dem Buch nicht nur einen Abschluss für sich zu finden, sondern auch die Idee des Anonymen Leaking auf eine nüchternere, weniger verklärte Basis zu stellen, von der er sich eine bessere zukünftige Entwicklung verspricht. Ob er dafür den richtigen Weg gefunden hat, muss dann jeder selbst beurteilen.

    Ein weiterer Gedanke, eine Schlammschlacht ist es meinem Eindruck nach momentan zumindestens nicht. Dann dafür müsste jemand zurückwerfen und das ist von der halbherzigen Pressemitteilung von WikiLeaks abgesehen nicht passiert. Wird wohl auch nicht kommen, solange das Buch den englischsprachigen Raum nicht erreicht hat oder zumindestens der übersetzte Text WikiLeaks in die Hände gefallen ist. Wenn sie klug sind, sagen sie einfach gar nichts. Sie können ohne weiteres darauf verweisen, dass man einfach Assanges Version der Ereignisse abwarten soll. Nachfragen über die Kritik an WikiLeaks derzeitiger Organisation kann man damit abbügeln, dass wegen der Publikation der verbleibenden Depeschen, sowie der schwierigen finanziellen und rechtlichen Lage solche Diskussionen momentan einfach fehlplatziert sind und man sich, wenn all das überstanden ist, mit der Kritik auseinandersetzen wird. Schön wäre es ja, dann würde auch die Schlammschlacht ausbleiben.

  53. An alle die DDB des Dolchstoßes bezichtigen eigentlich nur eine kleine Anmerkung:

    Gehe ich auf wikileaks.org und wikileaks.de bekomme ich verdammt nochmal zwei unterschiedliche wikiLeaks-Seiten, die eine die eher an das „alte“ Wikileaks erinnert mit vielen Leaks und eine wo nur die paar großen US-Themen daraufsteht!

    Fakt 1: WikiLeaks ist gesplittert
    Fakt 2: Der Auslöser: die US-Depeschen
    Fakt 3: DDB hat genau das vor seinem Austritt prognostiziert und intern davor gewarnt.
    Fakt 4: Er wurde nicht gehört, sondern dafür vom Commandante bedroht.
    Fakt 5: Die Depeschen wurden eine ganze Zeit nach DDBs Austritt veröffentlicht, er hat mit der Zersplitterung also nichts zu tun!
    Fakt 6: 1 – 5 war vor DDBs Buch bereits FAKT. Die Situation von JA ist eine Folge aus Fakt 1 – 5 und nicht eine Folge von DDBs Buch.

    Wikileaks hat sich auchmal auf die Fahnen geschrieben mit „kleinen“ Leaks, lokal Veränderungen zu ermöglichen. Dieses Ziel wurde verraten und zwar nicht von DDB!

    Als die Depeschen heraus kamen, war auf wikileaks.org NICHTS anderes als US-Themen einfach zugänglich.

    Nicht DDB hat WL an die Wand gefahren, er hat den Grundgedanken des Projekts einfach nicht vergessen! Was soll also die Sch* vom Verräter DDB? Was sind das alles für dumme Groupies die so einen Mist verbreiten?

  54. Eines steht jedenfalls fest:
    Wenn eine WhistleblowerIn das Risiko des Leakens auf sich nimmt, dann hofft sie natürlich, dass sie es mit seriösen Partnern zu tun hat.
    JA und DDB – und damit dann auch WL – sind genau das nicht, das zeigt sich spätestens jetzt. Wer ernsthaft wichtiges Material leaken will, kann sich auf solche Partner nicht einlassen, das wäre ganz und gar unvernünftig.

    Ich sehe in DDB ganz klar einen Verräter, der es einem JA in höchst prekärer Situation jetzt zusätzlich so schwer macht, wie es nur geht. Das ist unnötig (von wegen \Trauerarbeit\ *tze*), das ist bösartig und insgesamt schäbig.

    Und ja, es diskreditiert das Konzept des Leakens als in besonderen Lagen legitime Form einer illegalen Indiskretion. Wer so etwas macht, hat es unweigerlich – das zeigt hier die Erfahrung – mit im ungünstigen Fall halbseidenen bis schmierigen Typen zu tun.

    Das sollte sich jede potentielle LeakerIn genau durch den Kopf gehen lassen, meine ich.

  55. Wie ich aus den Rezensionen entnehmen konnte, stellt sich DDB als Nummer Zwei neben Assange dar. Die beiden hätten alleine Wikileaks in den ersten Jahren ausgemacht.
    Wieso hängen ihm dann nicht alle amerikanischen Geheimdienste an den Hacken? Warum wird nur Assange mit Morddrohungen bedacht?
    DDB war noch bei Wikileaks als ihnen die cables zugespielt wurden. Glaubt irgendjemand ernsthaft, daß sich die Geheimdienste nicht für DDB als Insider interessieren würden; zudem er auch den „Architekten“ kennt, sowie noch einige interessante Dokumente aus dem Briefkasten besitzt. Mannings sitzt für wesentlich weniger Indizien in Isolationshaft.
    Die Amerikaner wollten doch vor kurzem an die Tweets und Kontaktdaten von Twitter ran, um mehr über Wikileaks rauszubekommen, aber für DDB interessiert sich keiner?

    Für mich ergeben sich daraus nur 2 mögliche Schlussfolgerungen:

    – DDB erzählt Märchen in seinem Buch

    – DDB ist umgedreht worden

  56. @67 Avi

    In der Zeit steht:

    „Einmal berichtet er, dass in der Schule seines Sohns Mitarbeiter des amerikanischen Außenministeriums aufgetaucht seien und Kontakt zu anderen Eltern aufgenommen hätten.“

    Sorry, das ist ein bißchen wenig für einen public enemy. Ausserdem steht da auch nicht, warum sie Kontakt zu den anderen Eltern aufgenommen haben und ob diese nach DDB befragt wurden. Für so einen wichtigen Menschen innerhalb von Wikileaks, sollte doch wenigstens eine direkte Befragung rausspringen.

    Denke doch mal nur an den Fall Andrej Holm.

    Wir haben nur die Geschichte von DDB, die von Tina Klopp erzählt wird.
    Wir haben keinen Beweis dafür, daß DDB wirklich eine so wichtige Position innehatte, noch daß Wikileaks unsicher ist.

    Nach meines Wissens ist bisher noch kein Whistleblower aufgeflogen, d.h. Wikileaks hat die Quellen geschützt.

    Gibt es überhaupt Beweise dafür, daß es sich bei Wikileaks nur um das Duo Assange-DDB handelte. Das sind nur Behauptungen von DDB.

    Bevor der Hype losging, hat der The New Yorker folgendes Feature veröffentlicht:

    http://www.newyorker.com/reporting/2010/06/07/100607fa_fact_khatchadourian?currentPage=all

  57. @thinktankgirl, 68: Vielleicht stellst du dir das ein bisschen zu einfach vor. Solange Daniel nicht in die Vereinigten Staaten reist, können ihn die Amerikaner nicht einfach zu einem Verhör abholen.

    Ich würde auch dem „ein bisschen wenig“ nicht zustimmen. Es gibt für Eltern kaum etwas Beänstigenderes, als wenn Leute, die gegen sie vorgehen wollen, stattdessen in irgendeiner Form ihre Kinder bedrohen. Ob das wirklich der Fall war, lässt sich natürlich erstmal nicht überprüfen.

    Denke doch mal nur an den Fall Andrej Holm.

    Bei Andrej Holm gab es ein Ermittlungsverfahren. Die Ermittlungen gegen WikiLeaks scheinen aber erst mit der Veröffentlichung der Depeschen wirklich eingesetzt zu haben, die Grand Jury wurde jedenfalls erst im Dezember zusammengestellt. Wollte man Daniel in den USA unter Anklage stellen, müsste man erstmal seine Auslieferung durch die BRD erwirken. Wollte man ihn verhören, bräuchte man vermutlich irgendeine Form von offiziellem Amtshilfeverfahren und er kann sich natürlich weigern auszusagen. Diese Bestreben gibt es bis jetzt aber noch nicht mal bei Assange. Das Ermittlungsnetz wurde nur auf die diversen sozialen Netzwerke – wir wissens nur bei Twitter genau – ausgeworfen, da scheint Daniel aber nicht besonders stark vertreten zu sein.

    d.h. Wikileaks hat die Quellen geschützt.

    Die Quellen sind auch relativ geschützt, weil es das anonyme Einsendeverfahren gibt. Aber hypothetisch gesprochen, wenn Daniel recht hat und WikiLeaks keine verschlüsselte Verbindung für die Rückübertragung der neuen Einsendungen aus dem Submissionsystem zur Verfügung stellt, könnte die jemand auf einer unverschlüsselten Verbindung abgreifen. Wenn sie noch nicht gereinigt wurden, wären so potentiell Quellen identifizierbar. Das ist so die Art von Szenario, die eine solche Rückgabe als wenig verantwortungsvoll erscheinen lassen würde.

    Gibt es überhaupt Beweise dafür, daß es sich bei Wikileaks nur um das Duo Assange-DDB handelte.

