Wissen

Reto Hilty: „Deins, meins, unseres. Kulturen des Urheberrechts.“

Beim Netzpolitischen Kongress der Grünen hielt Reto Hilty vom Max-Planck-Institut für Geistiges Eigentum, Wettbewerbs- und Steuerrecht einen anregenden Vortrag zu Geschichte, Status Quo und Perspektive des Urheberrechts. Jörg Tauss‘ Feststellung, dass Hilty einer der wenigen vernünftigen Menschen sei, die er zu dem Thema gehört habe, erschien mir spontan plausibel.


netzpolitik.org - ermöglicht durch Dich.

Hilty führte die Zuhörer von der ursprünglichen Maxime des Urheberrechts, die Kulturschaffung zu fördern zu Beispielen dafür, wie das heutige Urheberrecht genau das Gegenteil bewirkt. Das primäre Ziel einer Reform müsse der Erhalt bzw. die Herstellung des Wettbewerbs insbesondere bei der Bereitstellung sein, um zu besseren Bedingungen für Urheber und Konsumenten zu führen.

Während des Vortrages bin ich mit dem Notieren der wichtigsten Aspekte kaum hinterhergekommen, deshalb bin ich froh, dass es eine Kurzversion von Hilty selbst online erhältlich ist. Lesenswert in jeder Hinsicht. 3 Seiten, hier geht es lang. Ich werde mich bemühen, auch das vollständige Redemanuskript oder eine Aufzeichnung des Vortrags zu organisieren.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
9 Kommentare
  1. Ps. Und was die Urheberdebatte angeht, so habe ich sowieso eine ganz eigene Meinung. Nämlich eine (allgemein nicht so angesagte) vollständig konservative Meinung.

    Bis nächste Tage, muß mich nochmal in einem anderen Forum blicken lassen, sonst werde ich geköpft, ggf. vorher noch ausgepeitscht. :-)

  2. @1, die hohe Moralinstanz des Internets hat ihn also zur persona non grata erklärt.

    ps. ist ja toll das du ne Meinung zum Urheberrecht hast, sie ist sogar unangepasst…

  3. Wow, ich liebe die Max-Planck-Gesellschaft, wusste gar nicht, dass die auch dafür ein eigenes Institut haben … dass Hilty in seiner Kurzversion aber allgemein von „Urheberrechtsindustrie“ und nicht „Inhaberrechtsindustrie“ redet, finde ich jedoch komisch, denn er erwähnt eingangs ja kurz den Unterschied zwischen der angelsächsischen Copy-Right- (rechtspositivistisch) und kontinentaleuropäischen bzw. französischen Droit d’Auteur-/Urheberrechtstradition (moralistisch?), die meines Wissens auch deutlich älter als 200 Jahre (18. Jhdt.) ist. Dennoch: Danke!

  4. @#4 Kapelle:
    Kodifiziert als Recht gibt es das Urheberrecht auch in Kontinentaleuropa erst seit dem 19. Jh.

    Mir stieß allerdings auch seltsam auf, daß Herr Hilthy permanent davon spricht, die Industrien würden sich das Urheberrecht übertragen lassen. Nur ist das Urheberrecht personal und nicht übertragbar. Auch wenn das de facto keinen Unterschied macht, weil sich viele Unternehmen tatsächlich sämtliche Verwertungsrechte übertragen lassen, so daß der Autor mit seinem Urheberrecht gar nichts anfangen kann, bleibt es doch ein juristischer wichtiger Punkt. Denn einzig und allein der Urheber kann darüber entscheiden, welche Verwertungsrechte er wem abgibt. Oder eben nicht. Was eben auch bedeutet, daß jeglicher Vertrag mit einem Verlag etc. gelöst werden kann, um eine andere Verwertungsform zu finden. Das ginge nicht, würde tatsächlich das Urheberrecht abgegeben werden. (siehe hierzu §29 UrhG) Aber vielleicht habe ich da auch irgendwas mißverstanden.

    Unabhängig davon ist das auf jeden Fall einer der sinnvollsten, nicht zuletzt weil unideologischen und realistischen Beiträge zum Thema, die ich bisher lesen konnte.

  5. Letztendlich sehe ich in der bisherigen undifferenzierten Urheberrechts-Diskussion bei den Argumenten von Herrn Reto Hilty die Hoffnung, dass das Thema mal im Grundsatz, also geschichtlich durchgängig abzuarbeiten, durchaus Sinn macht. Es wird immer viel diskutiert und argumentiert von einem Weg aus der „Ist-Situation“ zu einer neuen Lösung zu kommen. Er versucht, so entnehme ich zumindest dies dem kurzen Beitrag, differenziert (Kultur, Wissenschaft, Presse) die einzelnen Themenbereiche anzugehen. Er stellt auch in Aussicht, dass wohl nur kleine Schritte zu einem Erfolg führen werden.
    So will ich diese Problematik auch gerne diskutiert sehen, aber derzeit stehen die Zeichen eher auf Sturm (Abmahnwahn, Three Strikes, Behinderung des wissenschaftlichen Gedankenaustausches von Staats/Wirtschaft wegen etc.). Die Stimmung ist auf allen Seiten zu stark aufgeheizt um Hoffnung zu haben das eine Bewegung, wie Herr Hilty sie wohl sieht, zustande kommen kann.
    Schade …
    PS: Ich sehe Herrn Tauss nicht als verurteilten …(was auch immer) sondern als einen guten Politiker in Sachen Datenschutz- und Internet. Insofern sollte man solche persönlichen Angriffe als aufgeklärter Bürger unterlassen (meine Meinung).

  6. Die verlinkte Kurzversion ist ja ganz nett, enthält aber im Grunde genommen nur leere Aussagen. Man kann es in zwei Sätzen zusammenfassen:

    Das Urheberrecht muss reformiert werden. Dafür brauchen wir eine differenzierte Lösung, die den Kreativen zu Gute kommt.

    Mehr steht da nicht.
    Im Übrigen finde ich einige Aussagen von Hilty in der Kurzversion auch undifferenziert. Das Copyright in England bereicherte in erster Linie die Verleger, nicht die Autoren? Natürlich tat es das. Könnte daran liegen, dass genau das das Ziel des Copyrights war, nämlich: Investitionen schützen, nicht den kreativen Denkprozess. Das ist der Grundlegende Unterschied des angloamerikanischen „Copyrights“ gegenüber dem deutschen Urheberrecht, welches die kreative Leistung an sich schützt.

    Ich vermute aber mal stark, dass sich die Erkenntnis aus diesem Text in Grenzen hält, weil es eher ein Abstract für ein breites Publikum und nicht unbedingt auf das Fachpublikum zugeschnitten ist. Von daher wäre es interessant, mal etwas längeres von ihm zu lesen/ die Forderungen und Argumente von ihm in „aufgeschlüsselter“ Form anzuschauen. Erst dann kann man sagen, wie überzeugend Hilty wirklich ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.