    Die Zeit, in der die beiden angeblich mehr oder weniger allein waren, liegt vor diesem New Yorker-Feature. Das beschreibt Anfang 2010 als einige neue Leute zu der Gruppe hinzukamen. Andere auch nur für dieses eine Projekt, zum Beispiel Hackerlegende Rop Gonggrijp, der sich jetzt vermutlich wundert, warum ihm dieses kurze Engagement die Aufmerksamkeit des Department of Justice eingebracht hat.

    Richtige Beweise gibt es vermutlich nicht, zumal ja – wenn Daniel recht hat – eigentlich nur Assange seine Version bestätigen kann. Dass Daniel zugibt im Namen von WikiLeaks lange Zeit professionell gelogen zu haben, hilft auch nicht gerade. Ich nehme aber schon an, dass man sich mit einigen Nachforschungen die Plausibilität von Daniels Version der Ereignisse prüfen kann. John Young von Cryptome stützt zum Beispiel die Behauptung, dass Leute von WikiLeaks verschiedenste Pseudonyme verwendeten. Bei Cryptome kann man sich auch Leaks von WikiLeaks angucken etwa die Mailing-Liste aus den Gründungstagen. Es gibt auch bei archive.org alte Versionen von WikiLeaks, die vielleicht Hinweise bieten.

    Letztlich ist es nicht so einfach sich hier der Wahrheit zu nähern. Es gibt zwar viel Material, aber davon ist anscheinend einiges gestreut worden, um die wahren Verhältnisse zu verschleiern. Selbst wenn Daniel die Wahrheit schildert, er erzählt sie aus seiner Sicht und wie er sie in Erinnerung hat. Möglich zum Beispiel, dass Julian Teile von WikiLeaks vor ihm verborgen hielt. Möglich ist natürlich auch, dass Daniel uns Dinge vorenthält, verändert oder verfälscht hat.

    Da sag ich nur willkommen in der Welt der klandestinen Organisationen. Ein Tipp, wer frühzeitig seine Sympathien verteilt, hat so gut wie verloren.

  58. Warum ich glaube, daß Domscheit-Berg Märchen über Wikileaks und deren angebliche Sicherheitslücken erzählt:

    ANONYMOUS GROUP

    Anonymous sympathisiert mit dem Projekt Wikileaks und hat auch verschiedentlich Solidaritätsaktionen veranstaltet, zuletzt die DDoS-Attacken gegen Visa, Paypal und Mastercard, nachdem diese Unternehmen auf Geheiß der amerikanischen Regierung die Spendenkanäle für Wikileaks abgeschnitten haben.

    Anonymous ist wohl eine Gruppe aus sehr fähigen Leuten mit eigener Ethik, wie vor wenigen Tagen Aaron Barr von HBGary Federal erfahren hat (http://crowdleaks.org/anonymous-retaliates-against-hbgary-espionage/).

    Da die Anonymous-Leute ein wohlwollendes Auge auf Wikileaks haben, kann ich mir nicht vorstellen, daß sie nicht auch die Sicherheit von Wikileaks prüfen und gegebenfalls behilflich sind Sicherheitslücken zu stopfen.
    Gäbe es seit Monaten Sicherheitsprobleme bei Wikileaks, ausgelöst durch den Abzug von Software (oder anderen Gründen) wie DDB behauptet, hätte es Anonymous sicherlich schon längst bemerkt. Sollte Assange sich nicht für diese Probleme interessieren und Whistleblower gefährden und lieber auf einem Macht-/Ego-/Geldtrip reiten, dann hätte das Anonymous sicherlich auch bemerkt. Da Anonymous ziemlich allergisch auf solche Egotrips auf Kosten anderer reagiert – siehe Aaron Barr – hätten die sicher schon Warnungen in Umlauf gebracht – was ja Herr Domscheit nicht für nötig gehalten hatte – oder Assange sonst wie diskreditiert. Da nichts dergleichen geschehen ist, denke ich, daß Wikileaks intakt und Assange integer ist.

  59. @ Avi, 70

    Ehrlich gesagt finde ich es sehr unwahrscheinlich, daß die Amis in Deutschland noch keine Amtshilfe beantragt haben, wenn DDB wirklich ein so wichtiges Tier in Wikileaks war.
    Zudem ist der Verfassungsschutz bekannt dafür, direkt Kontakt zu Leuten in solchen Organisationen aufzunehmen (besonders wenn es sich um Dissidenten handelt), um aus ihnen Mitarbeiter zu machen.

  60. @72 Markus

    Weiß ich nicht, aber ich ziehe meine Schlüsse, was ich über ihre Aktionen lese und gegen oder für wen sie sich richten.
    Nein, ich halte sie nicht für die Mutter Teresa des Internets.

  61. @thinktankgirl:

    keine Amtshilfe beantragt haben, wenn DDB wirklich ein so wichtiges Tier in Wikileaks war

    Ja, aber sie haben ja noch nicht mal Amtshilfe beantragt, um Assange verhören zu können oder einen anderen der derzeit Aktiven bei WikiLeaks. Tatsächlich ist nach wie vor nicht sicher, ob es überhaupt eine Grundlage für eine Anklage gibt.

    ANONYMOUS GROUP

    Naja, Anonymous ist halt genau das anonym. Jeder kann sich zu einem Sprecher von Anonymous aufschwingen. Nun kann ich mir schon vorstellen, dass Langzeitmitglieder Kontakt mit WikiLeaks aufgenommen haben. Aber zum einen würde ich mir denken, dass Julian da einen gewissen Abstand hält (dass man ihn jetzt auch noch als Kopf von Anonymous brandmarkt, würde ihm gerade noch fehlen) und ich habe meine Zweifel, dass die gleich in den laufenden Betrieb eingebunden würden. Von außen sehen sie ja auch nur das, was wir sehen. Und da kriege ich mit den großen WikiLeaks-Portalen z.B. wikileaks.ch keine SSL-Verbindung. Weiß auch nicht, ob Leute von Anonymous ungefragt ein externes Sicherheitsaudit von WikiLeaks durchführen würden. Schließlich haben die doch gerade AnonLeaks angekündigt, was zeigt, dass sie mit dem Status Quo bei WikiLeaks auch nicht so richtig zufrieden sind.

    Nun muss das alles nicht heißen, dass Daniel nicht umgedreht wurde, ich sehe da nur keine zwingenden Beweise oder sogar gute Hinweise für. Sieh es doch mal so, da die Animositäten zwischen Daniel und Julian dokumentiert sind, halten ihn Gegner als unabhängigen Kritiker vielleicht für viel nützlicher.

  62. klärt mich auf.
    wenn der grenzdebile DDB sagt, JA hätte keinen zugriff mehr auf wichtige daten, vieles sei aufgebläht usw. und JAs lebensversicherung ist, dass er im falle seiner ermordung er brisante daten veröffentlicht… hat dann DDB nicht wohl wissend JA sogar in gefahr gebracht zumal jede menge irre JA unter die erde bringen möchten?
    ich finde DDB mindestens verräterisch und neidhammelmäßig und höchstens gefährlich. oder?

  63. @zen-taurus, 77: Laut Daniel hat WikiLeaks lediglich keinen Zugriff auf Daten, die zuletzt von Whistleblowern eingeschickt wurden, ob die wichtig sind, wer weiß. Daniel behauptet, er hätte sich die Daten nicht angesehen. Die „Lebensversicherung“, eine verschlüsselte Datei, die mittlerweile ziemlich viele Leute haben dürften, existiert und WikiLeaks hat wohl das Passwort dafür, daran hat sich nichts geändert. Daniel sagt lediglich, er wüsste nicht, was drin steht, und stellt in Frage, ob die Datei mit dem Drohszenario verwendet werden sollte, das derzeit im Raum steht.

    Da finde ich folgendes schlimmer. Wenn ich das richtig verstehe, sagt Daniel in seinem Buch, dass beim verschlüsselten Collateral Murder-Originalvideo das Passwort beilag. Diese Information kann man wohl auch dem Chatprotokoll zwischen Adrian Lamo und Bradley Manning entnehmen. Ein weiterer Nagel in Mannings Sarg. Gut vielleicht hätte es den nicht gebraucht, trotzdem wäre es nicht unbedingt nötig gewesen das zu enthüllen, nur um Julians Cryptofähigkeiten zu entzaubern.

  64. danke avi. und entschuldigt meine harschen worte. beim drüberlesen erschrak ich selbst darüber. man sollte niemals beleidigende worte nutzen.

    nur noch etwas zum thema vergötterung und heldenbildung. warum JA so geliebt wird hat wohl damit zu tun, dass er nicht „mr perfect“ ist, dass er ecken und kanten hat, dass er nicht nicht umzieht und nächtlang durcharbeitet und manchmal selbstlos agiert bis zum exzess. dann verzeiht man ihn gerne seine selbstverliebtheit und sein egotrip.
    denn man liebt und verehrt einen menschen nicht trotz sondern wegen seiner fehler. was man am partner liebt ist niemal die perfektion sondern die makel, die einen von anderen unterscheidet.
    dies nur, weil viele die idolisierung thematisieren und kritisieren. ein DDB, der sich von seiner besten seite zeigen möchte kann deswegen nicht interessant sein, kein sex-appeal haben. momentan wirder künstlich in die medien gepuscht, aber das geschieht alles mit verwendung von energie durch die medien. JA kann sich inzwischen von alleine halten weil er einfach ein besonderer mensch ist, ein selbstläufer.

  65. Liebe Leute, hier ist noch ein NZZ-Interview, das jenes bestätigt, was wir schon alle ahnten, aber vielleicht nicht die Öffentlichkeit:

    DDB wird mir immer sympathischer je mehr ich von ihm lese und höre. Hier erwähnt er DDB Morddrohungen und seine Nutzung juristischer Instrumente gegen Kritiker.

    „Als ich ihm von meiner… heutigen Frau, erzählte, riet er mir, Schmutz über sie zu sammeln, den ich einmal gegen sie verwenden könne.“

    Auch die Kritik ist sehr glaubwürdig, treffend und reflektiert:

    * „Julian macht Politik, dabei sollte er einfach nur Informationen veröffentlichen und Transparenz schaffen.“

    * „Wir bereiteten zum Teil Material so auf, dass wir nicht mehr neutrale Überbringer waren. Wikileaks wurde politisch.“

    * „Offizielle Stellen sind wohl kaum so doof, ihn entführen oder umbringen zu lassen. … Viele seiner Verfolgungsgeschichten sind Teil einer Inszenierung…“

    * „Der Coca-Cola-Konzern etwa hat ein Recht darauf, dass die Formel für Coca-Cola geschützt wird,…Anders sähe es aus, wenn man mit der Veröffentlichung… beweisen könnte, das Coca-Cola… Krebs verursacht. “

    * „Er betreibt nur noch Propaganda, um Geld zu sammeln. Er macht die Leute glauben, dass mehr Geld gebraucht wird. Aber es ist nicht klar, wofür dieses Geld benötigt wird.“

  66. @rebentisch:
    was spricht dagegen, dass er politik macht? „wl wurde politisch“… kein wunder dass assange ihn gefeuert hat. ddb soll er sich bei coca cola melden… da passt er besser hin!

  67. Es ist doch ganz einfach. Wenn wir beiden Wohlwollen unterstellen, haben wir auf der einen Seite den Transparanzperfektionisten, der nur neutral ‚wichtige‘ ‚versteckte‘ Informationen herausgeben mag – auf eine für Leaker sichere Weise und möglichst mit einer gut organisierten Basis – um eine bessere Welt mit mehr Transparenz zu ermöglichen. Auf der anderen Seite haben wir einen ebenso überzeugten Weltverbesserer, der aber einen schnelleren heftigeren Impact im Hier und jetzt erreichen will, anstatt irgendwann das perfekte Leaksystem zu etablieren. Da prallen dann zwei Welten aufeinander insbesondere wenn man sich eben wegen des Impacts mit heftigen Aktionen unter Druck setzt. Der eine will ruhig aufbauen im dunklen Kämmerlein und langsam wachsen, das System perfektionieren und die Strukturen und Verfahren etablieren, die dann ‚quasi von allein und automatisch‘ dafür sorgen dass alles ans Tageslicht gezerrt wird und die Leaker sicher sind. Der andere jagt mit politisch gesalzenen Veröffentlichungen, einem für wichtiger eingeschätzten Teil des Ganzen, nach dem größten Einfluss, der schnellen Verbesserung der Welt, dabei gibt er sich eben mit der ‚Realität‘ dass das System noch nicht so weit ist – und vielleicht nie soweit sein kann – ab und stopft die Löcher mit Tricks, PR und Bluffs.
    Das Problem ist jetzt, dem Perfektionisten wurde die Sache zu heiß, es geht ihm zu weit von seiner Zielvorstellung weg und wird für seinen Geschmack zu gefährlich für Leaker – zu sehr zu dem was er eigentlich bekämpfen wollte.
    Redet er jetzt aber offen darüber schwächt er das System weiter, aber tut er es nicht, bringt er mögliche Leaker weiter in Gefahr, hilft womöglich dass weitere Informationen in dem aus seiner Sicht abstürzenden Raumkreuzer versacken und die Bordkanonen nur einseitig feuern. Schwere Entscheidung, aber aus dieser Sicht klar was man machen muss und schon längst hätte machen müssen.

    Beide Ziele und beide Vorgehensweisen haben durchaus ihre Berechtigung, es ist nur schade, dass sie hier innerhalb eines Projekts umgesetzt werden sollten, und sich nunmal auf Dauer nicht vertragen.

    Dazu kommen natürlich die menschlichen Schwächen der beiden Protagonisten, gegen die niemand gefeit ist, allein weil eine Stärke in der Regel gleichzeitig eine Schwäche mit sich bringt.

    Hugh, ich habe geredet.

  68. @rebentisch: weil Politik machen bedeutet: auswählen, Partei ergreifen, Dinge interpretieren, den Leuten sagen was sie denken sollen, Dinge danach veröffentlichen wie sie den eigenen Überzeugungen am meisten Nützen, also z.B. Informationen die der eigenen Position entgegenstehen verstecken bzw. so timen dass es keinen interessiert etc.pp.

    Und das deckt sich eben nicht mit der Vorstellung einer neutralen Leakplatform zur Förderung der Transparenz – ganz besonders, wenn dann auch noch die politischen Entscheidungen nicht als solche zu erkennen sind, weil die Platform selbst intransparent ist. DDB ist also quasi ein Wikileaks-Leaker… was ihr sonst so toll findet, macht ihn jetzt zum Verräter, DDB ist euer Manning – nur dass ihr jetzt das US Militär seid.
    Das wäre im übrigen weniger ein Problem, wenn WL entweder transparent oder unpolitisch wäre.

    (Und nein, ich bin weder für den einen noch für den anderen oder gegen den einen oder anderen, beide haben ihre Berechtigung sich als Helden zu sehen – mein persönlicher Held aber ist am ehesten noch Bradley, der kleinste David, der naivste Weltverbesserer von allen dreien)

  69. thaniell(81)

    politiká – dinge die die stadt betreffen
    res publica – die sache des volkes

    politik machen, partei ergreifen. anhand von veröffentlichten ungerechtigkeiten. das darf und muss auch wikileaks dürfen.
    neutral muss ja nicht gleich dumm heißen. neutral ist nur gut wenn es für die gerechtigkeit und die solidarität gut ist.
    DBB ist ein wikileaks-leaker? brauchen wir dann noch einen wikileaks-leaker-leaker usw. usw.? nein, solche strolche brauchen wir nicht.
    so ein quark, dass DBB unser manning ist. das hört sich alles ja sehr gut an, ist aber wirklich murks. deine klammer verrät, dass du es nicht begriffen hast. beide haben ihre berechtigung, sich als helden zu sehen. hier sieht sich nur einer als held und der andere hält sprichwörtlich gerade seinen kopf für die pressefreiheit. ihr sägt gerade an seinem stuhl. aber ich bin sicher, dass wie immer die wahrheit ans licht treten wird ich freu mich schon drauf.

  70. Es ist schon traurig, die ganzen Kommentare hier zu lesen. Eines wird daraus jedenfalls ersichtlich. Ihr macht alle genau das, was ihr sollt. In etwa klingt das so: Der Sozialismus und Kommunismus ist Dreck und alle Roten fressen kleine Kinder. Die Frage, ob sich von den Schreihälsen jemals einer mit der Theorie auseinandergesetzt hat, ist jedenfalls mit Nein zu beantworten. Wozu auch? Man hat ja medial immer ein Alibi zum Nachplappern idiotischer Parolen, um das eigene bequeme Ego zu entschuldigen. Übrigens hat es auf der Welt nie solch eine Gesellschaft gegeben, höchstens den Versuch, diese zu errichten. Es wollte halt nur keiner! Das Resultat ist die Gegenwart. Herzlichen Glückwunsch!

  71. @Cacophon, 85:

    der andere hält sprichwörtlich gerade seinen kopf für die pressefreiheit

    Allerdings genau an diesem Punkt würde ich widersprechen. Es ist absolut möglich, dass Assange demnächst in einen Gerichtsfall verwickelt ist, bei dem es um die Freiheit investigativen Journalismus in den USA zu betreiben geht. Momentan ist das aber noch nicht der Fall oder zumindestens nicht deutlich erkannbar der Fall. Gegen die Herausgabe der Twitterdaten wehren sich anscheinend nur die betroffenen Privatpersonen. Warum hört man nichts von Rechtsschritten, die WikiLeaks eingelegt hat? Bei ihnen hängen doch mit Abstand die meisten zusätzlichen Userinformationen dran. Auch scheint WikiLeaks seine Rechtsmittel nicht einzusetzen, um gegen die Firmen, die ihnen Dienstleistungen vorenthalten vorzugehen, wie es die Wau Holland-Stiftung tut. Aber korrigiert mich, wenn ich da irgendwie falsch liege.

    Stattdessen und das ist eigentlich das einzige, was mich bei WikiLeaks bis jetzt so wirklich gestört hat, gibt es diese Verquickung zwischen Julians Prozess in Schweden und politischen Aktionen gegen WikiLeaks, sowie Befürchtungen über seine weitere Auslieferung in die USA. Nun ist es sicherlich kein Zufall, dass die Schweden kurz nach Beginn der Depeschenveröffentlichung entdeckten, welche große Priorität es hat Julian ins Land zu holen. Auch die Verhältnismäßigkeit der schwedischen Ermittlungen kann man sicherlich in Frage stellen. Ändert alles nichts daran, dass es im Kern um eine Auseinandersetzung zwischen drei Individuen geht.

    Und da greift die Kritik von Domscheit-Berg. Es mag durchaus vertretbar sein, wenn WikiLeaks einen seiner Mitarbeiter finanziell in einem privaten Prozess unterstützt, insofern dieser Prozess eine politische Komponente hat. Man kann sich aber des Eindrucks nicht erwehren, dass er vorallem deshalb so politisch ist, weil Julian an seiner zentralen Position festgehalten und sich nicht zumindestens ein Stück weit zurückgezogen hat, wie man es regelmäßig bei anderen wichtigen Führungsfiguren in Organisationen erwartet. Ich will nicht sagen, dass es illegtim ist den Prozess, in den Julian jetzt involviert ist, als Teil des Kampfes um WikiLeaks anzusehen, aber im Nebel des Krieges sind diese ganzen Ebenen unerkennbar miteinander verwoben und das ist eine mehr als unbefriedigende Situation.

    Am Ende ist WikiLeaks vielleicht wirklich der Nachrichtendienst für die Öffentlichkeit, allerdings mit den gleichen Problemen wie die meisten anderen Nachrichtendienste auch. Keinem gegenüber vollständig verantwortlich, intransparent und mit unnachvollziehbaren, schwarzen Geldströmen, die die Projekte finanzieren.

    @Prolle, 87: Du hast das falsche Thema erwischt.

  72. ich bin erst halb durch beim buch, aber bisher hat es mich von meiner meinung nicht abbringen können: stellenweise peinlich, zeilenweise überflüssig, aber den rest ziehe ich mir als leser gerne rein.

    der chor der JA-anhänger (die ich gerade deswegen nicht als WL-anhänger bezeichnen kann, da ich der meinung bin, dass assange schon bisher eine unmenge an entscheidungen getroffen hat, die extrem schädlich für WL waren und bis zum entwickeln einer gruppendiskussions-kultur mit horizontal verlaufenden entscheidungsstrukturen werden sich die auch nicht korrigieren lassen) – der chor der JA-anhänger also auf diversen blogseiten (DDB allen ernstes als geheimdienst-agent, weil „das sehe man doch“, das lachen der meute zu „assange touched my pussy“-titeln und ähnlichen scherzen), dieser chor der kritiklosen, hörig wirkenden und an argumentationsfähigkeit nicht gerade ausgereiften JA-groupies hängt mir ehrlich gesagt ein klein mützelchen zum halse raus.

    back to sth relevant. das buch ist ja nun da, ein paar euronen dürften in die tasche nun geflossen sein. pressetermine zum buchstart sind durch. hat jemand schon ein neues startdatum gesehen? wir werden von OL diesbezüglich ja seit der ‚ersten woche januar‘ versetzt. er kann ja nicht ewig interviews zum buch geben, nun mal ran an die eigentliche arbeit, oder?

    neulich hatte sich zum beispiel ein ‚gedichte schreibender polizeibeamter‘ (laut selbstaussage, aber ton und stil seiner äußerungen lassen vermuten, dass das schon stimmt) via twitter in den channel zu #13februar gemischt. wurde sofort zurück angequatscht, ob er nicht ein spannendes detail zur polizeidrohne in dresden habe. das alles natürlich weniger in der hoffnung, dass just der gedichteschreibende beamte sich nächstentags zu einer einsendung aufrafft, sehr wohl aber im bewusstsein, dass hier und da neugierige beamte mitlesen und der eine oder andere (wenn nicht morgen oder nächste woche, so doch vielleicht im laufe der zeit) genug hat von nazi-gedankengut unter polizeiuniformen im kollegenkreise, von strafrechtlich relevanten vorfällen (sadismus im amt) und ähnlichen geschehnissen.

    dann ist es extrem schade, wenn man dem eine öffentliche einladung [von netzleser zu netzleser] mit link zu openleaks zutwittert und dort immer noch: nix hochlade-button nirgends.

    hat also jemand schon ein neues aktuelles neues datum zum start gehört?

    —–

    erklärend nebenbei zum thema: wer die oben erwähnte polizeidrohne zur überwachung von gegendemonstranten in dresden für ein märchen hält: googelt mal den satz
    „seit kurz vor 15 uhr wird einsatz von drohnen gemeldet. was zunächst wie eine“,
    ihr kommt dann direkt zu ein paar details hierzu.

  73. @wn030 (89)

    „…mit link zu openleaks zutwittert und dort immer noch: nix hochlade-button nirgends.“

    Den wirst Du da auch nie finden, denn OL sei laut DDB rein als technische Dienstleistung gedacht – was bedeutet: Softwaredistribution.

    Um die diversen Leakingplattformen und Server/Cloud-Strukturen werden sich andere kümmern müssen.

    Das mag den wenigsten bewußt sein, was nicht zuletzt an der recht schmächtigen Öffentlichkeitsarbeit über das Projekt OL liegen mag – bei den gleichzeitigen sehr hohen Erwartungen, die es zunächst naturgemäß geweckt hatte.

    Problem: Jeder redet drüber und keiner kapiert es so richtig – bis auf ein paar Nerds, die sich schon länger intensiv mit diesen neuen Kulturtechniken beschäftigen.

    Hier käme sauber aufgearbeitete Aufkärung besser, als sich vom Medienrummel vereinnahmen zu lassen.

    Sprich: Statt einer Biographie mit vom Zeitpunkt her ungünstigen Inhalten wäre ihm und der ganzen Sache ein umfangreiches SACHBUCH besser zu Gesicht gestanden.
    Gerne gespickt mit Anekdoten und konspirativem Charme – jedoch ohne diese leidigen Details über die Person JA, sondern mit Fokus auf Weitergabe von WISSEN über die SACHE.

    Das hätte einer Bewegung sicher gut Auftrieb geben können.

  74. Naja, wenn man, wie ich es schon oft von Daniel gehört habe, sich der Genauigkeit der historischen Aufzeichnung verpflichtet fühlt, ist eine Zeitleiste und Details über das frührere Funktionieren von WikiLeaks schon die richtige Entscheidung. Ein Sachbuch brauchen wir eigentlich nicht, wenn die von OpenLeaks versprochene Wissenssammlung kommt.

    Aber die Details über Assange sind ohne Zweifel der Scheidepunkt für das Urteil über das Buch und darüber wie effektiv es als Kritik funktioniert.

  75. plörre:

    also so wie ich die antworten von DDB auf die int.fragen hierzu verstanden habe, bekommt OL sehr wohl einen uploadknopf, und zwar einen, bei dem der leaker auswählen soll, wer das dokument in erster linie erhält.
    (2 wochen später dann an andere, wenn der adressat nichts draus macht)

    wenn du für deine beschreibung einen link hast: her damit, es würde mich aber wundern, wenn DDB samt mitarbeitenden weiteren leuten sich in letzter linie zu einer noch ganz anderen struktur entschlossen hätten.

    der unterschied zwischen OL und WL ist, dass OL sich das risiko der veröffentlichung knicken will, nicht der unterschied zwischen leaken und nicht-leaken (sondern nur noch beim leaken lassen aus der ferne etwas nachhelfen)

    an primo: was wird das jetzt? dein letzter kommentar – erläuterung bitte?

  76. @wn303:
    ich beziehe mich auf das hier: http://www.netzpolitik.org/2011/openleaks-wird-nur-sicherer-briefkasten-kein-hafen/
    sowie dem Mitschnitt von dem Event letzte Woche bei der Heinrich-Böll-Stiftung, wo ziemlich deutlich wurde, WIE VIELE Leute (auch „szenenah“) sich unter OL etwas völlig anderes vorgestellt hatten.
    Was ich sagen will: da ist noch soviel im Unklaren – die „Öffentlichkeit“ hängt in der Luft, hat aber massiv Redebedarf und dann kommt dieses Buch daher.
    IMHO schlechtes Timing.

    @primo: Unerträglich. Immer und immer wieder. Möge der heilige Godwin Dir dereinst bis in alle Ewigkeit den Mund mit Seife auswaschen.

  77. genau. sicherer briefkasten. was daran sich „im dezember anders gelesen“ haben soll, keine ahnung, daniel hatte von anfang an keinen hehl daraus gemacht, dass OL sich eines der risiken sparen will, eben das der veröffentlichungsplattform.

    die gelinde gesagt leicht überraschte enttäuschung darüber [und die sich daraus ergebende hoffnung auf eine baldige dritte plattform, die dem frühen WL wieder zu gleichen in der lage wäre] ist, denke ich, mehreren bloggern, journalisten [NICHT den exklusivpartnern als ganzes medium, aber freien journis definitiv], alternativmedien, kleineren medienplattformen und weiterem interessierten netzpublikum gemeinsam (siehe z.b. zur begründung 9. abschn. auf http://wp.me/psdI6-12G – oder seiten wie http://tinyurl.com/6ft9fvf undundund.) – trotzdem ist die rede von einem uploadknopf, auch wenn wir dann auf die veröffentlichung a) in vielen fällen ewig warten dürften und b) in den meisten fällen am ende trotzdem nur ausschnitte zu sehen bekommen oder gar bloß zitate [zuverlässigkeit nicht kontrollierbar] etc.

    trotzdem uploadknopf, und so wie es derzeit um die aufnahmefähigkeit von WL aussieht, wäre wenigstens der schon mal gut zum rumtwittern wenn einem ein gedichteschreibender polizeibeamter zufällig in den dresdner twitterkanal gerät, während gerade eine polizeidrohne über nazidemo-gegendemonstranten herumfliegt.

    [wo mir bei der gelegenheit (DFO, also definiertes flugobjekt) übrigens der hut hoch geht, weil gleichzeitig hat WL derzeit alle zeit der welt, sich über UFOfragen einzelner geistig leicht bis schwer angeschlagener WL-fans auszulassen – um anschließend lange werbeminuten (spendenaufruf) nachzufügen. alles im ersten roundtable nachzugucken. WL für BLÖDleser.]

  78. ach, der herr weiß sogar besser als die betreffenden selbst wer WL-anhänger ist oder JA-anhänger. sogar assange ist deiner Meinung nach WL nicht würdig.
    das ist so wie wenn man sagen würde: ja, ich bin für schalke 04, aber bitte ohne trainer und ohne die spieler. auch ohne stadion und ohne ball.
    mann!
    JA = WL
    und wenn er sein projekt auf seine art leiten will, dann hat er alles recht dazu. er hat trotz der vielen fehler, fettnäpfchentritte und gröbere verstöße SEIN EIGENES projekt weiter geführt und hat bereits so viel aufgedeckt (etwa scientology, irak und das was kommt) und ihr macht so, als ob der gründer und macher gehen sollte damit das projekt weiter geht. JA alleine darf entscheiden, wie es mit WL weiter geht. seine weggefährten darf er und muss er auch aufgeben wenn sie sich daneben benehmen wie der peinliche möchtegern-cyber-revoluzzer wie DDB.
    ich finde es haarsträubend: keiner sagt was wenn ein unternehmer dies oder jenes tut. aber sobald es einer ist, der die welt verändert, stürzen sich alle auf ihn und schauen mit der lupe nach möglichen verfehlungen.
    hast du ein problem damit, dass die leute JA vereehren? dann fang mal schön an, auch alle anderen menschen zu verteufeln, die che guevara, martin luther king, ghandi, john lennon und wen auch immer verehren. es gibt viele menschen, die verehrt werden ohne dass sie auch nur einen bruchteil von dem erreicht haben von dem, was JA jetzt schon erreicht hat.
    das merkt man vor allem daran, wie nervös das militärische komplex ist, die vielen aufrufe gegen ihn und wie gut die verleumdungskampagnen bisher funktionieren, dass sogar niemand mehr über die leaks redet sondern nur noch über die schönheitsfehler.
    und warum regt dich auf, worüber gerade JA schreibt? die kritik an ihm ist nicht geheuer. dir geht der hut hoch weil er neben der vielen zeit, die in seine verteidigung geht und neben der zeit, die er mit seinem buch verbringt nicht das tut, was DU von ihm erwartest. was DU von SEINER plattform erwartest. ja, das ist total skandalös! er soll gefälligst nicht machen was er will! er gehört uns, nicht wahr?

  79. also zu schalke0815 kann ich nicht viel sagen (gibt’s auch einen Godwin-Gott für fußball-vergleiche?) aber zu den zielen (ursprünglichen) der WL-plattform schon, tut mir leid des hörens und lesens mächtig zu sein und die wurden nunmal via interviews und schriftlich auf der plattform selbst kommuniziert. wenn dann leider erkennbar wird, wie sich schritt für schritt WL von den eigenen, ursprünglich laut geäußerten zielen entfernt, dann kann man dies feststellen und auf etwas neues hoffen oder versuchen wegzuhören und wegzusehen bis es nicht mehr viel wegzusehen gibt.

    und :] JA-groupies sind nicht schwer zu erkennen. geh‘ mal auf eine der unzähligen \assange touched my pussycat\- und \leberkäsegate\-blogseiten im netz und guck dir die heinis (und heinInnen9 an, die da alle im chor \boah das ist ja wohl g.e.n.a.u. die CIA-planlinie!\ brüllen, ehrlich – die sind nicht schwer zu erkennen, die süßen nächsten akkukabel-trägerInnen und käseplattenfreaks.

  80. [f*ck das sieht doof aus, nach nem captcha-typo kamm der kommentar leicht lädiert an. ich poste den nochmal und wenn einer von euch gerade am aufräumen ist: kannste die kommentarkopie direkt darüber löschen?]

    viskose:

    also zu schalke0815 kann ich nicht viel sagen (gibt’s auch einen Godwin-Gott für fußball-vergleiche?) aber zu den zielen (ursprünglichen) der WL-plattform schon, tut mir leid des hörens und lesens mächtig zu sein. die wurden nunmal via interviews und schriftlich auf der plattform selbst kommuniziert. wenn dann leider erkennbar wird, wie sich schritt für schritt WL von den eigenen, ursprünglich laut geäußerten zielen entfernt, dann kann man dies feststellen und auf etwas neues hoffen oder versuchen wegzuhören und wegzusehen bis es nicht mehr viel wegzusehen gibt.

    und :] JA-groupies sind nicht schwer zu erkennen. geh’ mal auf eine der unzähligen „assange touched my pussycat“- und „leberkäsegate“-blogseiten im netz und guck dir die heinis (und heinInnen) an, die da alle im chor „boah das ist ja wohl g.e.n.a.u. die CIA-planlinie!2 brüllen, ehrlich – die sind nicht schwer zu erkennen, die süßen nächsten akkukabel-trägerInnen und käseplattenfreaks.

  81. nein, ich gehe nicht auf eine dieser pussycat-katzen. dafür gibt es keine veranlassung, die interessieren mich nicht. und ich weiß nicht, warum du das tust und warum dich das interessiert. und ich verstehe nicht, warum du so „wegsehen“ musst wie wenn WL die grätze hätte. und ich weiß nicht, warum du weiter oben von den UFOs sprichst um diese roundtable zu diskreditieren. das war eine von vielen fragen und ich finde es sehr symphatisch, dass JA sich hinstellt und auf die unterschiedlichsten fragen, die da kommen antwortet. schaut lieber selbst und macht euch selbst ein bild.

    http://www.youtube.com/watch?v=DjeYCUq7qPk&feature=player_embedded

    mir scheint es nicht so, wie wenn sich hier jemand langweilt. hier erklärt jemand wie die lage ist und was man machen kann wenn man helfen will und was die plattform will.
    alles was du geschrieben hast ist meines erachtens eine diskreditierung warum auch immer. wieso muss man bitte schön weg sehen? die plattform scheint lebendig zu sein, hat die ideale nicht verraten (oder nenne bitte quellen!) und ist einfach nur in einer misslichen situation. warum nicht warten, bis der prozess vorbei ist und WL sich wieder auf seine arbeit konzentrieren kann? ist es dann zu spät? willst du sofort DEINE persönliche plattform hier und jetzt? warum die eile? warum? also: her mit den daten wo sich WL von den zielen entfernt. ich lasse mich gerne überzeugen. ich vermute jedoch: du gehörst zu den vielen die bestenfalls nicht merken, dass sie unbewusst den mächtigen gegnern in die hände spielen. die desinformation und die verleumdungskampagne läuft von selbst, ist ein selbstläufer das ist sehr interessant zu erleben. John Perry Barlow sagte: „das schlachtfeld ist wikileaks, ihr seid die truppen“. aber leider muss man sagen: ihr seid die totengräber! und das macht ihr sogar unbezahlt. da schmunzeln die grauen eminenzen und amüsieren sich darüber…

  82. @Viskose, 96:

    JA = WL

    Das kann man so nicht stehen lassen. Was wäre WikiLeaks ohne die Quellen, ohne (vermutlich) Bradley Manning!? Was wäre WikiLeaks ohne die vielen Leute, die das Projekt finanziell und materiell unterstützt haben? Und natürlich auch ohne die Leute, die sich in den Dienst des Projektes gestellt haben, wie eben Daniel Domscheit-Berg.

    Julian ist ohne Zweifel ein Visionär und man kann argumentieren, dass nur durch dieses auf die Spitze treiben der Durchbruch für die gesellschaftliche Debatte geschafft werden konnte und die Durchsetzung dieses Kurses auch gegen Kritiker in eigenen Reihen deshalb gerechtfertigt war. Aber auch ein Visionär muss sich an seinen erklärten Prinzipien messen lassen und sich der Kritik seiner Mitmenschen stellen. Denn die müssen sein Anrecht auf Führung letztlich anerkennen. Ohne diese Anerkennung gibt es vielleicht eine Marke WikiLeaks aber keine Vision WikiLeaks.

    Wie gerechtfertigt die Kritik in diesem Fall ist und was sie für den Führungsanspruch von Assange bedeutet, steht freilich auf einem anderen Blatt und wird sich erst an seinen zukünftigen Entscheidungen und Handlungen messen lassen.

    @Primo, 92: Du hast das falsche Thema erwischt.

  83. viskose:

    lassen wir einmal stehen, warum der rest der bisherigen WL-clique sich so schwer damit tut, vertikale machtstrukturen zu erkennen und sich selber mti der kritik daran ernsthaft auseinanderzusetzen.

    nochmal gerafft und in auswahl der kritikpunkte. wir hätten hier
    a) einen JA, der von journalisten immer lauter einfordert, als ebensolcher, eben als journalist bezeichnet zu werden.
    b) gleichzeitig tut sich selber „journalist“ extrem schwer damit, eigene texte zu verfassen, von der nanny, die dann zum redenschreiben ran muss bis zum ghostwriter bei der „autobiographie“.
    c) selbigem „journalisten“ müssen die mitglieder mehrerer redaktionen gleichzeitig heftig zureden, um ihm auch nur eine der grundregeln dieses jobs zu verklickern (ja, es geht um die namenschwärzung).
    d) wir haben es hier mit einem zu tun, der kurzerhand einen holocaustleugner, einen ziemlich widerlichen antisemiten anheuert (nachdem übrigens selbst eingeschworenste ehrenamtliche mitarbeiter ihre recherche-flugtickets in den irak selber bezhlen durften).
    e) das tut er übrigens nicht, weil er die ausrichtung des typen nicht kennt, er macht das im vollbewusstsein dessen, was er da tut (überlegung, welches pseudonym der typ erhalten soll, damit die supporter nicht auf die bude steigen)

    undundundundund. brauchst du mehr punkte? JA ist begabt für ein paar sachen, manche anderen dagegen weiß er perfekt in den sand zu fahren. diskussionsfähigkeit (gruppendiskussion) und teamgeist ist bei einem netzwerk, das nur als netzwerk überleben kann, fundamental, und genau von diesen qualitäten hat JA nicht einmal im promillebereich.

    WL ist und wäre nichts ohne die eingereichten dokumente. die leaker sind die einzigen leute, vor denen man im bezug auf WL den hut ziehen kann. und: WL wäre nichts ohne die leute, die ihre arbeit reingesteckt haben. nicht ohne grund ist die mitnahme der programmierung die natürlichste vorgehensweise, wenn man es mit einem menschen zu tun hat, der plötzlich mit „I am the heart and soul… if you don’t like it, piss off“ um sich wirft.

    zum video: viel spaß dann bei den nächsten UFO-leaks, schon mal vorab beste grüße an den lieben kai. zur erinnerung: wer sich die anderen fragen aus dem wlquest-channel nochmal ansehen will, die sind hier: http://tinyurl.com/4dvkt34 wlquest 1 — http://tinyurl.com/6zmz78p wldiscuss to nr1 — http://tinyurl.com/6yxe739 wlquest 2 —

    birgittas satz – ihre empfehlung an das wl-team, sich mal ernsthaft mit den internen vertikalen enscheidungsfindungsstrukturen zu beschäftigen, wäre auch heute noch einem jeden zum nachlesen ans herz zu legen, der das damals verpasst hat. ein ausschnitt daraus ist nach leichtem herunterscrollen hier zu finden: http://tinyurl.com/2u4ul5z („“…wikileaks has grown so much in the last few months but the needed structure of more horizontal nature has not grown the same – most of us working as volunteers for wikileaks do not feel at ease with pyramid structure in power.”)

  84. noch ein allerletztes mal.

    @avi 100: wie immer sehr vernünftig und nachvollziehbar, danke.

    wikeleaks gabs schon vor manning und alle, die das projekt unterstüzt haben und vor allem die, die dies jetzt gerade tun, tun dies nicht trotz sondern wegen JA.
    man verlässt das boot nicht wenn die see rau wird und man hört nicht auf jene, die darauf hoffen und zuarbeiten, dass das boot kentert.

    das was hier passiert, die ganze „schlammschlacht“ ist meiner meinung nach gewünscht. hier steht´s schwarz auf weiß:

    http://blogs.sueddeutsche.de/feuilletonist/2011/02/10/plane-fur-angriff-auf-
    /#comments

    bzw. hier:

    http://crowdleaks.org/anonymous-retaliates-against-hbgary-espionage/

    hört auf euer herz.
    adieux

  85. viskose:

    lassen wir einmal stehen, warum der rest der bisherigen WL-clique sich so schwer damit tut, vertikale machtstrukturen zu erkennen und sich selber mti der kritik daran ernsthaft auseinanderzusetzen.

    nochmal gerafft und in auswahl der kritikpunkte. wir hätten hier
    a) einen JA, der von journalisten immer lauter einfordert, als ebensolcher, eben als journalist bezeichnet zu werden.
    b) gleichzeitig tut sich selber “journalist” extrem schwer damit, eigene texte zu verfassen, von der nanny, die dann zum redenschreiben ran muss bis zum ghostwriter bei der “autobiographie”.
    c) selbigem “journalisten” müssen die mitglieder mehrerer redaktionen gleichzeitig heftig zureden, um ihm auch nur eine der grundregeln dieses jobs zu verklickern (ja, es geht um die namenschwärzung).
    d) wir haben es hier mit einem zu tun, der kurzerhand einen holocaustleugner, einen ziemlich widerlichen antisemiten anheuert (nachdem übrigens selbst eingeschworenste ehrenamtliche mitarbeiter ihre recherche-flugtickets in den irak selber bezhlen durften).
    e) das tut er übrigens nicht, weil er die ausrichtung des typen nicht kennt, er macht das im vollbewusstsein dessen, was er da tut (überlegung, welches pseudonym der typ erhalten soll, damit die supporter nicht auf die bude steigen)

    undundundundund. brauchst du mehr punkte? JA ist begabt für ein paar sachen, manche anderen dagegen weiß er perfekt in den sand zu fahren. diskussionsfähigkeit (gruppendiskussion) und teamgeist ist bei einem netzwerk, das nur als netzwerk überleben kann, fundamental, und genau von diesen qualitäten hat JA nicht einmal im promillebereich.

    WL ist und wäre nichts ohne die eingereichten dokumente. die leaker sind die einzigen leute, vor denen man im bezug auf WL den hut ziehen kann. und: WL wäre nichts ohne die leute, die ihre arbeit reingesteckt haben. nicht ohne grund ist die mitnahme der programmierung die natürlichste vorgehensweise, wenn man es mit einem menschen zu tun hat, der plötzlich mit “I am the heart and soul… if you don’t like it, piss off” um sich wirft.

    zum video: viel spaß dann bei den nächsten UFO-leaks, schon mal vorab beste grüße an den lieben kai. zur erinnerung: wer sich die anderen fragen aus dem wlquest-channel nochmal ansehen will, die sind hier: http://tinyurl.com/4dvkt34 wlquest 1 — http://tinyurl.com/6zmz78p wldiscuss to nr1 — http://tinyurl.com/6yxe739 wlquest 2 —

    birgittas satz – ihre empfehlung an das wl-team, sich mal ernsthaft mit den internen vertikalen enscheidungsfindungsstrukturen zu beschäftigen, wäre auch heute noch einem jeden zum nachlesen ans herz zu legen, der das damals verpasst hat. ein ausschnitt daraus ist nach leichtem herunterscrollen hier zu finden: http://tinyurl.com/2u4ul5z (““…wikileaks has grown so much in the last few months but the needed structure of more horizontal nature has not grown the same – most of us working as volunteers for wikileaks do not feel at ease with pyramid structure in power.”)

  86. tja, ich muss doch antworten.
    a)na und? was geht das uns an?
    b)na und? was geht das uns an?
    c)na und? was geht das uns an?
    d)shit happens! fehler sind menschlich.
    e)dann weiß er vielleicht etwas was wir nicht wissen, ist aber kontraproduktiv.

    JAWOHL! ich brauch mehr punkte denn sonst geht es hier lediglich um jemanden, der keine hierarchie erträgt. das tue ich persönlich auch nicht, aber wenn es denn der wahrheitsfindung dient, zum teufel, dann pfeift man auf persönliche problemchen damit und unterwirft sich der idee. kein teamgeist? aber ein begnadeter frontmann, der die massen zieht. und es geht hier nicht um \deutschland sucht die demokratischste firma\ sondern um die sache.
    er kann nicht im promillebereich überleben? mal schauen, kommt drauf an ob diese kritiker mit ihrer gekränkten, schein-demokratisierenden profilsucht ihn überleben lassen und nicht dauernd von den zielen ablenken.
    die kritiker nutzen gerade die tatsache, dass die wichtigste person eine fussfessel hat und ein buch liefern muss. so lässt sich leicht kritisieren. mal schauen wie laut sie sind, wenn WL wieder fesselfrei arbeiten kann.

    \WL ist und wäre nichts ohne die eingereichten dokumente…\
    Und diese dokumente wären ohne WL womöglich niemals veröffentlicht worden wie die ganzen jahrhunderte vorher. vor allem nicht ohne so einen draufgänger wie JA.

    “I am the heart and soul… if you don’t like it, piss off”

    in der tat das ist neu.
    das klingt nach \rock and roll\ und das ist ja das neue. früher war politik langweilig und undurchsichtig. jetzt ist es eine res publica und das haben wir leider solchen leuten zu verdanken wie JA, der wie ein pop star die massen ziehen kann, der so mächtig und bekannt geworden ist, dass man ihn nicht einfach unbemerkt unterbuttern kann. eine weichei-plattform wäre schon längst platt gemacht worden und hätte den namen alle ehre gemacht.

    \viel spaß dann bei den nächsten UFO-leaks…\
    solche aussagen zielen allein der diskreditierung.

    okay ich habe immerhin folgendes verstanden: es geht also doch nur um die gekränktheit, dass es vertikale strukturen gibt. und dass man selbst nicht damit klar kommt. nur frage ich mich: was interessiert uns das, wir, die schon seit menschengedenken in vertikalen systemen leben. warum muss (und das ist typisch deutsch) alles immer zu gleichmacherei werden. warum schüttet man das kind mit dem bade aus, warum bringt man wl in gefahr, nur weil man persönlich (z.b. DDB) beleidigt ist weil man sich ungerecht behandelt fühlt und man basisdemokratie in der eigenen firma will.

    ich habe gestern zufällig matrix geschaut und mich hat cypher an die kritiker JAs erinnert. cypher hat die schauze voll dass morpheus der tolle hecht ist und vertikal über ihn steht. ganz zu schweigen neo! der wird von allen geliebt, und trinity liebt neo, dabei hätte ER, cypher gerne diese frau rumgekriegt. warum liebt man nicht ihn, den super coolen cypher. also verrät er die gesamte organisation, denn er möchte wieder saftige steaks essen können, die wahrheit ist ihm egal, auch was mit den anderen in der crew passiert. so bringt er die ganze mission in gefahr aus persönlichen gründen.
    wer visionen hat, soll bekanntlich zum arzt. wer vertikale strukturen nicht verträgt, sollte sich horizontal hinlegen und in sich gehen: wann haben horizontale strukturen zum letzten mal großes bewirkt? die massen wird man mit vertikalkritik immer hinter sich wissen. aber es geht immer darum, was am ende dabei raus kommt.

    1. Das komplette Zitat lautet: „I am the heart and soul of this organization, its founder, philosopher, spokesperson, original coder, organizer, financier and all the rest. If you have a problem with me, piss off.“
      Nachzulesen hier: http://www.wired.com/threatlevel/2010/09/wikileaks-revolt/

      Hört sich weniger nach „Rock ’n Roll“ an für mich, sondern eher nach einer kompletten A-Loch-Mentalität.
      Mit jemandem der so auf die Kacke haut, hätte ich auch keine Lust zusammen zu arbeiten egal wie wichtig dass, was er tut, ist.

  87. Auch wenn ich die Wortwahl am Ende des Zitats mehr als unglücklich finde, im Prinzip darf man so als Boss eines Unternehmens denken.
    Diesen Gedanken derart offen auszusprechen halte ich aber für sehr undiplomatisch.
    Nachdem ich nun das Buch von Daniel Domscheit-Berg gelesen habe, behaupte ich folgendes:
    Daniel Domscheit-Berg hatte von Anfang an zuviel in diese Beziehung zu Julian Assange hinein interpretiert.
    Für Julian Assange war Daniel Domscheit-Berg zu keinem Zeitpunkt ein Gleichgestellter.
    Wenn man sich durchliest wie Julian Assange mit Daniel Domscheit-Berg umgegangen ist, wird klar, dass Daniel Domscheit-Berg von Anfang an nur ein Mitarbeiter war. Zwar der erste Mitarbeiter, aber nicht mehr und nicht weniger.
    Solche Beziehungen gibt es zu Hauf.
    Jemand hat eine Idee und gründet ein Startup. Irgendwann braucht diese einzelne Person weitere Mitarbeiter. Deshalb sind diese nicht gleich als Gleichgestellte anzusehen.
    Sie stehen dem Gründer evtl. näher als andere noch folgende Mitarbeiter, aber das war’s dann auch.

  88. Sehe ich auch so. Außerdem sollte man nicht vergessen, dass im besagten Gespräch (das DB unrühmlicherweise veröffentlicht hat!) DB ihn quasi als diktator beschimpft hat. da ist es doch nur folgerichtig, dass jemanden der Kragen platzt und dann so eine Aussage heraus kommt, die ja in der Sache sogar richtig ist.

  89. @Mafalda, 107: Hat er das veröffentlicht? Das Chatprotokoll wurde damals geleakt, wer dafür verantwortlich war, ist glaube ich nicht klar. Ist zwar naheliegend, dass es einer der beiden Beteiligten war, aber es ist durchaus denkbar, dass Dritte, denen das Protokoll zugänglich gemacht wurde, das dann an die Öffentlichkeit weitergegeben haben.

    Zum Thema Unternehmen:

    Es ist ja schön, dass der WikiLeaks-Spin so gut funktioniert hat, dass viele das Projekt nun als Firma verstehen. Nur das ist es eben bis jetzt nicht gewesen. Daher zieht auch der Vergleich mit dem Chef, der das Sagen nur bedingt. Eine Treuepflicht gegenüber dem Arbeitgeber gibt es so nicht. (Aber selbst wenn es sie gebe, sind sich hoffentlich alle der Ironie bewusst, wenn wir hier über eine „Firma“ zur Förderung von Whistleblowing sprechen.)

    WikiLeaks würde ich als Gruppe von Transparenzaktivisten eher als politische Organisation verstehen. Und dass es in einer solchen regelmäßig zu Umstrukturierungen kommt, insbesondere wenn es Unzufriedenheit mit der Führung gibt, ist ziemlich normal und an sich auch gesund.

    Bleibt, worauf ich immer wieder zurückkomme, die Frage nach der Legitimität. Aber sagen wir mal so, wenn die Darstellung von Daniel stimmt. Das heißt eine Kerngruppe der Organisation, die wesentlich zu ihrem Erfolg beigetragen hat, wollte Veränderungen. Die gewachsene Führung in Person von Julian hat sich gegen jede Diskussion über Veränderungen gesperrt und konnte die Notwendigkeit des entgeschlagenen Kurses nicht mehr überzeugend kommunizieren. Die Mehrheit dieser Gruppe verließ daraufhin WikiLeaks. Dann fände ich es fair Julian eine Reformresistenz und irgendwo auch mangelnde Führungsstärke zu unterstellen. Was immer noch nicht heißen muss, dass er mit seinem Kurs falsch liegt, was aber für die Zukunft von WikiLeaks durchaus negative Auswirkungen haben könnte.

    Schließlich noch zum Zeitpunkt der Debatte. Der ist sicherlich schlecht gewählt, allerdings ist meines Erachtens nicht absehbar, wann es einen besseren geben soll. Allein das Auslieferungsverfahren nach Schweden, kann sich je nach Anzahl der Berufungsinstanzen in England lange ziehen. Genauso danach ein potentielles Verfahren in Schweden, ein potentielles Auslieferungsverfahren in die USA und der entsprechende anhängende Prozess. Der Zeitpunkt ist, würde ich sagen, daher genauso schlecht wie jeder spätere zumindestens nach dem, was sich jetzt so abzeichnet.

  90. @avi 108
    Ja, er hat das Chatprotokoll in seinem Buch „Inside Wikeleaks“ veröffentlicht. Das Protokoll kursiert zwar auch im Internet. Dennoch: die Tatsache, dass er diese Interna abdruckt spricht nicht gerade für einen Mitarbeiter, dem man auf Dauer vertrauen kann.
    Hier ein Ausschnitt aus dem sehr empfehlenswerten Kommentar in Andruck (Deutschlandfunk):

    Zwischen den Zeilen wird allerdings klar: Eine echte Männerfreundschaft hat es nie gegeben. Bis zu seinem endgültigen, selbst gewählten Ausstieg ist Domscheit-Berg seinem Idol immer nur hinterhergelaufen. So zeigen in dem Buch abgedruckte Chat-Protokolle, dass Domscheit-Berg generell viel mehr Kontakt zu Assange suchte als umgekehrt. Dass die gesamte Kommunikation asymmetrisch war. Dass der sieben Jahre ältere Wikileaks-Chef sich zumeist bedeckt hielt und nur wortkarg antwortete. Mitarbeiter Domscheit-Berg war offenbar gefangen in einer engagierten, aber hörigen Haltung…

  91. @83 thaniell: Wo war jetzt da die abweichende Meinung?

    Für mich sind weder JA, DDB noch BM Helden. JA habe ich als sehr reflektierte Person kennengelernt. DDB ist viel vernünftiger und umgänglicher, und kriegt gerade persönlich die Breitseiten ab. Das muss DDB verletzen, weil er hohe Standards sich setzt. Weder JA noch DDB haben die Infrastruktur entwickelt, sie haben ein Medienprodukt generiert aus bestehenden Techniken.

    Meine Vorbilder sind für mich alle, die zu der Verbesserung der Gesetzlage zum Dokumentzugang beitragen, nicht die Vigilanten.

  92. @Mafalda, 109: Naja, nicht nur „kursierte“. Andere Medien haben das Protokoll schon im Herbst letzten Jahres abgedruckt. Insofern finde ich es nicht so schlimm, dass nochmal im Buch abzudrucken. Genauso andere unveröffentlichte Protokolle, wenn er die Beteiligten vorher nach ihrer Zustimmung zum Abdruck gefragt hat. (Ich glaube des gibt auch einen Chat zwischen Daniel und Birgitta Jónsdóttir.)

    Die Interpretation aus dem Kommentar ist natürlich durchaus möglich. Das ist ja letztlich auch die Frage: Geht es hier, um ein paar grummlige Nerds, die beleidigt abgezogen sind, als ihnen ihr Idol keine Liebe mehr geben wollte, oder um Aktivisten, die aus ihren eigenen Erfahrungen und Wissen heraus die Notwendigkeit von Veränderungen gesehen haben, aber bei Julian stattdessen mit dem Aufruf zum Gehorsam in Krisenzeiten abgespeist wurden?

    Dafür, dass es bei Daniel nicht allein, um die persönliche Beziehung geht, spricht zumindestens, dass er nicht als einziger gegangen ist und dass er das Thema intellektuell ähnlich gut durchdrungen hat wie Julian, also „fachlich“ durchaus zu einer anderen Bewertung kommen kann.

  93. avi/mafalda

    mann das hatte in dem thread hier aber gedauert, dass es mal einer aussprucht. WL als infodealer-company wäre die einzige institution, die systembedingt einen „chef“, „founder“ hätte begründen können. soll es in diese richtung laufen (fett bezahlte exklusivleaks als zukunft), muss das klar raus. wieviele „donations“ und „volunteers“ WL danach hat, kann man sich dann denken.

    politische organisation vom inhalt her, von den erklärten zielen her. von der strukturellen organisation her ein n.e.t.z.w.e.r.k.

    die vertragen weder chefallüren, noch founder-märchen (die dem märchenerzähler übrigens sofort in den rücken fallen müssen, weil: sich seit dem apache-video konsequent als „founder“ aufspielen, hinterher bei den supportern um hilfe brüllen, weil die USA ihn nun als den kopf sehen, der nur absgeschlagen werden muss, um dem WL-spuk ein ende zu machen – das ist dann, sry, assanges eigenes problem.) –

    netzwerke vertragen weder chefallüren, noch founder-märchen, noch entpricht diese haltung dem arbeitseinsatz der leute, die zum bisherigen gelingen der plattform beigetragen haben.

    viskose ignoriere ich mal. wer themen wie wikileaks bei „rock und pop“ mit künstlerallüren ansiedelt, dem ist, denke ich, nicht mehr zu helfen. viskose: gründe doch einen (weiteren) assange-fanclub, davon gib’s zwar schon genug, einen weiteren akkukabelträger wird julian aber früher oder später sicher gut gebrauchen können.

    die weiteren punkte übrigens sind zu finden, wenn du etwas klickst und suchst, links dafür waren und sind angegeben (s.o.) und wenn du dann wirklich immer noch einen brauchst, klick mal auf home, dann auf „Google gründet Institut für Internet und Gesellschaft in Berlin“ und folge dem privatmail-link.

    das alles aus lauter geduld, denn sry, die von Dir ja großzügig als „irrelevant“ abgestempelten puntke sind es eben manch anderen augen absolut nicht, zuminest nicht für jemanden, der die sprecheraufgabe für wl übernimmt (das tut JA ja immer noch).

  94. Man kann geteilter Meinung sein wenn es um die perfekte Umsetzung einer Idee wie Wikileaks geht.
    Ausschlaggebend ist aber welche Umsetzung sich der Ideengeber und Gründer vorgestellt hat.
    Wenn Julian Assange alleine an der Spitze einer Bewegung stehen wollte, dann hat sich das sicher in der von ihm gewählten Organisationsform und seinem Führungsstil widergespiegelt.
    An dieser Stelle kann man sein Zitat wiederholen. Denn das ist ohne Abstriche gültig.
    Ich sehe da keinen Platz für Basisdemokratie.
    Auch wenn andere sich die Umsetzung der Idee namens Wikileaks anders vorstellen würden. Das war offensichtlich nicht das was Julian Assange wollte.

  95. es gibt keinn wikileaks mit einem chef an der spitze.

    da ist assanges ego-tick ziemlich irrelevant. was hier zählt, sind die ressourcen, auf die WL angewiesen ist: mitarbeit von (unbezahlten) freiwilligen und spenden.

    jeder, der da versuchen wöllte, auf pyramiden zu klettern, dürfte bereits am erhöhten fundament scheitern.

    abgesehen ist das bereits oben gegenargumentiert worden: der aufschrei, als die US-regierung JA zum erzfeind erklärt hatte, mit dessen erledigung sich das gesamtproblem WL erledigt, war groß und JA’s eigener aufschrei war darunter nicht eben leise deutlich zu erkennen.

    was zählt, ist, denke ich, die grundidee hinter wikileaks, und die bleibt, auch wenn sich wikileaks selber seit längerem von ihr verabschiedet (exklusivverträge). diese grundidee will und wird überleben, diese hoffnung gebe ich nicht auf. sie wird es nicht in openleaks, OL will das erbe erklärtermaßen nicht antreten (keine veröffentlichungsplattform). es bleibt zu hoffen, dass die nächste seite nicht allzulange auf sich warten lässt, die bisherigen alternativen haben alle eine andere schattierung (plattformen von medien z.b.), ein echter WL-nachfolger ist meines erachtens noch nicht zu erkennen.

  96. @lem, 114: Wenn ein Künstler ein Werk schafft, trifft das vielleicht zu. Da kann man sich nicht einfach dazustellen, einen Pinsel greifen und mitmalen. Aber sobald man der Führer eine Gruppe ist, gibt es eine andere Dynamik. Alles andere wäre tatsächlich totalitär. Aber vielleicht sieht Julian sich ja als Künstler und WikiLeaks ist ein Kunstwerk oder wie Bruce Sterling sagte ein planetarer Hack.

    Also, ehe ich jetzt nochmal eine Phrase à la „das ist letztlich die Frage“ verwende, stelle ich hier mal für mich fest, momentan steht Aussage gegen Aussage. Entweder andere Personen oder Dokumente bestätigen oder widerlegen Daniels Version der Dinge oder die angekreideten Misstände manifestieren sich bei WikiLeaks als klar erkennbare Probleme. Die Kritik erscheint mir zwar plausibel, inwieweit sie wirklich ins Schwarze trifft und welche Schlüsse man nun daraus ziehen muss, ist mir aber irgendwie unklar.

  97. Mir kommt in der ganzen Diskussion über Domscheit-Bergs Buch bzw Wikileaks ein Aspekt zu kurz: Selten ist ein neues Projekt von den großen, immer gern als seriös bezeichneten Zeitungen und Zeitschriften so unkritisch und lang anhaltend bejubelt worden wie wir es bei WL erlebt haben.
    Anzeichen, dass Vieles von dem, was Domscheit-Berg und Assange verbreiteten, nicht stimmen konnte, gab es schon sehr lange. Ernsthaft nachrecherchiert haben nur wenige, während die Ungereimtheiten und offenkundigen Lügen von der Mehrzahl der Kollegen lieber ignoriert, wegerklärt oder später dann eher beiläufig vermeldet wurden.
    Dass man sich nun lieber mit Leberkäse und traumatisierten Katzen als mit den am Ende des Buchs von Domscheit-Berg zusammengestellten offenen Fragen, die dringend recherchiert und damit geklärt werden müssten, beschäftigt, tja, das passt ins Bild.

  98. Elke:

    das hängt damit zusammen, dass ein projekt wie WL für medien (anfänglich für alle, jetzt nur für die, die noch als exklusivpartner in frage kommen) mehr als nur interessant ist.

    WL in seinem ehemaligen, ursprünglichen zustand (annahmefähig und mit sofortiger publikation der eintreffenden dokumente) lässt sich mit genügend kritischem blick auf die entwicklung der medienlandschaft sogar als essenziell für den journalistischen beruf bezeichnen. selbstverständlich braucht das prinzip eine mediale rückendeckung.

    wir haben es heute mit problemen nicht nur im bereich vorbereitung auf den beruf zu tun (siehe jüngste entwicklung in leipzig), die zähe gute alte feindin PR ist auf strammem vormarsch, sie weiß journalistische arbeit auf der ganzen bandbreite ihres feldzugs anzugreifen.

    eine plattform, die insoferm gleichzeitig ein korrektiv für die öffentlichkeit bieten kann (eine möglichkeit zur überprüfung getroffener aussagen in beiträgen zu dokumenten, einsehbar sofort und ohne einschränkung für alle) und gleichzeitig rohmaterial-pool für journalistisch tätige dient, ist als grundidee etwas zu wertvoll, um sie unvorsichtig und blind anzugreifen.

    dies in bezug auf die paar positiven beiträge, die zu WL geschrieben wurden (beispielsweise kurz nach den war diaries eine kleine serie durchaus gelungener theoretisch weiter ausgreifender beiträge zum datenjournalismus), insgesamt aber ist die behauptung, WL hätte lange nur positive presse gehabt, übertrieben. auf das sexpressen-niveau beispielsweise sind auch hierzulande viele abgefallen, selbst die taz wußte es eines schönen gerichtstages nicht besser als just zum gerichtstermin einen beitrag zu publizieren, der sich wie ein entrüsteter privat-tagebucheintrag des tazautors las (geschrieben v.a. für die wütende freundin zuhause, mit sätzen a lá „bei dem klappt das im bett mit der kommunikation nicht so richtig“ – extrem hochrelevante frage für die auseinandersetzung einer zeitung mit einer rohmateriallieveranten-plattform).

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